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Anwesen der Familie Cerrou

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Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Di Jan 23, 2018 1:43 pm

Von der Strasse aus führt eine breite, mit weissen Kieseln gesäumte Auffahrt hinauf zu einem schmiedeeisernen Tor. In schlichter Eleganz prangt dort inmitten schlanker Speere, die am oben Ende mit goldenen Spitzen versehen sind, der ebenfalls goldene Buchstabe C, von schmiedeeisernen Ranken umwunden. Die Händler-Dynastie, deren letzter Erbe Jayan Cerrou ist, befand es praktischer es bei diesem einen Buchstaben zu belassen, anstatt in jeder Generation das Monogramm auszutauschen. Das Tor wird dem angekündigten Besucher von zwei Wachen geöffnet, und ebenso lautlos wie es sich öffnet, schliesst es sich auch wieder hinter ihm.

Das grosse, herrschaftliche Haus, welches man ab hier schon sehen kann, erinnert mit seinen vielen Erkern, Giebeln, Kuppeln und Zinnen fast schon an ein kleines Schloss. Die Mauern sind - wie die meisten Gebäude in Bangalore - schneeweiss getüncht um die Ausläufer des heissen Wüstenklimas abzumildern, welches man dem benachbarten Tragalun zu verdanken hat. Die Bauweise ist offen und luftig gehalten, Balkone und Terrassen verbinden die Räume und Wohnbereiche untereinander. Fenster und Türen haben gern verspielte Rundungen und Bögen, und allüberall ist das Plätschern von Wasser zu hören. Es sprudelt aus Springbrunnen und Wasserspeiern, rinnt in kleinen Wasserfällen die Wände hinunter und wird von steinernen Becken aufgefangen, von wo es durch Rinnen und Kanäle weiter fliesst.

Alles Wasser sammelt sich in einem grossen, ovalen Becken inmitten eines atriumartigen Innenhofs, der das Zentrum des Gebäudes bildet. Hier kann man baden und sich abkühlen. Bei Nacht kann man hier auf Kissen unter den Sternen sitzen, in der Mittagshitze sorgen Segel und Markisen für angenehmen Schatten. An Spalieren klettern Ranken und Stauden die Mauern hinauf und sorgen für bunte, duftende Blütenpracht. Dazwischen schwirren Vögel und schillernde Insekten. Nicht alle Pflanzen und Tiere sind ungiftig, man sollte sich vorsehen wonach man die Hand ausstreckt. Im Inneren des Hauses gibt es selbstredend eine Vielzahl von Räumen, Zimmern und anderen Überraschungen zu entdecken. So ist zum Beispiel der hintere Teil des Hauses in den Berg hinein gebaut, was in Bangalore ebenfalls keine Seltenheit ist - aus schlichten Platzgründen. Hier herrscht stets eine angenehme Kühle, selbst im Hochsommer, sowie sehr dämmrige Lichtverhältnisse. Hier befinden sich die Schlaf- und Arbeitsgemächer des Hausherrn. Aus dem Inneren des Berges werden auch die Wasserspielereien gespeist, sowie der Garten bewässert.

Das Grundstück wird von einem hohen Zaun umfriedet, der aus demselben Material besteht wie das Tor. Er ist etwa 2,50m hoch und oben mit Spitzen bewehrt. Ausserdem patrouillieren auch dort immer einige Wachen. Ausser auf der hinteren Seite, dort ragt eine steile Felswand auf und verhindert, dass man sich von dieser Seite dem Gebäude nähert. Da schon einiges Geschick erforderlich ist um den Zaun zu überwinden, wird im Fall dass jemand dabei erwischt wird, kriminelle Absicht vorausgesetzt. Die Wachen hauen im Zweifel erst drauf und fragen später, auf Diskussionen lassen sie sich nicht ein. Sie sind gerüstet und mit Schwertern bewaffnet, manche haben auch Armbrüste, und können als geübte Gegner angesehen werden.

(in Arbeit)
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Mi Jan 24, 2018 6:08 pm

cf: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

Mar konnte die Augen nicht von der Landschaft lassen. Die Kutsche bewegte sich in einem mäßigen Tempo fort. So konnte sie in Ruhe alles bestaunen und die Eindrücke wahrnehmen.
Als Mar dann das Anwesen erspähte, blieb ihr Mund weit offen stehen. Wenn das wirklich Jayan Cerrous Anwesen war, so musste er wahrscheinlich ein König sein. Das Mädchen wollte etwas sagen, aber sie bekam kein einziges Wort raus. Ihre Augen waren starr nach draußen gerichtet um ja jedes einzelne Detail zu sehen.
Reichtum hatte sie nie gekannt. Ab und an Mal hatte sie auf den Marktplätzen der Städte, durch die sie gereist war um zu rauben, sehr wohlgekleidete Menschen gesehen, mit vielen Schmuckstücken und Kleidung aus edlen Stoffen. Nie hatte Mar sich Gedanken darüber gemacht, wo sie wohl wohnten oder ob sie Kutschen besaßen.
Jayan Cerrou führte das Mädchen in eine komplett neue Welt.
Armut drängte sich in den Hintergrund und Wohlstand trat hervor. Nun war sie wirklich davon überzeugt, dass Jayan ein ganzes Volk ernähren könnte. Doch seine Ansichten waren richtig. Almosen zu geben ohne einen Erfolg zu sehen, würde nicht lange etwas bringen. Aber wie sollte man es schaffen die 'Schicht' zu wechseln? Heiraten? - davon hielt Mar ganz und gar nichts, was aber auch daran lag, dass sie für Geld an einen nicht gerade jungen alten Mann versprochen wurde. Die wohlhabenden Männer würden sicherlich nicht Mal einen Blick auf solche Mädchen wie Mar legen. Vor allem sie als rothaarige mit Sommersprossen. Arbeiten - ihr Vater hatte immer gearbeitet, von morgens bis abends und kam nur mit einem Hungerlohn zurück. Vielleicht lag es ja auch an Karatina? Mar verstand nicht viel von Politik oder Wirtschaft, aber sie konnte sich vorstellen, dass es in Riguskant vielleicht anders aussah. Mit Gewissheit konnte sie es nicht sagen, aber viele in Nysheim fluchten über die Regierung ihres Landes.
Mars Gedanken hüpften von einem Thema zum anderen. Wie immer hatte sie so viele Fragen.
"Herr Cerrou... Sagen sie jetzt nicht dieses riesengroße Königshaus gehört Ihnen?" Mit ihren kleinen dünnen Fingern zeigte Mar auf das kleine Schloss, welches sich vor ihnen aufgetan hatte,
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Mi Jan 24, 2018 7:53 pm

cf: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

Der Silberhaarige kannte die Landschaft zwar bereits, was aber nicht bedeutete dass er nicht trotzdem gern aus dem Fenster sah und sie betrachtete. Seine Stadt... Natürlich war sie das nicht offiziell. Da hatten die Adligen das Sagen, die noch ein wenig höher den Berg hinauf residierten und es bevorzugten für sich zu sein. Dort hatten Bürgerliche keinen Zutritt, es sei denn sie waren eingeladen. Herr Cerrou war allerdings sehr oft eingeladen, und obendrein wusste er genügend über die Vorlieben der Lord- und Ladyschaften, dass ihm meist freiwillig und mit Freuden gewährt wurde worum er ersuchte. Ja, in gewisser Hinsicht war es eben doch seine Stadt. Das funkelnde Juwel Karatinas - für nichts in der Welt hätte er dieses Kleinod eingetauscht.

Hin und wieder glitten die Augen, die blau, braun oder auch grün sein konnten, zu dem fremden Mädchen, dessen Näslein schon fast am Fenster klebte, so staunend und fasziniert schaute es nach draussen. Jayan konnte nicht anders als zu lächeln. Schönheit zu bewundern und zu schätzen zu wissen, war eine Eigenart der Menschen. Sein eigenes Volk wusste Schmerz und Tod bei Weitem mehr zu würdigen. Er hatte beides kennen gelernt. Es mochte sein, dass ihn die Zeit in der Menschenwelt weich gemacht hatte. Zumindest sein Vater wäre dieser Ansicht, und auch ganz sicher seine Halbbrüder, sofern noch einige von ihnen lebten. Junge Dunkelelfen erreichten selten das Erwachsenenalter, ein Schicksal welches ihm auch beinahe widerfahren wäre. Und wovor ihn ein Mensch mit seiner Herzensgüte bewahrt hatte. Ein typischer Vertreter seines Volkes hätte den alten Mann für diese Schwäche getötet, sich genommen was er von dessen Besitz gebrauchen konnte, und sich dann schleunigst einen anderen Wirkungskreis gesucht. Grosse, pulsierende Städte wie Bangalore waren keine lohnenswerten Domizile. Dunkelelfen schafften es nur relativ kleine Einheiten zu kontrollieren. Macht zu teilen war ihnen zuwider und sie kannten untereinander kein Vertrauen, welches für ein Gemeinwesen unabdingbar war. Deshalb gab es auch keine dunkelelfischen Städte, sondern nur trutzige Festungen, die von einem Clanlord beherrscht wurden. Jayan jedoch hatte es geschafft sich eine Menschenstadt untertan zu machen. Nicht mit Terror und Sklaverei, sondern nur mit den Verlockungen eitlen Tands und flüchtiger Träume.

