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Schule, Chaos, Leben

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Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr Nov 30, 2018 2:51 pm

das Eingangsposting lautete :

Baum... um Baum... Wiese um Wiese, Feld um Feld, Dorf um Dorf, Menschen um Städte um Kreise um Bundesländer... Immer weiter weg von meinem Leben... Leas Augen hatten schon lange aufgehört, die Strecke wirklich zu verfolgen. Auf die Rückbank gequetscht, neben den letzten Resten Gepäck drückte sie ihre Wange an die kalte Fensterscheibe, die Kopfhörer im Ohr, obwohl der Akku schon lange leer war, um möglichst wenig von IHR zu hören. SIE, die ihr ihr Leben weggenommen hatte. SIE, die ihr ihren Vater weggenommen hatte, ihre Freunde, ihre Schule, ihr Haus, ihr... Alles. Sie konnte sie nicht leiden und wenn sie den Blick von ihr sah dann wusste sie, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte. Es wäre ihr schon Grund genug, mich zu ärgern, um Dad zu verführen! Sie seufzte.
"Ist alles ok Schatz? Brauchst du eine Pause?" Ihr Vater hatte sich für einen kurzen Moment umgedreht zu ihr, bevor er wieder auf die Straße schaute. Lea tat so, als würde sie ihn gar nicht hören und ihr Vater schien sich damit zufrieden zu geben. Schon fing er an, wieder mit IHR zu reden, zu lachen, zu planen... Aus dem Augenwinkel sah sie, wie SIE ihre Hand auf die Seine legte, sie nur kurz runternahm, wenn er schalten musste, was auf der Autobahn leider nicht allzu häufig passierte.
Schließlich spürte sie doch, wie das Auto langsamer wurde. Für einen kurzen Moment kam Lea der irrwitzige Gedanke, dass ihr Vater es sich anders überlegte hatte, das er ausstieg, sie in den Arm nahm, sich entschuldigte und einfach wieder umdrehte, SIE hier stehen ließ und sie zurück in ihr altes Leben fuhr, zurück zu ihren alten Freunden, zurück in das kleine Zimmer mit der Dachschräge und ihren Postern, zurück zu diesem schrecklichen Teppich im Wohnzimmer. So schnell wie dieser Gedanke gekommen war, verflog er auch schon wieder.
Seine Hand berührte sie an ihrem Bein. Lea tat überrascht, zog sich den lautlosen Kopfhörer aus einem Ohr und blickte ihn an, als wäre sie ganz woanders gewesen. "Vertritt dir kurz die Beine, ok? Wir machen eine Viertelstunde Pause." "Natürlich Dad", erwiderte sie nur matt. Das aufmunternde Lächeln das er ihr zuwarf blieb unbeantwortet.

Es tat tatsächlich gut, sich die Beine zu vertreten. Sie mussten schon für über 4 Stunden gefahren sein, wenn ihr Handy keinen Akku mehr hatte. Sie hatte nur ein bisschen mit ihren Freunden geschrieben, ein paar Bilder angeschaut und die meiste Zeit Musik gehört. Aus dem frühen Vormittag war inziwschen früher Nachmittag geworden. Sie blieb vor dem Autobahnschild stehen: Gutmannstal. Instinktiv griff sie nach ihrem Handy, um es enttäuscht wieder wegzupacken. Wie weit es wohl noch ist? Als sie Schritte hinter sich hörte, drehte sie sich um, wollte ihren Vater fragen, doch vor ihr stand nicht ihr Vater. "Weißt du, ich freue mich darauf, mit dir zu wohnen. Das wird bestimmt ganz witzig werden", sprach SIE. "Ja, ganz bestimmt", murmelte Lea nur und drehte sich wieder um, um das Schild anzustarren, als gäbe es nichts Interessanteres auf der Welt. Doch so leicht kam sie nicht davon: "Es sind noch etwa anderthalb Stunden, du solltest hier nochmal auf die Toilette gehen, später hast du nicht mehr die Chance." Sie rollte mit den Augen: "Danke, ich muss nicht." Das war gelogen. Aber sie würde ihr nicht den Gefallen tun, auf sie zu hören. "Weißt du Lea..." "Quaona!", unterbrach Lea sie. Sie hasste diesen Namen, aber sie hasste Sie ja auch. "Natürlich, Quaona, tut mir Leid. Ich möchte mich wirklich gut mit dir verstehen, wir beide haben deinen Vater sehr lieb." Sie bekam keine Antwort.
Die letzte Stunde über waren sie nicht mehr auf der Autobahn unterwegs. Es ging über Feldwege und durch Dörfer, über huckelige Nebenstraßen bis selbst das Navi nicht mehr weiter wusste und SIE den Weg angab. Schließlich kamen sie an einem kleinen Schild vorbei: Willkommen in Ellwürden.

Mit einem Ruck blieben sie vor ihrem neuen Haus stehen. Es hatte eine enge Einfahrt und einen Untersteller für die beiden Autos ein großer Garten erstreckte sich hinter dem Haus, mit langen Gartenbeeten und Bäumen, die sich perfekt für eine Hängematte eignen würde. Es war... eigentlich recht schön. Zumindest solange, bis ihr zukünftiger vierter Mitbewohner aus dem Haus getrottet kam. Noch bevor er sich wirklich zum Auto umgedreht hatte, sprach er schon los, laut genug, um auch im Auto gehört zu werden: "Da bist du ja endlich, hast du was zu Essen mitgeoh... Du bist ja auch da... und... wer bist du?" Bei seinen Worten hatte er erst Leas Vater und dann schließlich Lea selbst angeguckt, deren Kopf hinter Gepäckstücken herausschaute. Er schien nicht damit gerechnet zu haben, mehr als nur seine Mutter zu sehen. "Hanke, das ist Lea, Walthers Tochter. Ich hatte dir doch erzählt, dass sie heute hier einzieht." "Oh stimmt, ich muss meine Sachen noch aus ihrem Zimmer räumen... mach ich morgen." Mit diesen Worten verschwand er wieder im Haus um sich vor dem Helfen zu drücken. Seine Mutter schrie ihm zwar noch hinterher, aber das interessierte ihn anscheinend wenig. Beruhigend legte Leas Vater ihr die Hand auf die Schulter: "Schon in Ordnung, es ist bestimmt auch anstrengend für ihn, also emotional meine ich." Dann drehte er sich zu Lea um: "Willst du schonmal mit Ursula nach oben gehen und dir dein neues Zimmer angucken? Ich räume schonmal aus in der Zeit." Leas Widersprüche blieben zwecklos und so trottete sie mit einer ihrer Taschen hinter IHR her.

Das Haus war groß, 3 Stockwerke, eine kleine Diele nur auf dem ersten Stock, mit einem Keller direkt darunter darüber gab es ein geräumiges Wohnzimmer, eine kleine Küche, gegessen wurde anscheinend im Wohnzimmer, zumindest lagen dort noch einige Pizzaschachteln. Bei dem Anblick seufzte Ursula. "Hanke hat nicht aufgeräumt, tut mir leid, sonst sieht es hier besser aus." Anstatt zu antworten, blickte sich Lea weiter um, einige verschlossene Türen, bestimmt ein Schlafzimmer und ein Bad, dazu noch ein Raum für Wäsche und ähnliches. Als es eine weitere Treppe hochging kamen sie zu zwei großen Zimmern. Vor dem einen lag ein Wäscheberg, benutzte Unterwäsche, dreckige T-Shirts, alles war dabei. Der Weg zum Anderen war frei. Während Ursula noch die Wäsche in den direkt daneben stehen Wäschekorb packte, öffnete Lea schon die zweite Zimmertür... und stand vor einem Chaos. Überall standen Sachen, die ganz offensichtlich Hanke gehörten, ein Schlagzeug, das Staubzivilisationen angesammelt hatte, Kisten mit altem Spielzeug, teilweise ausgeschüttet, ein alter unbenutzbarer Schreibtisch und vieles mehr. Wie angewurzelt blieb sie stehen. Der Weg zu ihrem Bett war nicht betretbar. Es stank schlimm, als wäre seit Monaten niemand mehr hier drin gewesen. Als Ursula dies sah, stapfte sie wütend in Hankes Zimmer: "DU WIRST JETZT SOFORT DIESES ZIMMER AUSRÄUMEN! HABEN WIR UNS VERSTANDEN?" "Nur noch das Lev..." Noch bevor er zuende gesprochen hatte, riss seine Mutter ihm das Stromkabel aus der Steckdose. "Boah ist ja gut!" Langsamen Schrittes stapfte er auf Leas Zimmer zu und drückte sie dabei wirsch zur Seite. Mitsamt Rucksack trottete Lea wieder nach unten.

