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Wer schreibt wo?

Perleris-Meer
Das östliche Meer:
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Schreiberling (Kleines Abendlicht)

Riguskant
Auf den Straßen (Königsburg):
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Leiswasser:
Terano Leiryfe Sanador
Ardaja Elasia
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Sommasflucht:
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Schreiberling (Remiron)

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Schreiberling (Remiron)

Schavennas Hafenviertel:
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Myrrmayarra
Egon

Das Jungferntal:
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Anwesen der von Mittklang (Königsburg):
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Kargatrass-Wald:
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Mittleres Stockwerk Gasthaus 'Seilers Tochter' (Davencia):
Luvia
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Erzähler

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Quaona Leae Ohana
Ciaran

Bogenstraße (Königsburg):
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Die Grüne Hölle
Rand der Grünen Hölle:
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Sheevalesca

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Thea

Karatina
Gasthaus 'Am Markt' (Dornenwacht):
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Westlich des Nysbelth:
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Narmil Machatrim

Entlang der grünen Hölle:
Mayaleah
Kasimir

Waldstück nahe Kohwatt:
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Lil'yandra Iathaille

Armenviertel (Amdalon):
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Lestat

Westliche Steppe:
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Kinim

Prachtvolles Gutshaus:
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Irgendwo nahe Finstersteig:
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Katunga:
Nenvar
Cilucamaidra
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Once upon

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Once upon

Beitrag von Skaelir am So Jan 27, 2019 12:59 am

Wir schreiben das Jahr 7 nach der Auferstehung der Hoffnung. Viel Zeit ist vergangen und die Wunden, die der Tyrann in unser Reich geschlagen hat, haben bereits zu heilen begonnen und bald werden nur noch Narben zurückbleiben. Dass der Terror der letzten Jahrzehnte noch immer tief in den Köpfen verankert ist, erblickt man zum Leidwesen unseres Königs Jay Orita de Famas immer noch. Es sind scheinbar nur Kleinigkeiten. So trifft man nach Sonnenuntergang nur mehr zwielichtige Gestalten an und selbst an Tagen, die zum Feiern einladen, zeigt die Bevölkerung sich verhalten. Es ist ein Trauerspiel, doch unser Herrscher ist ein Stern, der uns den Weg in eine glorreiche Zukunft weisen wird. Er und sein treues Gefolge haben nicht nur den Tyrannen abgesetzt, sondern auch die Last auf den Schultern des Volkes verringert. Steuern wurden gesenkt, die Blutsgesetze, welche das Leben vieler Einwohner forderten, aufgehoben und durch dem Leben zugetane Regeln ersetzt.
Der Handel floriert wieder und viele Händler aus der Ferne strömen wieder in unsere Städte und versorgen uns exotischen Waren aus der Ferne. Wenn man sich an das Vergangene erinnerte, sind die vollen Märkte und das Leben hier nahezu utopisch.
Viele von uns sehen noch die leeren Straßen vor sich, die nur von einigen wenigen Seelen und der monströsen Garde des Tyrannen begangen wurden. Der Galgen inmitten des großen Platzes sind verschwunden und die Leichen, die den Geruch des Todes in der Stadt verbreitet hatten, sind dem Duft von Blumen und frisch gebackenem Brot gewichen.
Schreie, die vereinzelt die Stille der Hauptstadt durchbrochen hatten, sind verklungen. Marktgeschrei und Barden ersetzen die Klagelaute eines unterdrückten Volkes. Auch Kinderlachen erhellt die die neue Geschäftigkeit des Alltags. Selbst Schulen lässt unser glorreicher Herrscher für das einfache Volk erbauen.
All dies sind die Zeichen einer Wandlung, einer Metamorphose zu einer wunderbaren Zeit. So sprechen viele zurecht vom Beginn eines goldenen Zeitalters, dennoch ruht die Dunkelheit immer noch in den Tiefen der Stadt.
Unter dem Palast des Königs liegt das Gefängnis des Tyrannen, wo er bis an das Ende der Zeit für seine Sünden büßen soll. Diese Mildtätigkeit unseres Königs lässt vereinzelt immer wieder Stimmen laut werden. Stimmen der Wut und des Zorns. Sie fordern die öffentliche Hinrichtung des Tyrannen, unwissend um die Unsterblichkeit des Grausamen. Die Jahre in der Dunkelheit würden ihn langsam richten, die Ratten ihn auffressen und die Finsternis seinen Verstand zerstören.
Es ist seine gerechte Strafe für die Hinrichtung des Königpaares, den Eltern unseres jetzigen Königs, der Einsetzung eines Regimes geprägt von Angst und Schrecken, der Nutzung von vergessener, von der Göttin verbotener Macht, der Beschwörung von dunklen Kräften und der Ermordung von unzähligen Unschuldigen und zu guter Letzt der Ausrottung des Paladinordens unserer heiligsten Göttin Cauldrony. Vermutlich hat dieser eine Mann noch vielmehr schreckliche Dinge getan, die den Verstand eines einfachen Wesens übersteigen würde.

