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Geschenkt ist nur der Tod

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Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Di März 20, 2018 11:43 pm

das Eingangsposting lautete :

„Wenn Du Dich erholt hast, suchen wir uns irgendeinen lukrativen Auftrag und ich zahle meine Schulten zurück“, hatte Outis einige Tage zuvor im ‚Goldenen Auerhahn‘ versprochen. Und er hätte lügen müssen, wenn er behauptet hätte, dass er die Worte seither nicht das eine oder andere Mal bereut hätte. Denn das besagte Gasthaus war mehr als nur eine Spur zu nobel für seine Ansprüche und die Schulden waren seit diesem Ausspruch nicht weniger geworden. Selbst Wasser hatte hier seinen Preis. Dafür war es aber auch sauber und er hatte bisher keine Magenkrämpfe von diesem ungewohnten Getränk bekommen.

Wie leicht wäre es doch gewesen die verletzte Selina liegen zu lassen und sich davonzuschleichen. Er hätte irgendwo im Gassengeflecht der Stadt verschwinden oder sein Glück fortan in irgendeiner anderen Ansiedlung versuchen können. Andererseits hieß es, dass man sich im Leben immer zweimal begegnete. Und er hatte kein gesteigertes Bedürfnis danach einer Kopfgeldjägerin zu begegnen, die noch eine Rechnung mit ihm offen hatte.

Außerdem war die Aussicht darauf, gemeinsam mit Selina einen Auftrag anzunehmen, nicht wirklich abschreckend. Ihrem Geldbeutel nach zu schließen hatte sie ein glücklicheres Händchen für Geschäfte als er – oder sie war einfach nur sehr viel besser darin ihr hart erarbeitetes Gold beisammen zu halten – und er mochte ihre direkte Art. Nichts war schlimmer, als Mädchen, die aus jeder Kleinigkeit ein Ratespiel machten. Zumal er schon lange den Verdacht hegte, dass Männer bei solchen Spielen nur verlieren konnten.

Nur der Gedanke daran einen guten Teil des Gewinnes gleich wieder abdrücken zu müssen, hinterließ einen faden Beigeschmack. Schließlich hätte man die klingenden Münzen auch in harten Alkohol oder die eine oder andere Stunde in der süßen Gesellschaft leichter Mädchen investieren können. Aber man konnte eben nicht alles haben im Leben.

Inzwischen ging es seiner Gönnerin ein gutes Stück besser und wenn er sie richtig einschätzte, würde ihr die Rolle der Patientin bald langweilig werden. Darum hatte er heute darauf verzichtet Selina Gesellschaft zu leisten und stattdessen damit begonnen sich in der Stadt nach möglichst lukrativen Aufgaben umzuhören. Pünktlich zum Abendessen war er wieder da. Heute würde er sich das Zweitbilligste von der Karte gönnen. Denn es war eh schon egal und außerdem konnte er keine Rollgerste mehr sehen.

„Es treiben wohl ein paar Vandalen ihr Unwesen in der Stadt. Freche Sprüche gegen die Obrigkeit an Hauswänden“, teilte er Selina seine Erkenntnisse zwischen zwei Bissen mit. „Es ist eine Belohnung auf sie ausgesetzt.“ Allerdings schien er nicht gerade begeistert von der versprochenen Summe zu sein. Sie war genauso lächerlich wie das ‚Vergehen‘, um das es ging.

„Außerdem soll vorgestern Nacht ein zwölfjähriger Lümmel seinen Vater erstochen haben. Er ist seither auf der Flucht. Allerdings war der Vater ein armer Schuster und ich muss dir ja nicht erklären, wie sich das auf das Kopfgeld auswirkt.“ Outis wollte den faden Geschmack, den auch dieser Auftrag bei ihm hinterließ, mit dem Inhalt seines Bechers hinunterspülen und verzog das Gesicht, als er daran erinnert wurde, dass es sich dabei nur um Wasser handelte. „Zuletzt hätten wir eine ‚Hexe‘ in einer nahen Ortschaft. Sie hat ihre Mitmenschen angeblich mit Haarausfall, Hühneraugen und ähnlichen Übeln belegt. Die Dorfbewohner haben ordentlich zusammengelegt, um sie endlich loszuwerden. Entweder ist es sehr gutes Geld für den Kopf eines harmlosen Kräuterweibes, oder gerade so genug, um sich dafür vielleicht mit Magie auseinanderzusetzen.“
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Sa Jun 30, 2018 5:55 pm

