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Amazonenlegenden

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Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Sa Mai 19, 2018 9:39 am

das Eingangsposting lautete :

Es war einmal, wird einmal, wird niemals werden.


Und Vinu und Melva gedachten derer, die ihr Dasein verzweifelt und ohne Hoffnung im Schatten fristeten, denn sie liebten alle ihre Kinder gleichermaßen, ganz gleich wer sie auch waren; glücklich wollten sie sie sehen, denn die Tage jener Zeit waren dunkel und die Nächte bitter für jene, die nicht mehr wussten wohin sie sich wenden sollten.

Tag und Nacht suchten sie nach einer Möglichkeit wie sie dieses Wunder bewirken konnten, doch selbst sie als Göttliche – ganz gleich wie mächtig sie auch waren – konnten ohne einen Funken schöpferischer Inspiration etwas derartiges vollbringen. Selbst ihnen war es nicht möglich mit einem Gedanken allein Leid und Trauer und Sorgen von ihren Kindern zu nehmen, denn die Kinder waren frei und so sollte es auch bleiben.
Nach einer langen Zeit des fruchtlosen Sinnierens empfanden die Göttlichen selbst eine große Schwere, die sich über ihre Herzen gelegt hatte und so beschlossen sie eines schönen Morgens ihre Tochter Sola zu besuchen, die sie vergnügt und ohne Sorge in einer Lagune badend antrafen.

Da fragten sie Sola warum sie so glücklich sei und sie sagte ihnen bald, dass ihr gerade ein hübscher Gedanke gekommen war.
Jeder Tag, meinte sie strahlend, sei eine Pforte zu neuen Gedanken und Möglichkeiten. Ganz gleich wie dunkel die Nacht auch gewesen sein mochte, ein neuer Tag folgte ihr nach. Immer und immer wieder.
Ohne sich in ihrem Spiel stören zu lassen meinte sie weiter: Ein neuer Tag ist das größte Geschenk, das ich zu teilen habe.
Da lächelten Vinu und Melva, die gerührt von den klugen Worten ihrer Tochter waren und sieh da! Sie fühlten sich tatsächlich leichter.
Ein Gedanke später löste sich ein Funke ihrer unendlichen Gnade und fiel auf das Wasser und mit einem Mal war der Morgen voller Licht, Musik und Leichtigkeit.

Um diesen Tag niemals zu vergessen machten sie ihren Kindern diesen Ort zum Geschenk und ließen die Kunde verbreiten: Jede Frau, die sich von ihren Gedanken befreien wollte, solle bei Tagesanbruch zu dieser Lagune kommen, ins Wasser steigen und jeden einzelnen dieser Gedanken beim Namen nennen. Auf diese Weise würden sie sich von ihnen reinwaschen können.
Und die Kinder der Göttinnen kamen, erst vorsichtig doch bald schon immer zahlreicher bis die Lagune voller Lachen und kein einziger übler Gedanke mehr geblieben war.

„... So wird es hier im Dorf von einer Hohepriesterin zur anderen weitergegeben auf dass nie vergessen werde welche Wunder die Götterschwestern mit uns, ihren Kindern, teilten“, erzählte die Hohepriesterin Nesrin an der Schwelle der luftigen, in schwindelerregender Höhe erbauten Hütte, die auf einer Plattform zwischen den weit auseinander fächernden Astgabeln errichtet worden war. Schmale Brücken aus Lianen, Hanfseil und Brettern führten zu dieser hin und doch war ein Fehltritt genug um einen Fall aus gut zwanzig Metern Höhe nach sich zu ziehen.
Murmelnd fügte sie an: „... und, dass es immer Hoffnung für diejenigen gibt, die bereit sind sich ihr zu öffnen.“
Keine Stimme antwortete ihr aus dem Inneren der Hütte, doch Nesrin wusste auch ohne Worte, dass ihr ehemaliger Schützling wach war.
Jaiva. Und obschon sie sich von dem Mädchen gelöst hatte, hatte lösen müssen, so empfand sie noch immer tief für dieses. Sie konnte es nicht mitansehen wie sich die junge Amazone immer mehr und mehr ihrem Kummer ergab obwohl noch so viele Möglichkeiten vor ihr lagen. Sie war doch so jung.
Die ältere Amazone ging ohne noch ein weiteres Wort gesprochen zu haben und brütendes Schweigen umhüllte das Baumhaus.

Was für ein Unsinn“, murmelte die Dorne nach einer Weile. „Als ob ein paar Spritzer Wasser den Unterschied machen würden...“
Doch die Hohepriesterin wäre nicht die Hohepriesterin gewesen wenn sie nicht gewusst hätte, dass ein Grundstein genügte um die junge Amazone neugierig zu machen und so geschah es, dass Jaiva nach ein paar Tagen zum Tempel kam, um sich einfach nur so nach diesem Reinigungsritual zu erkundigen.
Freilich erzählte ihr Nesrin auch einfach nur so von dem, was zu tun war.

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am So Jul 15, 2018 5:33 pm

Ciaran hätte nicht weniger und zugleich nicht mehr irren können, denn in einer Welt wie der seinen konnte keine Tat von solcher Entschiedenheit existieren, die aus Liebe getan wurde und doch trafen seine Worte ins Schwarze, ließen Jaivas zusammen gekrümmten Leib erbeben, denn in gewisser Hinsicht war es wahr nur akzeptierte sie dies nicht. Die dornige Amazone sagte irgendetwas, das er nicht verstehen konnte und in einem erstickten Klagelaut unterging, der Schluchzen und Ringen um Luft zugleich war. Wahrscheinlich war es ein weiterer vehementer Widerspruch gewesen, der dermaßen zersplitterte, dass kein Raum mehr für Verständnis blieb.
Er konnte nicht wissen, dass sie die Trauer so weit von sich gewiesen hatte wie sie nur konnte und dies der Augenblick war, in dem sie sie letztendlich doch eingeholt hatte und nun mit aller Macht im Griff hielt. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen bis all das hatte hervorbrechen müssen.
Und nun war es ein Dunkelelf, der diesem Sturm standhalten musste und nicht so recht wusste wie er das tun sollte. Das Schicksal hatte manchmal einen seltsamen Hang zur Ironie.

In ihrem Gedankengut jedoch war kein Platz für Zweifel oder Reue; sie dachte auch nicht daran, dass er sie für ihre Schwäche verlachen würde oder wie sie ihn würde loswerden können. Tatsächlich fiel ihr jetzt, da er sich in vertraulichem Tonfall an sie wandte und Anstalten machte das zu tun, was sie unter normalen Umständen nie und nimmer zugelassen hätte, der Dolch aus den Händen. Mit einem dumpfen Geräusch landete er auf dem Boden.
Nunmehr mit freien Händen griffen dieselben nach ihm, diesmal jedoch nicht um ihn von sich zu stoßen oder ihm Übles zu tun sondern Trost bei ihm zu suchen. Finger verfingen sich in seiner Kleidung und ihr Gesicht vergrub sich dort gleichermaßen. Eine Frau, die sich freiwillig in die Arme eines Dunkelelfs begab? Das konnte nur ein Märchen sein.
Entgegen etwaiger Hoffnungen sie würde jetzt, da er sich der magischen Geste der Menschen bediente, endlich aufhören, geschah das exakte Gegenteil. Gedämpft hörte er sie wimmern und spürte das Zittern ihres Körpers, dessen Duft ihm aufgrund der Nähe kaum entgehen konnte.
Und doch... schien es ihr in gewisser Weise gut zu tun. Konnte das wirklich sein? Ciaran würde es wissen, immerhin spürte er ihr Echo in sich und trotz aller Traurigkeit und dem Schmerz, diesem Geschwür von unglaublicher Größe, wie sich etwas zu lösen begann. War das... Geborgenheit?