Doch drängt sich den Gelehrten immer wieder eine Frage auf: Auf dem Platz unserer Heiligsten Göttin ist eine Tafel, die aus den Zeiten vor der Hauptstadt stammte. Sie spricht von einer Prophezeiung, deren Worte aus der Sprache der Götter übersetzt wurde:

Sohn des Letzten.
Herrscher der Lügen,
seines Reiches nicht gewahr,
zerbrechlich sein Schaffen,
gebunden dem Glanz.

So werden sie aufsteigen,
das Leben richten,
stürzen den Betrüger,
erbauen der Finsternis Reich,
verschlingen des Lichtes Herz.

Der Letzte wird kommen,
das letzte Schimmern am Firmament.
Er wird ihn führen,
durch das Endlose,
in das Grauen.

Alles wird enden.
Das Zerbrechliche wird zerbrochen.
Der Betrüger entlarvt.
Das letzte Leuchten versiegen.
Alles wird Einem weichen.



Über diese alten Worte wird viel spekuliert. Die Gelehrten sind sich einig, die Prophezeiung wurde erfüllt. Der Tyrann, Raahel Schwarzhand, Herr der Dunkelheit und Herrscher der Lügen ließ die Monster aufsteigen und errichtete ein Reich der Finsternis und unser Herr Jay Orita de Famas ist das Ende. Er hat das zerbrechliche Reich des entlarvten Betrügers, zerbrochen und das Finstere ist seinem einem Reich gewichen.

Doch im Süden des Reiches beginnt sich etwas zu regen. Lebendige Dörfer leeren sich von einer Nacht auf die Nächste. Jäger berichten von Untotensichtungen. Immer wieder tauchen riesige Monster auf und die Kobolde, die in den Zwergenruinen im Norden leben, greifen befestigte Anlagen der Armeen an, zudem begann die Dämmerung in den letzten Wochen früher einzusetzen und länger zu dauern. Trotz des geschäftigen Treibens wird das Volk unruhig. Es beginnt Antworten zu fordern, doch wo auch immer sie vergraben sind, weder in die Bücher der großen Bibliothek noch die Priester scheinen eine Antwort zu wissen.




Enzyklopädie

Galvanien = Reich der Geschichte.
Brennau = Von Untoten zerstörte Dorf
Staubkönig = Raahels Bezeichnung während seiner Regentschaft
Staubritter = Diener Raahels, Skelette, die nach denen man ihnen eine tödliche Wunde zugefügt hat, zu Staub zerfielen
Elementarkristalle= Werden in Zauberstäben, magischen Amuletten o. ä. verwendet, um Magie zu verstärken, aber auch um Magie zu bannen.
Rot = Feuer, Blau = Wasser/Eis, Grün = Erde, Milchig = Licht, Heilung etc., Schwarz = Dunkelheit, Flüche etc.
Magie= Meist sehr wild, zerstört die Umgebung, wenn nicht richtig gehandhabt, Meister verwenden meist Zauberstäbe, um die wilden Effekte zu negieren oder kennen andere Methoden
Fantasywesen  = Alles vorhanden

Götter Pantheon (wird vermutlich noch erweitert)
Cauldrony = Göttin des Lichts, Hauptgöttin Galvaniens, Verkörperung der Sonne, der Gerechtigkeit, des Zusammenhalts, Ihr Zeichen ist die Sonne mit einer Waage im Gleichgewicht im Vordergrund
Ajani = Beschützer Cauldronys und Wächter der Könige, Gott der Stärke und des Schutzes, Zeichen ist der Löwe vor dem Sonnentor, das Königshaus der de Famas steht im Zeichen dieses Gottes, Ehemann von Cauldrony
Der Namenlose = Herrscher über die Hölle, Gott des Krieges und der Folter, wurde von Cauldrony wegesperrt, nachdem er versucht hat die Erde, zu zerstören. Sein Zeichen ist aufgebäumte schwarze Pferd.