„Keine Sorge, ich werde es schon nicht versäumen dich an meinem Reichtum teilhaben zu lassen“, versicherte Outis augenzwinkernd. Dass Selina seinen Schnaps ablehnte, schien er ihr nicht übel zu nehmen. Immerhin blieb so mehr für ihn. „Ja, ist gewöhnungsbedürftig dieses Zeug“, gab er zu. „Aber man muss nehmen, was man bekommt.“ Nachdem er nochmal aus der Flasche getrunken hatte, räumte er sie wieder weg.

Aneinander gelehnt setzten sie Mahlzeit fort und auch der Söldner genoss die Ruhe, die nach der unsanften Unterbrechung durch die Schnapper wieder eingekehrt war, die Nähe und die Gesellschaft. „Es gibt vermutlich ein paar ehrenwertere Männer, als mich“, räumte er ein. „Von etwas Ganovenehre abgesehen habe ich da nichts vorzuweisen. Vielleicht ist es auch nur ein Anflug, von dummem männlichem Stolz, jedenfalls habe ich nicht vor zu versuchen dich irgendwie auszunutzen. Und ich habe das Gefühl, dass es nicht nur daran liegt, dass ich Angst vor den Konsequenzen hätte…“ Der Krieger lachte leise über seine eigenen gefühlsduseligen Worte, lehnte sich zurück bis er auf dem kiesigen Grund zu liegen kam und zog Selina dabei mit sich.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Selina am Mo Jul 02, 2018 10:49 pm

Selina ließ sich ohne großen Abstand mitziehen und machte es sich anschließend neben dem Söldner gemütlich. Sie legte sich auf seinen Arm und begann abwesend mit einer Hand über sein Hemd zu streichen, während sie erzählte.
"Ich hatte nie das Gefühl, dass du mich ausnützen würdest." Damit hatte sie wohl so einige Erfahrung gemacht. Solange sie keinen Zwinger um den Hals hatte war noch alles gut. "Und selbst wenn...es ist nur Geld. Im Gegenzug habe ich ja auch eine schöne Zeit gehabt." Das Streichen der Hand wandelte sich langsam eher in ein Tippen, das fast so schien als hätte es einen eigenen Takt. "Aber schön, dass du weißt, dass du in dem Fall nicht einfach ungestraft davonkommen würdest.", grinste sie. Eigentlich wüsste sie nicht einmal wie sie reagieren würde, sollte sich Outis doch als zweiter Sky herausstellen. Wahrscheinlich wäre sie vor allem enttäuscht. Aber Selina war sich sicher, dass dies nicht der Fall war, also machte sie sich keine weiteren Sorgen. Stattdessen kuschelte sie sich einfach weiter an Outis und genoss die restliche Zeit mit ihm.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Mo Jul 02, 2018 11:16 pm

Outis schloss die Augen und sog genießerisch den Geruch von Selinas Haar ein. Eigentlich roch es hauptsächlich nach dem Rauch des Lagerfeuers und doch war es seinem Empfinden nach sehr angenehm. Trotz der Ruhe hier schlug das Herz des Söldners viel zu schnell, wenn man bedachte, dass sie einfach nur nebeneinander lagen und die Berührungen der Kopfgeldjägerin weckten die Erinnerung an irgendein Lied, die er nicht ganz greifen konnte, in ihm.

Nach einer Weile wurden die Schnapper unruhig. Irgendwas oder irgendjemand musste sich ihrem Lager genähert haben. Doch hier erwies es sich tatsächlich als nützlich das Rudel in der Nähe zu haben. Das nervöse Knurren und Bellen der Biester reichte aus, um so ziemlich jedem Reisenden und jeder Kreatur des Waldes dazu zu bringen, eine andere Richtung einzuschlagen. Und so blieben sie beide einfach faul liegen und warteten ab. Allmählich mischte sich intensiver Bratengeruch in den rauchigen Duft ihres Haares, auch wenn es noch einige Zeit dauern würde, bis die großen Fleischstücke durch waren. Und Outis hatte ohnehin mehr Appetit auf eine andere Köstlichkeit. Auf einen Kuss, frisch gestohlen von Selinas Lippen. Und den holte er sich dann auch.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Selina am Mi Jul 04, 2018 9:58 am