Als ihr Vater sie kommen sah fragte er: "Und, wie findest du es hier?" "Schön" murmelte Lea, während sie sich an ihm vorbeidrückte und wieder aus der Tür rausschritt. Sie bahnte sich ihren Weg an den Autos vorbei und betrat den Garten. Von hier sah sie einen kleinen Balkon, der wohl an das Wohnzimmer angrenzte, aber für den Moment war ihr das egal. Sie legte sich in den Schatten der Bäume und zog die Jacke etwas enger an sich heran. Es dämmerte langsam und war schon relativ kühl geworden, doch gerade fühlte sie sich hier draußen am Wohlsten.
Am Abend wurde sie von Ursula angewiesen, heute Nacht doch bitte auf der Couch zu schlafen und schon am Nächsten Mittag war ihr Zimmer halbwegs betretbar. Sie schien sich tatsächlich Mühe zu geben, es ihr schön zu machen. Den ersten Tag machte Lea nichts anderes, als im Wohnzimmer oder im Garten zu sitzen und Musik zu hören und mit ihren Freunden zu schreiben. Am Sonntag schließlich wechselte sich nur eine Sache: Sie saß in ihrem ZIMMER und hörte Musik und schrieb mit ihren Freunden. Auch wenn diese langsam nicht mehr antworteten. Am Montag schließlich sollte es in die Schule gehen.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Do Dez 06, 2018 9:07 pm

„Wer steht schon gern da vorne?“ Es mochte solche Leute geben, aber Outis gehörte nicht dazu. Er war nur etwas besser das zu verbergen, als es Lea gewesen war. Aber bei der kam ja auch noch einiges mehr zusammen. Neue Gegend, neue Schule, neue Klasse. Das musste ziemlich anstrengend sein. Und meist entschieden das die Eltern völlig über die Köpfe ihrer Töchter und Söhne hinweg. Vermutlich konnte er froh sein, dass seine alten Leute so leicht nichts aus Ellwürden wegbringen würde. Die Familie lebte schon seit gefühlt 1000 Generationen hier, so langweilig das Nest auch sein mochte.
Er entschied sich dagegen sie zu fragen, wie es ihr mit dem Umzug ging. Sie wollte in der Pause vermutlich an was anderes denken und nicht immer wieder daran erinnert werden. Als er an dem Gerüst stehen blieb, wurde er gleich darauf fast überrumpelt. Überrascht wirbelte er herum und verlor beinahe das Gleichgewicht, als Leas Fuß seinen Unterschenkel traf. Zur Abwechslung war das Holzgestell mal zu was gut, denn es gelang ihm sich daran festzuhalten.
Seine Banknachbarin war schon dabei die Flucht anzutreten, ehe er reagieren konnte. Outis unterdrückte gerade noch den Impuls sie am Handgelenkt festzuhalten. Das hätte die Sache gewiss nicht besser gemacht. Stattdessen versuchte er es mit „Halt!“, ehe er noch „Das kann doch jedem mal passieren!“ hinterherschob. „Ich kenne das selber doch auch. Manchmal bin ich ziemlich ungeschickt. Gab es denn was Interessantes auf dem Handy zu sehen?“

Da er nicht so genau wusste, wie er mit Lea in ihrer derzeitigen Verfassung umgehen sollte, war Outis ein wenig erleichtert über Selinas schwungvollen Auftritt. Dieser würde seine Banknachbarin hoffentlich auch ablenken. „Das ist Lea, die es auch frisch ins schöne und überaus aufregende Ellwürden verschlagen hat“, stellte er sie vor. „Und sie war so nett mir zu verraten, was wir Dienstag und Donnerstag morgens haben. Kunst und Deutsch nämlich – letzteres dürfte eher uninteressant für dich sein, vor allem bei Herr Oltmanns.“
Dann stellte Selina die alles entscheidende Frage: „Waddup?“ Als ob in Ellwürden irgendwas los wäre. „Diese Woche ist Herbstfest. Wie das Oktoberfest in langweiliger und mit billigerem Bier. Und die Schülerzeitung gibt es natürlich das ganze Jahr über…“
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr Dez 07, 2018 1:08 am

Während Lea bereits erst rückwärts, dann wieder vorwärts die ersten Schritte weg von Outis flüchtete, rief dieser ihr hinterher. Wie angewurzelt blieb sie stehen, in panischer Erwartung was jetzt kommen würde. Du hast es geschafft, die einzig freundliche Seele in der Schule und du tritts ihm gegen das Bein, warum versuchst du es überhaupt, du hast doch Musik und tumblr, du brauchst ihn gar nicht oder allgemein jemandem, am Ende passiert sowieso wieder so etwas wie jetzt gerade und alle hassen dich - wieder! Entgegen ihrer Erwartung machte Outis sie nicht nieder, sondern sagte ihr stattdessen, das alles gut sei. Sie schluckte einmal schwer, blinzelte eine kleine Träne weg und drehte sich dann langsam wieder um. Die junge Frau, die dabei an ihnen vorbei lief realisierte sie gar nicht erst.

Als sie mit gesenktem Kopf, noch stärker als sonst, wieder zu ihm hin trottete, murmelte sie ein leises"Nur mein Vater... ich habe nichtmal gelesen, was er geschrieben hat, nur... nachgedacht... Bist...", sie räusperte sich, weniger, weil sie was im Hals hatte, als mehr um eine Ausrede dafür zu haben, dass sie so leise sprach, "Bist du schonmal umgezogen?"

Wenig später, Lea schaute ihrem Gegenüber immer noch nicht ins Gesicht, hörte sie plötzlich ein Knallen direkt neben sich. Mehr überrascht als erschrocken taumelte sie zwei Schritte zur Seite, nur um ein junges Mädchen neben sich stehen sehen. Energiegeladen wurde ihr eine Hand entgegengehalten, ohne dass Lea auch nur eine Ahnung hatte, was vor sich ging. Die ihr entgegengestreckte Hand schaute sie etwa genauso perplex an, wie sie das Mädchen, das sie hier entgegenhielt, vorher angeschaut hatte, bevor sie sich doch dazubrachte, sie zu schütteln. Passender wäre es zu sagen, dass sie sie berührte, wirklich schütteln konnte man das nicht nennen, was sie da machte. Outis schien sich nicht daran zu stören, dass eine für ihn anscheinend nicht so fremde Frau plötzlich bei Ihnen stand, und so wanderte ihr Blick zu Outis, während sie es verpasste, die Hand der Fremden loszulassen. Sie öffnete den Mund, um was zu sagen, doch die Fremde brabbelte schon los, mit einer seltsamen Mischung aus Deutsch und Englisch. Als ihr Blick zu ihr glitt, bemerkte sie, dass sie immer noch ihre Hand hielt und zog sie schleunigst zurück. Heute war nicht ihr Tag.

Wieder klappte Leas Mund auf: "Ich, uhm ich bin Le... das weißt du schon, uhm ich äh Whats up?", versuchte sie zu antworten. Am Liebsten hätte sie sich einfach nur in Grund und Boden geschämt und wäre dort für die nächsten 3 Jahre geblieben, um dann mit gemachtem Abi endlich den ganzen Tag zu Hause im Bett liegen und in Ruhe ihr Leben versauen zu können. Der Boden schien ihr sagen zu wollen: Ohne mich.
Der Versuch eines aufgesetzten Lächelns legte sich auf ihr Lippen. "Und... und du bist?" stellte sie ihr eine Frage und war schon stolz auf sich, den ersten Satz seit 5 Minuten nicht komplett verkackt zu haben. Nicht mein Tag...
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Fr Dez 07, 2018 3:08 pm

Selina lächelte Lea noch einmal etwas unbeholfen an, als diese ihr vorgestellt wurde um prompt die Hand nicht mehr losließ. Komisches Mädchen...
"Hm, Deutsch..." Eigentlich ein Fach, das sie sehr mochte, aber wenn Outis sie schon so vor dem Lehrer warnte, wusste sie nicht, ob sie sich das antun wollte. "Ach ja, wegen der Freistunde...", begann sie, noch immer mit der Hand an sich, die zum Glück langsam wieder losgelassen wurde. "Ich habe Donnerstags doch erst die zweite Doppelstunde frei, nicht die erste. Wisst ihr auswendig, was ihr da habt?" Die Frage war mehr an Lea als an Outis gerichtet. Sie schien sich die Sache etwas besser gemerkt zu haben als ihr Mitschüler, zumindest kam es so rüber.