"Wie bitte?" Der Silberhaarige blickte auf und hob die Brauen, um dann Mars Fingerzeig aus dem Fenster zu folgen. Er lächelte leicht, als ihm klar wurde dass sie sein Haus meinte. "Ah! Das schmeichelt mir zwar, aber nein, das ist kein Königshaus", schüttelte er den Kopf. "Auch wenn es sehr geräumig ist. Die Häuser der Adligen liegen noch weiter oben auf dem Berg, gegen deren Prunk ist meine Hütte bescheiden." Das war zwar die Wahrheit, aber dennoch konnte er nachvollziehen was ein armes Mädchen aus Nysheim beim Anblick eines Bangalorer Hauses empfinden musste. Hier war selbst die ärmlichste Hütte prächtiger als die halbvergammelten Baracken, in denen die meisten Nysheimer hausen mussten. Zwei Gerüstete öffneten das schmiedeeiserne Tor, um das Gefährt ihres Herrn hindurch zu lassen. Dahinter schloss es sich wieder, und es ging noch ein Stück den sanft ansteigenden Hügel hinauf, bevor der Kutscher es auf einen steingepflasterten Hof lenkte, in dessen Mitte sich ein Springbrunnen erhob. Dort hielt der Wagen an.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Do Jan 25, 2018 5:30 pm

Sobald der Wagen hielt, sprang Mar auf und drückte die Klinke der Kutschentür hinunter.
"Was für ein riesiger Brunnen!", rief das Mädchen und nahm die zwei kleinen Stufen der Kutsche um nach draußen zu gelangen.
"Und hier wohnen Sie ganz alleine, Herr Cerrou?" Sie breitete die Arme aus und sah sich das Anwesen von nahem an. Unter all der Aufregung vergaß sie alles über Etikette und ihr jungenhaftes Dasein.
Für Mar musste es wahrlich ein Traum sein. Etwas beruhigter ging Mar zu dem Springbrunnen und jauchzte, als kleine Wassertropfen ihr Gesicht berührten. Sie hielt eine Hand in das kühle Wasser und lächelte breit.
Außer sich vor Freude wandt sie sich wieder zu der Kutsche.
"Ich weiß wirklich nicht was ich sagen soll, Herr Cerrou... Noch nie habe ich so etwas gesehen!"
Mar ging zu ihm um ihm mit Hilfe der Wachen aus der Kutsche zu helfen. In dem Moment tat sie es eher aus Vorfreude und Aufregung, was sie drinnen erwarten würde, als aus Höflichkeit und Nächstenliebe.
Sogar die Pferde waren nun wirklich in den Hintergrund gerückt. Selbst als eines der Kaltblüter ein entspanntes Schnaufen von sich gab, schaute Mar nicht mal auf. Eher war sie damit beschäftigt ihre schäbige Kleidung zu richten und Staubflecken abzuklopfen. Wer weiß, was sie im inneren erwarten würde.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Do Jan 25, 2018 8:11 pm

Jayan wollte noch eine Warnung aussprechen wegen ebendieser zwei Stufen, aber da war das Mädchen schon hinaus und hüpfte über den Hof wie eine kleine Katze, die man aus ihrem Korb gelassen hatte. Der Silberhaarige schüttelte schmunzelnd den Kopf und blieb noch einen Moment sitzen. Die Wachen mussten erst einmal von ihren Pferden absteigen, bevor sie ihm behilflich sein konnten. Das machte Jayan aber nichts aus, da er recht amüsante Unterhaltung hatte. Friedhelm blieb derweil auf seinem Kutschbock sitzen, für ihn war es nur ein kurzer Halt. Die Kutsche musste noch in die Remise gefahren und die Pferde ausgeschirrt werden.

Der Brunnen bestand aus einem flachen Becken, in dessen Mitte sich eine grosse Wassersäule erhob, sowie rings um diese herum mehrere kleinere Fontänen, die einander munter entgegen sprühten. Sie glitzerten im Sonnenlicht, und wer ihnen zu nah kam, konnte durchaus einige vorwitzige Wassertröpflein abbekommen. Was bei dem warmen Wetter nicht eben unangenehm war. Jayan lachte leise. "Ah, riesig ist er nicht, es gibt grössere in der Stadt", musste er wahrheitsgemäss zugeben. Dennoch erheiterte ihn die Begeisterung der Kleinen. "Und ja, derzeit beherbergt dieses Domizil nur mich. Und natürlich meine Bediensteten." Von denen einige schon fast so etwas wie Familie waren, aber die meisten waren Angestellte.

"Ah, Gemach, ich komme ja schon", schmunzelte der Silberhaarige, der sich durchaus denken konnte dass Mar eher aufgeregt und zappelig war, als an seinem Wohlergehen interessiert. Er nahm es ihr auch nicht übel. Zumal es nicht ihre Aufgabe war ihm aus der Kutsche zu helfen, sondern die seiner Wachleute. Die verabschiedeten sich dann auch mit einer tiefen Verbeugung und die Kutsche fuhr davon. Der Mann in der roten Robe und das schmutzige kleine Mädchen in Jungenkleidern standen allein auf dem Hof, von dem aus einige breite Stufen aus weissem Stein zu einem grossen, bogenförmigen Eingangsportal führten. Die beiden Flügel standen offen, und nur ein Vorhang aus glitzernden Glasperlen, die auf Schnüre gefädelt waren, verwehrte den Blick ins Innere. "Sapperlot, wenn du jetzt schon nicht weisst was du sagen sollst, habe ich Sorge dass es dir die Sprache verschlägt sobald du das Haus betrittst", scherzte Jayan und wandte seinen Blick auf das Mädchen. "Sag mir, Mar... Wann hast du zuletzt gebadet?"
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Fr Jan 26, 2018 4:45 pm

Bedienstete - Mar wusste, dass dies meistens freiwillige Menschen sind die dadurch ihren Lohn verdienten. Ihre Mutter wollte einst auch mal als Küchenmädchen oder Zofe in einem großen Haus arbeiten, aber ihr Vater erkrankte zu früh und sie musste sich um ihre Eltern kümmern. Doch das Mädchen kannte auch die andere Seite der Geschichte - die Sklaverei. Viele Menschen wurden versklavt und ihren Herren willenlos unterstellt. Einer der Gründe warum sie sich als Junge verkleidete. Mädchen konnte man leichter überführen und gut verkaufen - sie waren ja nicht nur zum Arbeiten gut. Auf den Straßen sind ihr häufiger Menschen aufgefallen, die mit gesenkten Köpfen ihren Herren hinter her liefen. In Karatina gab es an manchen Ecken sogar Menschen, die in Ketten lagen und öffentlich verkauft wurden. Keinen interessierte es, solange man nicht selber in deren Haut steckte.
"Vielleicht sollte ich mir auch Scheuklappen aufziehen damit ich nicht gleich alles auf ein Mal sehe", witzelte das Mädchen und lächelte Jayan Cerrou an, bevor sie auf den Vorhang starrte. Ihre Finger strichen über die Perlen, wodurch ein leises Klirren ausgelöst wurde.
"Gebadet?" Mar spielte weiter mit dem Perlenvorhang.
"Zu Hause. Also das muss schon um einiges her sein. Davor hab ich mich immer schnell mit Brunnenwasser gewaschen, bevor die Bewohner aus ihren Häusern kamen." Sie zuckte mit den Schultern.
"Können wir jetzt reingehen?" Ungeduldig wippte Mar von ihrer Ferse auf die Zehenspitzen.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Sa Jan 27, 2018 10:01 am

Die Bediensteten, die Mar bisher kennen gelernt hatte, wirkten jedenfalls nicht als würden sie unfreiwillig oder ungern für ihren Dienstherrn arbeiten. Überhaupt sah man diese erbarmungswürdigen Menschen in Ketten in Bangalore nicht. Hier war Sklavenhandel verpöhnt und wurde von den Behörden streng geahndet. Was nicht hiess, dass nicht vielleicht doch der eine oder andere Adlige heimlich Leibeigene hielt, aber mit diesen Geschäften hatte Jayan Cerrou nichts zu tun. Er blieb lieber bei seinem florierenden Handel mit Rauschmitteln, Kunstgegenständen dubioser Herkunft, sowie magischen Kleinodien aus Forcewald.

Der Silberhaarige liess ein leises, amüsiertes Lachen hören, als sich Mar das mit den Scheuklappen so gut gemerkt zu haben schien. Das Mädchen schien schnell zu lernen über eine gute Auffassungsgabe zu verfügen. Jayan mochte das. Wenn ihn irgendetwas langweilte, dann waren das begriffstutzige Menschen. "Der war wirklich gut", nickte er anerkennend und schob nun seinerseits seine Hand durch den Vorhang, um ihn so weit beiseite zu schieben dass man hindurch treten konnte. Die Glasperlen klickerten dabei leise, ausserdem kündigten kleine Glöckchen am oberen Ende, die wohl nur betätigt wurden wenn jemand durch den Vorhang trat, mit melodischem Geläut ihre Ankunft an. "Ja, wir können hinein", schmunzelte der Mann im scharlachroten Gewand. "Allerdings werde ich dir, bevor wir eine Führung veranstalten, erst einmal ein Bad richten lassen, junge Dame. Saubere Sachen brauchst du auch, ich hoffe dass wir etwas im Haus haben, was halbwegs deine Grösse hat", überlegte er mehr laut für sich, während der Vorhang den Blick auf eine Art Empfangshalle freigab.