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am So Jul 15, 2018 8:23 pm

Ich zuckte kurz zusammen, als Jaiva plötzlich nach mir griff und ihre Finger sich in meine Kleidung krallten. Zuerst erwartete ich eine Art Angriff und spannte automatisch meine Muskeln an, um möglichst schnell reagieren zu können. Doch dann... geschah nichts. Außer, dass sie noch stärker anfing zu weinen. Augenblicklich ließ ich sie los, als hätte ich mich verbrannt, zuckte kurz zurück und verharrte dann, die Hände knapp über ihrem bebenden Körper schwebend. „Ich...ich“, setzte ich stockend an und wusste doch nicht, was ich sagen sollte. Was ich dem Schluchzen überhaupt entgegenzusetzen hatte. Doch es verebbte nicht. Es hörte einfach nicht auf. Und so senkte sich mein Blick wieder nachdenklicher geworden und von der plötzlichen Panik des Unerwarteten befreit wieder auf die Amazone. Und im selben Atemzug legten sich auch meine Hände wieder auf ihren Rücken. Es war eine unbeholfene Berührung, wie Jaiva vermutlich auch spüren würde, wenn sie dafür überhaupt einen Nerv hatte. Aber ich tat wirklich mein Bestes. Ich begann sogar ganz zaghaft auf ihren Rücken zu klopfen - eine Geste, irgendwo zwischen einem unsicheren Streicheln und einem freundschaftlichen Klaps. Wann hatte ich mich das letzte Mal so unbrauchbar gefühlt? Doch das stimmte nicht ganz, denn auch wenn der schmale Körper in meinen Armen noch immer vor Schluchzern bebte so hatte ich doch das Gefühl, dass die Schmerzen langsam weniger wurden. Langsam legten sich meine Hände etwas vertrauensvoller um sie und die Spannung löste sich aus meinem Körper. Meine Schultern sanken etwas herab und ich lehnte mich etwas weiter zu ihr, so dass meine Wange ihren Scheitel berührte. Ich schloss die Augen, während ich versuchte mit dem ungewohnten Gefühl ein anderes, lebendes, atmendes, warmes Wesen zu halten, fertig zu werden. Ich atmete tief ein und ein sanfter Ausdruck erschien auf meinem Gesicht. Sie roch nach Rosen.
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am So Jul 15, 2018 10:05 pm

Jaiva spürte natürlich, dass der Lerchossohn im Inbegriff dessen war zurückzuweichen, doch das wollte und würde sie nicht ohne weiteres geschehen lassen – nicht hier und jetzt. Es war der Instinkt eines Ertrinkenden der sie führte; ein Ertrinkender, der orientierungslos und halbtot wie er war, dennoch nach dem Stück Treibgut fasste und es nicht mehr loszulassen wagte. Und so fasste sie ihn so fest wie sie es wagte, denn bei aller Verzweiflung durfte man nicht vergessen, dass es noch immer sehr leicht war sich an ihr zu verletzen. Rosenduft war nicht das einzige Geschenk, das man ihr in der Stunde ihrer Geburt zum Geschenk gemacht hatte.  

Wann immer sich der Gedanke an die Absurdität des Moments aufdrängen wollte, schüttelte sie diesen wieder resolut ab, denn es spielte keine Rolle wer er war, wie ungeschickt er sich anstellte oder wie überfordert er sich fühlte solange er sie halten konnte. Nichts zählte in diesem Augenblick mehr und solange er das konnte, sah sie großzügig über alles andere hinweg, denn, so bitter es auch sein mochte, war das, was er ihr in diesem Augenblick mehr oder minder freigiebig angedeihen ließ, war mehr als sie in den letzten Monaten an Beistand erfahren hatte.
Sie hatte nicht den Luxus jetzt noch wählerisch sein zu können.
Mit halb geschlossenen Augen weinte die dornige Amazone noch eine geraume Weile mal still und dann wieder leise schluchzend vor sich hin, doch selbst für einen Dunkelelf würde es mit der Zeit nachzuvollziehen sein, dass das, was er hier tat, ein Selbstläufer war. Er musste gar nicht mehr tun als dazusein, sie festzuhalten und abzuwarten.
Bald schon wurde der Schmerz, der zuvor noch grell gepocht hatte, dumpfer und dumpfer, rückte bald schon in den Hintergrund und wurde von Mattheit umfangen, die alles was zu viel war auf ein erträgliches Maß abmilderte.
Der Gedanke lag nahe, dass das längst nicht alles war, doch solange er still war und sie nicht zum Reden zu bringen versuchte, war alles gut.

Und so waren es die Geräusche des Waldes, die ihre Zufluchtsstätte zurückzuerobern begannen - das Zirpen von Insekten und das fortwährende, einschläfernde Rauschen des Wassers, das sich mit dem inzwischen dämmernd rot glühenden Himmel mehr und mehr nach ihnen auszustrecken begann.

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Di Jul 17, 2018 4:59 pm

Ich tat nichts. Rein gar nichts. Zumindest hatte ich das Gefühl. Trotzdem bewirkte dieses Nichtstun irgendetwas, denn Jaivas Schluchzen wurde mit der Zeit schwächer, brandete weniger häufig erneut auf und verebbte schließlich beinahe ganz. Ohne dass ich wirklich etwas getan hatte - so kam es mir zumindest vor, denn ich hatte keine Ahnung davon, was es bedeutete jemanden zu halten und dessen Anker in der rauen See der Verzweiflung zu sein. Ich stellte nur mit Erstaunen und beinahe Unglauben fest, dass diese Geste der Menschen anscheinend wirklich irgendetwas vermochte. Oder war es einfach die Zeit, die Wunden heilte? Doch je stiller die Amazone in meinen Armen wurde, desto deutlicher nahm ich sie und unsere Umwelt wahr. Die Geräusche des Waldes drangen wieder an mein Ohr - so vertraut und fremdartig zugleich. Das Rauschen des Wassers bildete die Untermalung unserer Stille. Ich begann, mich unbehaglich zu fühlen. Was tat ich hier? Ich hielt sie in den Armen wie ein Menschenkind, nur weil sie weinte. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst war - was ich natürlich schnell wieder sein ließ- , gefiel mir dieses Gefühl auf merkwürdige Art und Weise. Ich mochte ihren Duft und das Gefühl ihrer Wärme. Die leichte Bewegung, wenn sie atmete... Ich wollte nicht, dass der Moment vorbei war. Und gerade das erschreckte mich und brachte mich dazu, mich etwas zu bewegen. "Hrm." Meine Wangen brannten und mein Blick glitt auf der Suche nach irgendwas über die Felswände. Hauptsache sie nicht anschauen. Ich räusperte mich noch ein Mal und rückte einen halben Millimeter von ihr ab. Was tat man in so einer Situation? Wenn man sich eigentlich nicht vom Fleck bewegen wollte und einen gerade diese Tatsache zu Tode erschreckte. Ich wollte nicht, dass ich mich veränderte. Sich irgendwas in mir veränderte. Ich nahm einen leicht zittrigen Atemzug, der mir nur noch mehr Rosenduft und das Verlangen meine Arme fester um sie zu schließen bescherte. "Bist du..." Mein Herz klopfte. Meine Stimme klang beinahe etwas heiser, als hätte ich sie ewig nicht benutzt. Ich blickte über ihren Kopf hinweg aus dem natursteinernen Fenster und tat wirklich mein Möglichstes, um ihrem Blick auszuweichen. Ich wollte nicht, dass sie in meinen Augen etwas las, das sie nicht wissen sollte. Etwas, das ich nicht wahrhaben wollte. Und etwas, wovor ich Angst hatte. In diesem Moment, wo sie keine Dornen zeigte, wo sie nicht schimpfte, meckerte, herumzickte oder einfach nur grimmig starrte...In diesem Moment, wo sie einen Blick auf ihr verletzliches Herz preisgab, fühlte ich mich zu ihr hingezogen. "Bist du...endlich fertig?" Ich drehte den Kopf noch etwas zur Seite, innerlich zerrissen. Ich wollte das nicht. Wollte das alles nicht. Und auf diesen Widerstand versuchte ich mich zu konzentrieren und alles andere darin zu vergraben, auf dass sie es niemals erfahren oder über diesen verfluchten Zauber lesen würde. Ich fühlte mich ausgeliefert und tat alles dafür das zu beenden. Sollte sie also lieber wieder pieksen. Damit konnte ich deutlich besser umgehen, als... damit.
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Di Jul 17, 2018 8:00 pm

Es war Ciaran nicht Jaiva, der den Weg ins Hier und Jetzt als erstes fand und es war auch nur ihm zu verdanken, dass sie seinem Beispiel mit spürbarem Zögern folgte, wissend, dass sich unbequeme Gedanken in dessen Kielwasser tummelten und ihrer Rückkehr harrten um sie zu überwältigen. Eine Grenze war überschritten worden – das wusste die dornige Amazone genauso gut wie der Lerchossohn, der dem lockenden Wispern einer spürbar gemachten, so viel weicheren Welt für einen Moment aus nächster Nähe gelauscht hatte... und Gefallen daran gefunden hatte. Sie spürte das genauso wie er wusste, dass sie sich trotz widerspenstiger Worte aus freien Stücken in seine Arme begeben hatte; ihm dennoch weit genug Vertrauen musste um diesen Moment zuzulassen.
Jedem anderen hätte er etwas vormachen können, doch bei ihr führte sein Verhalten nicht zum gewünschten Ergebnis. Jaiva bemerkte lediglich die Diskrepanz zwischen seinen Worten und dem, was ihn wirklich bewegte und das war auf überraschend einnehmende Weise erschreckend. Mit einem Mal war da so viel, das das Gräsermeer in seinem Herzen zum Rascheln brachte.