"Und natürlich muss ich mich wie ein echter Tourist auch gleich in meiner ersten Woche hier betrinken...", sagte sie zuerst etwas sarkastisch, wechselte dann aber doch beunruhigend schnell in einen begeisterten Ton. "Wollen wir hin? Ich meine, nicht unbedingt zusammen; ich glaube, Anna wollte am Wochenende schon hin, aber vielleicht trifft man sich ja."

Das andere Mädchen schien sich, sehr zu Selinas Überraschung, auch einmal zu Wort zu melden. Selina wollte jetzt nicht unbedingt, dass Lea sich zu Smalltalk gezwungen fühlte. Andererseits würde sie selbst sich wahrscheinlich auch etwas seltsam fühlen, wenn sie Lea gezwungenermaßen die ganze Zeit hätte ignorieren müssen.
"Ich bin dieses Jahr als Gastschülerin aus der US hier.", erklärte sie auf Leas Frage hin. "Ich bin in der c, also wenn du in Outis' Klasse bist, müssen wir am Mittwoch zusammen Sport haben."


Zuletzt von Selina am Mo Dez 10, 2018 12:06 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Fr Dez 07, 2018 5:44 pm

“Ob ich umgezogen bin? Ja, allerdings nur zwei Kilometer weit und da ich damals erst zwei Jahre alt war, kann ich mich nicht mehr daran erinnern.” In dieser Hinsicht konnte Outis wahrlich nicht mir eigenen Erfahrungen und interessanten Geschichten glänzen. „Und ich kann mir vorstellen, dass du gerade über vieles nachdenken musst – nein kann ich nicht, du hast ja gerade gehört, dass ich noch nichts Vergleichbares mitmachen musste, aber du weißt schon was ich meine. Das muss ziemlich nerven.“ Einen Moment lang lag ihm die Frage, ob sie auf eine Nachricht von ihrem Freund gehofft hatte, auf der Zunge, aber die verkniff er sich.

Die Stundenplanfrage zu beantworten überließ der Sitzenbleiber Lea. Er selbst konnte sich nur noch erinnern, dass er irgendwann am Mittwoch oder Donnerstag eine Lücke gesehen hatte. Entweder in der zweiten oder dritten Doppelstunde nahm er an. Die Chance, dass diese mit Selinas Freistunde zusammenfiel, lag also bei etwa 25 Prozent.
„Vor allem ein Tourist aus Amerika sollte sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen. In Deutschland darf man schon mit 16 Bier trinken und in Bayern gilt es sogar als Grundnahrungsmittel. Du kannst mir ja schreiben, wann dich Anne aufs Volksfest schleppt und dann wird man sich schon zufällig über den Weg laufen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten zückte Outis ein altes Smartphone mit gesprungenem Display. „Ach, deine Nummer habe ich auch noch nicht“, ergänzte er in Leas Richtung. „Soll ich eine Gruppe erstellen, oder so?“ 
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am So Dez 09, 2018 9:48 pm

(Sorrrry wurde von von Quantum Break aufgesogen, aber ich bin jetzt durch, also keine Angst ^^')

"Ja..." antwortete Lea nur, ohne ganz zu wissen, was sie noch sagen sollte. Sie war noch nie sonderlich gut darin gewesen, etwas zu Fremden zu sagen.

Als Outis auf Selinas Frage schwieg, kam ihr der Gedanke, dass er sich den Stundenplan wohl nicht gemerkt hatte. Kurz ging sie die Tage durch und war erstaunt, dass sie tatsächlich wusste, was sie an diesem Tag hatten, vor allem wegen der Stunde die sie dort hatten: Die Schule hatte es nämlich nicht besser hingekriegt, als ihnen dort eine Doppelstunde ohne Unterricht hinzulegen. "Da haben wir, glaube ich, gar nichts", sagte sie nach einer kurzen Denkpause. Ein kurzer Blick flog zu Outis, ob er vielleicht ein Zeichen der Erleuchtung zeigen würde.

Outis Kommentar über das Herbstfest behagte Lea nicht. Irgendwie ging ihr das alles zu schnell. Sie war noch nicht einmal einen Tag an der Schule und schon lud jemand sie zu einem Fest ein. Selbst mit ihren langjährigen Freunden war sie damals selten auf Partys oder Feste gegangen, aber die hatten sie auch selten eingeladen gehabt. Selina schien zwar begeistert zu sein, aber sie wusste nicht, ob das das Ganze wirklich besser machen würde. Sie ist so... wild...
"Ähm, ich weiß nicht, ich glaube, ich muss noch mein Zimmer einrichten und für die Schule vorbereiten und eigentlich ankommen und alles..." versuchte sie sich rauszureden, ohne dabei wirklich überzeugt zu klingen, andererseits würde sie gerade auch nicht sehr überzeugt klingen, wenn sie ihren eigenen Namen sagen müsste, von daher war das nicht ganz so aussagekräftig, ob die Anderen, oder insbesondere Outis, das jedoch so verstehen würden war eine andere Sache. Um ihre Ablehnung zu verstärken holte sie ihr Handy raus, um zu zeigen, dass die Sache abgeschlossen war. Dass dies eher widersprüchliche Signale sandte war Lea in diesem Moment nicht so klar. Nach ein paar Klicks hielt sie Outis ihre Nummer vor die Nase.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Mo Dez 10, 2018 12:47 am

"Gar nichts?", fragte Selina erst etwas überrascht, bis sie verstand. "Oh cool, dann können wir die Stunden ja zusammen verbringen, wenn ihr wollt. Zumindest weiß ich nicht, was ich sonst machen soll." Selina blickte die beiden erwartungsvoll an. Sie könnte verstehen, wenn jemand wie Lea ihre Ruhe haben wollte, aber Outis wirkte wenigstens etwas aufgeschlossener und abgesehen davon arbeitete er wohl gerne an der Schülerzeitung, bei der Selina in den Freistunden auch mithelfen könnte. Ihre Texte wären wahrscheinlich nicht sonderlich gut im Vergleich zu den anderen Autoren, aber es gab immerhin noch andere Bereiche, an denen sie sich beteiligen könnte.

Dass Outis gleich auf das überschwängliche Angebot mit dem Fest einging, überraschte Selina ebenfalls. Sie hätte nicht gedacht, dass sich gleich jemand mit dem Gastschüler treffen würde. Lag vielleicht daran, dass sie alle, Outis, Selina und Lea in gewisser weise neu in den Klassen waren und. Die Leute in ihrer Klassen waren zwar alle ganz nett, schienen aber in ihren eigenen kleinen Freundeskreisen bleiben zu wollen. Lediglich Anne gab sich Mühe damit, viel mit Selina zu unternehmen, selbst wenn sie in den Pausen, die sie lieber mit den Kunst-Freundinnen verbrachte, nicht so wirkte. Die halbe Stunde Abwechslung am Tag brauchte sie wohl.
"Ja, das habe ich schon gehört. Zuhause werde ich erst trinken können, wenn ich mit dem College fertig bin.", meinte sie, als Outis auf die Sache mit dem Bier einging. Und kaum hatte Outis sein Cell gezogen, kramte Selina ihres auch hervor. "Kannst du gerne machen. Willst du dich einfach schnell selbst einspeichern? Ich kenne meine deutsche Nummer noch nicht auswendig."

