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Schule, Chaos, Leben

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Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr Nov 30, 2018 2:51 pm

das Eingangsposting lautete :

Baum... um Baum... Wiese um Wiese, Feld um Feld, Dorf um Dorf, Menschen um Städte um Kreise um Bundesländer... Immer weiter weg von meinem Leben... Leas Augen hatten schon lange aufgehört, die Strecke wirklich zu verfolgen. Auf die Rückbank gequetscht, neben den letzten Resten Gepäck drückte sie ihre Wange an die kalte Fensterscheibe, die Kopfhörer im Ohr, obwohl der Akku schon lange leer war, um möglichst wenig von IHR zu hören. SIE, die ihr ihr Leben weggenommen hatte. SIE, die ihr ihren Vater weggenommen hatte, ihre Freunde, ihre Schule, ihr Haus, ihr... Alles. Sie konnte sie nicht leiden und wenn sie den Blick von ihr sah dann wusste sie, dass es auf Gegenseitigkeit beruhte. Es wäre ihr schon Grund genug, mich zu ärgern, um Dad zu verführen! Sie seufzte.
"Ist alles ok Schatz? Brauchst du eine Pause?" Ihr Vater hatte sich für einen kurzen Moment umgedreht zu ihr, bevor er wieder auf die Straße schaute. Lea tat so, als würde sie ihn gar nicht hören und ihr Vater schien sich damit zufrieden zu geben. Schon fing er an, wieder mit IHR zu reden, zu lachen, zu planen... Aus dem Augenwinkel sah sie, wie SIE ihre Hand auf die Seine legte, sie nur kurz runternahm, wenn er schalten musste, was auf der Autobahn leider nicht allzu häufig passierte.
Schließlich spürte sie doch, wie das Auto langsamer wurde. Für einen kurzen Moment kam Lea der irrwitzige Gedanke, dass ihr Vater es sich anders überlegte hatte, das er ausstieg, sie in den Arm nahm, sich entschuldigte und einfach wieder umdrehte, SIE hier stehen ließ und sie zurück in ihr altes Leben fuhr, zurück zu ihren alten Freunden, zurück in das kleine Zimmer mit der Dachschräge und ihren Postern, zurück zu diesem schrecklichen Teppich im Wohnzimmer. So schnell wie dieser Gedanke gekommen war, verflog er auch schon wieder.
Seine Hand berührte sie an ihrem Bein. Lea tat überrascht, zog sich den lautlosen Kopfhörer aus einem Ohr und blickte ihn an, als wäre sie ganz woanders gewesen. "Vertritt dir kurz die Beine, ok? Wir machen eine Viertelstunde Pause." "Natürlich Dad", erwiderte sie nur matt. Das aufmunternde Lächeln das er ihr zuwarf blieb unbeantwortet.

Es tat tatsächlich gut, sich die Beine zu vertreten. Sie mussten schon für über 4 Stunden gefahren sein, wenn ihr Handy keinen Akku mehr hatte. Sie hatte nur ein bisschen mit ihren Freunden geschrieben, ein paar Bilder angeschaut und die meiste Zeit Musik gehört. Aus dem frühen Vormittag war inziwschen früher Nachmittag geworden. Sie blieb vor dem Autobahnschild stehen: Gutmannstal. Instinktiv griff sie nach ihrem Handy, um es enttäuscht wieder wegzupacken. Wie weit es wohl noch ist? Als sie Schritte hinter sich hörte, drehte sie sich um, wollte ihren Vater fragen, doch vor ihr stand nicht ihr Vater. "Weißt du, ich freue mich darauf, mit dir zu wohnen. Das wird bestimmt ganz witzig werden", sprach SIE. "Ja, ganz bestimmt", murmelte Lea nur und drehte sich wieder um, um das Schild anzustarren, als gäbe es nichts Interessanteres auf der Welt. Doch so leicht kam sie nicht davon: "Es sind noch etwa anderthalb Stunden, du solltest hier nochmal auf die Toilette gehen, später hast du nicht mehr die Chance." Sie rollte mit den Augen: "Danke, ich muss nicht." Das war gelogen. Aber sie würde ihr nicht den Gefallen tun, auf sie zu hören. "Weißt du Lea..." "Quaona!", unterbrach Lea sie. Sie hasste diesen Namen, aber sie hasste Sie ja auch. "Natürlich, Quaona, tut mir Leid. Ich möchte mich wirklich gut mit dir verstehen, wir beide haben deinen Vater sehr lieb." Sie bekam keine Antwort.
Die letzte Stunde über waren sie nicht mehr auf der Autobahn unterwegs. Es ging über Feldwege und durch Dörfer, über huckelige Nebenstraßen bis selbst das Navi nicht mehr weiter wusste und SIE den Weg angab. Schließlich kamen sie an einem kleinen Schild vorbei: Willkommen in Ellwürden.

Mit einem Ruck blieben sie vor ihrem neuen Haus stehen. Es hatte eine enge Einfahrt und einen Untersteller für die beiden Autos ein großer Garten erstreckte sich hinter dem Haus, mit langen Gartenbeeten und Bäumen, die sich perfekt für eine Hängematte eignen würde. Es war... eigentlich recht schön. Zumindest solange, bis ihr zukünftiger vierter Mitbewohner aus dem Haus getrottet kam. Noch bevor er sich wirklich zum Auto umgedreht hatte, sprach er schon los, laut genug, um auch im Auto gehört zu werden: "Da bist du ja endlich, hast du was zu Essen mitgeoh... Du bist ja auch da... und... wer bist du?" Bei seinen Worten hatte er erst Leas Vater und dann schließlich Lea selbst angeguckt, deren Kopf hinter Gepäckstücken herausschaute. Er schien nicht damit gerechnet zu haben, mehr als nur seine Mutter zu sehen. "Hanke, das ist Lea, Walthers Tochter. Ich hatte dir doch erzählt, dass sie heute hier einzieht." "Oh stimmt, ich muss meine Sachen noch aus ihrem Zimmer räumen... mach ich morgen." Mit diesen Worten verschwand er wieder im Haus um sich vor dem Helfen zu drücken. Seine Mutter schrie ihm zwar noch hinterher, aber das interessierte ihn anscheinend wenig. Beruhigend legte Leas Vater ihr die Hand auf die Schulter: "Schon in Ordnung, es ist bestimmt auch anstrengend für ihn, also emotional meine ich." Dann drehte er sich zu Lea um: "Willst du schonmal mit Ursula nach oben gehen und dir dein neues Zimmer angucken? Ich räume schonmal aus in der Zeit." Leas Widersprüche blieben zwecklos und so trottete sie mit einer ihrer Taschen hinter IHR her.

Das Haus war groß, 3 Stockwerke, eine kleine Diele nur auf dem ersten Stock, mit einem Keller direkt darunter darüber gab es ein geräumiges Wohnzimmer, eine kleine Küche, gegessen wurde anscheinend im Wohnzimmer, zumindest lagen dort noch einige Pizzaschachteln. Bei dem Anblick seufzte Ursula. "Hanke hat nicht aufgeräumt, tut mir leid, sonst sieht es hier besser aus." Anstatt zu antworten, blickte sich Lea weiter um, einige verschlossene Türen, bestimmt ein Schlafzimmer und ein Bad, dazu noch ein Raum für Wäsche und ähnliches. Als es eine weitere Treppe hochging kamen sie zu zwei großen Zimmern. Vor dem einen lag ein Wäscheberg, benutzte Unterwäsche, dreckige T-Shirts, alles war dabei. Der Weg zum Anderen war frei. Während Ursula noch die Wäsche in den direkt daneben stehen Wäschekorb packte, öffnete Lea schon die zweite Zimmertür... und stand vor einem Chaos. Überall standen Sachen, die ganz offensichtlich Hanke gehörten, ein Schlagzeug, das Staubzivilisationen angesammelt hatte, Kisten mit altem Spielzeug, teilweise ausgeschüttet, ein alter unbenutzbarer Schreibtisch und vieles mehr. Wie angewurzelt blieb sie stehen. Der Weg zu ihrem Bett war nicht betretbar. Es stank schlimm, als wäre seit Monaten niemand mehr hier drin gewesen. Als Ursula dies sah, stapfte sie wütend in Hankes Zimmer: "DU WIRST JETZT SOFORT DIESES ZIMMER AUSRÄUMEN! HABEN WIR UNS VERSTANDEN?" "Nur noch das Lev..." Noch bevor er zuende gesprochen hatte, riss seine Mutter ihm das Stromkabel aus der Steckdose. "Boah ist ja gut!" Langsamen Schrittes stapfte er auf Leas Zimmer zu und drückte sie dabei wirsch zur Seite. Mitsamt Rucksack trottete Lea wieder nach unten.