Es gab diesen einen, winzig kleinen Moment, in dem sie das Echo seiner Gefühlswelt wahrnahm und tief in ihrem Inneren erschauderte. Ciaran würde die Erkenntnis, die in ihr wie tausend Glühwürmchen aufglühte, mehr als deutlich wahrnehmen können.
Sie wusste es.

Und doch hatte auch sie ihr Gesicht zu verlieren und so lockerte sie ihren Griff als er sich zu regen begann, drehte sich auf dem steinernen Sims um ein paar Winzigkeiten, nahm einen tiefen, tiefen, zittrigen Atemzug und rieb sich ohne den Kopf gehoben zu haben mit ihrem linken Unterarm über die Augen, den Rücken an die Seite des natürlichen Fensters gelehnt.
Du bist so ein Blödmann, empfand sie anstatt ihn mit Worten auf das Offensichtliche hinzuweisen. Du glaubst noch immer, dass du mich täuschen kannst; dass du die Kontrolle hast, aber du hast nichts. Rein - gar - nichts. Und auch sie hatte... nichts.
Sie lachte leise, gab sich größte Mühe den schiefen Ton darin, der sich noch immer verdächtig nach Tränen anhörte, herunterzuspielen weil sie wusste, dass sie dies tun musste wenn sie ihrem Spiegelbild im Wasser noch in die Augen sehen wollte. Jaiva klang weder angriffslustig noch freudig und erst recht nicht schlagfertig, doch wenigstens gelang es ihr die Feuchtigkeit in ihren Augen zurückzudrängen obschon sie es nur für die Dauer ihrer Worte wagte zu ihm hinzusehen.
Ich dachte schon du lässt mich gar nicht mehr los“, waren die Worte ihrer Wahl, die nichts als Unsicherheiten mit sich brachten und die unterschwellige Botschaft, die da sagte: Das. hier. ist. niemals. passiert. Klar soweit?

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Di Jul 17, 2018 10:14 pm

Langsam, beinahe zögerlich, löste auch Jaiva sich von mir und ich nutzte die Gelegenheit, um unauffällig noch einen halben Schritt zurückzuweichen. Na toll, erst hatte ich alles getan, um schnell zu ihr zu kommen, damit sie nicht stürzte und nun tat ich alles, um von ihr weg zu kommen. Verrükte Welt. Doch ich hatte nicht lange Zeit, um mich damit oder mit einem möglicherweise aufkommenden peinlich berührtem Schweigen zu beschäftigen, denn Jaivas Lachen unterbrach diesen Moment, noch bevor er unangenehm werden konnte. Ich biss mir auf die Lippe. Sie...machte sich tatsächlich gerade über mich lustig, oder? Das in diesem Geräusch verborgene Schluchzen nahm ich kaum wahr, auch wenn es und ihre nun wieder mühsam unter die Oberfläche zurückgedrängten düsteren Gefühle mir nicht verborgen blieben - wenn ich denn einmal mehr Mut und Feinfühligkeit aufgebracht hätte, um mich ihnen zu widmen. Jetzt jedoch kämpfte ich mehr denn je mit mir selbst und dem Wissen, dass Jaiva Dinge zu wissen glaubte, die nicht für sie bestimmt waren. Mein Blick wurde fester, während ich alles Verstörende nach hinten zu drängen suchte und um meine Fassung rang. Ich setzte ein arrogantes Lächeln auf und gab mir Mühe, sie von oben herab zu betrachten.
„Ich?“, fragte ich langgezogen. „Wer hat sich denn an mich gekrallt und geflennt wie ein Baby?“ Aus meinen Augen sprühten wahre Funken. Oh nein. Ich würde mich niemals - niemals!- einer Frau geschlagen geben. „Ich dachte schon ich muss das kleine, dornige Pflänzchen bald wässern so viel Wasser wie du verloren hast. Gibt es hier einen Eimer?“, stichelte ich und fand gleichzeitig Stück um Stück mein inneres Gleichgewicht wieder. Das war bekanntes Terrain. Damit konnte ich umgehen. Es war...sicher.
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Mi Jul 18, 2018 10:57 am

Ciaran musste selbstverständlich sogleich über das Ziel hinausschießen und Jaiva, die sich innerlich noch immer entsetzlich verletzlich fühlte, stieß anstatt eines verbalen Konterschlags ein tragendes Seufzen aus. Zugleich flatterte ihr Blick im kleinstem Maße störrisch zu ihm hin. Augenbrauen hoben sich einer mehr als deutlichen Frage entgegen, die da sagte: Ist das dein verfluchter Ernst?
Doch sie ging nicht darauf ein, auf keines seiner Worte, die nur einem einzigen Gedanken geschuldet waren: Distanz um jeden Preis zu erzeugen. Distanz, die nicht greifen würde, nicht solange sie aneinander gebunden waren und so war das, was er zu tun versuchte, vor allem eines - anstrengend. Der dornigen Amazone stand der Sinn nicht nach einer Fortsetzung ihres Streits, erst recht nicht jetzt, da sie sich noch immer so aufgewühlt und ganz und gar nicht so standhaft fühlte wie sie gerne gewesen wäre.

Jaiva seufzte also und sah den Blonden kurzzeitig an ehe sie sich gänzlich abwandte. Wenn er streiten wollte, dann konnte er das mit sich selbst ausmachen. Worte schien er jedenfalls für zwei zu haben... und einen Hang dazu mit dem Speer auf einen Käfer loszugehen. Warum musste er nur so unglaublich übertreiben? Hach. Warum konnte er nicht einfach den Mund halten wenn er Freiraum wollte?
Ciaran hoffte zum Altbekannten zurückkehren zu können doch das würde nicht so leicht geschehen, denn die dunkelhäutige Frau lehnte sich nicht nur an den steinernen Rahmen des Fensters sondern setzte ihre bloßen Füße auf den Sims ab. Ihr Blick rückte nun von dem Innenraum ab und flog stattdessen dem Wald entgegen, jener Außenwelt, die mit tausend lockenden Stimmen zum Abendkontert rief.

Zum Streiten gehörten immer zwei, doch Jaiva hatte unlängst eingesehen, dass es verschwendete Mühe war weiter gegen das Band zu kämpfen. Wozu? In ein paar Stunden war all das hier vorüber. Sie versuchte es mit leben und leben lassen. Wozu sollte sie sich darum bemühen tiefgreifendes Verständnis über seine Beweggründe zu erlangen? Noch heute Nacht würde er fort sein. Sie seufzte nochmals. Nur noch ein bisschen mussten sie aushalten.

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Mi Jul 18, 2018 6:42 pm

Jaivas Schweigen war schlimmer als ein Wort jemals hätte sein können. Ich presste die Zähne aufeinander und tat es ihr gleich, als sie sich abwandte. Ich verschränkte demonstrativ die Arme und wandte ihr den Rücken zu. Gut, wenn sie schweigen wollte, konnte sie das bekommen. Dumme Kuh. Doch so gerne, wie ich sie meinen Ärger hätte spüren lassen, so wollte dieser doch nicht so einfach aufkommen.
Stattdessen beschäftigte ich mich nun umso mehr mit der Einrichtung. Nachdem ich nun mehr oder weniger zusammengereimt hatte, dass dies hier Jaivas Liebesnest gewesen war, kam ich nicht umhin ein aufkeimendes Interesse zu verspüren. Ob ich es wollte oder nicht - unbewusst fragte ich mich, was für eine Person das war, mit der sie hier ihre Zeit verbracht hatte - und die anscheinend für sie gestorben war. Die Federdecke sprang mir ins Auge, doch die konnte auch von Jaiva gefertigt sein. Immerhin trug sie auch Federn im Haar. Oder waren auch die ein Andenken? Ich zwang mich dazu, mich nicht noch einmal nach ihr umzudrehen und den Haarschmuck anzustarren. Dafür wanderten meine Gedanken beim Betrachten der Decke weiter in eine Richtung, die ebenfalls nicht gut für mich war. Peinlich berührt wandte ich mich abrupt auch von dieser ab und begann auf und ab zu gehen. Warten war furchtbar!
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Do Jul 19, 2018 8:02 am