Selina blieb einfach neben Outis liegen und lauschte dabei dem rhythmischen Geräusch seines Atems und des Herzschlags. Letzteren spürte sie schon fast unter sich, so stark war er, und für einen Moment fragte sie sich, ob sie im Moment wirklich die Verantwortliche dafür war. Es kam ihr ja etwas seltsam vor, da beide nur nebeneinander lagen, aber gleichzeitig war sie auch etwas stolz darauf.
Nur als die Schnapper begannen unruhig zu werden, sah Selina kurz auf und blickte sich um, ohne etwas erkennen zu können. Outis' neues Rudel schien allerdings nicht nur für Kämpfe gut zu sein und was auch immer sich im Wald befunden hat wieder vertrieben zu haben, also legte Selina ihren Kopf nach kurzer Zeit schon wieder auf die Brust des Söldners.

Sie hätte wahrscheinlich einfach so einschlafen können, hätte Outis sie nicht mit einem erneuten Kuss aus ihren Gedanken geweckt. Ohne zu zögern erwiderte sie die Geste. Dabei zog sie sich langsam immer höher an Outis, bis sie letztendlich mehr auf als neben ihm lag. Nach einer Weile löste sie sich wieder von ihm, setzte sich auf ihm auf und strich dabei ihre Haare aus ihrem sowie Outis' Gesicht. Es hatte wohl doch seine Vorteile eine kurze Frisur zu haben, oder sich täglich die Mühe zu machen einen aufwändigen Zopf zu flechten. Selina war allerdings zu faul für beides.
"Das werde ich vermissen...",  meinte sie mit einem trüben Lächeln und stützte sich dabei mit zwei Händen auf seiner Brust ab, als sie sich leicht zu Outis vorbeugte.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Mi Jul 04, 2018 1:06 pm

„Ich werde dich auch vermissen“, zu seiner eigenen Überraschung fühlten sich Outis Worte wahr an. Er hatte bislang nie irgendwelche Probleme gehabt eine Damenbekanntschaft hinter sich zu lassen. Es war ihm auch immer mehr um die Sache, als um die Person, mit der er sie teilte, gegangen. Mit Selina war das irgendwie anders. Selina war irgendwie anders.

Gedankenverloren spielte er mit einer Strähne ihres Haares. Bisher hatte er solche Gefühle immer als ein Element von Geschichten abgetan, mit denen man einigen unreifen Mädchen ein sehnsüchtiges Seufzen und allen anderen Zuhörern ein müdes Lächeln entlocken konnte. Nach einer Weile verscheuchte er diese Überlegungen mit einem Kopfschütteln wie ein lästiges Insekt. Seine Zeit mit Selina war zu kostbar, um sie mit Gefühlen zu verschwenden. Entschlossen legte er seine Hand in ihren Nacken und zog sie nahe genug an sich, um ihre Lippen mit den seinen zu erreichen. Abermals kamen sie sich sehr nah. Und sie wären sich wohl noch näher gekommen, wenn nicht ein Knacken in den Zweigen etwas angekündigt hätte, das sich nicht einmal von den aufgeregten Lauten der Schnapper zur Umkehr bewegen ließ.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Selina am Fr Jul 13, 2018 2:13 pm

Selina strahlte fast ein wenig auf, als sie das "dich" in seinem Satz bemerkte. Er würde nicht nur den Ort oder die Zeit mit ihr vermissen, nein, er hatte ausdrücklich sie selbst erwähnt. Vielleicht waren es am Ende ja auch nur leere Worte, aber für den Moment erfreute sich Selina trotzdem daran.
So ließ sie sich auch einfach erneut von Outis zu sich ziehen. Für Selina hätte es ewig so bleiben können... sich alleine irgendwo in der Wildnis nach einem ereignisreichen Tag gegenseitig in den Armen liegen. Fast wäre sie schon wieder in diesem Wunschdenken versunken, wenn da nicht wieder dieses Knacken im Unterholz gewesen wäre.