Als ihr Vater sie kommen sah fragte er: "Und, wie findest du es hier?" "Schön" murmelte Lea, während sie sich an ihm vorbeidrückte und wieder aus der Tür rausschritt. Sie bahnte sich ihren Weg an den Autos vorbei und betrat den Garten. Von hier sah sie einen kleinen Balkon, der wohl an das Wohnzimmer angrenzte, aber für den Moment war ihr das egal. Sie legte sich in den Schatten der Bäume und zog die Jacke etwas enger an sich heran. Es dämmerte langsam und war schon relativ kühl geworden, doch gerade fühlte sie sich hier draußen am Wohlsten.
Am Abend wurde sie von Ursula angewiesen, heute Nacht doch bitte auf der Couch zu schlafen und schon am Nächsten Mittag war ihr Zimmer halbwegs betretbar. Sie schien sich tatsächlich Mühe zu geben, es ihr schön zu machen. Den ersten Tag machte Lea nichts anderes, als im Wohnzimmer oder im Garten zu sitzen und Musik zu hören und mit ihren Freunden zu schreiben. Am Sonntag schließlich wechselte sich nur eine Sache: Sie saß in ihrem ZIMMER und hörte Musik und schrieb mit ihren Freunden. Auch wenn diese langsam nicht mehr antworteten. Am Montag schließlich sollte es in die Schule gehen.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Fr Jan 04, 2019 5:37 pm

„In Filmen und Büchern stellen ständig Leute andere Leute vor, ist euch das nie aufgefallen? Jetzt weiß ich endlich, warum man das im echten Leben so selten macht, es kommt seltsam rüber, nicht wahr?“, spann sich Outis schnell eine Geschichte zurecht. Wenn er jetzt laut sagte, dass er Lea für extrem scheu hielt, würde sie vermutlich später nur noch zurückhaltender sein. „Und ja, ich meinte den Arm. Meine Mam hat deine beim Einkaufen getroffen, sie haben geredet, sie hat es mir erzählt… Meint deine Mutter eigentlich auch, dass wir super gute Freunde sein müssen, weil sie mit meiner Mutter zu Schulzeiten so gut befreundet war? Ich meine wir sind, äh waren, nicht einmal der gleiche Jahrgang. Aber als ihr uns vor fünfzehn Jahren, oder so, besucht habt, haben wir ja zusammen soooo schön im Sandkasten gespielt, oder so ähnlich.“

Selbst wenn sich Outis daran noch erinnern könnte, lag da inzwischen die Zeit dazwischen, in der Mädchen und Jungs prinzipiell nicht viel miteinander zu tun hatten. Nur um sich hinterher zu ärgern, dass man den Kontakt zu jemanden, der sich in der Zwischenzeit vielleicht recht vorteilhaft entwickelt hatte, seit den Kindergartentagen hatte abreißen lassen.
„Keine Hausaufgaben machen zu müssen, ist doch zumindest etwas. Und ich wünsche noch gute Besserung!“ Als Selina kurz darauf bestätigte, dass sie morgen zu Kunst kommen würde, quittierte der Sitzenbleiber das mit einem breiten Grinsen. „Es ist nur eine Doppelstunde, danach bekommst du sie wohlbehalten wieder“, wandte er sich in halb entschuldigendem und halb frechem Tonfall an Anne.

„Ich kann heute entweder Pauls Einladung folgen und Brauchtumspflege betreiben. Schafkopf ist ein für diese Gegend sehr typisches Kartenspiel. Vermutlich spielte man es hier schon vor der Entdeckung Amerikas. Oder ich mache noch etwas für die Schülerzeitung. Obwohl da auch der Unterricht sehr ergiebig war. Herr Oltmanns ist wirklich ein Langweiler vor dem Herrn. Hattet ihr den mal?“ Noch ehe Anne die Frage beantworten konnte, ließ ein Hüsteln Outis herumfahren…
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am So Jan 06, 2019 12:52 pm

Selinas beschämten Blick bekam Lea nur aus dem Augenwinkel mit, Annes verwirrten dafür umso mehr. Ich kann doch auch nichts dafür! ...Also eigentlich schon, ich hab dich ja ausgelacht, also eigentlich nicht aber jeder hat das so wahrgenommen und warum bin ich eigentlich noch hier...Outis war vielleicht der Einzige, der sie nicht seltsam ansah, aber vermutlich hatte er sich inzwischen einfach daran gewöhnt, dass sie etwas seltsam war, oder er war nicht so gut im reagieren. Auf jeden Fall schaffte er es, Annes Aufmerksamkeit wieder auf sich und weg von Lea zu lenken, die sich immer noch halb hinter Outis versteckte, während sie verzweifelt versuchte so auszusehen, als ob sie sich nicht verstecken sondern einfach nur ganz normal dort aufhalten würde. Ein aussichtsloses Unterfangen. Auch Outis Geschichte wirkte nicht sonderlich glaubwürdig, aber alle aus der Gruppe waren froh darüber, abgelenkt zu werden, am Ehesten noch von Selina, die es schließlich schaffte, das Thema auf etwas neutrales zu lenken, weg von seltsamen Vorstellungen, Sandkastengeschichten und Müttern.

Als Outis schließlich wieder das Wort ergriff, war Lea schon am Überlegen, ob sie einfach gehen sollte, ihr Vater würde bestimmt schon auf dem Parkplatz warten und wirklich um sie ging das Gespräch ja doch nicht, fast alle wussten, was sie vorgab zu machen, namentlich ihr Zimmer weiter einräumen und Anne... naja, schien sie nicht wirklich auf dem richtigen Fuß erwischt zu haben, sodass sie ganz bestimmt auch nicht fragen würde, was Lea vorhatte, doch sie kam nicht soweit. Das Hüsteln, was hinter Outis erklang, war noch viel näher an Lea, die ja hinter Outis und so zwischen dem Mitteilenden und dem geplanten Empfänger stand. Ihr Zusammenzucken führte fast dazu, dass ihre Jacke sich wieder einmal auf dem Erdboden wiederfand, auch wenn es dieses Mal nicht so weit kam.
Zwar konnte sich Lea schon sicher sein, dass nicht Herr Oltmanns höchstpersönlich hinter Ihnen stand, was an der Weiblichkeit des Hüstelns lag, aber der Fakt, dass sie das Hüsteln erkannte ließ nicht all zu viele Personen zu. Als sie schließlich vorsichtig über die Schulter blickte sah sie Frau Lorenz strengen Blick über sich hinweg und Outis auf den Hinterkopf starren. Als ob sie vermutete, dass sie zu Stein verwandelt werden würde, wenn sie ihr zu lange in die Augen schaute, blickte sie schnell wieder weg und trappelte zur Seite, um Frau Lorenz' mit Sicherheit folgender Tirade nicht im Weg zu stehen. Um nicht in den Strom der Schüler, die einen merkbaren Bogen um Frau Lorenz machten, zu geraten, stellte sie sich neben Selina und senkte den Blick auf ihre Schuhe, als ob sie in dem Moment das Spannendste der ganzen Welt wären.

"Ein Langweiler vor dem Herrn? Denken Sie, dass das der Inhalt ist, der in eine Schülerzeitung gehört, Outis? Wie denken Sie würden Sie es finden, wenn wir eine Lehrerzeitung raus bringen würden, in der steht: 'Outis ist ein echter Tunichtgut, der seine Zeit lieber mit lernen als der Schülerzeitung verbringen sollte'?" Aus der Stille, die ihren Worten folgte schlussfolgerte Lea, dass keiner so wirklich wusste, ob Frau Lorenz das als Witz oder ernst gemeint hatte, abgesehen von Outis vielleicht, der wohl als Einziger bisher Unterricht bei ihr gehabt hatte. Ein kurzer Blick von ihren Schuhen zu Outis versuchte zu erkennen, was er wohl dachte.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Mi Jan 09, 2019 11:11 pm

Anne zuckte mit den Schultern. "Ich weiß doch...war ja auch nicht so gemeint." Sie schien sich so zu fühlen, als müsste sie sich irgendwie für ihre Reaktion entschuldigen, dabei hatte Selina diese doch gar nicht als schlimm empfunden, eher nachvollziehbar. Vielleicht sollte sie das Anne später noch einmal deutlich machen, bevor diese wirklich nachtragend würde. Aber wenigstens sagte sie noch etwas und verschwand nicht immer gleich so wie Lea. Apropos Lea...wo war sie überhaupt hin? Selina blickte sich kurz unauffällig um und entdeckte Lea anschließend ein wenig abseits hinter Outis stehen. Was machte sie nur? Hoffte sie ihn als Schutzschild vor sozialen Interaktionen missbrauchen zu können?