Es verwunderte die dornige Amazone keineswegs, dass ihr Schweigen Unmut seitens Ciaran heraufbeschwor. Auf Wogen des Zorns wartete sie dennoch vergeblich, was verwunderlich genug war. Seine Überlegungen entgingen ihr dabei vollkommen und doch war sie weder in der Stimmung für Wortgefechte noch gefiel es ihr, dass sich all dies hier zutrug. Wenn sie ehrlich mit sich war, so war es nicht einmal die Anwesenheit des Lerchossohnes, die sie innerlich aufrieb - es war viel mehr jede Facette für sich genommen... und die Tatsache, dass sie sich hier auch ohne sein Zutun bereits unendlich fremd fühlte. Er hatte an diesem Ort der Erinnerung genauso wenig zu suchen wie sie selbst. Und obschon sie ihren Blick über die Ferne des Urwalds schweifen ließ, so kehrten ihre Gedanken immer wieder ins Hier und Jetzt zurück, hörte sie doch seine rastlosen Schritte. Ihr Augenmerk, es glitt nicht hinter sie, doch ihre Aufmerksamkeit saß die ganze Zeit auf seiner Schulter. Jaiva lauschte auf zweierlei Weise auf ihn, fühlte sich zu Schulterblicken verlockt, die sie nicht tat und schwieg weiterhin. Lange schwieg sie, so lange bis sich seine provokanten Worte zwischen einem bunt gemischten Allerlei und den Geräuschen um sie herum verloren hatten.

Ciaran“, sprach sie ihn dann doch an. Ihr Gesichtsausdruck gleichsam dem Anblick ihrer Augen blieb ihm dabei verwehrt - sie betrachtete das Wasserbecken, in welches sie bei einem Sturz mit viel Glück gefallen wäre und schätzte ihre Überlebenschancen ab. Es blieb bei Ungewissheit, denn weder konnte sie sagen ob das schäumende Wasser tief genug war noch ob sie gegen die geballte Macht desselben hätte anschwimmen können. Es hatte schon seinen Grund weshalb sie zuvor der Meinung gewesen war an der Schwelle dieses Simses ihr Leben auszuhauchen. Wie scheue Vögel umschwirrten sie jüngste Erinnerungen und obwohl sie sich dagegen zu wehren versuchte, hörte sie das Echo ihrer verzweifelten Stimme. Bei den Zweien und Zwölfen... Jetzt, da sie hier so still verweilten, schämte sie sich für ihre Schwäche. Wie hatte es nur so weit kommen können?! Rasch riss sie sich los, wissend, dass sie gezwungen war weitere Worte auszusprechen. Sie hätte vieles zu sagen gehabt, doch blieb es bei einem einfachen: „Setz dich. Es wird noch eine Weile dauern bis wir zu meinem Dorf gehen können.“
Wenn sie es schaffen wollten, so wusste Jaiva, brauchten sie den Schutz der Dunkelheit und Glück, viel, viel Glück. Sie dachte an ihre Streitereien. An die Begegnung mit den anderen Amazonen. An die Überquerung des Wasserlaufs.
... sie brauchten noch sehr viel mehr Glück.

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Di Jul 24, 2018 6:29 pm

Ich wandte mich mit einer Mischung aus Interesse und Widerwillen halb zu ihr um, als Jaiva meinen Namen aussprach. „Hm?“ Ich hob eine Augenbraue, um sie zum Weitersprechen zu bewegen, wollte aber gleichzeitig nicht so wirken, als würde es mich unendlich interessieren, was sie zu sagen hatte. Und dennoch wurde meine Miene etwas finsterer, als ich bemerkte, dass ihr Blick einzig dem in die Tiefe strömenden Wasser galt. Hielt sie so wenig von mir? Glaubte sie, ich sei nicht einmal ihres Blickes würdig? Wofür hielt sie sich eigentlich? Ein Funken Wut flammte in mir auf und ich nahm ihn dankbar an und ließ meine Gedanken darum kreisen. Das war ein weniger verwirrendes Gefühl als so manch anderes. Ich runzelte die Stirn, als ich glaubte ein Gefühl von Scham an der Amazone wahrzunehmen. Was sie wohl dachte? In welche Richtung ihre Gedanken sie gerade trugen? Ich selbst fühlte mich in letzter Zeit zu häufig wie ein Blatt im Wind - hin und her gerissen ohne wirklich Einfluss auf das Geschehen nehmen zu können. Ob es ihr auch so ging? Woran dachte sie?
Doch meine aufbrandende Neugierde wurde jäh zerschlagen, als sie erneut den Mund öffnete. Ich stieß mit einem abfälligen Laut ein wenig Luft aus und wandte mich demonstrativ ab. Das war es, was sie hatte sagen wollen? Das? Das und nichts anderes? Ich verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte mich an die Wand, den Blick nun demonstrativ in die entgegengesetzte Richtung geheftet. „Ich stehe lieber“, war das Einzige, was ich in diesem Moment hervorbrachte. Immerhin war mir das Schweigen nun nicht mehr unangenehm.
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Di Jul 24, 2018 6:49 pm

Jaiva rechnete mit so manchem, nicht aber mit seiner... Unzufriedenheit. Sie verwirrte sie für einen Moment dermaßen, dass sich ihm ihr von glänzenden Augen, zaghaft angehobenen Augenbrauen sowie leicht geöffneten Lippen erzählendes Gesicht letztendlich doch über ihre Schulter hinweg zuwandte – gerade rechtzeitig um zu sehen, dass er sich abwandte. Ein Blick ins Innere seiner Seele hätte weitaus mehr Aufschluss gebracht – oder ein Augenblick des stillen Verharrens. Nun war sie es, die ihn musterte und sich insgeheim Fragen zu stellen begann. Fragen, die damit begannen warum er sie zu trösten versucht hatte nur um jetzt wieder unbarmherzige Härte zu demonstrieren. Ihm gefiel all das nicht und es gefiel ihm doch... und das war in höchstem Maße verwirrend. Jetzt fragte sie sich wie die Welt sein musste aus der er entstammte, denn... er hatte natürlich recht. Sie wusste rein gar nichts über die Welt jenseits der Grenzen ihres Heimatwaldes.
Für einen Moment senkte sie ihren Blick ab, betrachtete den Haufen rastloser Blätter, die sich immer wieder neu auf dem steinernen Untergrund anordneten und in Unordnung gerieten und noch bevor sie sich erneut in trüben Gedanken verirren konnte, die Eiris und alles, was sie anbelangte betraf, hob sie ein weiteres Mal die Stimme, bemüht einen halbwegs versöhnlichen Ton anzuschlagen. Dabei zog sie erneut ihre Beine an sich heran, legte ihre Arme auf ihre Knie und bettete ihr Kinn auf diesen nieder. Auf diese Weise hielt sie ihren Kopf leicht schief geneigt und blickte ihm in aller Nachdenklichkeit entgegen.
Warum bist du nur so... wütend“, sagte sie – halb Feststellung, halb Frage, denn ihre Stimme hob sich am Ende an. Eine vollkommen harmlose Frage... oder nicht?

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Di Jul 24, 2018 7:10 pm

„Ich bin nicht...“, setzte ich zu einem impulsiven Widerspruch an, verstummte dann aber mitten im Satz. Es war ja doch zwecklos zu leugnen. Ich wusste nicht, wie gut sie inzwischen auf mich lauschen konnte, doch anscheinend gut genug, um einige Dinge mitzubekommen. Ein Widerstreit der Gefühle zeichnete sich auf meinem Gesicht ab, das ich vorsichtshalber von ihr abgewandt ließ. Ich wollte nicht, dass sie irgendetwas von dem wusste, was ich bisher immer so sorgsam verborgen gehalten hatte. Ich wollte nicht, dass sie so einfach hinter eine Fassade schaute, die jahrelang meine beste Verteidigung gewesen war. Es machte mich... auf eine ganz neue, erschreckende Art angreifbar.