Nach den Schnappern wusste Selina nicht, was die beiden jetzt noch erwarten könnte, aber Vorsicht war in diesem Fall wohl besser als Nachsicht, also löste sie sich mit einem bedauernden Blick vom Söldner und sah in die Richtung aus der das Geräusch zu kommen schien. Etwas genaues konnte sie immer noch nicht ausmachen, aber spätestens als ein Pfeil in die Richtung des Lagers geflogen kam und nur knapp neben den Schnappern in den Boden sank, musste sich Selinas wohl damit abfinden, dass die Welt sie an diesem Abend wohl doch nicht so alleine lassen wollte wie erhofft. Konnten diese zufälligen Angreifer auch nicht einmal warten, bis sie wenigstens etwas mehr als ein Hemd trug?
Schnell rollte sie sich von Outis und nahm dabei ihre Armbrust auf, mit der sie nun in die Dunkelheit des Waldes zielte. Die Luft zwischen dem Lager und dem versteckten Angreifer ließ sie dabei leicht zittern. Falls noch ein Pfeil in ihre Richtung fliegen sollte, würde dieser hoffentlich weit genug abgelenkt werden, dass niemand zu Schaden kommen könnte.
"Zeig dich!", war ihr einziger Befehl an die Person(en) in der Dunkelheit.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Sa Jul 14, 2018 10:58 am

Während der Instinkt die Schnapper, diese verrückten Viecher, dazu drängte sich auf den Angreifer zu stürzen, verlangte Outis durch einen unangenehm gutturalen Laut von ihnen sich zurückzuziehen. Letztendlich verharrte das Rudel einfach auf dem Fleck, wie auf dem Präsentierteller. Sehr zum Leidwesen des Söldners, der keine Lust hatte sein neu erworbenes Kapital, für das er hatte kämpfen müssen, gleich wieder zu verlieren.

Doch zu seiner anfänglichen Überraschung ging der nächste Pfeil noch weiter daneben als der erste. Dann erst wurde ihm klar, dass es an Selina, die wieder diesen konzentrierten Blick aufgesetzt hatte, liegen musste. Eine tolle Frau, die sofort reagierte, wenn es notwendig wurde. Seine Wut auf den- oder diejenigen, die seine kostbare Zeit mit ihr gestört hatten, wuchs.

„Sie hat gesagt, dass ihr euch zeigen sollt. Mach das, anstatt mein Rudel über den Haufen zu schießen!“, bekräftigte er Selinas Aufforderung nochmal und hätte sich gewünscht etwas mehr Kleidung zu tragen. Das hätte ihm wohl etwas mehr Respekt verschafft. Aber tatsächlich traten nun drei abgerissene Gestalten aus dem Unterholz hervor. Ihrer Bewaffnung nach handelte es sich um die Sorte erfolgloser Söldner, die sich für ein paar Münzen für fast keine Arbeit zu schade waren. So ähnlich wie er halt. Zwei von ihnen trugen Bögen.

„Die Schnapper gehören euch?“, fragte einer von ihnen hämisch. „Dann macht es euch doch bestimmt nichts aus den Bauern des nahen Dorfes die Schafe zu ersetzen und uns die Prämie auszuzahlen, die auf diese Untiere ausgesetzt wäre.“
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Selina am Di Jul 17, 2018 8:00 am

Selina zuckte durch Outis' Befehl an die Schnapper erneut zusammen. Dass ein Mensch überhaupt in der Lage war solche Laute hervorzubringen... Auch erstaunlich, dass der Söldner wusste, wie er sein Rudel kontrollieren konnte. Aber vielleicht reagierten die wenig intelligenten Tiere auch einfach auf alles, was halbwegs zu klang wie ihr Jaulen, denn die Schnapper blieben stehen. Auch hatte sich das kleine Schutzschild als recht nützlich erwiesen, als das Rudel so offensichtlich im Lager stand und erneut ein Pfeil in ihre Richtung flog - daneben, versteht sich.