Naja, zurück zum Gespräch, denn anders als andere Personen, nahm Selina noch daran teil.
Daran dass Paul Outis eingeladen hatte, konnte sich Selina gar nicht mehr erinnern. Er war kurz dagewesen, das wusste sie noch, aber das Gespräch zwischen den beiden Jungen schien sie dann wohl nicht ganz verfolgt zu haben. Entweder das, oder sie hatte irgendetwas falsch verstanden.
"Whomst?", fragte Selina, als der Lehrer erwähnt wurde.
"Ja, hatten wir.", war hingegen Annes Antwort. "Letztes Jahr ihn Geschichte. Das war der Horror, aber zum Glück auch nur ein Nebenfach. Ich will echt nicht wissen..." Langsam wurde Anne immer leiser und begann vorsichtig hinter Outis zu blicken. Was gab es denn da zu sehen? Hatte Lea endlich ein Lebenszeichen von sich gegeben?
Irgendwann erkannte Selina dann auch, dass es sich dabei um eine andere Lehrerin handelte, die die ganze Gruppe für einen Moment zum Schweigen brachte. Selina hörte neben sich wie Anne kurz etwas sagen wollte, dann aber doch lieber schwieg. Offensichtlich wollte sie bei der Lehrerin keinen schlechten Eindruck machen und welche Auswirkungen ein sarkastischer Kommentar hätte, konnte sie fürs Erste wohl nicht einschätzen.
Gott, Selina hasste solche Spaßbremsen wie diese Lehrerin, aber immerhin würde sie all die Leute hier nur ein Jahr lang sehen. Da könnte sie sich vielleicht das ein oder andere Fettnäpfchen erlauben und würde sich nicht gleich so den Ruf versauen, wie es Outis bereits getan haben musste.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Do Jan 10, 2019 10:12 pm

„Outis ist ein echter Tunichtgut, der seine Zeit lieber mit lernen als der Schülerzeitung verbringen sollte“, tat der Sitzenbleiber, als würde er auf einem imaginären Block mitschreiben. Din A6, kariert mit Spiralbindung oben, so stellte er ihn sich vor. „Der ist gut, kann ich sie damit in der nächsten Ausgabe zitieren?“ Ein Zwinkern verriet, dass er nicht wirklich vorhatte das zu tun. „Ich vermute sie waren auch mal Schülerin? Ich will ihnen nicht unterstellen an so strategisch ungünstigen Stellen solche Dinge über ihre Lehrer gesagt zu haben, aber haben sie überhaupt nie etwas in der Art gesagt? Wir hatten Herrn Oltmann heute vier Stunden am Stück in Mathe und Deutsch. Außerdem ist heute der erste Tag nach den Ferien und ihr Kollege ist vielleicht noch nicht richtig im Schwung. Zumindest hat er nicht ganz so viel Stimmung versprüht, wie er das vermutlich im Lehrerzimmer tut…“
Der Wiederholer beschloss es langsam gut sein zu lassen. Nicht zuletzt, weil ihm Anne schon das dritte Mal in die Rippen gestoßen hatte. Er hielt Frau Lorenz zwar für humorvoller, als sie sich gab, wollte diese These aber auch nicht überstrapazieren.
„Wir sehen uns dann morgen im Unterricht?“, fragte er die Englischlehrerin, obwohl er sich überhaupt nicht sicher war. Er hatte sich kaum etwas vom Stundenplan gemerkt. „Jetzt müssen wir aber. Ich habe versprochen Lea den Weg zum Parkplatz zu zeigen, und wir wollen ja ihren Vater nicht warten lassen.“ Es war zwar höchst unwahrscheinlich, dass seine Banknachbarin diesen Weg noch nicht kannte, immerhin musste sie auch irgendwie zur Schule gekommen war, aber Outis war im Moment jede Ausrede recht.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr Jan 11, 2019 12:46 am

Mit jedem Wort, dass Outis von sich gab, schämte sich Lea einen Ticken mehr. Am Liebsten hätte sie sich hinter Selina versteckt, aber sie hatte das Gefühl, dass diese das nicht so unberührt hinnehmen würde wie Outis, der nicht viel von seinem Kopf oder Kragen zu halten schien. Wenn Lea von ihren Schuhen aufgeblickt hätte, hätte sie vielleicht das kurze Schmunzeln, dass sich auf Frau Lorenz' Gesicht hatte vermuten lassen, bemerkt, doch so entging es ihr und das Einzige was sie mitbekam war, dass Frau Lorenz ihn ausreden ließ, vermutlich, so dachte zumindest Lea, weil sie sich einfach nur die richtigen Worte zurecht legen wollte, um ihm der Länge nach zur Schnecke zu machen um dann mit ihm zum Direktor zu gehen, damit dieser auch noch einmal seinen Spaß haben durfte. Doch tatsächlich beließ sie sie es bei einem etwas strenger werdendem Blick, je weiter Outis voranschritt und einem tadelnden "Übertreiben sie es nicht.", das seiner sowieso folgenden Pause eine gewisse Fülle gab. Auf Outis nächste Frage wusste sie zwar spontan keine Antwort, auch für sie war es schließlich der erste Tag mit neuem Stundenplan, aber sie entließ ihn mit seiner Ausrede aus dem Gespräch und fügte noch ein: "Dann nehmen Sie die arme Lea mal mit, diese scheint sich nämlich für Sie mitzuschämen", und ließ die Gruppe etwas verdutzt stehen. Zumindest von Anne bekam Lea ein erleichtertes Aufseufzen mit, auch wenn sie nicht ganz einschätzen konnte, ob es die Erleichterung darüber war, dass Outis sie nicht alle die schulische Laufbahn gekostet hatte oder einfach dass sie sich einen sarkastischen Kommentar hatte verkneifen können.
Ein vorsichtiger Blick von ihren Schuhen hoch verriet Lea, dass sie tatsächlich in Sicherheit waren und so atmete auch sie erleichtert auf. Für einen Moment überlegte sie, ob sie einfach gehen sollte. Ich möchte doch nur meine Ruhe haben... Andererseits hat er auch so viel Geduld mit mir... Aber vielleicht ist er einfach noch verzweifelter als ich und findet noch weniger Freunde? Habe ich es echt geschafft, mich am ersten Tag schon mit dem Klassentrottel anzu'freunden'? Er wirkt nicht wie der Trottel, der von jedem ausgeschlossen wird.

"Uhm... Sollen wir dann... wirklich los vielleicht?", fragte Lea schließlich in die Runde, wenn die Aussage natürlich auch an Outis gerichtet war, der sie wohl tatsächlich begleiten wollte. Hatte er nicht eigentlich etwas von einem Bus gesagt, den er erwischen musste? Und auch wenn sie eigentlich eine Frage gestellt hatte, so ging sie doch los, ohne groß eine Antwort zu erwarten oder gar sich zu verabschieden. Eigentlich war sie nur heilfroh, endlich aus dem Gebäude raus zu kommen, auch wenn der Strom an Menschen inzwischen stark abgeebbt war. Draußen angekommen atmete sie einmal tief durch, genoss die frische Luft und das Rauschen des Windes, das sie plötzlich umströmte, das Gefühl der warmen Sonne auf den Armen. Nach einigen Sekunden drehte sie sich um um zu gucken, ob Outis bereits hinter ihr war, oder ob er doch noch bei den Anderen geblieben war.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Sa Jan 26, 2019 3:09 pm

Für ihn mitschämen? So schlimm war das doch auch nicht gewesen und abgesehen davon sah Lea doch gefühlt immer so aus. Das Mädel musste dringen lernen über ihre Teenage Angst hinwegzukommen. Wo war sie überhaupt wieder hin verschwunden? Selina sah sich kurz in der Runde um. Ach ja...neben sich. Wie war sie da überhaupt hingekommen?
Unbewusst rückte Selina einen Schritt von Lea weg und näher an Anne heran, als sie das Standbein wechselte und die Arme vor sich verschränkte.