Den Menschen bekannte Ebenen (Nach Höhe sortiert)
Das Pantheon = Reich der Götter
Der Himmel = Reich der Engel
Die Erde = Menschen Reiche, (Welt  unseres Geschehens)
Die Hölle = Gefängnis des Namenlosen




Zuletzt von Skaelir am So Jan 27, 2019 6:31 pm bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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Re: Once upon

Beitrag von Quaona Leae Ohana am So Jan 27, 2019 4:19 am

Ein langer Tag lag hinter ihm. Ein langer Abend stand noch bevor. Die sonst so perfekt sitzende königliche Pose, Miene und Ausstrahlung war Genervtheit gewichen, Frust, Erschöpfung. "Und wenn Eure Herrlichkeit, gepriesen sei Euer Name in allen Munden, so gütig wäre, meine Bitte anzuhören, so wird Er mit Sicherheit die Vorteile erkennen, die sie mit sich bringt, für beide Seiten selbstverständlich. Es braucht nur einen kurzen Moment Seiner Zeit und ein wenig guten Willen(...)" Jay unterdrückte ein Seufzen. Und Geld mit Sicherheit... ging es ihm durch den Kopf, aber er hörte schon gar nicht mehr zu, diese Angelegenheit war nicht seine Sorge, nicht derzeit. Unterstützungsanfragen von Städtern, die sich ein Gewerbe aufbauen wollten klang zwar nach einer sehr aufbauenden Arbeit, nach einem Moment, in dem Schaffensfreude, Arbeitswille und Zukunftsträume zu spüren waren, doch es war immer nur ein Betteln um Geld, damit sich eben jene ein goldenes Näschen verdienen konnten, Speichellecker, die sich dachten, sie wären schlauer als der König und sein Gefolge.
Ein kurzes Schweigen ließ Jay aus seinen Gedanken zurückkehren, der Wortschwall war abgeflaut und Stille hatte sich über den Raum gelegt. Ohne zu wissen, worum es ging, antwortete er wie schon unendliche weitere Male heute mit einer Standartfloskel: "Wir schätzen euren Willen, etwas für das Volk und die Wirtschaft zu tun und werden in versammelter Runde darüber diskutieren, eine Diskussion, die dieser Idee würdig ist. Wenn Wir eine Entscheidung gefällt haben, wird Euch diese mitgeteilt werden. Habt ihr sonst noch ein Begehr?" Der letzte Teil des Satzes war keine Frage. Bittsteller hatten ihr Begehr vor Beginn der Audienz mitzuteilen, die Frage diente nur dem Gefühl, dass sich der Herrscher tatsächlich um die Wünsche seiner Untertanen kümmerte - Nicht dass dem nicht so wäre, doch Jay ging es viel mehr um das ganze Volk als um jeden Einzelnen Untertan seines großen Reiches. Mit weiteren Lobpreisungen überhäufend verneinte sein Gegenüber diese Frage und verließ nach einer Verbeugung rückwärts den Raum. Am Liebsten wäre es Jay gewesen, wenn er sich einfach umgedreht hätte, dann hätte er früher den Kopf aufstützen können, doch so musste er noch eine ganze Minute warten, bis der Mann endlich den weiten Weg bis zur großen Flügeltür geschafft hatte und nach einem letzten Blick auf seinen König zurück den Raum verließ. Die sowieso bereits angeschlagene Haltung Jays sackte nun komplett zusammen, den Rücken vor Erschöpfung gekrümmt, den Kopf abgestützt, Zeigefinger auf der Schläfe, Mittelfinger zwischen den Augen und den Daumen am Kinn, sein Ellenbogen wog schwer auf der nicht halb so gemütlichen wie schönen Armlehne des Throns und die Augen geschlossen. Er konnte sich diesen Kurzen Moment der Rast erlauben, es waren, bis auf einige Wachen und sein engster Berater niemand im Raum, solange bis der nächste Gast zur Audienz eintraf, was meistens nicht so lange auf sich warten ließ, die Tage, an denen er Untertanen empfing waren immer sehr gut besucht.
Schritte nährten sich von der Seite, wo Garomir bis gerade noch gestanden hatte. Wenn sie nur unter sich waren, so duzten sie sich, tranken und lachten zusammen, erzählten sich Witze und schlugen sich auf die Schulter, doch vor den Wachen hielt sein guter Freund und Berater immer die Regeln der Höflichkeit ein. "Meine Majestät, wir haben eine wichtige Nachricht von einem Boten empfangen, darf er(...)" Noch bevor sein Freund ausreden konnte, ließ ihm Jay schon mit einem Wink verstehen, das der Bote reinkommen sollte. Wenn Garomir von einer wichtigen Nachricht sprach, war ein Bote meist nicht sicher, wem er diese Nachricht außer Jay selbst ausrichten durfte und so hätten weitere Worte nichts genützt. Er griff nach dem goldenen Kelch mit Wein, der neben ihm stand und setzte ihn an, bevor er bemerkte, dass auch dieser Kelch bereits bald geleert war, sein dritter an diesem Nachmittag, wenn er richtig gezählt hatte. Während er die letzten Schlucke zu sich nahm, die Haltung wieder etwas gestrafft, war die Stimme Garomirs schon durch die Halle geklungen und die Tür öffnete sich für einen Boten, der anders war als die Normalen. Es war keiner, den er kannte, kein ausländischer oder eigener, er wirkte mehr wie ein Bauerntölpel, der sich auf dem Markt eine Schriftrolle geklaut hatte, um wichtig auszusehen, auch