Der Fussboden bestand aus kühlem weissem Marmor, die Decke war gewölbt und ruhte auf ebenfalls marmornen Säulen. Erlesene Wandbehänge schmückten die Wände und in gemauerten Nischen war allerlei Zierrat zu bestaunen, hauptsächlich antike Waffen und Statuen. Rechter Hand befand sich eine Sitzecke mit vielen Kissen und einem niedrigen Tisch, auf dem eine Wasserpfeife stand. In bunt bemalten Schalen wurden Nüsse und Früchte dargeboten, ausserdem stand dort eine Karaffe mit klarem Wasser und darum gruppiert einige Gläser aus geschliffenem Kristall. Anscheinend konnten hier Besucher auf die Ankunft des Hausherrn warten. Linker Hand war der Fussboden mit Bastmatten ausgelegt, auf denen bestickte Pantoffeln in unterschiedlichen Grössen und Farben standen. Es waren aber auch einige wenige Paare Strassenschuhe dabei, anscheinend dort wo vorher Pantoffeln gestanden hatten.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am So Jan 28, 2018 12:38 pm

Mar trat durch den Vorgang hindurch und blieb abrupt stehen. Ihr Mund war leicht geöffnet und ihre Augen durchsuchten, eher himmelten die Eingangshalle an. Von Außen sah das Anwesen für das kleine Mädchen schon prachtvoll aus, aber Jayan hatte recht: das Innere überwältigte Mar noch viel mehr. Die Anmerkung über das Baden und die Kleidung überhörte das Mädchen. Jedes einzelne Detail der Einrichtung raubte ihr die Aufmerksamkeit.
Selbst der weiße Marmorboden war etwas besonderes. Von dem könnte man sicherlich essen so strahlend und glänzend war er. All die Dekoration, die viel mehr Geschichten erzählten; die Waffen und Statuen. Natürlich lenkten auch die Nüsse und Früchte die Aufmerksamkeit auf das Mädchen. Manche Früchte hatte sie noch nie in ihrem Leben gesehen. Die Wasserkaraffe war so viel eleganter als ein normaler Trog, so wie sie ihn kannte.
Eigentlich wollte Mar sich nicht von der Stelle bewegen. Schmutz klebte an ihrer Kleidung und an ihr selber. Das Mädchen passte so gar nicht in das Bild der Einrichtung. Alles war fein geputzt und stand an seinem Platz, fein zurecht gerückt, so dass es auffiel. Mar hingegen war lumpig gekleidet, in dunklen billigen Brauntönen. Ihre Leinenschuhe hatten schon fast keine Sohle mehr.
"Herr Cerrou, vielleicht hätten sie mich lieber durch den Hintereingang in ihr Königshaus bringen müssen...", murmelte das Mädchen und ließ ihre Augen von der Schönheit ab, um ihren Gastgeber anzusehen.
"Ich habe noch nie so etwas wundervolles und schönes gesehen. Sie wohnen hier wirklich in solch einem... Traum! Und jeder einzelne ihrer Bediensteten muss sicherlich auch froh sein in solch einem Haushalt arbeiten zu dürfen."
Inzwischen war dem Mädchen alles egal; Hauptsache sie passte wenigstens für einen Tag und eine Nacht in das Bild dieser Schönheit. Mar wollte sauber, in normaler Kleidung durch das Anwesen schreiten und es anhimmel, damit sie irgendwann etwas hatte, nach dem sie streben und träumen konnte.
"Ich glaube wir brauchen ganz dringend eine Bürste mit harten Wurzeln damit ich den ganzen Schmutz von mir kriege! Oh ich danke Ihnen so sehr, Herr Cerrou!"

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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am So Jan 28, 2018 1:55 pm

Oh ja, wenn es in diesem Haushalt irgendetwas war, dann blitzsauber. Es hätte einem so prunkvollen Haus auch nicht angestanden dreckig und liederlich zu sein. Jayan Cerrou war auch kein Hausherr, der Solches zugelassen hätte. Er hasste Nachlässigkeit in all ihren verkommenen Formen, und hätte jeden Dienstboten persönlich zur Rechenschaft gezogen, der auch nur eine angelaufenen Stelle an einem der silbernen Kandelaber übersehen hätte. Da die Bediensteten wussten dass ihr Arbeitgeber ein wachsames Auge darauf hatte, bemühten sie sich entsprechend.

Ein feines Schmunzeln zeigte sich auf den Lippen des Silberhaarigen, der hinter Mar durch den Vorhang getreten und dort auf seinen Stock gestützt erst einmal stehen geblieben war. Dass seine Worte mehr oder weniger ungehört verhallten, konnte er sich denken, war es ihm doch nur zu gegenwärtig wie er selbst vor vielen Jahren zum ersten Mal durch dieses Haus gelaufen war. Deshalb schwieg er erst einmal und liess die Kleine die Umgebung in sich aufsaugen. Sie hatte erst einen winzigen Teil des Hauses gesehen, der aber natürlich bezeichnend war. Der erste Eindruck war der Wichtigste, weshalb die Eingangshallen der Reichen und Adligen immer prunkvoll eingerichtet waren und von der Gastfreundschaft ihrer Besitzer zeugten. Gastfreundschaft war etwas, womit man in Bangalore seinen Wohlstand ausdrückte. Und Wohlstand war etwas immens Wichtigtes, bemass man doch nach ihm Ansehen, Glaub- und Kreditwürdigkeit eines Hauses.

"Nur Dienstboten betreten ein Haus durch den Hintereingang", erklärte der Silberhaarige. "Gäste tun das niemals, und da ich dich eingeladen habe, bist du ein ehrenwerter Gast meines Hauses. Und es ist immer noch die bescheidene Residenz eines Händlers", fügte er schmunzelnd an und deutete auf die Bank aus glänzend lackiertem und poliertem Holz. "Nimm bitte Platz, ich werde jemanden rufen." Der Hausherr klatschte dreimal in die Hände, worauf ein älterer Mann in Dienerlivree auftauchte und sich ehrerbietig verneigte. Er mochte um die 60 sein, hatte einen sorgfältig gestutzten grauen Bart und wache blaue Augen, die in ein Netz von Fältchen eingebettet waren. Auch er trug Pantoffeln an den Füssen, sie waren dunkelblau wie auch der Rest seiner Kleidung. "Sebastian, wir haben einen Gast", instruierte der Hausherr ihn. "Richte bitte ein Zimmer und ein Bad, Fräulein Mar wird über Nacht bleiben. Ausserdem sorge für passende Kleidung. Ich danke dir." Falls Sebastian die Erscheinung des... Jungen? Mädchens? befremdlich fand, liess er es sich mit keinem Wimperzucken anmerken, sondern lächelte zuvorkommend und verneigte sich vor dem Gast des Hauses, bevor er verstehend nickte und ebenso geräuschlos verschwand wie er aufgetaucht war.

"Na, ich denke zu derlei barbarischen Mitteln müssen wir nicht greifen", schmunzelte der Hausherr amüsiert. "Seife und ein Badeschwamm werden sicher denselben Dienst tun. Aber zuerst einmal kümmern wir uns um deine Füsse." Wie auf's Stichwort kam ein junger Bediensteter herangesaust, vielleicht in Mars Alter oder etwas älter, auch er trug Dienerkleidung, allerdings einfacher als die prächtige Livree von Sebastian. Er hatte eine Wasserschüssel dabei, die dezent nach Zitrone duftete, sowie ein Handtuch.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Mo Jan 29, 2018 8:12 pm

Mar starrte die glänzende Bank an.
"Sicher, dass ich mich darauf setzen soll? Es ist mir wirklich unangenehm wie ich aussehe. Und ich glaube, jetzt wo ich in einer sauberen Umgebung bin, rieche ich mich selbst." Das Mädchen zog eine Grimasse, musste aber selber etwas schmunzeln.
Mit langsamen Schritten ging Mar auf die Bank zu und strich zaghaft mit den Fingern über das polierte Holz. Sie sah nicht ein einziges Staubkorn. Nicht mal bei ihrer Mutter war es so reinlich. Und sie hatte immer sehr viel wer auf Sauberkeit gelegt. Behutsam sank das Mädchen auf die Bank und blickte Jayan an, der gerade klatschte. Es war alles so völlig neu für sie, dass sie es wirklich absurd fand, als ein Mann in einem für sie edlen Anzug ankam und das nur, weil Jayan Cerrou geklatscht hatte. Sie wusste, dass ihr Vater sicherlich gerne so einen Anzug gehabt hätte. Die Farbe war trotz ihrer Dunkelheit munterer als ein schlichtes braun. Anscheinend war er auch ein Angestellter von dem Hausherren, da er Jayans Anweisungen folgte, aber für Mar sah er fast aus wie ein edler Herr.
Als Jayan sie 'Fräulein Mar' nannte, zuckte sie etwas zusammen. In den letzten Wochen war sie stets nur Mar gewesen und für sich selber ein Bursche. Mar fragte sich, ob sie wirklich ihre Tarnung ablegen sollte.
Ein eigenes Zimmer und ein Bad - ein Freudenschauer lief ihr über den Rücken und sie rutschte unbehaglich auf der Bank hin und her. Als dann Sebastian, so hatte Jayan den Mann genannt, auch noch eine höfliche Verbeugung vor Mar machte, fiel ihr die Kinnlade herunter.
"Danke", murmelte sie kaum hörbar und sah dem Mann fassungslos hinterher.
"Um meine Füße?" Und da kam auch schon der Bedienstete an. Es war offensichtlich ein junger Bursche in ihrem Alter. Seine Kleidung sah um einiges einfacher aus, aber immer noch edler und sauberer als die von Mar.
Mar sah die Schüssel an, dann den jungen Burschen. Unbehaglich riss sie sich die Mütze vom Kopf. Rotbraunes Haar zu einem großen Knoten zusammengebunden kamen zum Vorschein. Einige wilde Locken ragten aus dem Knoten hervor und ließen den Knoten eher unordentlich wirken. Mar war es jedoch in dem Moment peinlich, als man sie als Mädchen betitelte, aber sie aussah wie ein Bursche.
Da die Mütze nun von ihrem Kopf verschwunden war und nicht mehr die Aufmerksamkeit von ihrem Gesicht lenkte, sah man die leichten Sommersprossen, welche sich um ihre Nase herum sprenkelten.
Verwirrt blickte sie die Wasserschüssel an. Jayan sagte, sie würden sich jetzt um ihre Füße kümmern. Vielleicht war das ja so etwas wie ein Fußbad. Ihr war aufgefallen, dass dort feinsäuberlich Pantoffeln standen und auch Sebastian hatte welche getragen. Wahrscheinlich gehörte das zu diesem Haushalt hier.
Aufgeregt wartete Mar darauf, dass der Junge das Wasser vor ihr abstellte und sie ja nichts falsches tat.
"Herr Cerrou, ich weiß immer noch nicht, wie ich ihnen das jemals danken soll..."
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Mo Jan 29, 2018 9:47 pm