"Ihr geht also?" Etwas feige von Outis war das ja schon, aber sie verstand auch, dass man am ersten Tag keine ewig langen Gespräche mit neuen Leuten führte, wenn man eigentlich nachhause wollte.
"Wir sollten eh bald los. Ich hab schon richtig Hunger.", meinte Anne dazu. Selina antwortete mit einem Nicken. Es war am Besten sich an die Partnerin zu halten. Nicht nur weil es unhöflich wäre auch am ersten echten Schultag schon aufzutrennen, sondern auch, weil Selina den Heimweg noch nicht perfekt kannte und dazu schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf dem Rad unterwegs gewesen ist. Aus irgendeinem Grund gab es hier sogar Verkehrsregeln dafür.
Lea schien eh schon wieder verschwunden zu sein, also sah Anne es als angebracht ebenfalls zu gehen. Mit einem freundlichen winken und einem knappen "Ciao." verabschiedete sie sich aus der kleinen Runde.
"Wir können ja noch texten. Bye.", sagte Selina schulterzuckend zu Outis bevor sie Anne in den Fahrradkeller folgte.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am So Jan 27, 2019 4:14 pm

„Als würde ich es jemals übertreiben“, sagte Outis mit der besten Unschuldsmiene, die er ihm Augenblick hinbekam. Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie erleichtert er war, als Frau Lorenz ihn aus dem inquisitorischen Gespräch entließ, damit er Lea den Weg zeigen konnte.
„Dann bis morgen“, verabschiedete er sich von Selina und Anne, die sich in die den Parkplätzen entgegengesetzte Richtung gewandt hatten, wo sich der Zugang zum Fahrradkeller befand. „Und ja, können wir.“ Die Worte der Austauschschülerin hatten ihm wieder in Erinnerung gerufen, dass sie ja bereits die Mobilnummern getauscht hatten.
Danach geleitete er die scheue Lea hinaus auf den Parkplatz, wo ihr Vater offensichtlich schon wartete. Nachdem seine Mitschülerin das entsprechende Auto erspäht hatte, verabschiedete sich Outis, bevor sie in die Verlegenheit kam ihn ihrem Dad vorstellen zu müssen, oder so. „Wir sehen uns morgen. Ich bring ein paar alte Ausgaben mit“, verabschiedete er sich mit einem beiläufigen Winken und drehte ab, um das Schulhaus zu umrunden. Schließlich stand auch sein Fahrrad auf der anderen Seite des Bauwerks.

Selina und Anne waren natürlich schon weg und so machte sich der Sitzenbleiber alleine auf den Heimweg. Er war sich eh nicht mehr ganz sicher, wo Anne wohnte und wie viel gemeinsame Strecke sie gehabt hätten. Den ersten Nachmittag des Schuljahres verbrachte er ganz ohne auch nur einmal in ein Schulbuch zu schauen. Erst las er die neusten zwei Kapitel eines Webtoons, dann setzte er den Link zu einem lustigen Video in die Gruppe mit Lea und Selina und radelte anschließend zu Paul, um 2,80 Euro beim Schafkopfen zu verlieren. Am Abend und bis spät in die Nacht las er in seinem aktuellen Buch weiter. Morgen im Unterricht würde er wohl eher müde sein, aber das war ihm egal.

Als er eigentlich schon unterwegs sein hätte sollen, begann Outis panisch die letzten beiden Ausgaben der Schülerzeitung und die Materialien für den Kunstunterricht zusammenzusuchen. Dann radelte er ziemlich schnell und ohne gefrühstückt zu haben zur Schule. Leicht angeschwitzt und mit zerzaustem Haar kam er mit dem Gong in den Kunstsaal. Sofort hielt er nach Lea und Selina Ausschau, um sich möglichst in ihre Nähe setzen zu können.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am So Jan 27, 2019 8:27 pm

Als Lea sich nach Outis umdrehte, sah sie ihn direkt hinter sich, er war ihr anscheinend gefolgt und nicht bei den Anderen geblieben. Egal was er für eine Reaktion er erwartet hatte, Lea war sich ziemlich sicher, dass das Folgende nicht dabei war: "Du kannst doch nicht mit einer Lehrerin so sprechen! Die hätte dich sonst wohin schicken können! Willst du nochmal sitzen bleiben oder was?", fuhr Lea ihn an, dass sie dabei natürlich auch an sich dachte, weil sie ja dabei gestanden hatte ließ sie erst mal Außen vor. Unter anderen Umständen, wenn die beiden sich schon näher kennen würden, hätte ihm Lea vermutlich auch noch energisch mit dem Finger gegen die Schulter getippt, doch sie beließ bei einem simplen Hände in die Hüfte stemmen und einem strengen Blick. Von Außen betrachtet mochte das Ganze witzig erscheinen, musste sie doch nach oben schauen und schimpfen und ihr Gegenüber wirkte auch etwas überrascht, aber mehr so, als würde er plötzlich vor einem kläffendem Chihuahua stehen. Natürlich waren ihre Worte nicht böse gemeint, aber so eine peinliche Situation vor einem Lehrer hatte sie sehr sehr lange nicht mehr gehabt.

Als Outis sich schließlich verabschiedete, ging Lea relativ schnell auf Ihren Vater zu. Dieser stand bereits wartend an der Autotür und winkte ihr fröhlich zu. Mit aller Kraft hoffte sie, dass er ihr nicht etwas entgegenrufen würde und wie es schien wurden ihre Gebete erhört und Outis bekam nicht auch noch das mit. "Hallo du, na, wie war dein erster Schultag? Ich sehe, du hast schon einen Freund gefunden. Wie heißt er denn?" "Papa! Er ist nur ein Klassenkamerad, mehr nicht!", wiegelte Lea ab, auch wenn sie sich nicht so ganz sicher war, ob das für längere Zeit stimmen würde.

Die Heimfahrt war nicht sonderlich lang, doch jede Minute füllte ihr Vater mit weiteren Fragen. Lea hatte nicht gewusst, dass man soviel über eine Schule erfragen konnte, doch er schaffte es. Es war auch schön zu wissen, dass er sich um sie kümmerte, aber es gab einfach noch nicht so viel zu erzählen, zumindest nicht so viel, was sie erzählen wollte.
Endlich zu Hause angekommen stieg sie aus dem Auto und griff sich ihre Tasche. Auf der Türschwelle hielt ihr Vater sie nochmal zurück: "Lea, warum genau möchtest du eigentlich, dass Ramona dich Quaona nennt? Das möchtest du sonst nie von jemandem." Natürlich kannte er die Antwort schon und so ließ sie ihn einfach stehen. Sie konnte mit ihrem Vater über alles reden, aber seine neue Beziehung trieb einen Keil zwischen ihn und sie, auch wenn sie es selbst noch nicht so ganz merkte. So schnell sie konnte sprintete sie die Treppe hoch und in ihr Zimmer. Bloß weg von allen, die dort unten auf sie lauerten.

Bis ihr Vater sich die Treppe hoch schleppte, um sie zum Essen zu holen, hatte sich Lea schon ein wenig frisch gemacht und vor ein Blatt Papier gesetzt. Sie konnte nicht anders, als die Situation von heute aufzuzeichnen, wie sie nach ihrem Handy griff und Outis trat. In gewisser Weise war das auch eine Art Therapie, wenn sie es aufs Blatt brachte, schwirrte es ihr nicht mehr durch den Kopf. Das Essen verlief nicht wirklich überraschend. Bei den Essgewohnheiten Hankes drehte sich Lea der Magen um, Ramona versuchte Smalltalk mit ihr zu führen und ihr Vater bekam von der schlechten Stimmung nicht viel mit. Erst als Hanke es wagte, quer über den Tisch nach Leas Teller zu greifen, weil er nicht satt geworden war und Lea noch nicht fertig war schritt seine Mutter ein, ermahnte ihn, er solle ihren Teller in Ruhe lassen. Mit gezogener Schnute legte er das Würstchen wieder auf Leas Teller, die ihm angeekelt die gesamte Portion hinschob - der Appetit war ihr vergangen.

Des restlichen Tag verbrachte sie erst zeichnend im Zimmer, dann als Hanke entschied, die Musik laut zu drehen und über seine Videospiele zu fluchen schnappte sie sich ihr Zeichenbrett und die dazugehörigen Utensilien und zog sich wieder in den Garten zurück. Erst dort fiel ihr auf, dass sie noch gar nicht auf ihr Handy geschaut hatte den ganzen Tag, doch erst mal wollte sie ihre Zeichnungen zu ende bringen.