unterließ er das übliche Etikett an Verbeugungen und langsam annähern. Er schien es nicht schnell genug zu haben, zu Jay zu kommen. Die Wachen machten Anstalten ihn aufzuhalten, doch ein Fingerzeig genügte und sie standen wieder still in ihrer Formation. Die Armen müssen den halben Tag in Rüstung stehen und ich beschwere mich über zwei Tage ungemütlich sitzen... Nur Garomir wich ihm nicht von der Seite, näher noch als er sonst stand. Ihm war die Situation unangenehm, er konnte nicht sagen, was passiert war und dass der junge Mann so übereilt auf seinen Freund und Herrscher zuschritt konnte genauso gut ein Anschlagsversuch werden - Jay ließ es ihm durchgehen, er war schließlich nur um seine Sicherheit besorgt und er wusste, dass sich Garomir sofort für ihn vor jedes geworfene Messer schmeißen würde, sollte es hart auf hart kommen, doch der Bote blieb einige Schritte vor dem Thron stehen, was auch an einem strengen "Bleibt!" Garomirs lag. Verängstigt zwirbelte der Junge an dem Pergament, dass definitiv keine Nachricht enthalten würde und wusste offensichtlich nicht, was er sagen sollte. Jay legte ein charmantes Lächeln aufs Gesicht, er war der Herrscher, ein Lächeln und beruhigende Worte von ihm waren meist genug, um seine Untertanen glücklich zu machen: "Sprecht, was ist Euer Begehr? Ihr scheint eine weite und beschwerliche Reise für diese Nachricht auf Euch genommen zu haben."
Überraschenderweise schien der junge Mann nicht beruhigt. Er zwirbelte weiter beunruhigt an dem Pergament herum und schien sich immer noch die Worte zurecht zu legen, sodass Jay einen kurzen Moment hatte, ihn zu beobachten. Er war gut gebräunt, relativ kräftig, wenn auch schmal. Er mochte kaum 90 Jahreszeiten erlebt haben. Schweiß stand ihm auf der Stirn, aber offensichtlich nicht nur aus Anstrengung. Endlich brachte der Junge seine Worte heraus: "Brennau wurde von Untoten verschlungen! Sie... Sie sind alle fort!"
Der Kelch, den Jay immer noch in der Hand schmiss er wutentbrannt auf den Boden. Das war bereits das dritte Dorf, dass diese Woche auf unerklärliche Weise dem Erdboden gleichgemacht wurde. Die Wut weckte alle seine müden Knochen, sie trieb ihn aus dem Sessel hoch und auf den Jungen zu. Dieser wurde noch blasser, wollte zurückweichen, doch seine Beine gehorchten ihm nicht länger. Allen Sicherheitsbedenken zum Trotz, aller Etikette zuwider ging Jay genau zu dem Jungen, legte ihm eine Hand auf die Schulter, signalisierte ihm, er solle sich auf die Stufen setzen, die sie bisher voneinander getrennt hatten und zu seiner großen Verwunderung setzte sich Jay, sein Herrscher einfach neben ihm auf den Boden. "Erzählt, was ist passiert! Ich muss alles wissen!"
Während der Junge sich noch setzte, beobachtete Jay aus den Augenwinkeln die erschrockene Reaktion der Wachen. Manche tuschelten leise, manche ließen einfach nur erschrocken Haltung und Waffe sinken, aber alle wirkten getroffen, das war selbstverständlich, nur eine Wache, Leonhard war sein Name wenn Jay sich nicht irrte, wurde fast genau so blass wie der Junge es war. Es war offensichtlich, dass er aus Brennau kam. Dann wurde Jays Aufmerksamkeit auf den Jungen gelenkt, der ihm stotternd erzählte, was er wusste.
"Ich... ich war unterwegs gewesen, ich hatte Waren zum Markt gebracht gehabt, auf auf dem Markt in der großen Stadt, also hier und dann also ich bin dann nach Hause wieder und das Einzige was ich sah waren... Gestalten, sie hatten sich langsam bewegt und sie waren nicht menschlich, weil... sie hatte so etwas an sich so etwas Schreckliches, ich... ich kann es nicht beschreiben, ich war zu weit entfernt und dann... Ich bin weggelaufen, ich hätte Ihnen helfen müssen, aber aber ich ich..." Den Tränen immer näher erstickten seine Worte in unverständlichen Flüstereien. Er weiß nichts... er kann uns nicht helfen... der Nächste, der es nicht kann. Jay erwischte sich bei dem Gedanken, dass er sich wünschte, der Junge hätte alles mitbekommen was passiert wäre, allerdings wäre er dann vermutlich auch verschwunden gewesen. Er winkte einer Wache zu und nickte mit dem Kopf zu dem Bauernjungen, diese verstand und ging auf den Jungen zu. "Gebt ihm ein Zimmer, bringt ihm was zu Essen. Er muss zu Kräften kommen, vielleicht kann er sich dann erinnern."  Ohne noch weiter auf den Jungen einzugehen, der wimmernd neben ihm saß ging er auf die Wache zu, die er für Leonhard hielt. Er nahm sofort Haltung an, doch Jay nahm ihm nur den Helm ab, drückte ihm ihn in die Hand und sagte: "Du auch. Geh dich ausruhen." Dann schritt er schnellen Schrittes auf die Hinterzimmer zu. Mit lauter Stimme ließ er verkünden: "Heute gebe ich keine Audienzen mehr." Die Schritte hinter sich gehörten natürlich Garomir, er folgte ihm immer auf Schritt und tritt und so verließ er mit seinem Freund den Thronsaal.