"Ich bin mir vollkommen sicher", bestätigte der Silberhaarige noch einmal, wobei nur ein winziges Zucken in den Mundwinkeln sein Amüsement verriet. "Und nun ja, nach einer Reise zu Fuss von Nysheim bis hierher würde ich vermutlich auch nicht besser riechen. Wir arbeiten daran." Es war schon seltsam. Je länger er die Gesellschaft der Kleinen genoss, desto mehr fühlte er sich ihr verbunden. Vielleicht weil sie ihn so sehr an sich selbst erinnerte, wie er vor vielen Jahren in die Obhut des alten Eliot Cerrou gekommen war, der ihn so herzlich und freundlich aufgenommen hatte. Derlei Gefühlsduseligkeiten wären in Letum eine Schwäche gewesen. Aber hier war nicht Letum, und wenn Jayan ehrlich war, zog ihn auch nichts dorthin zurück. Nicht ein einziges Mal in den vergangenen 40 Jahren hatte ihn so etwas wie Heimweh überkommen. Er war sich relativ sicher, dass sich Mar auch nicht nach Nysheim zurück sehnte.

Der Hausherr lächelte entschuldigend, als er die Tarnung der Kleinen so brutal vernichtete. Hier im Haus wäre sie ohnehin schwer aufrecht zu erhalten, wenn sie nicht die ganze Zeit in Männerkleidern und mit einer Mütze auf dem Kopf herum laufen wollte. Es war weniger peinlich, wenn er da gleich Fakten schuf. Wenn vorangestellt wurde dass der Herr im Bilde war, würde sich auch niemand das Maul zerreissen. Klatsch war in einem Haushalt mit vielen Bediensteten immer etwas, dem man entgegen wirken musste. Sebastian wirkte eher selbst wie jemand, der Anweisungen erteilte. Wahrscheinlich nahm er nur von seinem Herrn persönlich welche entgegen. Der ältere Mann strahlte Ruhe und Gleichmut aus, als gäbe es nicht mehr viel was ihn aus der Fassung bringen konnte. Seine Verneigung war sehr höflich, aber nicht unterwürfig. Anscheinend war er es gewohnt keine Fragen zu stellen und selbständig zu arbeiten, denn Jayan musste nicht ins Detail gehen. Sebastian schien zu wissen wie er die Dinge zur Zufriedenheit seines Herrn erledigte.

Hingehen schien der andere junge Mann, der im Laufschritt mit der Schüssel kam - und wahrscheinlich von dem Hausdiener beauftragt worden war - eher ein Laufbursche zu sein. Er hatte ein ebenmässiges Gesicht mit schwarzen Augen und einen dichten schwarzen Schopf. Seine Haut war sonnengebräunt und liess den Tragalùner Einschlag erkennen. Natürlich roch er gewaschen und nach sauberer Kleidung. "Ja, deine Füsse", bestätigte der Silberhaarige nickend und gab dem jungen Bediensteten ein Zeichen, der zunächst noch abwartend drein schaute. "Jannis?" "Ja, Herr!" nickte er dann sofort und wollte sich unverzüglich daran machen Mar die zerlumpten Schuhe von den Füssen zu ziehen. Dabei ging er sehr geschickt und routiniert vor, als tue er das nicht zum ersten Mal. Sofern das Mädchen nicht protestierte, würde er danach anfangen ihr die Füsse sehr behutsam mit duftendem Zitronenwasser und einem Tuch zu reinigen. Dabei lächelte er.

Das tat auch der Hausherr, als Mar schliesslich die Mütze vom Kopf zog und sich als Mädchen zu erkennen gab. In der Tat steckte ein recht hübsches Gesicht darunter, soweit er sehen konnte. Er war gespannt wie sie aussehen würde, wenn sie gebadet und neu angekleidet war. "Ah, ich überlege schon die ganze Zeit, was genau du mir danken willst", hob der Silberhaarige die Brauen. "Bisher komme ich nur meinen Pflichten als Gastgeber nach. Die Einladung habe ich ausgesprochen, es entstehen damit keine weiteren Verpflichtungen für dich." So wie er das sagte, schien er es ehrlich zu meinen.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Mo Jan 29, 2018 10:13 pm

Das Mädchen war so dermaßen schockiert davon, dass der Bursche, der Jannis hieß, sich auf seine Knie begab und anfing ihr die schäbigen Leinenschuhe von den Füßen zu ziehen. Und als sie nichts sagte, fing er an ihre Füße zu reinigen. Und dabei verzog er nicht mal die Miene - nein, er lächelte sogar. Und das machte er wirklich freiwillig? Wahrscheinlich wurde er gut bezahlt und konnte sich irgendwann hocharbeiten. Eigentlich drückte Mar sich nicht vor Arbeit, aber jemandem die Füße zu waschen war nun nicht ganz ihre Stärke. Der junge Bursche hatte sicherlich noch nie so schmutzige Füße vor die Nase bekommen.
Immer noch verwirrt hob Mar den Kopf.
"Aber Herr Cerrou..." Sie schüttelte den Kopf und wusste nicht was sie sagen wollte, also lächelte sie einfach nur.
"Vielen Dank." Womit hatte sie das nur verdient? Und alles hatte mit dem Stehlen angefangen.
Jannis war weiterhin mit ihren Füßen beschäftigt, was sie durchaus nicht vergessen konnte und ab und an ein Kitzeln in ihr auslöste.
Woher mochte Jayan wohl so ein gutes Herz haben? Mar hatte immer noch so viele Fragen, dass sie gar nicht wusste, womit sie anfangen sollte. Aufdringlich wollte das Mädchen auch nicht sein, also musste sie mit kleinen Portionen an die Sache heran treten.
"Wohnen Sie schon ihr ganzes Leben lang in so einem großen Haus, Herr Cerrou?", fragte das Mädchen und legte den Kopf schief, wobei sie immer noch ein Auge auf ihre Füße hatte.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Di Jan 30, 2018 9:37 am

Bediensteter in einem der prächtigen Häuser von Adligen und Geschäftsleuten wurde man sicher nicht indem man muffelig und griesgrämig war. Diese nicht nur gut bezahlten, sondern auch prestigeträchtigen Stellen waren heiss begehrt, und es gab viel Konkurrenz. Jannis war vermutlich die Zierde seines Elternhauses. An den jungen, aber festen und zielstrebigen Händen bemerkte man, dass er es gewohnt war hart zu arbeiten und wahrscheinlich aus einfachen Verhältnissen stammte. Bei einem solchen gesellschaftlichen Aufstieg fiel das Lächeln leicht, selbst wenn man "nur" Füsse wusch. Es mochte sein dass dies das schmutzigste Paar Füsse in Jannis' bisheriger Laufbahn war, aber er tat den Teufel sich das anmerken zu lassen. Schon gar nicht wenn sein Dienstherr daneben stand und zuschaute. Nachdem er Mars Füsse mit dem duftenden Wasser gereinigt und mit den weichen Tüchern abgetrocknet hatte, suchte er ein Paar Pantöffelchen in der richtigen Grösse heraus und streifte es ihr über. Die zierlichen Schuhchen bestanden aus gesteppter Seide und fühlten sich federleicht an.