Am Nächsten Morgen stand Lea rechtzeitig auf, um auf jeden Fall noch vor Hanke wach zu sein. Nur zur Sicherheit nahm sie einen Stuhl aus der Küche und klemmte ihn im Bad unter die Klinke. So sollte es gehen... Tatsächlich erklang noch während sie unter der Dusche stand das Geräusch einer Türklinke, die gerüttelt wurde, bevor ein Schimpfen sie Lächeln ließ. Ein kleiner Sieg am Morgen. Des Rest des Morgens hatte sie erst mal ihre Ruhe vor Hanke, was sich allerdings schlagartig änderte, als ihr Vater verlauten ließ, dass sie heute mit Hanke den Bus benutzen sollte. Ihre Laune sackte schlagartig wieder bergab, endlich verstand sie Hankes Lächeln, dass er schon die ganze Zeit aufgesetzt hatte.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle war sie keinen Moment unbeobachtet. Immer war Hanke was am machen, ob er sie nun einfach nur mit einem Grinsen beobachtete, irgendwelchen Mist auf sie einredete oder einfach nur näher kam, um ihr den Arm um die Schulter zu legen oder schlimmeres zu tun. Ein Pubertierender in seiner schlimmsten Phase... warum muss mir so jemand über den Weg laufen... Gibt es nicht eine nette Frau mit einer kleinen Tochter, auf die ich aufpassen kann? Den Gipfel erreichte Hanke dann kurz vor der Bushaltestelle: "Weißt du, wir sind ja nicht wirklich verwandt, also könnten wir eigentlich(...)" Angewidert kniff Lea die Augen zu und wich zurück: "WIR... ICH... DU.... Du bist so WIDERLICH! Lass mich einfach in Ruhe! Nie im Leben werde ich... werden wir... BUAH!" Dieses mal wirkte Hanke tatsächlich für eine Sekunde fast schon getroffen. Mit derartiger Ablehnung schien er nicht gerechnet zu haben. Der gute Part davon war, dass Lea für die nächsten Minuten Ruhe hatte. Leider hielt diese nicht lange an. Im Bus ging das Affentheater weiter, natürlich setzte sie sich nicht zu ihm, aber kaum dass sie sich irgendwo hingesetzt hatte, stand er plötzlich auf und drängte sich auf den Platz neben ihr. Er war stärker und das nutzte er aus, sodass ihr nichts anderes übrig blieb als sich möglichst weit in die Ecke zu drängen und zu hoffen, dass alles bald vorbei war. Nach unzähligen Minuten, in denen sie seinen Erzählungen und Sprüchen schutzlos ausgeliefert war, hielt der Bus endlich vor der Schule. Ein Blick auf ihr Handy verriet ihr, dass es noch fünfzehn Minuten bis zum Stundenanfang waren und so suchte sie einfach das Weite, um den Ekel loszuwerden, den sie die letzte halbe Stunde ertragen musste. Außerdem verriet es ihr, dass sie immer noch nicht nach ihren Nachrichten geschaut hatte, allerdings hatte sie dafür auch keinen Nerv derzeit.

Als sie im Kopf ihren Stundenplan durchging bemerkte sie ein Problem an ihrer Planung: Sie hatte Kunst und wusste nicht, wo die Kunsträume waren. Hatte Outis mir das gesagt? Ich... ach Mist! Widerwillig ging sie zu Frau Herzweit ins Sekretariat, die es sich natürlich nicht nehmen ließ, Lea direkt zum Raum zu bringen. Eigentlich hatte sie nur wissen wollen, wo sie hin musste, aber so stand sie schließlich mit der Frau vor ihrem Kunstraum. Sogar das Anklopfen übernahm sie noch für sie. Anstatt dann zu gehen, blieb sie hinter ihr Stehen und redete auf sie ein, dass es jedem passieren könne und kein Problem sein. Eigentlich wünschte sich Lea nur, dass die Frau ging, aber als die Tür sich öffnete plapperte Frau Herzweit noch in den Raum hinein, dass Lea noch bei ihr gewesen sei, bevor sie schließlich wieder davon ging. Mit gesenktem Kopf schlich Lea daraufhin in den Raum und setzte sich auf den ersten freien Platz, der ihr zulächelte. Links davon begrüßte sie Outis mit leichtem Schweißgeruch. Sie lächelte ihm zu und griff nach ihren Sachen, noch bevor er ein Wort gesagt hatte.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Di Jan 29, 2019 11:13 pm

Anne hatte auf dem Rückweg noch einmal angemerkt, wie seltsam sie das Gespräch doch gefunden hatte. Eigentlich hatte sie immer ein recht neutrales Bild von Outis gehabt, aber dieser peinliche Moment eben ließ sie noch einmal stark an ihrer Meinung zweifeln. Warum mussten alle Jungs noch so seltsam sein? Es war ja nicht so, als sollte man in diesem Alter schon erwachsener sein... Naja, solange er sie selbst nicht in irgendwelche Schwierigkeiten ziehen würde. Seine Freundin wirkte auch ein bisschen seltsam, aber das lag vielleicht nur daran, dass sie die ganze Gruppe von Schülern heute zum ersten Mal getroffen hatte. Anne konnte sich noch daran erinnern, wie schüchtern sie in der Achten war, als plötzlich alle neue Mitschüler bekamen.

Selina hingegen war es gewohnt so gut wie jedes Jahr in jedem Kurs neue Leute kennenzulernen und abgesehen davon zählte sie nicht gerade zu den introvertiertesten Leuten. Jemanden wie Lea oder Anne zu verstehen, fiel ihr da schwer. Wenigstens hatte sich Anne sofort mit Selina verstanden, was die Situation von einer neuen Person im Haushalt wesentlich angenehmer machte. Selina verlangte nicht nonstop von ihrer Partnerin unterhalten zu werden und auch Annes Familie sah Selina nach so kurzer Zeit schon mehr wie eine Ziehtochter als einen Gast an. So musste es Selina dementsprechend nicht unangenehm sein, wenn sie alleine durchs Haus wanderte und sich irgendwie selbst beschäftigte.
Nur dieses starke familiäre Verhältnis war Selina ein wenig fremd. Natürlich genoss sie es, wenn nach der Schule für sie gekocht wurde, oder die ganze Familie am Abend zusammen am Tisch saß, aber ein klein wenig ungewohnt war das dann doch. So etwas machten glückliche Familien aus den Suburbs, die sich Zeit leisten konnten, aber bei einem alleinstehenden Arbeiter mit Adoptivkind in der Stadt lief das anders.

Trotz der engen Verhältnisse im Haus konnte Selina ihren Abend allerdings entspannt alleine genießen. Anne wollte mit ein paar Freunden skypen, also hatte Selina, die am ersten Schultag dementsprechend wenig vorbereiten musste, ihre Zeit damit verbracht eigenen Freunden zu schreiben, die um diese Uhrzeit leider noch alle Unterricht hatten. Wenn ihr also gerade niemand antwortete, beschäftigte sie sich mit Musik, oder irgendwelchen Videos, versuchte ihren Tag aufzuschreiben, so wie es der Therapeut empfohlen hatte, klimperte ein bisschen auf der Gitarre, bis sie beschloss, dass es wahrscheinlich zu spät dafür war.

Am nächsten Tag waren Selina und Anne wieder den Weg zur Schule geradelt, wobei sie noch kurz einen Stopp beim Bäcker nahe der Schule machten. Erinnerte Sel ein wenig daran, dass sie vor dem Unterricht auch öfter noch einen Kaffee holte, mit dem Unterschied, dass zuhause jeder den Bus nahm. Mit dem Fahrrad kam man selbst morgens nicht weit auf den belebten Straßen. Ein Skateboard war da schon etwas handlicher...aber der Weg war ohnehin zu weit um nicht wenigstens eine kleine Strecke zu fahren.