"Ein weiteres Dorf!", rief er laut in den Raum herein. Er hatte es sich auf einem gemütlicheren Sessel bequem gemacht, auch wenn er sofort wieder das Verlangen hatte, aufzuspringen und etwas zu machen, doch es gab nichts zu tun. Es war der Raum, in dem über Strategien entschieden wurde, oft in versammelter Runde der wichtigsten Berater, vom Volksmund die Berater der Tafelrunde genannt, doch jetzt waren nur Garomir und Jay selbst hier. Vor ihm auf dem Tisch lag eine große Landkarte, die sein ganzes Königreich in allen Details darstellte. Eine weitere Markierung wurde von Garomir auf die Karte gelegt, an die Stelle, wo Brennau eingezeichnet war. Er mochte nicht hinschauen, wie viele Markierungen es inzwischen waren. "Gibt es noch einen Weg vorbei? Ich muss es tun! Ich hätte schon nach dem Ersten Dorf zu ihm gehen müssen, es riecht einfach nach ihm, wer sonst könnte solche Magie vollbringen?" Natürlich wusste sein Freund, wovon er redete und natürlich würde er dagegen anreden. "Wir können ihm nicht trauen! Du weißt das noch am besten, wenn wir ihm auch nur einen Funken Freiheit geben, wird noch viel mehr Schlimmes passieren! Ich weiß, wie wenig dir diese Vorstellung behagt, aber du hast selbst gesagt, es riecht nach ihm, er muss es sein. Wir müssen seinem Leben ein Ende zubereiten, wenn wir verhindern wollen, dass alles schlimmer wird!" "Und was ist, wenn er es nicht ist? Wenn er der Einzige ist, der wissen könnte, was wir tun müssen? Gegen WEN wir was tun müssen? Es ist auch in seinem Interesse, dass das Königreich besteht, er hat schon immer eine Vorliebe für es gehabt, Cauldrony weiß warum und wenn es fallen sollte, dann wird ihn niemand dort unten jemals finden und er wird elendig verhungern... Er hockt im dunkelsten und geheimsten Verlies, das wir haben, kaum zwei Dutzend Leute wissen, wo genau es liegt und er weiß es, ich sehe es, an seinem Blick." Sein Blick... Jay ging jedes Jahr einmal in diesen Keller, um sich sicher sein zu können, das der Mörder seiner Eltern, seines Volkes, seiner Unbeschwertheit in Ketten lag und vor sich hin verrottete. Immer am gleichen Tag stieg er hinab. Es gab kein Grab für seine Eltern, zumindest keines, in dem ihre Gebeine lagen. Nur Cauldrony würde wissen, was er mit Ihnen gemacht hatte. Und so trauerte er stattdessen, indem er dem Mörder seiner Eltern dabei zuschaute, wie er immer kläglicher und schwächer wurde. Er war sein einziger Besucher, sein zwei Mal täglich Brot bekam er von den Wachen, seinen Besuch einmal im Jahr von Jay. Es schien, als würde dieses Jahr diese Tradition durchbrochen werden. Nach fünf Jahren sollte Raahel ein zweites Mal im Jahr drei Menschen an einem Tag zu Gesicht bekommen.
Lange diskutierten Garomir und Jay noch miteinander, doch letzten Endes konnte er ihn nicht davon abhalten. Zu guter Letzt griff sich Garomir um den Hals, holte den Schlüssel hervor und gab ihn Jay. Für einen Moment hielt er ihn noch am Arm fest: "Bitte... sei vorsichtig. Du weißt, was dich erwartet." Mit einem Nicken löste sich Jay aus seinem Griff und ging alleine den langen Flur entlang. Diesen einen Gang machte er immer alleine. Er war die einzige Person außerhalb einer Wächterrüstung, die Raahel seit sechs Jahren zu Gesicht bekommen hatte. Wurde im ersten Jahr noch versucht, Wahrheiten aus ihm herauszuquetschen, so hatte man es irgendwann aufgegeben. Heute würde sich das ändern. Heute musste sich das ändern. Sonst war Galvanien dem Untergang geweiht. Erneut.