Dass Mar so einen Komfort nicht gewohnt war und sie das alles sprachlos machte, konnte Jayan sich denken. Er schmunzelte leicht. Bisher liess er ihr tatsächlich lediglich dasselbe angedeihen wie jedem anderen Gast, und er hielt sich auch nicht für Jemanden mit einem übermässig guten Herzen. Wobei "gut" sowieso ein relativer Begriff war. Güte war ein Luxus, den man sich leisten können musste. Der unter Menschen aufgewachsene Dunkelelf konnte es, also warum sollte er es nicht? In Letum mochten Härte und Grausamkeit überlebensnotwendig sein. Hier waren sie unnötig, denn Menschen bekam man viel besser mit Zuckerbrot unter seine Kontrolle, als mit der Peitsche. Andere Unlicht-Kreaturen, gegen die er sich durchsetzen musste, waren ihm noch nicht untergekommen. Er konnte nicht genau sagen wie er auf sie reagieren würde. Er wusste aber, dass das Erbe in ihm um sovieles dunkler, zerstörerischer und fürchterlicher war, als es sich ein Mensch vorstellen konnte. Besser man beschwor es nicht herauf.

"Ich wohne bereits mein ganzes Leben lang in diesem Haus", gab der Silberhaarige Auskunft und lächelte. Vier Jahrzehnte konnte man durchaus als "Leben" bezeichnen, jedenfalls nach menschlichen Maßstäben. "Es ist das Haus meines Ziehvaters, und vor ihm war es das seines Vaters, seines Grossvaters und seines Urgrossvaters. Ihm selbst war es nicht vergönnt eigene Kinder zu haben, deshalb starb seine Linie mit ihm. Ich bin der letzte Erbe." Während Jannis nun davon huschte um frisches Wasser zu holen, setzte sich Jayan neben Mar auf die Bank. Auf ihr konnten drei bis vier Personen gleichzeitig sitzen, was praktisch war wenn man viele Gäste hatte.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Mi Jan 31, 2018 2:48 pm

Ziehvater? Sie hatte solch ein Begriff noch nicht so häufig gehört. Also musste Jayans Vater nicht sein echter Vater sein. War er auch eine Waise? Der Junge lief mit der Wanne davon.
Mar wackelte mit den Füßen und sah Jayan an, der neben ihr Platz nahm.
"Was bedeutet Ziehvater?", fragte das Mädchen. Sie wollte nicht so offensichtlich fragen, wobei Mar es sich ja eigentlich zusammen reimen konnte.
Eigentlich konnte man nur davon ausgehen, dass Jayan Cerrou von seinem Ziehvater aufgenommen wurde, da seine Eltern selber wohl auch tot sein musste. Mar wusste ja nichts von seiner magischen Rasse. Für sie sah er aus wie ein normalsterblicher Mensch.
"Vater hat immer gesagt, man braucht einen Sohn um etwas weiter zu vererben... An wen wird all dies gehen, wenn Sie irgendwann auch versterben, Herr Cerrou?"
Damals hatte Mar sich immer darüber aufgeregt, dass ihr Vater immer ihren Bruder vorgezogen hatte. Für ihn war sie nur ein Mädchen, welches zum Verheiraten gut war.
"Wissen Sie noch, dass sie nach meinem Namen gefragt haben, Herr Cerrou? Vielleicht konnten Sie es sich ja denken, aber eigentlich heiße ich Marcella und nicht Marcello." Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
Was würde wohl als nächstes kommen? Saubere Füße hatte sie nun und die Wanne wurde bestimmt schon mit Brunnenwasser gefüllt. Vielleicht hatte Mar ja Glück und sie würde als erstes in die Wanne steigen und nicht in das schmutzige Wasser nach vielen anderen. Ihr war natürlich nicht bewusst, dass in diesem Haushalt alles anders war. Den Luxus kannte sie nicht.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Mi Jan 31, 2018 6:00 pm

Dass der Silberhaarige ursprünglich selbst ein Waisenkind war, hatte er vorhin auf dem Markt schon einmal fallen lassen. Allerdings war es gut möglich, dass das im allgemeinen Trubel untergegangen war. Überdies war Mar mit Essen beschäftigt gewesen, während sie sich unterhalten hatten.

"Es bedeutet, dass jemand ein fremdes Kind zu sich nimmt, um es wie sein eigenes aufzuziehen", erklärte er und lächelte leicht. "Ich war etwa in deinem Alter, als Eliot Cerrou mich in seinem Haus aufnahm. Nun... vielleicht auch etwas jünger", setzte er mit einem prüfenden Blick hinzu. Jetzt, wo die Kleine die Mütze abgesetzt hatte, konnte man mehr von ihrem Gesicht sehen und vielleicht auch ihr Alter besser einschätzen. Angesichts der noch weitgehend fehlenden weiblichen Attribute schätzte Jayan sie auf allerhöchstens vierzehn. Eher jünger, da viele Bangalorer Knospen in diesem Alter schon reif genug waren, um mit dem Hintern zu wackeln und den Burschen den Kopf zu verdrehen.

Als nächstes kam wieder einmal Jannis, erneut mit einer frischen Wasserschüssel. Diesmal kniete er sich vor seinen Herrn, um diesem dieselbe Behandlung angedeihen zu lassen wie zuvor Mar. Ein leises Seufzen konnte der Silberhaarige nicht unterdrücken, als er von den engen Schuhen befreit wurde und die wohltuende Kühle des duftenden Wassers - diesmal schien es keine Zitrone, sondern Kräuteressenzen zu enthalten - sich seiner schmerzenden Gelenke annahm. "Dein Vater hatte recht, dem ist für gewöhnlich so", nickte er bedächtig und wandte sich wieder seiner jungen Gesprächspartnerin zu. "Und wenn man keine Söhne hat, fällt es dem Ehemann der erstgeborenen Tochter zu. So lautet das Gesetz. Ich allerdings habe weder Söhne noch Töchter, weshalb ich noch nicht weiss, wem ich es dereinst vererben werde." Er lächelte versonnen. "Vielleicht einem Schüler, oder... einer Schülerin." Jayan schien nicht ganz so traditionell zu denken, was die Rollenverteilung der Geschlechter betraf. "Wobei ich gestehen muss, dass ich auch Solches noch nicht habe."

Die Waschung fiel weniger gründlich aus als bei Mar, wahrscheinlich weil die Füsse ihres Gastgebers es nicht ganz so nötig hatten. Es war wohl für gewöhnlich mehr eine Erfrischung, vielleicht auch zur Hygiene gedacht, um die Pantoffeln für den nächsten Träger sauber zu halten. Der Hausherr bekam ein besonders prächtiges Paar übergestreift, aus roter Seide mit schwarzen und silbernen Perlen bestickt. Das war wohl sein persönliches, was er nicht mit anderen Besuchern teilte. Mar hatte ein dunkelgrünes bekommen, wahrscheinlich aus dem simplen Grund weil es für ihre Grösse passend war. "Ah, in der Tat weiss ich das noch, junge Dame." Interessiert wandte der Silberhaarige ihr das Gesicht zu und hob die Brauen. Ein leises Schmunzeln legte sich um seine Lippen, als das Mädchen weiter sprach. "Die beste Lüge ist immer die, die am nächsten bei der Wahrheit ist", nickte er und schien das Flunkern nicht übel zu nehmen. Im Gegenteil schien er daran sogar Gefallen zu finden. "Dann freut es mich dich kennen zu lernen, Marcella." Er lächelte freundlich und griff nach seinem Gehstock. Anscheinend sollte es nun weiter gehen.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Do Feb 01, 2018 8:13 pm

Die Ansicht über die Erbfolge von Jayan Cerrou, gefiel Marcella. Ganz anders als sie es kannte. Mädchen wurden mehr respektiert und gefördert - als Ganzes angesehen.
"Wollen Sie denn wirklich gar gar gar keine Kinder haben? Wieso haben Sie denn keine Frau? Solch ein wohlhabender, netter Mann wie Sie, Herr Cerrou, hätte es doch sicherlich nicht schwer in weiblicher Gesellschaft." Mar hielt inne.
"Ich glaube meine Mutter hätte Sie sehr gemocht. Sie sagte manchmal Vater wäre nicht aufmerksam genug und arbeite zu viel, aber ihm bleibe ja nichts anderes über. Und Ihr seid zuvorkommen und nehmt Euch Zeit, obwohl Ihr sicherlich gar keine habt."
Das Mädchen ging davon aus, dass Jayan Cerrou zuverlässige Arbeiter in seinem Handelsgeschäft hat, die ihn vertreten, wenn er Mal gerade nicht konnte.
"Können Sie nicht Jannis, den Burschen unterrichten? Er ist doch noch jung. Oder kann er nicht rechnen? Muss man für Ihren Unterricht gut rechnen können?"
Mar warf einen Blick auf die Pantoffeln ihres Gastgebers und wackelte dann mit ihren eigenen Füßen.
"Das sind wirklich wunderschöne Schuhe, die sie hier haben, Herr Cerrou. Ich sehe bestimmt wahrlich albern aus in den schönen Schuhen mit der schäbigen Kleidung." Ein leises, melodisches Lachen entfuhr dem Mädchen.
Als Jayan nach seinem Stock griff, stand Marcella sofort auf und half ihm auf die Beine. Sie machte es ganz beiläufig, nicht um sich einzuschleimen, sondern einfach aus Hilfsbereitschaft.
"Ich bin gespannt, welch wundersame Räume sich hier verbergen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was man alles in so einem großen Haus machen kann!"
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Fr Feb 02, 2018 8:19 am

"Das sind aber viele Fragen auf einmal, junge Dame." Jayan schmunzelte leicht und wollte Mar sanft mit dem Finger gegen die Schulter stupsen. Sein Tonfall klang allerdings nicht tadelnd, sondern eher neckend. Es war gewöhnungsbedürftig, jemanden im Haus zu haben der so frei heraus Fragen stellte. Weder seine Bediensteten noch seine Gäste taten das üblicherweise - von Sebastian einmal abgesehen, der eine besondere Vertrauensstellung genoss. Aber andererseits war es auch irgendwie erfrischend. Anders als viele Menschen dachten, konnten auch ein luxuriöses Zuhause und genügend Geld durchaus eintönig sein, wenn es niemand mit einem zusammen genoss. Jayan wäre aber nie so tief gesunken für Gesellschaft zu bezahlen, auch wenn böse Zungen schon anderslautende Gerüchte gestreut hatten.