Es störte sie ja etwas, dass auch die Personen im Wald nur auf Outis zu hören schienen, denn erst als er sie erneut aufforderte sich zu zeigen, traten die Angreifer aus dem Wald. Keine besonders bedrohlichen Angreifer, wie sich herausstellte. Sie sahen aus wie die gewöhnlichen Mietklingen, die man so in den umliegenden Städten antraf.
"Und warum zur Hölle sollten wir ausgerechnet euch dafür entschädigen müssen?", gab Selina ein wenig genervt zurück. Sie war wirklich kurz davor, einen von ihnen einfach so zu erschießen. Je schneller die Söldner verschwanden, desto besser. Aber vorerst wartete sie ab, ob sich nicht etwas halbwegs Interessantes aus dem Gespräch ergeben würde.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Mi Jul 18, 2018 10:37 pm

„Hat der Kerl mit den Viechern geredet? Und ich habe bestimmt nicht so schlecht geschossen! Das geht nicht mit rechten Dingen zu“, stammelte einer der Schützen. Während sich allmählich zeigte, dass Outis doch nicht das richtige Kommando gewählt hatte. Willsns Tipp einfach möglichst grässliche Laute von sich zu geben, hatte so einfach geklungen. Doch nachdem die Schnapper eine Weile vergeblich über die Bedeutung des Gegurgels ihres ‚Anführers‘ nachgedacht hatten, stürzten sie den ungebetenen Besuchern kläffend entgegen. Diese schienen nun unschlüssig zu sein, ob sie angreifen oder weglaufen sollten. Doch so Schwerfällig Schnapper auch sein mochten, waren sie doch hartnäckig und ausdauernd. Eine Flucht war daher nicht gerade erfolgsversprechend.

Der Söldner schnalzte versuchsweise mit der Zunge und tatsächlich zögerte die Meute wieder ein paar Augenblicke. „Sollen wir die Kerle davonkommen lassen?“, fragte er Selina ohne sonderlich motiviert zu klingen. Nach den Forderungen, die diese Herumtreiber gerade gestellt hatten, wünschte er ihnen alle Schnapper des Waldes auf den Hals. Nur bestand die Gefahr, dass sie seine Tiere verletzten würden. Die drei Fremden nutzten die Verschnaufpause, die man ihnen verschafft hatte, um Pfeile auf die Raubtiere anzulegen. Es blieb also nicht viel Zeit für Entscheidungen oder Gespräche. Fragend sah Outis seine Gefährtin an. Er gab es ungern zu, aber für solche Situationen war sie wohl besser gewappnet, als er.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Selina am Mo Jul 23, 2018 11:53 pm

Irgendetwas hatten diese Kerle an sich, was Selina wünschen ließ, dass sie einfach so auf sie losgehen könnte. Zum Glück übernahmen die Schnapper schon einen Teil davon, nicht unbedingt zu Outis' Begeisterung. Der schien ein wenig Probleme damit zu haben sein Rudel unter Kontrolle zu halten. War wohl doch nicht so einfach wie er es sich vorgestellt hatte. Und dann gab es da immer noch die Jäger, die die Tiere lieber tot sehen würden. Selina hasste im Moment einfach alles an ihnen. Die Art, wie sie von ihnen abgesehen und so gut wie gar nicht beachtet wurde, dass sie einfach diese dummen Forderungen stellten und ausgerechnet jetzt aufgetaucht waren.

Selina ließ Outis' Frage kurz durch ihren Kopf gehen. Eigentlich wäre ihr gar keine Auseinandersetzung lieber und die Schnapper hatten sie immerhin schon ein kleines Stück zurück in den Wald getrieben, das war etwas. Allerdings zögerte sie nicht lange, als die Männer sich wieder kampfbereit machten. Kaum hatte der Erste damit begonnen einen Pfeil anzulegen, landete einer von Selinas in seiner Kehle. Das sollte den anderen gefälligst eine Lehre sein. Nicht noch einmal würden sie die Kopfgeldjägerin ignorieren, oder ihre kostbaren Momente mit Outis stören...um genau zu sein würden sie eigentlich gar nichts mehr machen, zumindest der eine Schütze, den der Bolzen eben erwischt hatte. Der fiel nämlich einfach röchelnd zu Boden und ließ dabei seine Waffe los.
Selina legte ihren Kopf schief in Outis Richtung mit einem Blick, der ihm wohl signalisieren sollte, dass die Antwort doch eh offensichtlich gewesen wäre, bevor sie vage in Richtung der anderen Söldner, oder wer die Fremden auch sein mochten, gestikulierte und lud ihn damit ein, sich ebenfalls am Geschehen zu beteiligen.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Mi Jul 25, 2018 10:09 pm

Da Selina seinen ersten Eindruck, zu diesem Gesindel zu teilen schien und nicht lange fackelte, stellte Outis nochmal sein Geschick als Schnapperflüsterer auf die Probe. Er versuchte es mit einer Mischung aus Bellen und Brüllen. Da die Meute nur auf irgendein Zeichen zum Angriff gewartet hätte – und nicht über die Geduld verfügte, dass sie noch lange gewartet hätte, wenn kein solches Zeichen gekommen wäre – klappte das ausgezeichnet.