Es dauerte einen Moment, bis er an der richtigen Tür angelangt war. Sie war im hintersten Teil eines Kellergewölbes gelegen, in einem toten Winkel eines verlassenen Korridors versteckt. Das Einzige, was verriet, dass diese Tür noch benutzt wurde war der fehlende Staub auf der Klinke, der im Fackelschein nicht zu sehen war. Sonnenlicht drang hier schon lange keines mehr rein und so war auch Raahels Licht seit Jahren nur das einer Kerze gewesen. Als er die Tür öffnete, hörte Jay wie im Gang dahinter aufgeregt die Schwerter gezogen wurde. Es war noch nicht Zeit für die Wachablösung und die Wachen dort bewachten den Staatsfeind, der alle anderen Feinde übertroffen hatte. "Wer seid ihr? Dieser Bereich darf unter keinen Umständen betreten werden!", schallte eine starke Stimme von Innen entgegen. Wortlos schwang Jay die Tür auf und die Wache erblasste merklich. "Eure Majestät, das tut mir unfass(...)" "Es ist alles gut, Ihr habt nur Euren Auftrag ausgeführt, macht euch keine Sorgen. Ich bin hier, um mit dem Gefangenen zu reden, lasst uns bitte alleine." Die beiden Wachen salutierten und verließen den engen Gang hinaus in den Korridor, ohne weitere Fragen zu stellen. Jay holte den Schlüssel raus, den er von Garomir bekommen hatte. Den einzigen, den es für diese massive Tür gab, hinter der ein Gitter lag, für dass nur er Selbst den Schlüssel hatte. Wenn jemand an Raahel ran wollte, so musste er wissen, wer die Schlüssel hatte und an zwei der bestbewachtesten Personen des Königreiches drankommen, nachdem und bevor er sich durch Wachen durchgeschlagen hatte. Mit einem schweren Rasseln verschob sich der Riegel der die schwere Holztür sicherte und langsam öffnete Jay die Tür. Dahinter kam zuerst ein Gitter zum Vorschein, erhellt vom schwachen Kerzenschein der einzigen Lichtquelle, die Raahel seit Jahren hatte. Er musste von der Fackel geblendet sein, die Jay dabei hatte, wie jedes Jahr zum Todestag Jays Eltern. Spätestens jetzt würde er wissen, dass er nicht wieder sein trockenes Brot bekam, zusammen mit einem Glas Wasser. Langsam schritt er durch die Tür und ließ den Fackelschein den Raum erhellen. Dort hing er, an der Wand, die Füße berührten kaum den Boden, die Handgelenke an die Wand gekettet. Er sah fürchterlich aus. Es stand ihm. "Raahel."
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Re: Once upon