"Sagen wir einmal, ich bin wählerisch", seufzte der Silberhaarige und lächelte etwas schief. Das war nicht die Unwahrheit, wenn es auch nicht die ganze Wahrheit war. Es ist nicht die Zeit für Geheimnisse. Morgen wird sie weiter ziehen. "Dass ich keine Kinder habe, hängt auch damit zusammen. Und natürlich hast du recht, es würde wahrscheinlich kaum ein junges Fräulein meinen Antrag ablehnen. Genau dort liegt aber das Problem, was du in deinem Leben, so das Schicksal will, auch noch feststellen wirst, mein Kind. Es ist leicht jemanden für sich zu gewinnen, wenn man Reichtum und Macht hat. Dazu muss man nicht einmal Manieren besitzen. Falls doch, ist das ein Bonus. Ob die Person dich aber auch schätzen würde wenn du ihr kein angenehmes Leben bieten könntest, lässt sich schwer ergründen." Ich lenke vom Thema ab. Das ist nicht wirklich mein Problem, auch wenn jedes meiner Worte wahr ist. Jayan seufzte leise.

"Ah, mach dir keine Sorgen." Er musste ein wenig schmunzeln. Es war drollig, wie sie sich Gedanken machte seine Zeit zu verschwenden. "Es heisst, entweder Zeit oder Geld, nur eines dieser Dinge kann man geniessen. Ich aber sage, es ist alles eine Frage der Einteilung. Deine Mutter scheint eine gute Frau gewesen zu sein, vor diesem... bedauerlichen Zwischenfall." Er hüstelte leise. Natürlich wollte er das schmerzliche Ereignis nicht wieder aufwühlen. "Erwägst du bei mir in die Lehre zu gehen, mein Kind?" fragte er stattdessen geradeheraus und betrachtete sie mit einer Mischung aus Amüsement und Neugierde. Dass es hier nicht um Jannis ging, lag auf der Hand. "Wie gut bist du denn im Rechnen?" Natürlich sollte man mit Zahlen soweit umgehen können, dass einen nicht jeder Halsabschneider über den Tisch zieht, dachte er bei sich. Aber es gibt noch andere Kriterien. Ein paar davon erfüllt sie bereits.

"Albern? Nein." Jayan schüttelte den Kopf und musste tatsächlich lächeln, als ihm so selbstverständlich aufgeholfen wurde. Er nahm die Hilfe auch dankbar an, was Seltenheitswert besass. Für gewöhnlich gab er sich diese Blösse Fremden gegenüber nicht. Aber bei Mar wirkte die Hilfsbereitschaft ehrlich. "Du siehst aus wie jemand, der schmutzig von einer langen Reise ist und sich auf ein Bad freut." Er zwinkerte schelmisch und blickte zu Jannis, der ruhig dort stand und weitere Anweisungen abzuwarten schien. "Zeige doch bitte unserem Gast das Bad", wies er ihn an, worauf der Junge nickte und rasch los lief um die Wasserschüssel wegzubringen. "Wir, junge Dame", blickte er dann wieder zu seinem jungen Hausgast und lächelte freundlich, "sehen uns später, wenn du nichts dagegen hast. Ich werde derweil ein wenig Arbeit erledigen."
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Mo Feb 05, 2018 9:04 pm

Marcella fühlte sich ertappt. Kurz hatte sie wirklich darüber nachgedacht, ob Jayan sie vielleicht im Handel ausbilden würde. Immerhin wusste sie durch das stehlen, was wertvoll war und wovon sie lieber die Finger ließ.
"Vater hat uns rechnen beigebracht, aber nicht wirklich viel. Ich kann bis 100 zählen und in dem Bereich plus und minus rechnen." Das Mädchen nickte stolz. Vielleicht würde das ja ausreichen.
Als Jannis davon hüpfte und Jayan sich verabschiedete blieb Marcella abrupt stehen.
"Ich soll jetzt ganz alleine ohne Sie in diesem riesengroßen Haus sein?" Ein leichtes Zittern in ihrer Stimme machte sich bemerkbar. Jayan vertraute sie, natürlich legte sich dies auch auf das Personal, aber das Personal war nicht Jayan. Die Vorstellung ohne den Hausherren durch das Gemäuer zu laufen, war ihr unheimlich. Jannis kannte sie ja bereits und er würde ihr das Zimmer zeigen und dann wäre sie auf sich alleine gestellt. Marcella war klar, dass Jayan endlich einige seiner Aufgaben erledigen musste. Sie war ja immerhin schon ein großes Mädchen und sollte ihren Gastgeber seine Sachen machen lassen.
Mar nickte zögernd.
"Also sehen wir uns dann nachher? Ganz sicher?", fragte sie und sah Jayan erwartungsvoll an. Es mochte vielleicht kindlich wirken, aber Mar hatte schon seit Ewigkeiten keiner Person mehr vertraut und der Mann wirkte nun Mal wie eine elterliche Vertrauensperson auf sie.
Als Jayan sich auf den Weg zu seiner Arbeit machte, blieb Mar stehen und wartete auf den Jungen, der die Wasserschüssel wegbrachte.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Di Feb 06, 2018 8:45 am

Jayan schmunzelte leicht, als er auf seine direkte Frage keine Antwort bekam, aber das junge Mädchen irgendwie verlegen wirkte. Dass sie sich trotz der widrigen Lebensumstände Gedanken über ihr Fortkommen zu machen schien, und nicht nur darauf aus war mitzunehmen was sie kriegen konnte, gefiel ihm. Er bereute es nicht sie mitgenommen zu haben, auch wenn dies zunächst einer Laune entsprungen war. "Oh! Tatsächlich?" Die Brauen des Silberhaarigen hoben sich, ehrlich beeindruckt wie es schien. "Das ist schon eine ganze Menge", nickte er. "Wir werden dir später ein paar Aufgaben stellen um zu sehen wie schnell du rechnen kannst. Natürlich nur, wenn du Interesse hast", setzte er hinzu und lächelte, um die Freiwilligkeit des Ganzen zu unterstreichen. In Jayans Augen war jeder seines Glückes Schmied. Belohnt wurde Ehrgeiz und der Wille etwas zu leisten.

Der Silberhaarige drehte sich natürlich nicht auf dem Absatz herum und liess seinen Gast einfach stehen, sondern wartete höflich eventuelle Einwände ab. Aber selbst wenn keine kämen, würde er zumindest so lange bleiben bis Jannis zurück war. Das gehörte sich so, und wenn Jayan irgendetwas in Vollendung beherrschte, dann war es Etikette. Dem entsprang es auch, dass er Mar allein ins Bad und zu ihrem Gemach geleiten lassen wollte, weshalb er doch ein wenig verwundert drein sah, als er das plötzlich zittrige Stimmchen vernahm. "Ah, sapperlot..." Verstehend strich er sich über das Kinn. "Nun ja. Weisst du, es ist... ungehörig für einen Mann meiner Stellung, ein junges Mädchen ins Bad zu begleiten." Er hüstelte leise und etwas verlegen. "Dafür ist die Dienerschaft da. Aber selbst Jannis wird dich nur bis vor die Tür bringen. Solltest du während des Bades etwas benötigen, wird eine Dienstmagd zur Stelle sein." Ja, hier herrschte definitiv Zucht und Ordnung. Vor allem das Wort Privatsphäre schien gross geschrieben zu werden. Was damit zusammenhängen konnte, dass der Hausherr diese auch für sich reklamierte.

"Oh, und natürlich sehen wir uns später, allerspätestens zum Mittagsmahl." Jayan lächelte sanft. Irgendwie war es ja rührend, wie die Kleine ihn scheinbar nicht weglassen wollte. Das hatte er nicht bedacht. Für gewöhnlich hing niemand auf diese Weise an ihm. "Das ist in höchstens einer Stunde", setzte er beruhigend hinzu und blickte zum Fenster, wo draussen die Sonne schon hoch am Himmel stand. Jannis kam wieder heran und verneigte sich, zum Zeichen dass er zur Verfügung stand. Diesmal waren seine Hände leer. Jayan nickte ihm zu, und würde noch abwarten bis Mar mit ihm gegangen war, bevor er seine eigenen Gemächer aufsuchen würde. Er wollte ebenfalls baden und sich umziehen, und seine Knochen brauchten etwas Ruhe. Das war für diese Zeit bei ihm normal, aber natürlich entschuldigte man sich damit nicht vor einem Gast. Der könnte sonst annehmen dass er zur Last fiele, und das war extrem unhöflich.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Mi Feb 07, 2018 4:53 pm