Lea, die offensichtlich nicht wirklich mitwollte, ignorierte Selina dabei einfach gekonnt. Es war die erste Schulwoche. Wer verbrachte seine Zeit da lieber mit Lernen? Vor allem gab es nach so kurzer Zeit doch noch so gut wie nichts zu tun. Um ehrlich zu sein klang Lea für Selina im Moment wie ein ziemlich großer Langweiler. Ja, Sel wusste, dass es introvertierte oder schüchterne Leute gab, aber sie sah nicht ein, dass man nicht wenigstens versuchen sollte, etwas sozial zu wirken. So schlimm konnte das doch nicht sein. "Ach komm, ankommen kannst du, indem du Leute triffst und zur Not helfen wir dir beim Einrichten."
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Mo Dez 10, 2018 8:35 pm

„Eine Lücke haben wir“, bestätigte Outis sehr vage. „Ist ja cool, wenn die mit Selinas Freistunden zusammenfällt.“ Der Schüler grinste breit und sagte zu der Austauschschülerin nochmal: „Sehr cool.“ Nachdem die Stundenplanfrage geklärt war, gingen sie bald zur Volksfestplanung über. Zumindest der Sitzenbleiber und die Amerikanerin taten das. Lea wirkte… unentschlossen.
„Musst natürlich du wissen“, meinte Outis, während er schon seine Nummer in Selinas Mobiltelefon eintippte. „Aber eine Pause tut gewiss auch mal gut, oder nicht? Man muss auf dem Volksfest ja nicht ewig bleiben und kann auch andere Dinge machen als zu saufen. Es gibt jede Menge Fahrgeschäfte und so. Autoscooter, wilde Maus und all der Kram.“
Nachdem er auf sein eigenes Smartphone durchgeklingelt hatte, gab er der Gastschülerin ihres zurück und tippte die Nummer von Lea ab. Für ihn machte ihre Geste deutlich, dass sie seine Banknachbarin quasi überzeugt hatten. Darum trafen auch bei beiden Mädchen kurz darauf Einladungen zur Gruppe „Planung – zufälliges Treffen“ ein.
„Selina hat Recht, wir können mit dem Einrichten helfen. Und mit dem Ankommen, wenn es Dir hilft von uns auf andere Gedanken gebracht zu werden. Ich bringe morgen mal ein paar alte Ausgaben der Schülerzeitung mit. Damit konnte ich mich letztes Jahr sehr effektiv ablenken…“
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Mo Dez 10, 2018 10:23 pm

Selina und Outis scheinen sich wirklich gut zu verstehen. Ein Gedanke folgte dem Anderen, wenn der Eine etwas sagte stimmte die Andere zu. Die Einzige, die aus diesem ganzen Gebilde herausstach, war Lea selbst, die unschlüssig am Rand stand und irgendwie versuchte, sich gleichzeitig aus der Sache rauszuwinden und nicht den Anschluss zu verlieren. In kürzester Zeit waren Treffen für eine gemeinsame AG, die Freistunden und das Herbstfest gemacht. Ein wenig neidisch war sie auf diesen Tatendrang schon. Nicht dass sie es planen würde, ihm nachzueifern, aber neidisch war sie.
Als Lea schließlich zu verstehen gegeben hatte, dass sie nicht mitkommen wolle, redete Sel gleich auf sie ein. Ihre Energie war wirklich unglaublich. Outis ging das Ganze schon ruhiger an, aber auch er schien ein 'Nein' nicht akzeptieren zu wollen. Sie boten ihr sogar an, ihr beim Einzug zu helfen. Sie kennen mich doch gerade erst? Warum legen sie sich so ins Zeug? "Das ist ganz nett, aber ich schaff das schon, mein Vater hilft mir ja auch und so viel konnte ich gar nicht erst hier mit hin nehmen." Eigentlich war das nur die halbe Wahrheit, ihr Zimmer war über das Wochenende schon halbwegs eingerichtet worden, aber die Notlüge hatte sich Lea für den Moment erlaubt gehabt. "Aber danke trotzdem, vielleicht brauche ich ja doch mal Hilfe", schlug sie dann noch versöhnlichere Töne an. Auch das Angebot mit den Schülerzeitungen nahm sie dankend an, weniger weil sie sie tatsächlich lesen wollte, als mehr um nicht nein sagen zu müssen. Nachher wollen sie mich noch zu allem überreden, wozu ich nein sage.

Nachdem Outis ihre Handynummer abgetippt hatte, schien das Them für ihn geregelt zu sein und so steckte Lea das Handy wieder in die Tasche, dabei strich sie noch ein paar Mal über sie drüber, um letzte Dreckreste abzubekommen. Das Vibrieren ihres Handys nahm sie als Zeichen dafür wahr, dass Outis ihr wohl eine Nachricht geschickt hatte und so schaute sie sie sich gar nicht erst an. Still stand sie dann am Rand der Gruppe und wartete darauf, dass irgendjemand etwas sagte oder tat.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Di Dez 11, 2018 8:35 pm

Nachdem sie die Nummern getauscht hatten, entstand einer jener seltsamen Momente, die immer dann auftreten, wenn eine Gruppe von Leuten beisammensteht, deren Mitglieder gerade bemerken, dass sie sich erst seit wenigen Stunden kennen und sie keine Ahnung haben, worüber sie reden sollen. Obwohl Lea sogar nach dem Strohhalm mit der Schülerzeitung griff und so weit ging sich zu bedanken, entstand eine Pause, die ziemlich deutlich machte, dass sie nicht weiter wussten.
Das Schlagwort Smaltalk blitzte in Outis Hinterkopf auf. „Was hast du für Hobbys abgesehen davon das Zimmer einzurichten? Obwohl das wahrscheinlich nicht direkt ein Hobby ist.“ Versuchte er es mit einer Frage an seine Banknachbarin. Als diese nicht gleich antwortete, was nur verständlich war, fiel ihm auf, dass es nicht nett gewesen war den schwarzen Peter so an sie abzuspielen. Also begann er selbst zu schwafeln: „Bei mir ist es vor allem die Schülerzeitung, wie euch nicht entgangen sein dürfte. Dann bin ich noch irgendwie beim Fechtclub gelandet. Viel Auswahl hat man hier in Ellwürden eh nicht, wie ihr euch denken könnt. Irgendwie bin ich also schon ewig dabei. Im Sommer kann man auf der Ell Boot fahren. Vielleicht bekommen wir noch ein paar warme Tage…“
Der Sitzenbleiber verstummte. Vor zwei Mädchen in seinem Alter, die er kaum kannte, so loszuquatschen, war irgendwie ziemlich peinlich. Noch dazu so eine Aufzählung von Hobbys, wie bei einem bescheuerten Kennenlernspiel. Das hätte ihm auch mal früher auffallen können. Jetzt war es zu spät, um noch irgendwas daran zu ändern. Welchen Quatsch hatte er da eigentlich genau von sich gegeben?
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Di Dez 11, 2018 11:49 pm

Auch Selina entging die unangenehm lange Pause nicht und für einen Moment wusste auch nicht einmal sie, wie man die seltsame Stille brechen könnte. Irgendwann traute sich Outis wohl das Wort zu ergreifen, auch wenn es ihm offensichtlich nicht gelang, das Gespräch wieder richtig in Fahrt zu bringen. Worüber redete man auch so mit neuen Leuten? Selina versuchte sich an ihre ersten Tage als Freshman zu erinnern, aber irgendwie kannte man ja doch noch einige Leute aus der Mittelstufe, mit denen man dann meistens irgendwie abhing und mindestens ein Gesprächsthema fand.
So ganz angenehm, etwas über sich zu erzählen, war es Outis wohl doch nicht, also versuchte Selina einfach irgendwie darauf einzugehen, damit er seinen Versuch, Lea zum Reden zu bringen, nicht ganz bereuen würde.

"Wow, Fechten. Ich hätte nicht gedacht, dass man das hier kann...oder dass du fechten würdest. No offense, aber du siehst mehr wie eine Fußball-Person aus." War das auch nicht das Ding, das jeder in Europa machte? Den Eindruck hatte Selina zumindest immer gehabt.
Die Frage war eigentlich an Lea gestellt gewesen, aber bevor wieder Stille entstehen konnte, und das nahm Selina einfach mal stark an, begann sie auch etwas zu erzählen, allerdings nicht so schnell und viel, dass sie Lea so komplett aus dem Gespräch ausschließen würde. Wenn sie wollte, könnte sie also immer noch einsteigen.
"Was gibt es hier denn sonst noch zu tun?", frage Selina, nachdem Outis erwähnt hatte, dass es neben Fechten nicht viel anderes gäbe. Das erinnerte sie daran, wie sie damals, zuhause, verzweifelt nach irgendwelchen Sportvereinen gesucht hatte, weil ihr empfohlen wurde sich irgendwie auszupowern. Ihr Vater war mit nichts, was nur halbwegs einer Kampfsportart ähnelte, zufrieden, aber alles andere klang für Selina auch recht langweilig. Am Ende ist es Parcouring geworden...in so einer kleinen Stadt könnte man das wohl auch schlecht betreiben. Hier gab es nicht wirklich hohe Gebäude, oder sehr urbane Strukturen, an denen man herumspringen könnte. Aber da gab es noch diese Ruinen und... Selinas Blick wanderte erneut die Fassade des Schulgebäudes hoch. Ja, das sollte machbar sein.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Mi Dez 12, 2018 12:56 pm