Den Söldnern blieb keine Zeit ihr mangelndes diplomatisches Geschick zu bereuen. Einer von ihnen röchelte auf dem Waldboden seinen letzten Atem aus dem Leib und die anderen beiden sahen sich großen Mäulern voller gefährlich scharfer Zähne gegenüber. Natürlich hatten sie das Lagerfeuer bemerkt, waren aber davon ausgegangen, dass die Schnapper mit den Reisenden bereits kurzen Prozess gemacht hätten. Auch von einer einzelnen Stimme – noch dazu einer weiblichen – hatten sie sich nicht abhalten lassen. Sollte nicht jeder normale Mensch, dem eine Meute dieser Biester so nahe kam, froh sein, wenn jemand kam, um zu helfen?

Und die zweite Stimme, die behauptet hatte die Schnapper würden ihr gehören, hatten sie nicht ernst genommen. Wo waren die Maulkörbe? Wo waren die Ketten? Und doch schienen die Untiere auf den Kerl zu hören. Eine Erkenntnis, die für sie wohl zu spät kam. Nur einer der beiden verbliebenen Söldner hatte einen Bogen. Er versuchte zumindest einen der Schnapper zu töten, bevor er sie erreichen konnte, aber die Biester waren schwer umzubringen. Der ehemalige Alpha schien den Pfeil in der Schulter nicht einmal zu spüren.

Und auch Outis war in der Zwischenzeit näher gekommen. Darauf bedacht die Schussbahn für Selina nicht zu versperren. Mit einer scharrenden Bewegung zog er sein Schwert und deutete mit der Spitze auf einen ihrer nächtlichen Besucher, in dessen Bein sich eines seiner Tiere verbissen hatte. „Den hier übernehme ich, könntest du dich um den anderen kümmern?“
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Selina am Di Jul 31, 2018 11:03 pm

"Aber mit Vergnügen.", antwortete Selina ihrem Söldner und ehe man es sich versah, wurde der zweite Schütze von einem unsichtbaren Arm in die Luft gezogen. Mit Vergnügen traf es wohl gut. Selina hatte schon so lange keine Möglichkeit mehr gehabt, ihre Magie derartig auszukosten und jetzt wo Outis sowieso darüber Bescheid wusste, der Rest wahrscheinlich tot enden würde und sie selbst mit der Verletzung, auch nicht mehr so gut ohne Magie auskam, wollte Selina etwas mit ihren Fähigkeiten experimentieren. Sie waren mit den Schnappern ohnehin in der Überzahl, weshalb die Kopfgeldjägerin sich nicht darum bemühen musste, den Angreifer besonders schnell zu erledigen, wahrscheinlich nicht unbedingt zu seinem Vorteil.

So viele Möglichkeiten, dachte sich Selina. Da gab es den Fluss, einige spitze Bäume, oder einfach nur den Boden. So hoch wie der Fremde im Moment schwebte, sollte es genügen, ihn mit etwas Wucht wieder mit dem Boden zu vereinen. Trotzdem entschied sich Selina letztendlich für einen der abgeknickten, spitz anmaßenden Baumstümpfe, auf den sie den Mann anschließend schleuderte.