Nachdem Jayan sie beruhigt hatte, dass sie sich in spätestens einer Stunde wiedersehen würden, ging Mar zu Jannis. Für das Mädchen war es ein merkwürdiges Gefühl nun jemand anderem ihr vertrauen zu schenken, selbst für einen kurzen Moment. Auch musste sie an ihren Bruder denken, obwohl die einzige Ähnlichkeit von Jannis und ihm, das Alter war.
Mar warf noch einen letzten Blick auf Jayan zurück und winkte ihm, bevor sie Jannis folgte.
Sie schlenderte eher, als ging. Ihre Augen versuchten jegliche Details aufzunehmen und zu entdecken. Ein richtiges Abenteuer für Marcella. Selbst die Wände waren für sie interessant und jede kleine Dekoration. In ihrem alten zu Hause gab es weder Dekoration, noch waren die Wände in irgendeiner Form interessant. Aus schlichtem Holz waren sie.
Marcella fühlte sich etwas unbehaglich so ganz still hinter Jannis herzulaufen. Wahrscheinlich würde er auch nichts sagen, vielleicht war das eine Art Dienstboten-Regel. Also wartete Mar nicht bis er etwas sagte, sondern versuchte ein Gespräch aufzubauen. Sie war etwas aus der Übung und bestehlen konnte sie ihn ja wohl schlecht. Und Mar war sich darüber im klaren, dass sie wahrscheinlich nicht noch ein Mal so glücklich davon kommen würde wie bei Jayan.
"Äh... Du heißt Jannis, oder?" Marcella räusperte sich und schüttelte über ihren jämmerlichen Kontaktversuch den Kopf.
"Arbeitest du schon lange bei Herr Cerrou?", hängte sie schnell hinter her.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Mi Feb 07, 2018 9:58 pm

Der junge Mann mit dem schwarzen Haarschopf lächelte und zeigte dabei erstaunlich weisse Zähne, die in dem dunklen Gesicht umso heller blitzten. Höflich verneigte er sich und bedeutete Marcella mit einer Geste ihm zu folgen, nachdem auch Jayan die Hand zum Abschied gehoben hatte. Der Hausherr konnte dabei nicht anders als ein wenig zu schmunzeln. Die Eingangshalle führte in einen atriumartigen Innenhof mit einem grossen Wasserbassin, in dem kühles, klares Nass plätscherte. Der Hof war nicht überdacht, lediglich einige Sonnensegel spannten sich zwischen ihm und der azurfarbenen Bläue des Himmels, der halb zu Karatina und halb zu Tragalún gehörte. Ringsum erhoben sich schneeweiss getünchte Mauern, Eingänge, Fenster und Balkone, dazu einige Treppenaufgänge, die ins obere Stockwerk führten. Es duftete süss nach der rankenden Blütenpracht, die allüberall die Mauern hinauf kletterte. Das Wasserbecken schien jedoch nicht das Bad zu sein, denn Jannis wandte sich einer Treppe zu und huschte behände hinauf, wobei er sich hin und wieder umdrehte, um zu sehen ob der Gast auch nachkam.

Oben gelangte man über eine kleine, blütenüberwucherte Balustrade auf einen Gang, von dem mehrere Türen abzweigten. Hier waren die Wände kunstvoll mit dunklem Holz vertäfelt, unterbrochen von Einlegearbeiten in Blattgold und Edelsteinmosaiken. Der Boden war mit farbenprächtig gewebten Teppichen ausgelegt, in die man fast bis zu den Knöcheln einsank. Auch hier waren in Nischen und Vitrinen Kunstschätze ausgestellt, die sicher sehr wertvoll waren. Jannis ging jedoch weiter, Marcella würde sich später genauer umsehen können. Natürlich sagte er von sich aus nichts. Es gehörte sich für Dienstboten nicht geschwätzig zu sein. Wenn das Wort an einen gerichtet wurde, war es aber durchaus angemessen zu antworten, denn unfreundliche Trampel waren ebensowenig gelitten. Ein wenig überrascht sah der junge Mann über die Schulter und ging langsamer, um Mar aufholen zu lassen. "Ja", antwortete er mit einem Kopfneigen, als sie neben ihm ging, und liess wieder das blitzende Lächeln sehen. "Und du Marcella", stellte er unter Beweis dass er aufgepasst hatte. "Seit vorigem Jahr. Mein Vater hat einen Gemüsehandel in der Unterstadt. Aber mein älterer Bruder wird ihn übernehmen, und zwei Familien kann er nicht ernähren. Also musste ich mir eine andere Arbeit suchen", erzählte er durchaus leutselig und blickte nun seinerseits den jungen Gast mit verhaltener Neugier an. "Und du? Wirst du auch für den Herrn arbeiten?"

Jayan seufzte leise und machte sich nun seinerseits auf den Weg, wobei der ältere Diener Sebastian an seine Seite eilte um ihm die Treppen hinauf zu helfen. Treppen. Die hasste er noch mehr als Falten im Teppich. Gerüchteweise hatte er von einer Vorrichtung erfahren, die man angeblich in Forcewald entwickelt hatte. Eine schwebende Plattform, die in einem Schacht hinauf und hinunter fuhr. Dummerweise wusste niemand etwas Genaueres. Aber er hätte sein linkes und wahrscheinlich auch sein rechtes Bein gegeben, um so ein Ding in die Finger zu bekommen. Natürlich, mit solch einer praktischen Einrichtung brauchte man schliesslich keine Beine mehr. "Ah, sapperlot! Ist das Bad bereit, Sebastian? Ich fühle mich wie ein zweihundertjähriger Tattergreis", seufzte er kellertief, was den Diener zum Schmunzeln brachte. "Seid versichert, ihr seht nicht einen Tag älter als dreissig aus, Herr." Er war wohl der Einzige im Haus, der sich derlei Freiheiten erlauben durfte. Der Kopf des Silberhaarigen ruckte herum und mass den älteren Mann mit einem halb strengen, halb amüsierten Blick. "Du weisst zumindest wie man Honig auf die Seele träufelt. Sei so gut und schicke gleich eine Magd, um nach unserem Hausgast zu sehen, ja?" "Gewiss doch. Sobald ich Euch zu Eurem Bad verholfen habe, Herr." "Danke." Jayan lächelte leicht. Was würde er nur ohne dieses treue alte Faktotum machen?
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am So Feb 11, 2018 6:15 pm

All der Luxus raubte Mar jegliche Aufmerksamkeit. Nicht mal in ihren kühnsten Träumen gab es so etwas. Selbst die Schuhe in denen Marcella lief, ließen ihr eine n Schauer über den Rücken laufen. Diese Räume mussten so viel wert sein. Das Diebesherz des Mädchen regte sich, aber sie konnte niemanden bestehlen, der ihr so viel Güte entgegen brachte. Und vielleicht würde sie ja sogar durch Jayan aus der Not des Stehlens herauskommen.
Marcella legte einen Schritt zu, schaute noch hier und da nach hinten und versuchte bei Jannis Schritt zu halten. Niemals würde sie den Weg nach draußen finden. Dieses große Haus kam ihr vor wie ein Labyrinth. Mit geöffnetem Mund starrte sie die Wände an.
"Ja. Ich bin Marcella", bestätigte sie Jannis und war erstaunt darüber, dass er sich ihren Namen gemerkt hatte. Jayans Hausangestellte wirkten wirklich auserwählt und gut eingearbeitet.
"Ich denke in einem solchen Haushalt zu arbeiten," Mar machte eine weihholende Bewegung und sah Jannis an, "ist etwas amüsanter als an einem Gemüsestand. Und wie bist du an Herr Cerrou gelangt?"
Marcella zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht genau, ob Herr Cerrou eine geeignete Arbeit für mich hat. Ich kann nicht sehr viel", gab sie murmelnd von sich und lächelte. Sie machte sich keine Sorgen mehr. Diesen Abend würde sie genießen, egal ob Jayan Cerrou sie am nächsten Morgen ziehen lässt oder dabehalten wird. Das junge Mädchen hoffte sie könnte hier bleiben und ein neues Leben anfangen. Dann könnte sie den ganzen Tag die prachtvolle Architektur anschauen und vielleicht sogar etwas gescheites lernen.
"Dieses Haus ist wirklich sehr riesig. Wie kannst du dir nur den Weg merken?", fragte Marcella den Jungen.
Während sie weiter durch die Gänge schritten, fragte Marcella sich was Jayan wohl tat.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Mo Feb 12, 2018 10:43 am

Zum Stehlen wären die ausgestellten Kunstgegenstände auch zu gross gewesen. Es handelte sich hauptsächlich um Skulpturen und Bildnisse, sowie antike Waffen. Das eine oder andere magische Stück mochte auch darunter sein, aber abgesehen davon dass man schwerlich ungesehen mit solch sperrigen Gegenständen aus dem Haus kam, konnte man sie ohne entsprechende Beziehungen auch kaum zu Geld machen. Es sei denn, man gab sich mit dem Materialwert von ein paar Münzen zufrieden, oder riskierte verpfiffen zu werden weil sich jemand den "Finderlohn" verdienen wollte. Was Mar nicht wissen konnte war, dass ausgerechnet der ehrenwerte Herr Cerrou der richtige Ansprechpartner für derartige Unernehmungen war.