„Es ist...“, setzte ich leise an, unsicher, ob ich ihr überhaupt eine Antwort geben sollte. War ich ihr eine schuldig? Ganz sicher nicht! Aber... „...respektlos den Gesprächspartner nicht anzusehen. Wenn man ihm ganz demonstrativ den Rücken zukehrt... heißt das, man hält ihn für schwach. Man braucht keine Angst vor ihm zu haben. Man fühlt sich dem anderen so sehr überlegen, dass man ihn nicht einmal im Auge behalten muss.“ Ich machte eine Pause, warf einen kleinen Blick über die Schulter und starrte dann wieder einen Punkt der Wand an. Es war die halbe Wahrheit, aber immerhin ein Stück davon. „Noch schlimmer ist es, wenn Frauen das tun.“ Weil Frauen nichts wert sind. Sein sollten. Ich schloss kurz die Augen und versuchte, in diesem Wirrwarr an Emotionen selbst noch durchzublicken. „Und es... gefällt mi nicht, wenn... deine Meinung von mir so gering ist.“ Das war wohl der eigentliche Kernpunkt und ich verfluchte mich beinahe augenblicklich dafür ihn auch wirklich ausgesprochen zu haben. Andererseits... Wieder warf ich einen Blick aus dem Augenwinkel zu ihr.
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Di Jul 24, 2018 7:48 pm

Das, was als Bestätigung ihrer Frage begonnen hatte, ging erst in ein Schweigen und dann in eine Erklärung über deren Ausmaß sie nie und nimmer erwartet hätte – es passte nur zu gut zu dem Widerspruch, den sie bereits zuvor bemerkt hatte. Doch auch was er ihr sagte, glich einer Offenbarung. So wie er die Dinge darstellte, hätte sie nicht einmal ansatzweise gedacht. Sie wusste natürlich, dass ihr Abwenden reiner Selbstschutz gewesen war, denn so wie er nicht wollte, dass sie hinter die Schleier blickte und tiefe Erkenntnisse erlangte, wollte sie nicht, dass er sie in diesem Augenblick der Schwäche ansah. Glaubte er in etwa sie hielte ihn für schwach? Tatsächlich bestätigte sich dieser Gedanke schon bald, wenn auch nicht ohne Abstriche. Er wollte nicht, dass sie gering von ihm dachte – ähnliches hatte sie auch schon gedacht, nur auf ihn bezogen.
Ob er das Echo dieser frostfeurigen Erkenntnis spüren konnte, die schauderhaft ihr Rückgrat hinunterglitt?

Was er mit seinem Seitenhieb meinte, der auf Frauen abzielte, verstand sie nur zu gut – nur eben im umgekehrten Sinn. Es überraschte sie nicht. Aber... biss sich das nicht mit seinem Wunsch von ihr geachtet zu werden?
Der nächste Gedanke kam postwendend und er fragte: Warum? Und ganz gleich wie sehr sie sich verstecken wollte, sie wusste warum: Weil das Streben nach Anerkennung natürlich war. Weil... sie sich das ganz genauso wünschte - von ihren Schwestern akzeptiert zu werden. Nicht für das, was sie für sie sein konnte sondern für das, was sie war.

Als sich Ciaran dazu durchringen konnte wieder zu ihr zu blicken, begegnete sie seinen Augen für einen, zwei und einen dritten Wimpernschlag aber dann glitt er an ihm vorbei und sie presste für einen Moment ihre Lippen aufeinander. So wie er dachte sie nun darüber nach ob sie etwas dazu sagen sollte. Sie musste nicht. Aber... „Hast du... nicht schon etwas verbergen wollen, weil du nicht wolltest, dass es ein anderer sieht?“, fragte sie ihn anstatt ihm Wort für Wort auf die Nase zu binden, dass es ihr etwas ausmachte vor ihm geweint zu haben. Noch einmal flatterten ihre Blicke zu ihm hin - scheu wie Vögel. Ob er verstehen würde? Sie wusste nicht ob sie es noch deutlicher aussprechen konnte. Es war... zu... viel.
Dann schwieg sie, drückte ihre Lippen in ihren Unterarm hinein, fast als würde sie hoffen, dass er sie dadurch nicht verstehen würde als sie sagte: Du machst zwar manchmal Dinge, die ich nicht so recht verstehe, aber das heißt nicht, dass ich schlecht von dir denke.“

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Di Jul 24, 2018 9:25 pm

Verstohlen warf ich ihr immer wieder einen Blick zu. Ich glaubte, so eine Art Resonanz zwischen uns zu spüren. Konnte es sein...? In meinem Blick lagen Zweifel und gleichzeitig sowas wie leise Hoffnung. Einige wenige Herzschläge waren es, die unsere Blicke uns trafen. Einige wenige Herzschläge, in denen ich das Gefühl hatte tiefer Blicken zu können - dorthin, wo das Band sich befand. Ihre Frage kam so stockend und zögerlich wie meine Worte zuvor. Ich fühlte mich wie in einem merkwürdigen, sich gegenseitig abschätzenden Tanz. Normalerweise wäre dies eine Situation, in der jeder von uns einen Dolch in der Hand hatte und wir uns umschlichen, auf einen Fehler des anderen wartend. Nur dass hier keine Waffe im Spiel war. Trotzdem kam mir dieses Spiel viel gefährlicher vor. Jedes Wort schien Gold wert zu sein.
„Doch“, gab ich langsam zu. „Oft.“ Zu oft. Ich schluckte. Irgendwie nahm das hier zusehends andere und unerwünschtere Wendungen. Also versuchte ich lieber, nicht zu sehr auf mich, sondern eher auf sie zu horchen. Und dort sah ich etwas, was mich ebenfalls stutzen ließ. „Das...“ Ich fuhr mir ein wenig nervös durch die Haare. „Das...freut mich.“ Zuerst war es eine Art Verlegenheitsantwort, doch dann merkte ich, dass es der Wahrheit entsprach.
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Di Jul 24, 2018 10:20 pm

Genauso zögerlich wie sein Geständnis hörbar wurde, genauso langsam nickte auch die dornige Amazone, die einen bedeutungsvollen Gesichtsausdruck aufgelegt hatte, hieß dies doch, dass wenigstens der Grundstein für Verständnis gelegt worden war. Sie war versucht sich noch ein paar sorgfältig ausgewählte Worte zurechtzulegen, allerdings wusste sie weder ob sie das konnte noch ob das überhaupt noch nötig war – nicht jeder Gedanke musste ausgesprochen werden damit er zur unumstößlichen Wahrheit wurde.
Unschlüssig betrachtete sie ihr blondes Gegenüber und im Nu war der Augenblick vertan, in dem sie noch etwas hätte sagen können. Jaiva war es schleierhaft wie man zugleich so schroff sein und zugleich die richtigen Worte finden konnte, denn sie hatte nicht vergessen, dass es bereits das zweite Mal war da er – nicht sie! - zu großen Worten fand; Worten, die wirklich etwas bedeuteten.

Jaiva konnte mit einhundert Melodien das zum Ausdruck bringen, was ihr in Kopf und Herzen umging, doch darüber sprechen erwies sich als Schwierigkeit von der Größe der Grünen Hölle.

Das war wenigstens jetzt auch gar nicht mehr nötig, denn Ciaran machte wieder diese rasche Geste, die seine Hand durch seinen Schopf gleiten ließ – sie schaute ganz genau hin, denn so kurz wie er hatte sie ihr Haar noch nie getragen. Das, was er da mit geflissentlicher Selbstsicherheit tat, würde sie niemals tun können, nicht ohne das Risiko einzugehen ihr Nachtschattenhaar in Unordnung zu bringen.
Noch immer hockte sie auf dem Sims, das Kinn auf ihren Armen abgelegt, hatte ihren Kopf aber so angehoben, dass sie etwas freier sprechen konnte. Er hatte sie natürlich trotzdem gehört – das Plätschern des Wasserfalls genügte nicht und so starrte sie ihm still entgegen, nicht wissend ob das, was er ihr so überraschend freigiebig sagte, … ja, sie wusste nicht was es sein sollte, deswegen horchte sie in sich hinein und beschloss rasch das Thema zu wechseln bevor sie noch tiefer in diesen Sog aus... falscher Vertraulichkeit versanken. Alles, was heute geschehen war, war einfach nur verrückt.

Dieser Ort von dem du kommst“, begann sie jetzt und gab sich vorsichtig dabei. „Ist es dort wichtig, dass... man so... achtsam ist?“
Achtsam war nicht das richtige Wort. Sie hätte hart sagen müssen. Vernichtend. Oder auch... verbergend. Aber sie nannte keines davon.