Ein Blick traf Outis, der eine Mischung aus "Dein Ernst?", "Ich?" und "Hilfe!" war. Nach alledem, was er heute über Lea erfahren hatte, war seine Lösung, um die peinlich Pause zu überbrücken, sie zum Reden zu bewegen. Als sie keine Anstalten machte, den Mund zu öffnen realisierte er, dass er wohl nicht gerade die beste Möglichkeit gewählt hatte und fing selber an zu quasseln.
Smalltalk? Irgendwie hab ich mehr erwartet. Er hat bisher immer was richtiges gesagt, was bedeutungsvolles, hatte irgendwie immer etwas besonderes... Aber vielleicht ist er ja auch doch nur normal? Als Outis schließlich mitten in der Erzählung wieder verstummte versuchte wohl dieses Mal Selina das Gespräch zu retten. Leas Kopf drehte sich zu ihr und dieses Mal wurde sie angestarrt, während sie redete. Fußball? War ja klar, der Europäische Sport schlechthin.
Auch wenn Selina schließlich eine Frage an Outis stellte, fühlte Lea sich schlecht, dass sie gar nichts gesagt hatte bisher. Also schob sie ein kurzes "Ich zeichne gerne" dazwischen, um dann den Kopf zu Outis zu drehen und auf seine Fußball-Antwort zu warten.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Mi Dez 12, 2018 8:26 pm

Und woran genau erkennt man eine Fußballperson?“ Outis klang durchaus interessiert und war froh, dass Selina sich am Gespräch beteiligte, ehe er knallrot anlief. Er hoffte zumindest, dass er noch nicht rot angelaufen war. „Fußball ist tatsächlich eine der wenigen Alternativen, die Ellwürden zu bieten hat. Handball, Tennis und Schießen – mit dem Luftgewehr, wir haben Waffengesetze.“ Vermutlich hatte er noch irgendwas bei seiner Aufzählung vergessen, aber viel konnte es nicht sein.
Bei Leas Einwurf nickte er. Das hatte er ja schon mehr oder weniger mitbekommen. „Gibt es Zeichnungen, die Du uns zeigen würdest? Also nicht jetzt sofort, sondern bei Gelegenheit“, erkundigte er sich mit einer Mischung aus Neugierde und Vorsicht. Er erinnerte sich noch recht lebhaft daran an den Eindruck, den sie vermittelt hatte, als er vorhin einen Blick auf ihren Block erhascht hatte. Als hätte er sie bei etwas verbotenen ertappt.
Was konnte man in dieser Kleinstadt noch unternehmen? Die Frage war gar nicht so leicht zu beantworten. „Wir haben ein Kino“, begann er aufzuzählen. Er konnte froh sein, wenn er genug Punkte für eine Hand zusammenbekam. „Eine Kegelbahn, ein Bauernhofmuseum“, nicht gerade das, wovon Teenager nachts träumten, „ein paar Badeweiher, aber dafür ist die Zeit wohl vorüber. Mit sehr viel Glück kann man dort im Winter ein paar Tage lang Schlittschuh laufen…“

In dem Moment kam Paul auf ihn zu. „Danke nochmal für die Kippen, war echt eine feine Geste von dir. Sag mal, willst du heute Nachmittag nicht zum Schafkopfen vorbeikommen?“ „Ah ja, Karten spielen kann man in Ellwürden auch noch“, griff Outis den Faden auf. „Ich bin gerade dabei die mannigfaltigen Sehenswürdigkeiten unserer Heimatstadt an einer Hand abzuzählen“, erklärte er seinem ehemaligen Klassenkameraden, der ihn fragend ansah. „Ich habe sie jetzt voll, danke. Mit der zweiten Hand weiterzumachen dürfte sich kaum lohnen, oder was meinst du. Kino habe ich schon, damit brauchst du gar nicht kommen.“
„Hast Du das Hallenbad schon?“, versuchte Paul sein Glück. „Oder den neuen Kletterwald.“
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Mi Dez 12, 2018 10:01 pm

"Ähm...also...", begann Selina. Eigentlich wusste sie gar nicht so genau, was eine Person als Fußballer auszeichnete. Sie war einfach davon ausgegangen, dass das jeder in so einer Kleinstadt machen würde, so wie bei ihr Zuhause so gut wie jeder mindestens einmal im Leben in einer Band gewesen ist. "Keine Ahnung.", gab sie letztendlich zu. "Ich dachte einfach..." Zum Glück fragte Outis vorerst nicht weiter nach, also musste Selina sich nicht noch weiter blamieren.
Im Vergleich zu den Alternativen hörte sich Fechten irgendwie wie die exotischste Sportart, die man hier betreiben könnte, an. Hatte Outis sie vielleicht deswegen gewählt? Einen gewissen Reiz hatten solche Degen ja doch, aber Selina fand die Anzüge immer ein wenig klobig und abgesehen davon würde sie lieber ein echtes Schwert halten. "Gesetze haben wir auch. Die sind nur nicht so streng." Selina wusste wovon sie da sprach. Ihr Vater war immerhin Polizeibeamter und da durfte sie sich des Öfteren Geschichten von seiner Arbeit anhören.

Dass Lea dann doch etwas von sich erzählte, erstaunte Selina etwas. Es war zwar nicht viel, aber immerhin etwas. Sie zeichnete also; ja, so etwas Kreatives passte irgendwie zu ihr. Ob sie auch einer dieser schüchternen Menschen war, die zuhause heimlich ihre edgy Anime OCs zeichneten, oder mehr der "Pferde und Katzen"-Typ? ...Selina schüttelte kurz den Kopf. Sie sollte nicht so gemein zu Lea sein, immerhin kannte sie sie noch nicht wirklich. Vielleicht war sie auch ein künstlerisches Genie, das einfach noch nicht wirklich aus sich herauskam.

Die restlichen Alternativen, die Outis aufzählte klangen ehrlich gesagt gar nicht einmal so schlecht für so eine Kleinstadt. Es klang wenigstens spannender als auf irgendeinem verlassenen Sportplatz oder dem nächsten Skaterpark abzuhängen. "Schlittschuh?", fragte sie sicherheitshalber nochmal nach, als sie nicht ganz verstand.
Dann trat eine Person in die Runde, die Selina tatsächlich erkannte. Es war der Junge, den sie auch schon vorher bei den Rauchern getroffen hatte. Selina grüßte ihn nochmals mit einem kleinen freundlichen Winken.
"Klettern? So langweilig klingt das hier doch gar nicht. Ich weiß gar nicht warum ihr das hier so schlimm findet." Ja, es war wahrscheinlich nichts im Vergleich zu New York, aber Selina ist ja auch nicht mit der Erwartung auf eine spannende Großstadt eingereist.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Do Dez 13, 2018 12:52 am

Na toll, das habe ich jetzt wieder davon... "So gut ist das nicht...", versuchte Lea runterzuwiegeln, ohne dass jemand sie zwingen wollte. Schnell unterwarf sie ihre Widerrede dann doch einfach dem weiterlaufendem Gespräch.

Outis Aufzählung war, mit einem kleinen Highlight in der Stichelei gegen Amerika, gar nicht so übel. Natürlich kein Vergleich zu ihrem alten Wohnort, aber für ein Kaff umgeben von viel Nichts schon nicht schlecht. Wenn man dann noch bedachte, dass Lea kaum eine der Möglichkeiten ihres alten Wohnortes genutzt hatte, konnte sie eigentlich ganz zufrieden sein. Sie hatte Internet, ein Haus, einen Garten und ihre Gitarre. Jetzt brauchte sie eigentlich nur noch Ruhe.
Dass Selina so ihre Ansichten zu den amerikanischen Waffengesetzen hatte war nicht weiter verwunderlich. Die hatte wohl jeder Amerikaner, insbesondere derer, die cool waren. Vermutlich hat sie selber eine Waffe zu Hause hängen?

Als schließlich noch eine weitere Person in den Kreis trat nutzte Lea die Chance sich zurückzuziehen. Die Blicke glitten zu dem Neuankömmling und Lea trat langsam den Rückweg zum Klassenzimmer an. Vier waren spätestens einer zu viel, das dritte Rad am Wagen war schlimm genug aber bei so vielen Leuten war sie sowieso nicht mehr großartig dazu bereit etwas zu erzählen. Nur Pauls kurz verwirrter Blick folgte ihr im ersten Moment, bevor er weiter mit den Anderen redete. Die anderen sahen sie zumindest im ersten Moment nicht gehen, auch wenn ihr Fehlen natürlich nicht lange ungemerkt bleiben würde.