Für einen Moment zuckte sie zusammen, weil durch die Bewegung ihre Schulter wieder zu schmerzen begann und kurz musste die Jägerin innehalten, um sich vom Schmerz abzulenken und sicherzugehen, dass sie die Wunde nicht wieder aufgerissen hatte. Ihr Gegner könnte sich an einen Baum genagelt wohl kaum eigenständig wegbewegen können, also nahm sie sich die Zeit. Ein paar mal atmete Selina tief durch, bis sie das Gefühl hatte, weitermachen zu können. Bevor sie sich aber wieder dem Schützen widmete, sah sie kurz zu Outis. Zusammen mit seinem Rudel sollte er seinen Kampf eigentlich schon so gut wie gewonnen haben, aber sie wollte doch sicher sein, dass es ihm noch gut ging.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Mi Aug 01, 2018 12:11 am

Als Selina nach Outis sah, hatte dessen Gegner bereits drei Finger eingebüßt und infolgedessen sein Schwert verloren. Außerdem hatte sich ein zweiter Schnapper in seiner anderen Wade verbissen und es war entsprechend unwahrscheinlich, dass es in dem Kampf noch Schwierigkeiten geben würde.

Im Prinzip spielte Outis nur noch mit seinem Opfer, auch wenn er sich im Moment nicht sicher war, ob es ihm gefiel die Schnapper auf diese Art an den Geschmack von Menschenfleisch zu gewöhnen. Auch wenn es vermutlich keinen Unterschied machte. Die Biester fraßen ohnehin alles, was bluten konnte. Egal ob sie den Geschmack kannten oder nicht.

„Jetzt werde ich dich wohl töten müssen“, teilte er seinem Gegner gerade nüchtern mit, als er sah wie dessen weit aufgerissenen Augen zwischen Selina und seinem gepfählten Gefährten hin- und herwanderten. „Geschichten über Magie können wir leider nicht gebrauchen. Aber sei ihr deshalb nicht böse, ich hätte dich ohnehin getötet. Ganze einfach weil ich dich nicht mag.“

Der Kerl war zu sehr damit beschäftigt aus voller Kehle zu schreien, um zu antworten. Und es war fraglich, ob er überhaupt hörte was der Schwertkämpfer ihm da erzählte. Aber ganz unwissend wollte er ihn auch nicht sterben lassen. Und die Schmerzensschreie hatten etwas Vertrautes, das fast so etwas wie Heimatgefühle in dem Söldner weckte, an sich. Nach einigen Herzschlägen bereitete er ihnen dennoch durch einen gezielten Schwerthieb ein Ende und drehte sich weg, noch ehe der Kopf auf dem Boden aufschlug. Futter für die Schnapper.

Outis hielt sich nicht für übermäßig grausam und zog es in der Regel vor seinen Gegnern ein schnelles Ende zu gewähren. Außerdem gab es wichtigere Dinge im Leben als Leute zu foltern. „Der Braten könnte schön langsam fertig sein“, wandte er sich im Plauderton an Selina.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Selina am Fr Aug 17, 2018 9:20 am

Selina verschwendete nicht mehr viel Zeit mit dem gepfählten Söldner. Ihr Blick ruhte die ganze Zeit fest auf Outis. Es war ja nicht so als ob sie sich große Sorgen um einen Gegner, der in einem Baum steckte, machen musste. Die schwang lediglich einmal kurz ihren Arm in dessen Richtung und hoffte ihn damit endgültig getötet zu haben, aber wirklich sicher ging sie auch nicht mehr.
Stattdessen stürmte sie wieder auf Outis zu und fiel diesem ohne Vorwarnung um den Hals. Was genau sie dazu bewegt hatte, konnte sie nicht sagen. Ihr war im Moment einfach danach.

"Das hört sich doch gut an.", antwortete sie mit einem Lächeln, wobei sie sich fester an ihn drückte, aber sofort wieder zurückschreckte, weil ihre Schulter erneut zu schmerzen begann.
Dabei fiel ihr ebenfalls das Blut an Outis auf. Es war irgendwie offensichtlich gewesen, dass man aus einem Schwertkampf nicht völlig sauber herausspazieren konnte, aber sie wirkte dennoch etwas überrascht. Vielleicht weil die Kopfgeldjägerin einfach selten nah genug an ihre Gegner herankam, um selbst die Erfahrung machen zu können.
"Wofür haben wir eben überhaupt gebadet?", fragte Selina und wischte ein paar rote Flecken von Outis' Hals.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Fr Aug 17, 2018 4:30 pm

Outis genoss die stürmische Umarmung, obwohl sie ihn etwas blöd dastehen ließ. Er hatte noch immer das Schwert in seiner Hand und durch die Nähe zu Selina konnte er es nicht wegstecken, um seine Finger frei für Liebkosungen zu haben. Außerdem hätte er die Klinge zuvor noch abwischen müssen, solange das Blut noch frisch war. Nach kurzem Zögern tat er etwas, das normal nicht seine Art war, und ließ seine Waffe auf den weichen Waldboden fallen, um der Kopfgeldjägerin mit der freigewordenen Hand durchs Haar zu fahren.