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Di Jul 24, 2018 10:56 pm

Es war, als bewegten wir uns an einem Herbsttag bei strahlendem Sonnenschein, doch rings um uns herum trieben Gewitterwolken über den Horizont und der Wind schickte ab und zu mahnende Böen, die das nahende Ende des Sommers ankündigten. Noch war es friedlich, geradezu entspannt, aber mit jedem Wort, das das filigrane Gleichgewicht aus dem Lot brachte, drohte neues Donnergrollen. Ich wandte mich zu ihr um, betrachtete die aufmerksam und versuchte abzuschätzen, was ich sagen konnte und was nicht. Was war klug? Wann würde sie eh merken, dass ich log? Wollte ich überhaupt klug sein? Der Moment schien sich zu dehnen, während ich mit mir rang, Möglichkeiten durchspielte und sie wieder verwarf. Aber...wem sollte sie schon etwas erzählen? Hier, in diesem Wald?
„Ja“, antwortete ich schließlich noch immer leise, obwohl ich sehr genau wusste, dass sie mich trotzdem hören würde. Ihr Gehör war gut. Geschult durch Musik. Ich teilte ihre Vorsicht und wieder kam mir das Bild der sich langsam umkreisenden Kämpfer in den Sinn. Wir waren zwar aneinander gebunden, doch noch schien keiner so recht zu wissen, was er alles vom anderen zu erwarten hatte. „Es ist... sehr wichtig. Wenn du den falschen Leuten die falschen Dinge sagst, könnte das das letzte Wort gewesen sein, das jemals deine Lippen verlässt.“ Und das war noch wirklich nett ausgedrückt. „Selbst dann, wenn du eigentlich die Wahrheit sprichst. Aber oft ist das wahr, was der Stärkste gerne als Wahrheit sehen möchte.“ Dafür gab es unzählige Beispiele. „Deswegen muss man früh lernen... achtsam zu sein.“ Auch wenn ich manchmal nicht gut darin war. Auch wenn ich mich noch viel zu oft von etwas leiten ließ, das in unserer Gesellschaft verpönt war. Und auch wenn ich wohl nur durch eine Art Gnade meines Vaters und das Erbe meiner Mutter so lange überlebt hatte. Aber einige Dinge schlüpften einfach über meine Lippen, bevor ich etwas dagegen tun konnte. „Ist das hier etwa anders?“
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Mi Jul 25, 2018 7:59 am

Ciarans Zögern wurde zum Teil des Gräsermeeres, das sich in ihr unter einem fremden Wind hin und her bewegte und sie war versucht ergründen zu wollen was ihn zu einer derartigen Wachsamkeit ihr gegenüber brachte immerhin unterhielten sie sich doch bloß. Dann sagte er es ihr. Und sie hörte ihm zu, versuchte das Gehörte in Einklang mit ihrem Lebensstil zu bringen… und scheiterte. Sie hatte ihr Leben immerzu für kompliziert gehalten, doch je mehr sie von jenem ominösen Ort erfuhr, der jenseits der Grenzen ihres Heimatwaldes begann, desto mehr begann sie daran zu zweifeln. In seiner Welt gab es keine Unglückskinder… konnte es nicht geben.

Nachdenklich geworden tippte die dornige Amazone mit den Fingerkuppen ihrer obenauf liegenden rechten Hand gegen ihren linken Unterarm und schüttelte erst den Kopf, was ihren Grübeleien und dem Versuch geschuldet war ihrer beider Welten in Einklang zu bringen – dann aber nickte sie auf seine Frage hin. Er konnte es an ihrer ins Hier und Jetzt zurückkehrenden Aufmerksamkeit erahnen, daran wie ihr Blick, der zuvor in eine unstete Ferne geglitten war, ihn erneut fixierte und dann veränderte sie ihre sitzende Position so, dass sie sich mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand gegen Kinn und Lippen tippen konnte. So wie er wusste sie nicht genau was zu sagen war, denn die angeschnittene Thematik war wider Erwarten alles andere als leicht.
Nicht einmal mit ihrer Jägerin hatte sie ein solches Gespräch führen können immerhin waren sie beide Amazonen gewesen und hatten denselben Hintergrund geteilt. Mit Ciaran war das anders. Er wusste nichts von ihrem Volk. Von ihren Riten und Traditionen. Den Göttern – nichts davon was es bedeutete eine Amazone zu sein.

Schlussendlich verriet sie ihm: „Wer hier-“ sie machte eine allumfassende Geste „-nicht nur überleben sondern auch leben will, muss einen Weg finden mit dem Wald, den Tieren und jedem, der darin lebt, auszukommen. Das… ist nicht immer einfach und es gibt natürlich auch Probleme. Probleme mit anderen Amazonen. Stämmen. Tieren. Geistern. Göttern.“ So wie sie all das aufzählte, schien alles zusammenzugehören und jede der genannten Facetten war für sie so selbstverständlich wie eine andere.
Es gibt“, begann sie, schüttelte dann den Kopf und setzte noch einmal neu an. „Nur weil es gut wäre etwas so oder so zu tun, bedeutet das nicht, dass es auch so getan werden kann.“ Götter. Traditionen. Das Wort der Priesterin. Konnte er so etwas verstehen? Aufmerksam betrachtete sie ihn.
Amazonen sind eine Gemeinschaft. Verstehst du?“, fragte sie ihn. Es wäre das perfekte Possenspiel gewesen wenn er nicht hinter die Schleier hätte blicken können, denn da war noch mehr.
So. viel. Mehr.

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Mi Jul 25, 2018 10:24 pm

Ich beobachtete die Amazone aufmerksam, während sie sprach. Nicht nur ich schien von Widersprüchen durchsetzt zu sein. Auch bei ihr hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Dinge anders standen, als sie es zugab. Und dass so viel mehr hinter ihren Worten lauerte - ob nun bewusst oder unbewusst. Woher dann der Schmerz?, hätte ich sie gerne gefragt, doch ich hielt mich zurück. Es war so schon befremdlich, wie sie sich vorhin an mich geklammert hatte. An mich, einen Fremden, einen Dunkelelfen, der keinerlei Ahnung hatte, was es bedeutete jemandem Trost zuzusprechen. Es war merkwürdig gewesen. Und noch immer fühlte ich mich so, als wären noch nicht alle Teile meines Inneren wieder an ihrem richtigen Platz. Also vermied ich lieber das, was sie womöglich noch weiter verrücken könnte. In meinem Blick jedoch konnte man die Frage lesen, auch wenn ich schwieg. Denn dagegen, dass ihr Leben anfing mich zu interessieren, konnte ich kaum etwas ausrichten. Eine Gemeinschaft... Ich kannte höchstens Zweckgemeinschaften. Aber ich wusste, dass andere Völker anders dachten. Aber wo war diese Gemeinschaft, als sie trauerte? Wo war diese Gemeinschaft, als sie sich Schuldgefühle einredete? Ein Anflug von Traurigkeit zeichnete sich in meinen Augen ab. Aber dennoch sagte ich nichts, wollte nicht zurück auf das trügerisch dünne Eis. Mein Blick glitt an ihr vorbei nach draußen. „Wie lange, meinst du, müssen wir noch warten?“
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Do Jul 26, 2018 8:57 am

Es war schlichtweg unmöglich etwas vor Ciaran zu verbergen. Jaiva wusste es und doch änderte es rein gar nichts daran, dass es Dinge gab über die sie nicht sprechen wollte – nicht mit ihren Stammesschwestern, nicht mit Eiris und auch nicht mit ihm. Manche Wahrheit wurde nicht leichter wenn man sie in Worte hüllte, wenigstens glaubte das die dornige Amazone, die unter halb gesenkten Wimpernkränzen zu ihm spähte während sie in ihn hineinlauschte so wie er es bei ihr tat. In dem Augenblick da er das Thema wechselte und damit Unausgesprochenes zurück in den Schutz nachtschwarzer Seelenklüfte sinken ließ, war sie ihm unendlich dankbar. Vielleicht hätte sie ihm Dankbarkeit für den Trost eines warmen Körpers gleichsam behütender Arme entgegengebracht, doch dorthin wollte sie ihren Blick nicht wenden, wollte nicht an die Schwäche denken, die über all die Wochen nur darauf gewartet hatte hervorzubrechen und sie mit Haut und Haar zu verschlingen. Über ihren Stamm oder ihre Schwestern zu sprechen war das eine, aber über ihre eigenen Unsicherheiten, Verluste und unerfüllten Hoffnungen zu sprechen eine andere.
Auch sie sagte nichts, doch sah sie seine Blicke und spürte das von schweren Gedanken kündende Echo seiner Gedanken an ihre Fußknöchel branden. Nahezu augenblicklich regte sich in ihr der Wunsch sich zurückzuziehen, sich vor Blicken zu verbergen; aber diese Möglichkeit sollte ihr verwehrt bleiben. Der Lerchossohn war es, der ihr einen willkommenen Ausweg aus dieser gedanklichen Sackgasse bot, denn sie hatte das Gefühl weder vor noch zurückgehen zu können. Nun folgte sie bereitwillig seinen Blicken. Zeit war eine unbeständige Größe in der Grünen Hölle – wie sollte man sie messen wenn nicht mit Blicken und Erfahrung?
Jaiva nahm sich Zeit für eine Antwort und sagte ihm dann: „Noch einmal so lange wie wir bislang hier verweilt haben.“ – Das war eine ziemlich lange Weile wenn man nichts hatte worüber man sprechen konnte. Oder wollte. Ihr Blick huschte zu einer kleinen Handtrommel, die in einer Ecke stand. Musik war immer eine Möglichkeit, allerdings bemerkte sie, dass ihr nicht der Sinn danach stand.
Was wirst du tun wenn du wieder gehen kannst wohin du gehen willst?“, fragte sie ihn. Vielleicht war das die Art von unverfänglicher Frage, die sie zuvor gleichermaßen verzweifelt wie auch vergeblich gesucht hatte… und gescheitert war.
Doch was war zu diesem Zeitpunkt noch leicht und unverfänglich?