Als sie wieder vor dem Klassenraum stand war sie nicht alleine, der Lehrer musste die anderen wohl rausgeschmissen haben. Sie steckte sich die Kopfhörer in die Ohren, wischte die Nachricht auf ihrem Handy ungelesen zur Seite, machte sich ihre Taylor-Swift-Playlist an und schloss die Augen. Als sie Bewegung neben sich wahrnahm öffnete sie die Augen, um zu sehen ob es der oder die Lehrer(in) war oder ob Outis dieses Mal pünktlich gekommen war.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Do Dez 13, 2018 9:41 pm

“Und New York liegt nicht im wilden Westen”, räumte Outis ein. Wenn er sich nicht täuschte, war man in den Oststaaten weniger sorglos im Umgang mit Waffen, als das in den dünner besiedelten Teilen des Landes der Fall war. Auf Leas Einwand mit dem Zeichnen einzugehen war wohl zu viel des Guten gewesen. Sofort begann sie wieder die Sache kleiner zu reden, als sie ihrem Banknachbarn auf seinen ersten - zugegebenermaßen nur flüchtigen - Blick erschienen war. Irgendwie war er sich bei ihr nie ganz sicher, ob er ihr wirklich einen Gefallen tat, wenn er versuchte sie aus sich herauszulocken, oder ob es nicht besser wäre ihr ihre Ruhe zu lassen.
„Schlittschuh… Skating on the Ice? Like in Icehockey?”, versuchte sich Outis an einer Erklärung, als Selina bei dem Wort nachfragte. „Das Eis trägt aber nicht jeden Winter.“

Dass Lea sich zurückgezogen hatte, merkte der Sitzenbleiber erst, als Paul ihn fragte, wer das gewesen war. „Meine Banknachbarin, sie ist neu hergezogen“, erklärte Outis. „Sie war der Panik nahe, als ich ihr vorgeschlagen habe das Cover für die Schülerzeitung zu entwerfen. Franzi macht das ja nicht mehr - ihr müsst euch jetzt ja alle aufs Abi vorbereiten…“
Dann wandte er sich wieder Selina zu. „Ich sage nicht, dass es hier furchtbar ist. Aber es ist eben auch nicht großartig. Und wünschen wir uns nicht alle eine großartige Jugend? Nachtleben, Partys am Strand, Surfen und all das andere Zeug, mit dem sich die Kids in den Serien die Zeit totschlagen.“

Nach einer Weile ertönte der erste Gong. „Wir sollten mal…“, meinte er an Sel gewandt, die ja ins Klassenzimmer gegenüber musste. Er wollte Lea nicht zu lange alleine lassen, und sehen wie sie sich schlug. Als er den Gang der elften Klassen erreichte, stellte er aber fest, dass sie sich recht effektiv in ihrer eigenen kleinen Welt eingekapselt hatte. Die Zimmertür war noch geschlossen und so lehnte er sich neben sie an die Wand ohne etwas zu sagen, um sie nicht aus ihren Gedanken zu reißen.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Do Dez 13, 2018 10:45 pm

Selina gab ein bedächtiges "Mhm." von sich und nickte auf Outis' Erklärung hin. Seltsames Wort...und dazu noch eins, das sie in Zukunft nicht öfter aussprechen wollte. Das war ja schon fast so schön wie 'Eichhörnchen'. Wenn sie nur darüber nachdachte, brach sie sich schon die Zunge, also ließ sie es lieber und folgte dem Gespräch der beiden Jungs.

Dabei hate sie auch nur aus dem Augenwinkel gesehen wie Lea sich etwas von der Gruppe entfernt hatte, aber sich dabei nichts weiter gedacht. Dass Lea ganz verschwunden war, merkte Selina erst, als Paul darauf aufmerksam machte. Seltsames Mädchen...man verabschiedete sich doch normalerweise wenigstens. Kurz überlegte Selina auch etwas unsozial zu sein und für die restliche Pause nebenbei Musik zu hören. Deshalb war die kurz schon fast ein wenig überrascht, als Outis die plötzlich wieder ansprach.
"Macht man das hier so?", fragte sie. "Ich hab das Gefühl, dass das außer ein paar Leuten, die ihre IDs fälschen, auch nur die College kids machen." So aufregend wie New York auch war, war Selina dort nie wirklich groß feiern gegangen. Dafür war ihr Vater etwas zu paranoid.

Leider konnte sie nicht viel weiter darüber reden, als sie vom Gong angeschnitten wurde. Das Geräusch erweckte bei Selina schon fast ein Gefühl der Enttäuschung. Sie hätte sich gerne noch weiter mit den beiden unterhalten, aber dafür gab es ja noch andere Momente und außerdem hatte sie noch Outis' Nummer.
"Wir schreiben uns dann?", fragte sie, als Outis dabei war sich von ihr zu trennen.
Es dauerte nicht lang, da war Anne auch wieder aufgetaucht. Die letzten Stunden müsste sie also auch nicht ganz alleine verbringen. Das war immerhin etwas.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr Dez 14, 2018 12:23 am

Als Lea die Augen öffnete sah sie Outis, der in ihre Richtung guckte, aber nicht böse oder verletzt. Erst jetzt wurde Lea klar, dass er es noch gar nicht gewöhnt war, dass sie sich öfters mal plötzlich entfernte. Nichts war niemandem mehr klar. Sie musste wieder ganz von vorne anfangen. Ganz von vorne...
Für eine Sekunde blickte Lea nur durch Outis durch, bevor sie sich die Kopfhörer wieder aus den Ohren zog. Mit einem Klick auf einen im Kabel integriertem Knopf verstummte die Musik und in einer fließenden Bewegung glitt ihr Smartphone wieder in die Tasche. "Hey", ließ sie leise verkünden, gespannt, ob er einfach das normale Gespräch suchen würde oder wohl nachfragte, was sie gerade gemacht hatte. Die Unsicherheit, die sie die letzten paar Minuten gezeichnet hatte, die Outis sie gesehen hatte war ein wenig gewichen, zwar waren sie jetzt auch von vielen Leuten umgeben und den beiden Neuen wurden auch genügend Blicke zugeworfen, aber niemand befasste sich genau mit ihnen. Zu Outis hatte Lea in gewisser Weise ein klein wenig Vertrauen gefasst, soweit sie es in dieser kurzen Zeit schon gekonnt hatte und seitdem Selina nicht mehr dabeistand musste sie sich nicht mehr ganz so fürchten.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Sa Dez 15, 2018 1:59 pm

„Ach, mit 18 braucht man doch keine IDs mehr zu fälschen. Und sonst kennt man immer irgendwen, der schon 18 ist und muss nur noch die Eltern überreden einen Zettel zu unterschreiben, dass derjenige auf einen aufpasst und man deshalb bis nach Mitternacht bleiben darf.“ Soweit die Theorie, die allerdings wenig half, wenn es kaum Partys gab, auf die man sie anwenden konnte. Nicht, dass Outis das Gefühl hatte, dadurch viel versäumt zu haben. Wenn er sich das Gehör mit zu lauter schlechter Musik ruinieren wollte, konnte er das auch mit Kopfhörern tun.
Ihm waren die kleinen Feiern in irgendwelchen Gärten, Hütten oder an einem kleinen See eigentlich lieber. Eine Hand voll Leute, die man tatsächlich kannte, vielleicht ein Lagerfeuer, Bier – auf jeden Fall Bier…

„Gute Musik“, fragte Outis auf Leas einsilbigen Kommentar hin und nickte in Richtung ihrer Kopfhörer. Es war ganz einfach das erste Gesprächsthema, das ihm eingefallen war. Nicht, dass er viel über Musik zu sagen hatte. Zumindest nicht über die Musik, die an der Schule gerade angesagt war. Viele der Nummern, die er gerne hörte, waren älter als er selbst. Er konnte nicht sagen, ob die Lieder früher tatsächlich besser gewesen waren, oder ob man von den schlechteren Sachen von damals inzwischen ganz einfach viel vergessen hatte.
Ein langes Gespräch über Musik war dann aber eh nicht möglich, denn Frau Lorenz hielt auf ihre Klassenzimmertür zu. Bei ihr musste es sich dann wohl um ihre Englischlehrerin für dieses Jahr halten. Nicht schlecht, in der Neunten war Outis recht gut mit ihr zurechtgekommen. Auch wenn es Mitschüler gegeben hatte, die sie zu streng gefunden hatten. Also ließ er Lea an seinem Wissen teilhaben: „Frau Lorenz“, er unterstrich die Worte durch eine Kopfbewegung in die entsprechende Richtung, „hält recht guten Unterricht.“ Außerdem war sie noch nicht uralt und sah für eine Lehrerin eigentlich ganz OK aus.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Mi Dez 19, 2018 9:07 pm