Beitrag von Skaelir am So Jan 27, 2019 1:03 pm

Dunkelheit. Immerwährende Dunkelheit. Nur das Licht einer Kerze, die immerzu runterbrannte, unentwegt ihren Weg nach unten brannte. Sie war die einzige Veränderung, die er seit Jahren zu Gesicht bekam, abgesehen von den Gesichtern der alternden Wachen. Die Zeit berührte sie, wenn sie es auch kaum bemerkten, so fiel Raahel jede noch so kleine Veränderung auf. Der kurze Anblick einer Wache konnte den Gefangenen Stunden beschäftigen. Er dachte über dessen Leben nach, malte sich Geschichten über dessen Alltag aus. Hatte er eine Frau? Kinder? Bereiteten sie ihm Sorgen? Diese Banalitäten lenkten den Mann ab und verhinderten, dass er den letzten Funken seines einst scharfen Verstandes verlor, wenn auch jedes Versiegen der Kerze in diesem Raum ihn den Abgrund näherbrachte.
Niemals hätte er geglaubt, dass Unsterblichkeit eine Strafe sein könnte. Er hatte sich mittlerweile oft gewünscht einfach zu sterben, doch solange er seine Magie hatte und dieser stete Fluss nicht gewaltsam zu Ende gebracht wurde, würde er weiter sein Dasein fristen. Schon lange hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. War er 10 Jahre hier? 20? Welche Jahreszeit beherrschte das Land? War es Tag oder Nacht? Raahel wusste von all diesen Dingen nichts. Er war machtlos.
Doch wusste er eines mit Bestimmtheit: Er würde die Ewigkeit nicht hier verbringen, doch was würde der Preis für seine Freiheit sein? Würde er bereit sein zu zahlen? All diese Fragen suchten ihn immer wieder heim. Sie quälten ihn mehr als eine Klinge es könnte, denn er kannte keine Antwort. Alles? Nichts? Es gab zu viele Eventualitäten.
Ein schweres Seufzen entfleuchte der Brust des Gefangenen. Jeder Laut, der seine Kehle verließ, schmerzte. Seine Kehle war trocken und sein Kopf lag schwer auf seiner Brust, da er schon lange aufgegeben hatte, seinen Kopf aufzurichten. Ein herkömmlicher Mensch wäre erstickt. Ein herkömmlicher Mensch wäre an Sonnenmangel gestorben. Nur Raahel war kein Bauer, kein einfacher Mann. Er war ein Unsterblicher.
Sein Körper war kaum mehr als ein Skelett über das man Haut gezogen hatte. Die Mangelernährung hatte zu Muskelverlust geführt. Diese Haltung hatte seinen gesamten Körper geschunden. Er bezweifelte, auch nur einen Schritt gehen zu können. Sein ungewaschener Körper juckte, Flöhe hatten sich bereits auf dem Körper breit gemacht. Ratten und Mäuse, die ihren Weg in die Tiefe gefunden hatten, brachten sie mit sich. An die Flöhe hatte er sich schon lange gewöhnt. Die Nagetiere waren ein viel unangenehmeres Problem. Sie hatten ihm die Schuhe von den Füßen gefressen und manch eines dieser Biester hatte an seinen Füßen zu nagen begonnen. Unfähig zu schreien, ob der trockenen Kehle und zu schwach um nach dem Ungeziefer zu treten, ertrug er die Folter, die das Ungetier ihm zufügte.
Er war ein Schatten geworden. Ein Wesen, dass weder starb noch lebte. Als ein Lebender bezeichnete er sich schon lange nicht mehr, obwohl er noch die Impulse eines Lebenden hatte. Sein Herz schlug. Seine Sinne nahmen die Umgebung immer noch auf.
Aus dem Alltäglichen wurde er gerissen als er von draußen das Klirren von Waffen hörte. Es schien etwas Neues zu passieren. War es so weit? War der Tag seiner Freilassung gekommen? Der Wachwechsel konnte es noch nicht sein. Die Kerze war noch viel zu lange. Sie war erst vor kurzem gewechselt worden.
Neugierde machte sich in ihm breit. Ihn durchfuhr Freude als die Tür geöffnet wurde. Er kniff die Augen zusammen. Das Licht der Fackel war zu hell, war er doch nur mehr den schwachen Schein einer Kerze gewöhnt. Allerdings musste er nicht sehen, um zu erahnen, wer ihn besuchte, denn diese Stimmt hätte er unter Tausenden erkannt. Jay.
Er verstand seinen Namen und bewegte seinen Kopf schwach in die Richtung des Königs. Was den König so unverhofft zu ihn geführt hatte? Gerne hätte er ihn das gefragt, doch seine Kehle war viel zu trocken, als dass auch nur ein Wort über seine Lippen gekommen wäre.
Erneut versuchte er seine Augen Spalt zu öffnen, doch das ungewohnt helle Licht schmerzte ihn zu sehr in seinen Augen. Er wollte den König anblicken. Sein Gesicht, seine Mimik sehen. Wenn es nicht der jährliche Besuch war, plagte ihn bestimmt etwas. Ihm Gegenüber würde er sicherlich keinerlei Mildtätigkeit zeigen. Seine Grausamkeiten würde er ihm nicht verzeihen. Gespannt wartete er auf die Erzählungen des Königs.
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Re: Once upon