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Do Jul 26, 2018 9:22 pm

„Na dann. Ist ja ganz kurz.“ Meine Mundwinkel zuckten kurz nach oben, während meine Stimme vor Sarkasmus troff. Ehrlich gesagt hatte ich noch nie das Gefühl gehabt, dass Zeit sich so lange dahin zog. Mein Unbehagen wuchs. Nicht, dass wir zuvor besonders gut miteinander ausgekommen wären, aber nun... Wenn ich nicht aufpasste, glaubte ich immer noch ihren von verzweifelten Weinkrämpfen geschüttelten Körper an meiner Brust zu spüren. Irgendwie brachte mich das in Verlegenheit. Und so war ich ebenso wie sie zuvor froh, als sie ein anderes Thema anschlug. Auch wenn das eigentlich auch nichts war, was ich mit ihr allzu sehr diskutieren wollte. Aber... „Du zierst dich!“, hörte ich ihre neckende Stimme und beschloss, dass ich mir das nicht noch einmal sagen lassen wollte.
„Ich werde weitersuchen.“ Für mich war es das Selbstverständlichste der Welt. Nun, da ich endlich einen Hauch von Freiheit hatte. „So lange, bis ich sie gefunden habe.“ Oder so lange, bis Vater mich wieder für irgendwelche Aufträge einspannte oder Tharon sich doch endlich ein Herz fasste und mich umbrachte. Ich drohte, in meine Gedanken abzurutschen, blinzelte ein Mal und sah dann wieder zu ihr hin. „Und du?“
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Mo Jul 30, 2018 3:27 pm

Ciarans sarkastisches Kommentar löste etwas in Jaiva aus, das sich herzschlagsdrauf in einem ähnlich schiefen Ausdruck widerspiegelte, der wiederum mit einem halbseidenen Grinsen daherkam – sie beide wussten, dass das Empfinden von Zeit etwas rein subjektives war und da sie ohne den Schutz der Dunkelheit hier nicht weggehen konnten, wurde der Gedanke an das gemeinsame Verweilen nur noch unerträglicher. Wenn sie ihn so ansah und in ihn hinein lauschte, spürte sie etwas knapp unterhalb der Grenzen des Sichtbaren köcheln, das ihrem Empfinden ähnlich war. Auch sie fühlte sich unbehaglich, seltsam ausgeliefert, daher wandte sie den Fokus ihrer Aufmerksamkeit auch rasch ab, wollte nicht, dass sich dieses miteinander übereinstimmende Gefühl an Bedeutung gewann und größer, immer größer wurde. Leider war das von ihr angeschlagene Thema nicht besonders vorausschauend gewählt – sie spürte es noch bevor der Lerchossohn die richtigen Worte erwogen hatte.
Nicht viel hätte gefehlt, dass sie sich eines Kommentars bedient hätte, doch da rückte er tatsächlich mit der Sprache heraus.
So lange, bis ich sie gefunden habe“, sagte er und die dornige Amazone kam nicht umhin ihn mit aufmerksamen, sehr stillen Blicken zu betrachten. Auch sie wusste was es bedeutete Personen in ihrem Herzen zu bewahren, doch er... er suchte seine Mutter ohne sie gekannt zu haben. Warum? Sie verstand es nicht. Und auch wenn sie wusste, dass sie nicht nur eine Mutter hatte sondern zwei, so hatte es sie niemals dazu verlockt sich auf die Suche zu begeben. Warum?, fragte sie sich noch einmal und fand keine Antwort. Mit einem Mal wollte sie wissen warum er nach seiner Mutter suchte und sie nicht nach ihren, doch bevor sie ihren Gedanken Atem verliehen hatte, wurde sie von seiner Frage getroffen. Vollkommen unvorbereitet, sodass sie ihn mit geweiteten Augen ansah und wenn sie so etwas wie Schilde besessen hätte, die sie zum Schutz gegen solche Fragen bereithielt, so fand keiner von ihnen Anwendung.
Ich... weiß nicht“, sagte sie ihm beinahe arglos obwohl sie 'das geht dich rein gar nichts an!!' hätte sagen sollen. Einfach so waren diese drei Worte über ihre Lippen gerutscht und jetzt wusste sie nicht wie sie diese wieder zurechtrücken sollte. Für einen Moment suchte sie nach Worten, sagte dann: „Ich bin doch schon zu Hause. Ich muss nicht... suchen.“ Schwach und unsicher. Sie wusste es, das, was sie gesagt hatte, klang viel zu schwach war und je mehr Worte sie jetzt noch anhängen würde, desto schwächer würden ihre Worte werden. Sie schwieg.

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Di Jul 31, 2018 10:02 pm

Ich maß Jaiva mit einem langen Blick. Ja, sie war zu Hause. Irgendwie. Aber nicht am Ende einer Suche, die sie noch nicht einmal begonnen hatte. Vielleicht musste sie niemand anderen suchen. Aber sich selbst hatte sie anscheinend auch noch nicht gefunden. Vielleicht war es früher anders gewesen - bevor die Dinge geschehen waren, die zu diesen alles andere erdrückenden Schuldgefühlen und der stacheligen Schale geführt hatten. Das konnte ich nicht beurteilen. Aber jemand, der angekommen war, sah anders aus. War mit sich im Reinen. Und brauchte keine Götterritualen mit alten Holzschalen in komischen Lagunen. Aber ich sagte nichts. Das war nicht meine Aufgabe. Und ich würde ganz gewiss nicht ihr Kindermädchen spielen, bis die Dinge wieder einigermaßen im Lot waren! Wie von selbst wanderte mein Blick über die Einrichtung und suchte dabei nach Spuren - stummen Zeugen für das Geschehene und dafür, wie lange es inzwischen zurücklag. Denn in einem Punkt war ich mir vollkommen sicher: Jaiva trauerte schon zu lange. Länger, als nötig gewesen wäre. Was bedeutete, dass da noch etwas war, was die ohnehin schmerzhafte Wunde noch zusätzlich verstärkte. Noch hatte ich nur eine leise Ahnung davon, doch ich hatte das Gefühl, dass sich mit jedem neuen Wort ihrerseits ein Puzzleteil an seinen Platz fügte.
„So meinte ich das nicht.“ Trotz allen Versuchen es besser zu machen klang meine Stimme irgendwie befangen. „Also nicht unbedingt...“ Ich sah kurz auf und hoffte, ihre Augen für eine Winzigkeit einfangen zu können. „Aber.. jeder hat doch ein Ziel, oder? Einen Plan? Etwas, was er unbedingt machen will? Also außer das nervige Anhängsel loswerden“, fügte ich mit einem müden Lächeln als Spaß hinzu und deutete abwechselnd auf mich und sie.
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am Mi Aug 01, 2018 6:19 am