„Warum wir gebadet haben? Weil ich dich nackt sehen wollte, natürlich“, beantwortete er ihre Frage mit einem spitzbübischen Lächeln und tat so, als hätte er den kurzen Schmerz, der über ihr Gesicht gezuckt war, als sie ihre Schulter ungünstig bewegt hatte, nicht bemerkt. „Etwas, das wir jederzeit wiederholen können. Aber zuerst sollten wir uns stärken und danach steht uns der Sinn vielleicht nach einer Nachspeise…“
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Selina am Mi Aug 29, 2018 9:34 pm

"Das hättest du auch so können.", antwortete sie mit einem Grinsen.
Eine Hand streckte sich parallel zum Boden aus und nicht viel später wanderte Outis' Klinge in Selinas Griff. Sie hatte zwar nicht diese Bindung zur Waffe wie Outis sie besaß, aber dennoch wollte sie das Schwert nicht einfach einsam auf dem kalten Boden liegen lassen, auch wenn der Söldner sie dort höchstwahrscheinlich nicht vergessen hätte.

Selinas Gesichtsausdruck verzog sich leicht, als Outis erneut das Essen erwähnte. Zwar schätzte sie die Mühe, die er in ihr gemeinsames Dinner gesteckt hatte, aber dennoch hätte sie es lieber ausfallen lassen, um die Zeit stattdessen anders zu nutzen. Gut, für sie wäre es wohl einfacher das Abendessen auszulassen. Immerhin hatte sie die letzen Tage trotz der hohen Preise nicht schlecht gegessen, aber für Outis musste das gefühlt die erste ordentliche Mahlzeit seit einer ganzen Weile sein...und das obwohl es nicht mehr als eine arme, pure Wildsau auf einem heißen Stein gebraten war.
"Na dann sollten wir das wohl schnell hinter uns bringen." Unbewusst zupfte sie Outis wieder am Kragen, als sie ihm einen leichten Kuss auf die Wange gab und anschließend zurück zum Lager schwenkte. Erst dann bemerkte sie, dass sie immer noch das Schwert in der Hand hielt, also bot sie es Outis wortlos wieder an. Es war schließlich seine Waffe und Selina fühlte sich als könnte er etwas sorgsamer damit umgehen als sie es tun würde.
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Re: Geschenkt ist nur der Tod

Beitrag von Outis am Do Aug 30, 2018 1:25 am

„Und wie hätte ich das anstellen sollen?“, fragte Outis und erwiderte Selinas Grinsen. Sie hob sein Schwert auf. Der Söldner ließ sie gewähren, obwohl er sich erinnern konnte schon mehr als einmal seinem Kammeraden fast an die Gurgel gesprungen zu sein, weil er seinem Luder zu nahe gekommen war.

Als der Krieger den Braten erwähnte, glaubte er so etwas wie Enttäuschung in den Augen der Kopfgeldjägerin zu lesen. Auch, dass sie es ‚schnell hinter sich bringen‘ wollte, sprach dafür, dass er sich nicht geirrt hatte. „Was hältst Du von kaltem Braten zum Frühstück?“, fragte er deshalb und legte das Fleisch weit genug vom Feuer weg, das es nicht verkohlen würde. „Ich würde es vorziehen gleich zum Nachtisch überzugehen.“ Mit einem vielsagenden Zwinkern nahm er sein Schwer wieder entgegen. „Ihr habt gut zusammen ausgesehen, du und die blutige Klinge“, bemerkte er gut gelaunt und legte seine geliebte Waffe, besudelt wie sie war, beiseite damit er beide Arme frei hatte, um Selina an sich zu ziehen.

Morgen würde er es vielleicht bereuen und das Eisen umso länger polieren. Aber heute Nacht gab es wichtigere Dinge als ein altes Stück Metall. Davon war er schon überzeugt gewesen, bevor er ihre Lippen mit seinen versiegelt hatte. Als er von ihrem Atem trank, wurde daraus Gewissheit.
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