Auch Jannis schien das Staunen des jungen Hausgastes aufzufallen. Er grinste ein bisschen, aber nicht spöttisch, sondern eher wissend. "Als Sebastian mich zum ersten Mal durch das Haus geführt hat, habe ich auch kaum den Mund wieder zu gekriegt", nickte er. Es schien in diesem Haus üblich zu sein Arcum zu sprechen, denn eine andere Sprache hatte man bisher noch nicht vernommen. "Ich bin von Tür zu Tür gegangen und habe gefragt ob sie Personal einstellen", erzählte der junge Mann freimütig. "Das ist hier so üblich. Wenn man Arbeit sucht, geht man einfach hin und fragt. Irgendwann gibt dir schon jemand welche. Aber dass man mich hier herein bittet, hätte ich auch nicht gedacht." Er lächelte leicht. "Die Bereiche zu denen man Zutritt hat, merkt man sich mit der Zeit. Es gibt aber Räume, die nur ausgewählte Dienstboten betreten dürfen. Zum Beispiel die Privatgemächer des Herrn. Da war ich noch nie. Und ich will auch nicht rausfliegen, deshalb ist meine Neugier nicht gross genug."

Jannis blieb vor einer Tür stehen und öffnete sie. Anscheinend waren sie bei ihrem Ziel angekommen, denn sanfte Nebelschwaden umfingen die Eintretenden. Sie stiegen von einem geräumigen Badebecken auf, welches in einem Sockel eingelassen war. Marmorne Stufen führten hinauf, damit der Badegast nicht umständlich hinein klettern musste. Auch Boden und Wände waren mit weissem Marmor verkleidet, unterbrochen von goldenen und blauen Intarsien, welche Meerestiere darstellten. Rund um das Badebecken waren Flakons in verschiedenen Formen und Grössen aufgestellt, die wohl Badeessenzen und Seifen enthielten. Dazu lagen saubere Tücher zum Abtrocknen bereit. Wie fast jeder Raum in diesem Haus hatte das Bad einen zweiten Ausgang, der hinaus auf einen Balkon oder Balustrade führte, die vermutlich auch wieder irgendwohin mündete. Von dort wehte Blütenduft und eine Ahnung des heissen Wüstenwinds herein, der von Tragalún über die Berge kam. "Wir sind da", lächelte der junge Dienstbote und verneigte sich, indem er eine einladende Geste machte. Das bedeutete wohl, dass diesen Raum zu betreten Marcella allein vorbehalten war.

Bei Jayan dauerten derlei Dinge etwas länger. Beim An- und Auskleiden brauchte er Hilfe, was weniger an der Kleidung, als an den orthopädischen Hilfsmitteln lag, die zu verbergen er zu einer Kunstform entwickelt hatte. Sein Kammerdiener und Vertrauter Sebastian war der Einzige, der dieses Geheimnis kannte, und wenn es nach dem Willen des Dunkelelfen ging, würde auch niemals sonst eine lebende Seele davon erfahren.  Endlich war es geschafft, und auch der Hausherr konnte sich in die heissen Fluten des Badebeckens aus schwarzem Granit sinken lassen, was seine Muskeln und Gelenke augenblicklich mit wohliger Entspannung dankten. Jayans Privatgemächer waren düsterer eingerichtet als der Rest des Hauses, wenn auch nicht weniger erlesen. Vor allem Schwarz und Rottöne herrschten vor, dazu gedämpftes Licht von Kerzen, Kohlebecken und Öllampen. Dieser Teil war wie eine Kaverne in den Berg gehauen worden, weshalb kaum Tageslicht hinein fiel. "Eure heutige Korrespondenz liegt auf dem Schreibtisch, Herr", neigte der Diener den Kopf und wartete noch einen Moment ab, ob der Hausherr noch etwas von ihm wollte. Dieser schloss jedoch nur die Augen und liess ein leises Seufzen hören. "Ich werde mich später darum kümmern, danke dir. Ah! Bring doch bitte in Erfahrung was unser Hausgast gern speist", lupfte er schliesslich doch ein Augenlid und lächelte. "Sehr wohl, Herr." Damit huschte der Diener wie ein Schatten davon, behänder als man es einem Mann seines Alters zutrauen würde.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Mar am Mo Feb 12, 2018 8:26 pm

Hätte das Mädchen wirklich nur von Tür zu Tür ziehen müssen, um ein anständiges Leben zu leben? Zum aller ersten Mal fragte Mar sich, ob sie wirklich alles richtig gemacht hatte oder ihr ein gravierender Fehler unterlaufen war, als sie anfing zu klauen. Es konnte doch nicht wirklich so einfach gewesen sein. Aber dann hätte Marcella auch Jayan und sein prachtvolles Anwesen nicht kennen gelernt. Vielleicht war dies ja doch der richtige Weg gewesen.
Mar entschied sich dafür, erst Mal nicht darüber nachzudenken. Sie musste über noch so vieles nachdenken. Immer noch spuckten die seltsamsten Gedanken in ihrem Kopf herum, aber sie konnte nicht klar darüber nachdenken, solange all die neuen Dinge ihren Weg kreuzten.
Und so blieb Marcella abrupt stehen als sie die riesengroße Badewanne sah.
"Ein See in einem Haus", murmelte sie und schluckte schwer.
"Kann ich darin ertrinken? Ich kann nicht schwimmen, Jannis."
Marcella sog die feuchte, warme Luft ein, die einen leichten Duft von den Essenzen in sich trug. Mit langsamen Schritten, die kaum zu hören waren, schritt sie zu den Handtüchern und strich über sie. So etwas weiches hatte das Mädchen noch nie gefühlt.
Unsicher sah sie zu Jannis, als sie bemerkte, dass er stehen geblieben war. Natürlich würde sie jetzt alleine baden.
"Eh...", brach sie hervor. "Dann bis nachher, denke ich."
Bevor Marcella sich wieder dem großen Becken zuwandte, fügte sie noch schnell hinzu: "Und danke, dass du mich hier her gebracht hast."
Nun stand sie gleich ganz alleine in diesem Raum und wusste nichts mit sich anfangen. Zu Hause hatte Mar auch alleine gebadet, sie war ja schon alt genug. Aber nie in so einem riesigen Becken mit so viel Auswahl an Seife. Und vor allem hatte sie schon sehr lange nicht die Kleidung ihres Bruder abgelegt, die sie so gut als Jungen getarnt hatten.
Seufzend sank sie in die Knie und hielt eine Hand in das warme Wasser. Auch hatte man in ihrem Haus stets kalt gebadet. Nur ihr Vater hatte damals das Privileg gehabt ein heißes Bad zu sich zu nehmen. Selbst so etwas unbedeutendes erinnerte das Mädchen an ihre Familie. Schwerfällig schluckte Mar den tiefen Kloß in ihrem Hals hinunter. Es war nun Mal gekommen, wie es gekommen ist und nun war sie nun Mal auf sich alleine gestellt.
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Re: Anwesen der Familie Cerrou

Beitrag von Jayan am Mo Feb 12, 2018 10:06 pm

Was für Bangalore galt, galt nur sehr bedingt für den weit grösseren Rest von Karatina. Die Felsenstadt atmete den Reichtum sozusagen aus allen Poren. Sicher mochte es hier relativ einfach sein in Lohn und Brot zu kommen, allerdings waren abgerissene Streuner nirgends gern gesehen. Jannis entstammte immerhin einer einheimischen Familie, die ein ehrbares Geschäft führte. Mar konnte keinen Leumund vorweisen, und in ihrem zerlumpten Aufzug hätte man sie wahrscheinlich davon gejagt. Jemand wie Jayan Cerrou hätte sicher keine Notiz von ihr genommen, wenn sie nicht selbst dafür gesorgt hätte dass sie ihm auffiel.

"Ein... See?" Jannis machte ein überraschtes Gesicht, grinste aber dann. "Du bist witzig! Ja, das Badebecken ist ziemlich gross, viel grösser als der Zuber bei meinen Eltern. Da passt nur einer rein, und der muss noch sitzen. Hier kann man die Beine gaaanz ausstrecken." Er lachte leise und reckte ersatzweise die Arme. "Aber ertrinken kann man darin nicht, glaube ich. Es ist nur so tief, dass einem das Wasser bis zur Brust reicht, wenn man drin sitzt. Ich hab's mal ausprobiert. Aber psst! Verrat's nicht dem Herrn!" Der junge Mann legte verschwörerisch einen Finger an die Lippen. Wahrscheinlich würde Jayan ihn allenfalls pro forma dafür massregeln, dass er sich heimlich ein Bad in der herrschaftlichen Wanne gegönnt hatte. Aber man musste ja keine schlafenden Hunde wecken.

Jannis blieb, ganz beflissener Dienstbote, noch im Eingang stehen für den Fall dass der Gast noch Fragen hatte. Erst als Mar ihn verabschiedete, verneigte er sich artig und schloss die Tür von aussen. "Gern", lächelte er dabei. Es war wohl nicht unbedingt gewöhnlich, dass man sich bei ihm bedankte. Die Badetücher waren tatsächlich wolkenweich, und vor allem gross. Jemand von Marcellas Grösse konnte sich ganz darin einwickeln. Auf einem steinernen Waschtisch an der Wand lagen zudem Kamm und Bürste für die Haare bereit, eine silberne Wasserschüssel, sowie auch ein Tiegel mit einer minzig riechenden Paste und eine sehr kleine Bürste. Falls das Mädchen dieses "Besteck" kannte, sollte sie wissen dass es zum Zähneputzen gedacht war. Das Wasser in der Wanne war angenehm temperiert und verströmte einen zarten Rosenduft. Von draussen waren zwitschernde Vogelstimmen zu hören und die breite, offene Fensterfront flutete den Raum mit Licht.
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