Dass Selina Outis gestern noch hätte fragen sollen, wo sie für die Kunststunde überhaupt hinsollte, fiel ihr erst jetzt auf. Den richtigen Bereich hatte sie schon einmal gefunden, aber alle Räume absuchen wollte sie jetzt auch nicht. Immerhin würde sie die Klasse auch nur an Outis und Lea erkennen und bis sie eine ganze Klasse nach ihren Gesichtern gescannt hatte, wäre die Toleranzzeit für "oh, Entschuldigung, falsches Zimmer" auch schon verstrichen.
Da fielen Selina zum Glück die kleinen Stundenpläne unter der Raumnummer auf und wenn sie sich richtig erinnerte, müsste sie nur nach der 11a um diese Uhrzeit suchen und nach der dritten Tür hatte Selina anscheinend das richtige Zimmer gefunden.
Kaum war die Tür geöffnet, stellte sich die Klasse auch als richtig heraus. Etwas demütig, da sie ja offiziell zu spät war, ging Selina zum Lehrer und erklärte ihm die Sache mit der Freistunde und fragte ob sie stattdessen in dieser Klasse sitzen konnte und der Lehrer schien mehr als glücklich, dass sich jemand für sein Nebenfach interessierte. Sie konnte also bleiben...nochmal Glück gehabt. Ehrlich gesagt wäre eine Stunde mehr Schlaf ab und zu auch ganz nett. Vielleicht würde Selina ja nicht regelmäßig auftauchen...
Outis und Lea hatte Selina ja bereits erspäht, also setzte sie sich einfach neben die beiden, wo sie diese mit einem leisen "Hey." begrüßte. Jetzt musste sie nur hoffen, dass Kunst spannender werden würde als Französisch. Wirklich künstlerisch begabt war Selina immerhin nicht.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Mi Jan 30, 2019 10:02 pm

Trotz seines knappen Erscheinens war Outis der erste aus dem Dreiergespann, der es in den Kunstsaal geschafft hatte. Also wählte er die Ecke mit den meisten freien Plätzen. Als keine halbe Minute später Frau Herzweit Lea in den Raum begleitete, schalt er sich einen Idioten. Er hätte schon am Vortag daran denken sollen ihnen den Raum zu zeigen. Doch bald darauf hatte auch Selina den Raum gefunden und der Lehrer schien geradzu begeistert von der Vorstellung, dass jemand freiwillig seinen Unterricht besuchte, zu sein.
Mit den Worten „ich gehe davon aus, dass ohnehin mindestens die Hälfte von euch ihre Kunstmaterialien vergessen hat“, leitete er die Doppelstunde ein. Damit lag der gute Mann richtig und so folgte eine Theoriestunde über Perspektive und Fluchtpunkte. Arbeitsblätter mit Kopien von Kopien von Kopien von irgendwelchen Gemälden wurden ausgeteilt. Darauf sollten Linien und Fluchtpunkte eingezeichnet werden. Doch die hartnäckige Weigerung das Original als Kopiervorlage zu behalten, machte es nach all den Jahren, die dieses Arbeitsblatt schon im Umlauf sein musste, schwer noch etwas darauf zu erkennen.
Als sie aufgefordert wurden mit dem Bleistift auf Schmierpapier zu skizzieren, wurde es deutlich leichter. Für Outis war vor allem vorteilhaft, dass eher abstraktes Denken als zeichnerisches Talent gefragt war. Nun da sie für sich arbeiteten, hatte der Lehrer auch nichts dagegen, wenn sie sich nebenbei leise unterhielten.
„Und alles klar bei euch?“, fragte Outis. Lea schien sich seit dem Vortag abgeregt zu haben. Da war sie so sauer gewesen, dass der Sitzenbleiber ganz auf dumme Sprüche verzichtet hatte. Und das obwohl ihm durchaus welche eingefallen wären. „Ich habe doch demonstriert, dass ich so mit Lehrern reden kann!“, war ihm schon auf der Zunge gelegen. „Die Lorenz ist schon in Ordnung“, hatte er stattdessen etwas hilflos gemurmelt, ehe er seinen Rückzug zum Fahrradkeller angetreten hatte. Heute wollte er das Thema nicht nochmal aufwärmen und versuchte sich an einer unverfänglichen Frage: „Hat heute alles geklappt mit dem Bus?“
„Hattest Du in Amerika auch Kunst? War es ähnlich wie hier oder habt ihr ganz andere Sachen gemacht?“, wollte er etwas später von Selina wissen. Zum Norddeutschen Unterricht würden die Unterschiede wohl kaum gewaltig sein. Und er konnte nicht vorstellen, dass Lea danach war ausführlich darüber zu berichten.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr Feb 01, 2019 3:39 pm

Leas Zorn war schnell verflogen, als sich Outis verabschiedete, sie ging nicht großartig weiter drauf ein. Die Verabschiedung verlief schnell und so setzte sie sich wieder in Bewegung zu ihrem Vater.

Dass der Lehrer durch Selinas Auftauchen ein zweites Mal unterbrochen wurde war sehr plötzlich vergessen. Es war ihm wohl noch nicht häufig vorgekommen, dass tatsächlich jemand freiwillig an seinem Unterricht teilnahm, warum stellte er auch recht bald unter Beweis. Zwar schien er Schüler zu kennen, allerdings nicht was sie wollten. Ja, die meisten hatten ihre Sachen vergessen, allerdings bereuten es alle direkt, als sie stattdessen ein Arbeitsblatt bekamen und sich über die Fluchtpunkte unterhalten durfte. Die Qualität des Blattes war bestimmt gut, allerdings auch längst vergangen und so wurde es mehr ein Rätseln als ein Arbeiten. Als sie endlich fertig waren und selbstständig arbeiten sollten setzte sich direkt eine gewisse Lautstärke ein, die dem Lehrer nichts auszumachen schien. Er war vielleicht nicht der spannendste, aber dafür wohl sehr geduldig, so schien es zumindest. Auch Outis fing direkt an zu reden. Auf seine erste Frage brummte Lea nur zustimmend, dann setzte sie zu einer richtigen Antwort an: "Naja... mit dem BUS hat alles geklappt, ich glaube, ich fahre ab morgen trotzdem lieber mit dem Fahrrad..." Unkommentiert ließ sie diese Andeutung im Raum stehen. "Und du?", fragte sie pflichtbewusst, "Hast du dich gestern gut von deinem ersten Schultag erholen können?" Sie ließ aus, dass es nicht so schien, schließlich roch sie ihn bis nach hier, also musste es wohl recht knapp gewesen sein heute morgen.

Im Grunde war sie Outis dankbar für die Ablenkung. Hankes Verhalten hatte sie immer noch nachhaltig verstört und ein normales Gespräch lenkte sie ganz gut ab. Schließlich kam ihr noch ein Gedanke. Sie rang einige Zeit mit sich, dann fragte sie doch: "Uhm... Outis? Du kennst dich hier doch aus, oder? Könntest du mich vielleicht heute mit dem Fahrrad nach Hause bringen und mir zeigen, wo ich am Besten lang kann? Bisher bin ich nur mit dem Auto oder Bus zur Schule gekommen und es gibt doch bestimmt ein paar tolle Abkürzungen oder bessere Strecken mit dem Fahrrad, die du mir zeigen könntest? Kaum dass sie die Worte ausgesprochen hatte schob sie schon ein "Also nur wenn es dir nicht ausmacht natürlich!" hinterher. Leicht biss sie sich auf die Unterlippe während sie seine Antwort abwartete, den Stift das Erste mal ruhend seit dem Beginn der Aufgabe.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am So Feb 03, 2019 11:10 am

Dass hier im Moment eher technisches Zeichnen angesagt war, kam Selina sehr gelegen. Ein paar gerade Linien ziehen schaffte sogar sie. Kurz fragte sich Selina, ob sie in diesem Kurs auch Noten erhalten würde, wenn sie das ganze Jahr dort verbrachte... Wohl kaum, da sie ja nicht offiziell Teil der Klasse war, oder? Der Gedanke machte den Kurs gleich noch viel angenehmer. Rumsitzen, zeichnen, sich ab und zu mit den Nachbarn unterhalten und am Ende könnten ihre Bilder so schlecht sein wie sie wollte, weil sie auch keine Sorgen um die Benotung machen müsste.

"Ein Semester hatte ich Fotografie, mehr musste man nicht wählen. Ich habe performing arts auch lieber als normale Kunst, deswegen habe ich das nicht weitergemacht.", erklärte sie Outis, während sie mit einem der großen Lineale weiter Striche zog.
Sie war auch sofort überrascht, als Lea kurz danach anfing zu reden. War es ihr im Unterricht etwa angenehmer als in den Pausen mit so vielen Menschen? Oder hatte sie sich etwa schon an Outis und selina gewöhnt. Selina wusste ja nicht wie viel die beiden gestern noch privat geschrieben haben könnten. Im Gruppenchat war immerhin nicht viel mehr als das Video gelandet.
"Wieso, was war denn los?", fragte sie neugierig nach. Wenn Lea schon einmal redete, musste man das doch ausnutzen. Deshalb verfolgte sie das Gespräch zwischen Lea und Outis auch gespannt weiter, selbst wenn sie nicht aktiv daran beteiligt war.