Es war schier unmöglich die Stille, die sich wie ein geflochtener Gürtel um seinen langen Blick schloss, auszublenden. Erwartungsvoll klang sie und je länger sie währte, desto mehr feine Nuancen mischten sich hinein. Schwere Gedanken und Vorsicht gleichermaßen, doch dann lösten sich seine Augen, machten sich erneut auf durch das verwaiste Heim zu schweifen und kehrten dann doch wieder zu ihr zurück, sodass sich Jaiva mit einem Mal unbehaglich zu fühlen begann, denn sie spürte seinen Willen wider etwaiger Entschlüsse etwas sagen zu wollen. Freilich wusste sie nicht ob der Gedanke, den er unausgesprochen gelassen hatte derselbe war, der nun an ihr Ohr drang, aber als er seine Lippen teilte, wusste sie bereits, dass sie nicht hören wollte was er zu sagen hatte. Sie wollte sich gegen das, was nun kommen sollte, zu wappnen, doch das wollte ihr nicht gelingen. Schon mit der ersten Silbe wurde ihr klar, dass er zu viel sah, zu viel verstand und viel zu viel sagte. Unvermittelt begann der Amazone Herz zu rasen und am liebsten hätte sie ihm gesagt, dass er den Mund halten solle, seine Worte aber trugen etwas in sich, das sie lauschend machte. Ganz still wurde es um sie und der Lerchossohn schien das irgendwie zu spüren.
Nicht irgendwie. Er weiß es. Das ist keine Kunst, empfand sie obschon sie es besser wusste. Es gehörte mehr dazu Zusammenhänge zu verstehen und für eine Antwort, die sich nicht nach abwiegelnden Trotz anhörte, hätte sie weit, weit ausholen müssen. Auge in Auge stand sie mit ihm, ihre eigenen argwöhnisch geschmälert. Argwöhnisch? Nein. Es überdeckte etwas anderes. Wenn man erst einmal wusste, dass das grimmige Gesicht ein Schutzdach gegen Wind und Wetter war, war es so viel leichter zu verstehen welche Unsicherheiten dahinter lagen. Welche Wünsche. Welche Befürchtungen. Er machte einen Scherz um die angespannte Situation aufzulockern, doch genauso gut hätte er versuchen können den Himmel abzutragen - es half nicht.
Derzeit... nein“, räumte sie ein und obschon es wenig war, war dies bereits mehr Aufrichtigkeit als sie in den vergangenen Monaten zugelassen hatte. Für vieles machte Jaiva ihre Stammeschwestern verantwortlich, doch das war nur die halbe Wahrheit. Sie machte es all jenen um sie herum nicht besonders leicht. Freilich gab es Pläne, hatte sie gegeben, doch die kleinen Wünsche hatten an Bedeutung verloren und die großen waren außer Reichweite gerückt. „Das Anhängsel loswerden ist doch ein guter Anfang“, fügte sie hinzu und obschon sie sich um Leichtigkeit bemühte, war das leichter gesagt als getan. Sie fühlte sich schwer wie ein Gewitterhimmel, der dem Versprechen nach kühlendem Regen nicht nachkam. „Wahrscheinlich geht es dann weiter mit der Suche nach der verlorenen Ritualschale. Wer kann das schon sagen?“, mutmaßte sie vorsichtig.
Es wurde allerhöchste Zeit das Thema zu wechseln. Aller-höchste-Zeit! Rasch sagte sie: „Zudem sollten wir uns darauf konzentrieren, dass wir unbemerkt ins Dorf kommen. Das wird schwierig genug. Meinst du... -“ wie scheue Vögel fixierten ihre Augen ihn erneut „- ...du kannst den Wind bitten uns dabei zu helfen?“ Ehrfurcht streckte sich in ihrer Stimme aus, denn ganz gleich wie skeptisch sie ihm gegenüber manchmal auch eingestellt sein mochte, so war dieser Umstand von großer Bedeutung für sie.

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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Ciaran am Do Aug 02, 2018 8:25 pm

Sie klang nicht besonders überzeugend. Und auch selbst nicht sonderlich überzeugt. Eine Spur Traurigkeit mischte sich in meinen Blick. Was tat man ohne ein Ziel? Ich wäre schon so viele tausend Male zerbrochen, wenn ich nicht irgendwann die Wahrheit gehört und mir geschworen hätte sie zu finden. So viele Dinge wären bedeutungslos geworden. Es hätte nie jemanden gegeben, vor dem ich mein Handeln vielleicht irgendwann einmal rechtfertigen musste. Es hätte mich verändert. Ich hätte mich verändert. So aber... gegen meinen Willen tat sie mir leid. Und ich wusste nicht, was ich dagegen tun sollte. Sie wirkte verloren. Ein verlorenes Blatt im Wind. Ich wollte die Hand nach ihr ausstrecken, um ihr einen Ankerpunkt zu geben. Aber ich ließ es bleiben. Es fühlte sich nicht richtig an. Irgendwie zu intim, wenn ich eine Information nutzte, die ich mehr spürte als alles andere. Die ich ohne das Band nie gehabt hätte. Und über die ich eigentlich gar nicht verfügen wollte. Doch half es wirklich, wenn ich so tat, als könnte ich nicht tiefer blicken? Konnte man die Augen vor etwas verschließen, das so offensichtlich war? Ich beschloss, es zu versuchen. Ich wollte nicht, dass sie sich in meine Angelegenheiten einmischte, also würde ich das auch nicht bei ihr tun. Was auch immer in ihrem Leben gerade schief lief, sie musste es alleine erkennen und beheben. Ich war schließlich nicht ihr Kindermädchen. Auch wenn das, was mich hinter ihrer pieksigen Fassade anstarrte, kaum mehr als große, verängstigte Kinderaugen waren. So voller Schmerz. Ich wandte den Blick ab, weil ich es kaum noch ertragen konnte. Aber um so schneller ich von ihr los kam, desto besser... „Was meinst du?“, fragte ich also schließlich und durchbrach damit erneut die Stille. „Sicher kann der Wind uns helfen.“ Aber er hat auch Grenzen - was ich ihr nicht direkt auf die Nase binden würde, obwohl ich die Ehrfurcht in ihrer Stimme doch ein wenig genoss. Die Frage war also, was sie von mir erwartete. „Wie stellst du dir das Ganze also vor?“ Am Meisten jedoch interessierte mich, warum sie ihren Schwestern nicht einfach erzählen konnte, was passiert war. Sie würden sie doch wohl kaum umbringen...oder?
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Re: Amazonenlegenden

Beitrag von Jaiva am So Aug 05, 2018 5:35 pm

Nicht nur Ciaran sah sich in einer Situation, die mit Unsicherheiten einherging, denn so wie er mehr verstehen konnte als dass er es sah oder hörte und sich fragte wie er damit umgehen sollte, so spürte auch Jaiva sehr genau, dass sich dem Lerchossohn Dinge eröffneten, die sie lieber für sich behalten hätte. Es ging ihn nichts an und sie wollte nicht, dass er dorthin seine Blicke lenkte, doch wie hätte sie es ihm verbieten können? Konnte sie es ihm verbieten? War er überhaupt in der Lage dieser Forderung zu entsprechen? Und, so fragte eine leise Stimme, hätte er es überhaupt gewollt?
Auch dieses heikle Thema kam zum Erliegen und an dessen Stelle trat etwas, womit sie besser umgehen konnte – ein Plan. Wenn sie ihre Gedanken beschäftigt hielten und sich auf etwas konzentrierten, das weder ihn noch sie betraf, dann... ja, vielleicht war das besser.
Jaivas Blicke streiften ihr Gegenüber erneut ehe sie mit hörbarem Zögern in ihrer Stimme sagte: „Der Tempel befindet sich im vorderen Teil des Dorfes, nahe dem großen Platz. Dorthin müssen wir kommen ohne gesehen zu werden. Das wird schon schwierig genug; aber wenn wir den richtigen Zeitpunkt erwischen, befinden sich die meisten auf dem Platz und nicht auf den Wegen. Wenn wir leise sind, kann uns die Dunkelheit helfen.
Vielleicht kannst du dich auch verstecken wenn uns jemand begegnen sollte
...“
Je länger sie sprach, desto nachdenklicher wurde ihre Stimme, denn sogar für einen optimistisch veranlagten Geist, musste klar werden, dass das, was sie tun wollte, an vielerlei Ungewissheiten geknüpft war. Und an Glück. Viel Glück.
Die dornige Amazone fuhr fort: „Das Problem ist eher bis dorthin zu gelangen. Wir können unmöglich über die Brücke gehen und uns von vorne nähern. Du könntest dich nirgendwo verstecken. Im hinteren Teil gibt es ein natürliches Hindernis – ein steiler Hang. Dort hinaufzuklettern ist nicht unmöglich, allerdings gibt es auch Pfähle und Hütten in den Bäumen. Das könnte zu lange dauern. Man könnte uns beim Klettern sehen - Nein. Ich glaube, dass wir es so machen müssen: wir müssen zum Fluss hinabsteigen und auf der anderen Seite wieder hinauf. Wir... könnten das machen, was wir vorhin gemacht haben. Mit den Lianen, weißt du noch? Wenn der Wind uns trägt, schaffen wir es bestimmt.“
Ciaran mochte sich das zwar sich selbst zuschreiben, allerdings sah Jaiva in dieser Kraft das Wirken der Geister und Götter. Wie er es geschafft hatte die Gunst eines Geistes zu erringen? Sie dachte darüber lieber nicht zu genau nach.
Jetzt zeigte sich ein Schatten auf ihrer von Konzentration erzählenden Stirn. „Vielleicht ist es besser wenn du dir selbst ein Bild machst“, schlug sie vor, denn sie ahnte, dass keine Beschreibung, die sie zustande bringen würde, ausreichen konnte.

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