Dass Outis' Frage ein wenig rhetorisch war, fiel Lea in diesem Moment gar nicht auf, schließlich hört doch jeder Musik, die er für gut empfindet. Ihr Blick glitt seinem für einen Moment zu ihren Kopfhörer hinterher, dann nickte sie. Als sie noch überlegte, einfach zu sagen, was sie gerade hörte, sprach er schon weiter und machte sie auf die Lehrerin aufmerksam, die hinter ihr auf die Klasse zuschritt. Als sie an der Klasse vorbei ging traf Lea ein interessierter Blick, bevor die Lehrerin die Tür aufschloss und hineinging.
Nachdem die meisten ihrer neuen Mitschüler reingegangen waren trat auch Lea in die Klasse. Aus dem interessierten Blick war jetzt ein freundliches Lächeln geworden. Nicht eines der Lächeln, das einem das Herz erwärmte sondern eines dieser Lächeln die sagten: 'Ich bin nett und bleibe es, solange du es bist.' Sie versuchte es zu erwidern und es gelang ihr sogar einigermaßen. Die paar Minuten Ruhe hatten ihr gut getan und so huschte sie an ihren Platz, hing die Jacke über ihren Stuhl und machte sich daran, ihre Sachen rauszuholen, doch die Lehrerin schien die Chance nutzen zu wollen, dass die Neue vor ihr saß und so stellte sie sich vor, ohne durch die ganze Klasse brüllen zu müssen: "Hallo, ich bin Frau Lorenz, wie heißen Sie denn?" "Lea", antwortete sie fast schon etwas vorschnell. "Lea... ein schöner Name. Wenn Sie Fragen zum Unterricht haben, dann kommen Sie einfach am Ende der Stunde zu mir und ich kann Ihnen erklären, was Sie vielleicht noch wissen müssen. Es ist ja auch nicht leicht, in so eine neue Klasse reinzukommen." Etwas verwirrt war Lea schon, dass sie plötzlich gesiezt wurde und so nickte sie nur still. Dann stand die Lehrerin auf und eröffnete den Unterricht mit der typischen Begrüßung an die ganze Klasse. Fast rechnete sie schon damit, dass Outis ihr wieder ein Heft unter die Nase legte.


Zuletzt von Quaona Leae Ohana am So Dez 23, 2018 10:45 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Do Dez 20, 2018 12:24 am

Offenbar hatte Frau Lorenz die Klasse schon im Vorjahr gehabt, denn sie identifizierte Lea sofort als neue Schülerin. „Und ich bekomme keinen Neuschülerbonus?“, mischte sich Outis ungefragt in das Gespräch ein. „Neuschüler, schön wär’s“, wiegelte die Lehrerin seinen Einwand ab.
Dann begann der Unterricht und Entweder war dem Sitzenbleiber die Englischstunde lieber als Deutsch und Mathe, oder er konnte einfach mit Herrn Oltmanns nichts anfangen. Jedenfalls schieb er bei dieser Lehrerin das meiste mit und daher waren auch seine Nachrichten an Lea weniger, was nicht hieß, dass er ganz darauf verzichtete.
An das Fach angepasst beglückte er sie nach einer Weile mit einem Kurzcomic, bei dem er versucht hatte mit schlechten Zeichnungen ein ebenso schlechtes Wortspiel in Bilder zu fassen. „I’m bad at getting water into glasses. It’s true. I do it pourly”, stand darunter.

Mit dem Englischunterricht endete schließlich auch der erste Schultag. Wie jeder andere Schüler auch, hatte es Outis eilig damit aus dem Klassenzimmer zu kommen. Auf dem Schulgang wurde er dann langsamer und reckte den Hals nach bekannten Gesichtern. „Wo musst Du eigentlich noch hin?“, fragte er Lea. Sie war kein kleines Kind mehr und wusste vermutlich wie sie nachhause kam. Andererseits war es ihr erster Tag an der Schule und den richtigen Bus zu finden konnte etwas unübersichtlich sein.
„Ah, schau mal wer da ist“, warf er dazwischen, als er Selina und Anne am gegenüberliegenden Ende des Ganges erspähte. „Wollen wir noch kurz mit ihnen reden, oder hast du es eilig?“ Noch ehe Lea überhaupt Gelegenheit gehabt hatte sich zu äußern, hatte er den beiden Mädchen schon zugewinkt.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Do Dez 20, 2018 11:29 am

Humor schien die Lehrerin zu haben, irgendwie hatte Lea das nach dem förmlichen Sie nicht erwartet, aber es war eine angenehme Überraschung gewesen. Lea warf Outis ein (dieses Mal) nicht aufgezwungenes kleines Lächeln zu, auch er hatte bisher kaum Kontakt zu den Lehrern gesucht, also schien er wirklich ein wenig was von Frau Lorenz zu halten. Den Rest der Stunde fiel Lea es leichter, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, was größtenteils daran lag, dass sie keine Zettel untergeschoben bekam. Entweder mag er Frau Lorenz, Herr Oltmanns nicht, steht nicht wirklich auf Deutsch oder mag Englisch. Als sie irgendwann dann doch den Block untergeschoben bekam konnte sie ein Kichern nicht unterdrücken. Schnell tarnte sie es als Hüsteln, als sich Frau Lorenz von der Tafel umdrehte und ihr einen strengen Blick zuwarf: "Was genau ist denn an der Aufgabe so witzig, Lea?" "Nichts nichts", sagte sie schnell, immer noch die Hand vor dem Mund um das Lächeln zu tarnen. Die Lehrerin ließ es darauf beruhen und schrieb weiter an die Tafel an. Sie kritzelte ein 'What did the Ocean say to the Lake? Nothing, he just Waved' daneben und schob Outis den Block zurück.

Als es zum Stundenende klingelte beschwerten sich zwar manche Schüler, dass sie keine Pause gemacht hatten, aber im Endeffekt wollten sie doch nicht diskutieren sondern lieber nach Hause und auch Outis schien es eilig zu haben. Frau Lorenz schnappte sich Lea noch einmal kurz und bot ihr erneut an, bei Fragen zu helfen, bevor sie sie schließlich entließ. Auf dem Gang wartete Outis schon auf sie. Warum spricht er nicht mal mit den Anderen? Er könnte doch mit jedem befreundet sein, er ist der coole Sitzenbleiber? "Mein Vater holt mich heute ab. So weit ist der Weg nach Hause zwar nicht, ich glaube trotzdem, dass ich ab morgen mit dem Bus fahren werde", erklärte sie ihm überraschend redselig. Sie fühlte sich nicht direkt wohl, aber sie hatte auch keine Angst, dass in dem großen Gewusel, in dem jeder nur auf sich selbst achtete jemand Etwas über sie mitbekam. Dabei nutzt sie quasi den Windschatten von Outis aus, der sie ja doch um gut einen Kopf überragte und um den einen kleinen Bogen gemacht wurde - im Gegensatz zu ihr. Da winkte er schon in eine Richtung, in der wohl Selina stehen sollte. Natürlich drehte sich Lea auch um, aber sie sah sie natürlich nicht, dafür war sie einen Kopf zu klein. Auch wenn er wohl nicht wirklich auf eine Antwort gewartet hatte murmelte Lea schon wieder etwas schüchterner ein "Klar, können wir machen" zu ihm hoch, ließ ihn dann überholen und schlich durch die Kuhle, die er sich bahnte hinterher. Heimlich hoffte sie, dass sie aneinander vorbei laufen würden, aber dafür war Outis schlicht zu groß.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Mi Dez 26, 2018 1:14 am

So viele Schüler wie sich nun plötzlich auf den Gängen der Schule befanden hatte Selina ursprünglich gar nicht erwartet. So groß sah das Gebäude nicht aus und sie irritierte auch jetzt noch der kleine Parkplatz vor der Schule, selbst wenn sie wusste, dass der Großteil der Schüler Bus fahren würde.
Selina hatte ein klein wenig Probleme mit ihrer Partnerin mitzuhalten und sie nicht in dem Schwarm an Schülern zu verlieren, aber zum Glück sah sich Anne oft genug um, um sicherzugehen, dass Selina ihr noch folgte. Die beiden beschlossen einfach an einer Wand zu warten bis der größte Ansturm beendet wäre. Zeitdruck hatten sie am ersten Tag glücklicherweise nicht.