Als Lea dann noch genauer auf die Sache mit dem Fahrrad einging, wurde Selina mehr als stutzig. Da stimmte doch irgendwas nicht und das klang nach etwas mehr als 'nicht mit Menschen können und deshalb lieber alleine zur Schule fahren wollen'. Selinas erste Vermutung war Mobbing. Lea war neu und ziemlich awkward; über sowas machte man sich gerne lustig. Aber knickte man da wirklich so schnell ein? Selina würde es zumindest nicht. Stattdessen würde sie wahrscheinlich eher wieder in irgendeine Schlägerei geraten und das irgendwie dem Direktor und in den meisten Fällen auch ihrem Vater erklären müssen.
Das war vermutlich einer der Gründe, warum man sich lieber andere Opfer als sie aussuchte.
Oder vielleicht wurde man bei Lea ja auch handgreiflicher...aber Selina konnte auch keine Anzeichen auf Verletzungen erkennen. Vielleicht war Lea einfach wirklich nur sehr empfindlich und wollte so früh wie möglich im Schuljahr ihre Ruhe haben.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am So Feb 03, 2019 2:04 pm

Outis versäumte es sich über Leas Entschluss zu wundern. Fahrradfahren war gesund, man war damit viel unabhängiger und wenn man am Rand einer deutschen Kleinstadt aufgewachsen war, war es ziemlich normal. „Klar, wir hatten ja noch keine Hausaufgaben oder so“, antwortete er auf ihre Frage. „Ich habe die Zeitungen dabei, können wir in der Pause ansehen.“
In den USA konnte man dem Malen und Zeichnen entgehen und stattdessen fotografieren? Da wurde der Sitzenbleiber schon ein wenig neidisch. „Heute Nachmittag trifft sich das Schülertheater“, ließ er Selina wissen. Das wusste er so genau, weil es immer mit dem ersten offiziellen Treffen der Schülerzeitung zusammenfiel. Was nicht hieß, dass sich beides gegenseitig ausschloss. Beim Theater würde Diensttags geprobt werden, während die Leute für die Zeitung traditionell arbeiteten, wann immer sie Zeit und Lust hatten. Und wenn sie es schafften sich alle ein oder zwei Wochen mit einem der Verantwortlichen abzusprechen, reichte das vollkommen.

Selina war aufmerksamer als Outis und erst durch ihre Frage begann er darüber nachzudenken, was Lea dazu bewegen könnte aufs Rad umzusteigen. Darum ließ er sich mit seiner Antwort auch Zeit, um seiner Banknachbarin die Möglichkeit zu geben darüber zu reden.
„Klar kann ich das machen. Ich werde heute aber erst nach dem Treffen der Schülerzeitung heimfahren. Das wird heute aber erfahrungsgemäß nicht so lange dauern. Ansonsten kann ich dich wohl auch in der Mittagspause heimbringen. Die dauert lange genug. Ach und ich müsste natürlich wissen, wo du wohnst.“
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Mo Feb 04, 2019 10:20 am

Auf Leas Blatt entstand recht schnell eine Zeichnung. Fluchtpunkte waren relativ einfach, das Thema hatte sie in den letzten Wochen ja schon behandelt und so entstand nicht nur eine Skizze aus einfachen Striche, sondern noch ein wenig Drumherum, ein kleiner Korridor mit Fenstern und ein paar Türen. Die Fluchtpunkte zeichnete sie daraufhin zwischen der Tür und dem Fenster ein, das am Zentralsten lag. Schließlich legte sie noch ein paar Schattierungen darüber und malte dem Flur kleine Willkommensmatten.

So detailgetreu Lea in ihrer Zeichnung war, so sparsam war sie an Auskunft gegenüber Selina, eigentlich hatte sie ja mit Outis reden wollen, aber sie hätte wissen müssen, dass Selina mit hineinfunkte. Es störte Lea auch nicht persönlich, aber sie wusste immer noch nicht, was sie von ihr halten sollte. Irgendwie verstand sie sich so gut mit Outis und so fragte sich Lea unwillkürlich, ob sich Outis nur gut mit ihr Selbst verstand, weil er sich mit jedem gut verstand.
Kurz schloss Lea die Augen, um die Gedanken Revue passiere zu lassen und wollte zu einer Antwort ansetzen, da bemerkte sie, dass sie Selina schlecht anlügen konnte, dass sie sich einfach nicht wohlfühlen würde im Bus, nicht nach ihrer Aussage von gerade eben. Fieberhaft überlegte sie, was sie sagen wollte und ließ so einige Sekunden reaktionslos verstreichen, ehe sie einfach erwiderte: "Nichts Schlimmes, ich hab mich nur nicht wohlgefühlt." Sonderlich überzeugend klang diese Aussage jedoch nicht und auch wenn Lea nicht wusste, was sie von Selina halten sollte so hoffte sie doch, dass sie es nicht persönlich nahm.
"Gerne", antwortete sie schließlich noch auf Outis Angebot. Immerhin hatte sie hier überzeugender gelogen als noch davor. Er vergisst also zu duschen und denkt stattdessen an die Zeitungen? Hätte es nicht andersrum sein können...

So neidisch wie Outis auf Selinas Erzählung über Fotografie wurde, so zwiegespalten war Lea. Fotografie war eine sehr schöne Sache, allerdings würde sie niemals den Mut haben, irgendwen zu fotografieren, außerdem würde der Lehrer bestimmt irgendwann auf ein Selbstporträt oder das eines Mitschülers kommen und darauf hatte Lea nun gar keine Lust. Kurz graute es ihr vor der Vorstellung, wie sie mit einem Fotoapparat durch die Stadt lief und Leute ansprechen musste, ob sie sie für ein Schulprojekt fotografieren dürfte - Zu Selina würde das aber mit Sicherheit passen.

Wenn es Lea zuerst egal war, was Selina noch nach der Schule für eine AG machte, so wurde es schlagartig wichtig, als ihr Outis schließlich anbot, sie nach Hause zu bringen. Natürlich wollte Lea nicht, dass er sie in seiner Mittagspause nach Hause brachte, bevor er zu seiner AG zu spät kam, also bot sie schnell an, doch das erste Mal mitzukommen und sich danach nach Hause bringen zu lassen. Er sollte sich bloß nicht noch mehr Umstände für sie machen. Allerdings hatte sie keine Lust, dann die ganze Zeit auch neben Selina zu sitzen, aber das war wohl ihre Entscheidung.

Der Lehrer, der nach einiger Zeit seine Runde vorne begonnen hatte, um den Schülern über die Schulter zu schauen kam schließlich auch bei ihrem Tisch an. Zuerst ging er auf Lea zu und stellte sich nochmal vor: "Guten Morgen, wir haben uns gerade gar nicht ordentlich vorstellen können. Mein Name ist Herr Witte und ich habe gerade schon gehört, du heißt Lea? Ist das richtig?" Es folgte ein Gespräch, dass sie noch viele Male hören sollte, eine Vorstellung, ein Angebot über möglicherweise unterschiedlichen Stoff zu reden, dazu auch Materialien zu erhalten. Der Lehrer war nett und kurz versuchte er sich mit ihr zu unterhalten, merkte aber schnell, dass Lea da eher kurz angebunden war und so schaute er sich nur begeistert ihr Bild an. Er schien wirklich für sein Fach zu brennen: "Das hast du aber sehr gut gezeichnet, ich sehe, du verstehst etwas von Kunst. Ich hoffe, du behältst diese Qualität bei." Dann ging er ohne noch groß eine Antwort zu erwarten oder erhalten zu Outis und schaute auch diesem über die Schulter. Lea, die fast ein bisschen rot geworden war murmelte noch ein "Danke schön" hinterher und setzte sich dann dran, noch ein wenig Wandschmuck zu zeichnen. Bei einem kurzen Blick durch die Klasse fiel ihr auf, dass der Lehrer wohl schon überall gewesen sein musste und nach ihnen vermutlich der Unterricht weitergehen würde, also ließ sie sich nicht mehr ganz so viel Zeit.


Zuletzt von Quaona Leae Ohana am Fr März 01, 2019 10:52 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Selina am Do Feb 28, 2019 1:30 am

"Ich weiß schon. Da wollte ich heute auch noch hin.", erzählte Selina auf das Theater bezogen. Man sah ihr vielleicht nicht sofort an, dass sie auf ihrer alten Schule eher dem Drama Club als den Boxverein besuchte. Ehrlich gesagt hatte Selina immer gerne eine Kampfsportart ausüben wollen, aber ihr Vater erkannte schon sehr früh, dass es wohl keine gute Idee war, Selina so auf andere Leute loszulassen.

"Dann seid ihr zwei in der Pause also auch hier?" Damit hatte sie die Mittagspause gemeint. Aber wie es aussah, bestand die Möglichkeit, dass Outis und Lea heute ihre Pause mit Radfahren verbringen würden. In diesem Fall müsste sich Selina wohl neue Bekanntschaften suchen, um nicht völlig alleine und deprimierend herumzusitzen. Es lohnte sich immerhin auch Freunde im neuen Club zu haben.
Auf die Sache mit dem Radfahren ging Selina auch nicht mehr zu genau ein. Lea wollte offenbar nicht darüber reden und Selina fühlte sich, als wäre der Versuch etwas aus diesem Mädchen herauszuquetschen ohnehin sinnlos.

Besonders zog sich Selina aber erst zurück, als der Lehrer näher kam. Er musste ja nicht alles mithören - nicht dass Selina etwas zu verbergen hatte. Sie hatte eben nur gerne etwas Privatsphäre.
Dass ihr Bild nicht an das heranreichte, was Lea da fabriziert hatte, war ihr schon vorher klar gewesen. Sie hatte sich ja auch nicht sonderlich viel Mühe dabei gegeben, anders als ihre Banknachbarn. Trotzdem störte Selina das Lob ein wenig. Konnte Lea denn keinen einzigen normalen Satz herausbringen, oder ein Kompliment annehmen, ohne gleich so awkward zu werden?
Wenigstens gab Lea nicht so viel sinnloses, nerviges Gelaber von sich wie viele andere Leute in ihrem Alter. Das war ein Vorteil davon.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Outis am Do Feb 28, 2019 10:58 pm

„Ja, wie es aussieht, können wir uns in der Pause wieder treffen“, wandte sich Outis grinsend an Selina, nachdem Lea zugestimmt hatte sich das erste Treffen der Schülerzeitung mit anzusehen. Die Austauschschülerin würde währenddessen zwar bei den Theaterleuten sein, aber gewiss würde sich eine andere Gelegenheit finden, um sie zur Mitarbeit zu bewegen.

„Minimalistisch“, war der einzige Kommentar, den der Lehrer für Outis Werk übrig hatte. Der Sitzenbleiber nahm es ihm nicht übel. Zum einen war es zutreffend und zum anderen nicht zwingend abwertend gemeint. Womöglich war Minimalismus sogar ein Kunststil. Er war sich gerade nicht sicher.
Bald darauf hatte Herr Witte seine Runde beendet und sprach im Verlauf des restlichen Unterrichts Dinge an, die ihm „aufgefallen“ waren. Der Wiederholer kam zu dem Schluss, dass „minimalistisch“ in diesem Fall vielleicht doch eher negativ konjugiert war. Auf den Kunstunterricht folgten je zwei Stunden Chemie und Latein, während derer Outis geistig schon beim Treffen der Schülerzeitung war. Entsprechend wenig bekam er von dem, was die Lehrer sagten, mit. Erst der Gong zur Mittagspause holte ihn ins Hier und Jetzt zurück.

Nun führte sein Weg direkt in die Schulkantine und wie selbstverständlich ging er davon aus, dass Lea mitkommen würde. Es gab Schnitzel mit Pommes, vielleicht nicht unbedingt gesund, aber dafür mit genug Fett und Kohlenhydraten versehen, um einem Heranwachsenden alles zu liefern, was er für sein Wohlbefinden brauchte. Die vegetarische Alternative waren wie üblich Nudeln mit Tomatensoße.
Outis Wahl fiel auf das panierte Schwein. Er trug sein Tablett zu einem leeren Tisch, am Dienstag war ein solcher nicht schwer zu finden. Der Nachmittagsunterricht war heute ja freiwillig und daher gingen recht viele Schüler nachhause. Von seinem Platz aus hatte er gute Sicht auf die kurze Schlange vor der Essensausgabe und winkte, als sich Selina an deren Ende einreihte.
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Re: Schule, Chaos, Leben

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr März 01, 2019 11:20 am

Selinas Frage nach der Pause nahm Lea zwar wahr, das Antworten überließ sie aber Outis und nickte nur stumm, im Endeffekt war es ja auch Outis Entscheidung, mit wem er seine Zeit verbrachte und nicht Leas - sie hätte sich definitiv anders entschieden. Ein wenig bekam sie ein schlechtes Gewissen, dass sie die ganze Zeit so schlecht über Selina dachte ohne sie überhaupt wirklich zu kennen, aber sie hatte einfach das Gefühl, dass Selina das Gleiche tat und das gefiel ihr nicht... ein wenig paradox, aber sie versuchte sich es nicht anmerken zu lassen.
Als Herr Witte Outis Bild begutachtete konnte Lea nicht anders als ebenfalls einen Blick aus ihren Augenwinkeln zu dem Bild huschen zu lassen. Ja, Herr Witte musste sein Fach wirklich mögen, denn minimalistisch war nett ausgedrückt. Die paar Striche, die dort auf dem Blatt waren waren schwer als Gerüst erkennbar, in dem ein Sachverhalt dargestellt sein sollte, aber mit viel Phantasie gelang es ihr dann doch zu verstehen, was genau er meinte. Ein Schmunzeln schlich sich auf ihr Gesicht, als sie daran dachte, wie er versuchen würde sein Cover selbst zu zeichnen. Das Bild einer Mischung aus einem Eis, unsauberen Smileys und viel wegradierten Überbleibseln im Hintergrund entstand vor ihrem inneren Auge.
Die Kunststunde ging für Lea viel zu schnell um. Im Gegensatz zu ihren beiden Tischgefährten war sie wirklich interessiert, sie lernte gerne etwas Neues über das Zeichnen und wie sie ihre Bilder verbessern konnte, auch wenn Fluchtpunkte jetzt nicht gerade das Spannendste waren. Die nächsten Stunden verliefen dann deutlich langweiliger, Chemie war halt ein reines Lernfach und Latein eine tote Sprache. Sie sehnte sich nach dem Kunstunterricht zurück, in dem sie Zeichnen konnte, ohne einen Blick vom Lehrer zu kassieren. Dass Outis tatsächlich mal für längere Zeit schwieg machte den Unterricht auch nicht spannender, auch wenn sie sich so immerhin konzentrieren konnte. Gerade in Chemie lernte man schließlich jedes Jahr etwas Neues, im Gegensatz zu Latein, wo man einfach jedes Jahr ein neues Buch bekam, das man dann übersetzen musste. Als es endlich zur Mittagspause klingelte packte Lea ihre Sachen zusammen und schloss sich dem bereits wartenden Outis an.

Den Weg in die Mensa kannte sie bereits, auch wenn sie einmal fast falsch abbiegen wollte und nur durch Outis auf dem richtigen Weg blieb. Dort angekommen stellte sich ihr Klassenkamerad auch schon an die kleine Schlange von Leuten an, die tatsächlich am zweiten Schultag freiwillig länger blieben, während sich Lea an den Tisch setze. Sie hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen und so packte sie einfach ihr Brot mit Frischkäse aus, dass auch schon fast fertig gegessen war, bis Outis sich wieder zu ihr gesellt hatte. Außerdem wollte sie erst einmal sehen wie das Essen hier aussah, bei einer Schulmensa wusste man nie. Zwischen zwei Bissen, natürlich mit leerem Mund, fragte sie ihn dann nach den Schülerzeitungen, um der durch sein Essen entstehenden Stille entgegenzutreten. Zwar interessierte sie sich nicht wirklich dafür, was darin stand, aber es wäre ein guter Zeitvertreib, während sie darauf wartete, dass er zu Ende gegessen hatte und notfalls auch für Selinas Ankunft. Kurz darauf winkte Outis sie auch schon zu sich, Lea hatte nicht mitbekommen, dass sie den Raum betreten hatte, aber sie saß ja auch mit dem Rücken zum Eingang. Mit einem Lächeln begrüßte sie sie, bevor sie sich wieder an die Schülerzeitungen setzte.
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Laune : Ich bin eine wunderschöne Qualle!
Anmeldedatum : 21.05.18

Charakterbogen
Alter: 25 junge Jahre
Größe: 1,70 Meter(M)/ 2,01 Meter(F/Q)
Rasse: Neptaner

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Re: Schule, Chaos, Leben

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