Da Selina nun nichts besseres zu tun hatte, sah sie durch die Menge an Schülern und erkannte schon bald ein bekanntes Gesicht: es war Outis, der sie offensichtlich auch bemerkt hatte und ihr zuwinkte. Selina erwiderte die Geste, was Anne nun auch auf den Jungen aus der Parallelklasse aufmerksam machte.
"Was will der denn?", fragte sie und warf Sel dabei so einen Blick zu als wollte sie irgendetwas andeuten.
Was auch immer Anne damit sagen wollte flog allerdings geradewegs an Selina vorbei, die schulterzuckend mit "Keine Ahnung. Finden wir es heraus." antwortete. "Wir müssen uns nicht beeilen, oder?"
Anne wäre zwar eigentlich lieber früher zuhause gewesen, sah aber auch ein, dass ein kleines Gespräch wohl keine große Verspätung hervorrufen würde, also sagte sie nichts. War ja auch schön, wenn ihre Partnerin gleich so früh Anschluss an die Klassen fand. Auch wenn sie sich gut verstanden würde es sich wohl auf Dauer seltsam anfühlen, wenn Anne Selina ständig überallhin mitschleppen müsste und die beiden so nie etwas getrennt voneinander unternehmen würden. Ein ganzes Jahr lang wäre das wahrscheinlich auch nicht besonders gesund.

Mit einem einfachen "Hey." begrüßte Selina Outis und Lea, die anscheinend auch mitgekommen war, erneut. "Was ist los?"
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Mi Dez 26, 2018 8:59 pm

„Sieh an“, dachte sich Outis, „wenn es gegen mich geht, kann Lea ja wirklich amüsiert wirken.“ Andererseits hatte er Frau Lorenz aber auch eine Steilvorlage geliefert. Und vielleicht taute seine neue Mitschülerin auch generell ein wenig auf, denn kurz darauf reagierte sie auf das Wortspiel heftiger als er es von ihr erwartet hatte. Es gab eben kein wirksameres Mittel die Stimmung zu lockern, als Blödsinn. Als er sein Heft zurückbekam, hätte Outis selbst fast gelacht, verkniff es sich aber, nachdem sie gerade schon die Aufmerksamkeit der Lehrerin auf sich gezogen hatten. Stattdessen grinste er in Richtung seiner Banknachbarin und malte dann noch ein Smiley unter den Spruch, das groß genug war, dass sie ihn sehen konnte, ohne dass er das Heft nochmal zu ihr schieben musste.

„Cool, der Busparkplatz ist immer sehr chaotisch.“ Wenn Lea zumindest heute geholt wurde, machte das den ersten Schultag wohl um einiges leichter. Außerdem vermutete er, dass sie nicht zu den Leuten gehörte, die sich in einem Bus voller fremder Menschen sonderlich wohlfühlen würden.
Er brauchte nicht sehr lange, um sich seinen Weg zu den beiden Mädchen aus der Parallelklasse zu bahnen. „Hey Selina, Anne!“, grüßte er sie beide. „Morgen sehen wir uns in Kunst?“ Sie waren in der Pause nicht dazu gekommen, das so wirklich fest auszumachen. Dafür hatte er jetzt einen Gesprächseinstieg. „Ah, und wenn ich vorstellen darf: Lea – Anne, Anne –Lea.“ Die beiden waren sich ja bisher noch nicht begegnet. „Dir geht es wieder gut?“ Wenn sich Outis nicht irrte, hatte seine Mutter erzählt – wer auch sonst – dass sich Anne in den Ferien irgendwas gebrochen hatte. Das Bein oder war es doch der Arm gewesen?
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Mi Jan 02, 2019 9:36 am

Der Gesprächsanfang war... interessant, fand Lea. Von so ziemlich jedem. Selina fragte, was los sei, als ob Outis einen Grund bräuchte, jemandem grundlos durch die ganze Schule hinterherzurennen, dann stellte er sie vor wie ein kleines Kind, was zugegebenermaßen nicht ganz unnötig war, wenn auch ein wenig seltsam bevor er das Gespräch mit einer vollkommen zusammenhanglosen Frage begann. Anne schaute ihn verwirrt an, bevor sie ihm (erneut verwirrt) sagte, dass sich Lea doch bestimmt auch selber vorstellen könne. Als ihr Blick dann zu Lea glitt winkte diese nur einmal kurz mit der Hand vor dem Bauch, bevor sie einfach wieder in der Jackentasche verschwand. Sie hatte die Jacke nicht einmal an aber sie hing so perfekt über ihrem linken Arm, dass die rechte Hand einfach unauffällig in der Tasche verschwinden konnte ohne dass es großartig seltsam aussah. Als Anne nach einigen kurzen Momenten der relativen Stille immer noch kein Antwort bekommen hatte drehte sie sich verwirrt wieder zu Outis und fragte: "Oder ist sie stumm?"

Ein Kichern von Lea verneinte diese Frage, das genauso so schnell wieder verschwand wie die Hand, die sie sich dafür mit der Rückseite zuerst vor den Mund gehalten hatte. Erneut schaute Anne zu ihr, doch Lea brachte wieder kein Wort heraus, zog sich eher noch weiter zurück. Na super, du lernst jemand Neues kennen und lachst ihn erstmal aus, super Idee Lea, wirklich eine super Idee. Instinktiv zog sie sich einen Meter zurück, wodurch sie fast von dem Schwarm von Schülern wieder erfasst wurde, der direkt auf die Tür nur einige Meter hinter ihnen zuströmte, an der schützenden Ecke vorbei, wo sich Selina und Anne aufhielten. In dem Versuch gleichzeitig dem Strom von Schülern und ihrer Scham vor Anne zu entkommen stellte sie sich daraufhin halb hinter Outis, ohne zu bemerken, dass das Ganze noch peinlicher war als alles davor im Gespräch geschehene.


Zuletzt von Quaona Leae Ohana am Fr Jan 04, 2019 9:54 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Fr Jan 04, 2019 12:16 am

Anne guckte ein wenig komisch, als die zwei anderen Schüler ankamen. So wie Selina das mitbekommen hatte, waren Gespräche, zumindest mit neuen Leuten, nicht so ihr Ding. Deshalb reagierte sie auch erst recht verwirrt auf Outis' Frage. "Ja, warum sollte es denn - achso, ja das." Sie hob ihren linken Arm, wodurch ein Gips am Handgelenk zum Vorschein kam. "Ich kann jetzt ne Weile nicht mehr ins Orchester, aber wenigstens muss ich auch nicht zu Sport. Wäre es die rechte Hand müsste ich wahrscheinlich auch keine Hausaufgaben schreiben. Schade eigentlich."

Annes Versuch Lea einzubinden und deren Reaktion darauf verwirrte Anne nur noch mehr. Da waren zwei Leute, die nicht sonderlich gerne redeten aufeinander getroffen und das Ergebnis war nur umso peinlicher, zumindest für Selina, die für einen Moment fast in Fremdschämen versunken wäre. Konnte sich Lea denn wirklich nicht dazu zwingen wenigstens ein klein Bisschen was zu sagen, sodass Anne, der das Ganze ohnehin schon unangenehm sein musste, nicht völlig bloßgestellt würde?

"Ähm, ja, morgen ist Kunst.", versuchte Selina die Situation aufzulockern. Langsam fragte sie sich, ob denn alles mit Lea stimmte. Sie kannte introvertierte Leute, Anne war ja auch eine, aber Leas Verhalten wirkte manchmal so extrem. Auch übermäßig schüchterne Leute verhielten sich doch nicht so, oder? War sie irgendwie traumatisiert? Musste Selina aufpassen, dass sie das Mädchen nicht jeden Moment zum Weinen brachte? Naja, das würde sie wohl noch mit der Zeit herausfinden und zur Not würde sie Outis einfach über Lea schreiben.
"Ich bin nicht gut im Malen, aber es klingt spaßiger als Französisch, also bin ich dabei." Dafür kassierte sie kurz einen kritischen Blick von Anne. Die würde sich in den Französisch-Stunden nun langweilen müssen...nicht sehr, denn es waren noch andere Banknachbarn zum Herumalbern da, aber die Austauschpartnerin war da doch etwas anderes. Aber auch wenn Anne Sprachen liebte, konnte sie nachvollziehen, dass Selina nicht am Unterricht, von dem sie nicht viel verstehen würde, teilnehmen wollte und in der Stunde danach würden sie sich immerhin wieder sehen.
"Was macht ihr heute noch so?" Typische und zugegeben unpassende Frage, aber Selina wollte möglichst verhindern, das Gespräch noch einmal ins Stocken zu bringen.
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