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Mo Jan 28, 2019 12:16 pm

Er stank erbärmlich. Die ganze Zelle stank erbärmlich. Jay unterdrückte den Reflex, die Nase zu rümpfen. Die Wachen wuschen und kleideten ihn neu ihn, bevor er zu seiner jährlichen Visite kam, daher hatte er den Geruch noch nie so stark wahrgenommen. Natürlich, dass er nie gut gerochen hatte war verständlich gewesen, aber das...
Im Licht der Fackel konnte er seinen alten Erzfeind gut erkennen, er hing nah genug am Gitter, um gefüttert zu werden, ohne dass er einfach gefoltert werden könnte. Zumindest ein kleiner Schutz, den er ihm gegönnt hatte, denn Jay wusste, dass seine Entscheidung, Raahel leben zu lassen viel Unmut hervorgerufen hatte. Er hatte vielen Familien Söhne, Väter, Töchter und Mütter genommen. Kinder sowie Alte waren ihm zu Opfer gefallen, Starke und Schwache. Seine Staubsoldaten hatten nie Erbarmen gezeigt, nicht wenn sich jemand ergeben hatte und nicht, wenn ein Sanitäter aufs Schlachtfeld geeilt war. Staub hatte sich nie humanitärem Gesetz unterworfen und so auch ihr Herrscher. Staubkönig, so nannte das Volk ihn, aber Jay belohnte ihn nicht mit einem Titel. Er war Raahel, der Mörder, der Geschlagen. Er war kein Tyrann, denn er war gefallen. Er war Nichts.
Und doch bin ich hier.
So wie zuvor schon Garomir griff sich auch Jay nun um den Hals. Sein Schlüssel wurde wesentlich seltener benutzt, wenn die Wachen Raahel füttern mussten, so brauchten sie dafür nur Garomirs Schlüssel, auch wenn er dabei nie anwesend war, auf Wunsch seines Herrschers sowie seiner Selbst. Meist bekam er den Schlüssel eine Stunde später zurück. Was in der Zwischenzeit passierte, darüber wusste Jay nicht Bescheid und er wollte es nicht wissen, solange sie es nicht übertrieben.
Aber was heißt übertreiben schon bei jemandem, der nicht mal den Kopf heben kann.
Schweigen begleitete seine Schritte, die für einige Momente den einzigen Kontrast zum Knistern der Fackel waren, bis ein metallenes Scheppern verlauten ließ, dass die Tür, die nur zwei Mal im Jahr geöffnet wurde erneut ihren Dienst tun musste. Er wollte Raahel von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen, ihm die Chance nehmen, wegzugucken. Er sollte sehen, was er verloren hatte. Eine prächtige Rüstung, ein gepflegtes Aussehen. Seine Freiheit. Alles. Nur sein Leben war ihm geblieben und, so ließen seine Foltermeister das ganze erste Jahr über verkünden, auch seine scharfe Zunge nicht. Inzwischen jedoch... Er hatte noch nicht ein Wort gesagt. Man sollte meinen, er würde die Gelegenheit nutzen, seine Reden zu halten, aber vielleicht war er dafür zu schwach, oder seine Wachen hatten mal wieder ihren Spaß mit ihm gehabt.

In Raahels Gesicht sah Jay Schmerz. Er vermutete, dass er größtenteils durch das grelle Licht kam, er hatte Jahrelang in dieser Dunkelheit gehangen und jedes Jahr kam für einen Tag nur Jay mit seinem Licht. Es war eine schöne Metapher gewesen, die er mehr durch Zufall erdacht hatte. Der Geschlagene, der Dunkle bekommt jedes Jahr vom Hellen vorgeführt, wie das Leben sein könnte. "Kannst du reden?", fragte Jay mit fester Stimme. Jegliche Müdigkeit, die er über den Tag gefühlt hatte war vertrieben. Vor Raahel war alles perfekt. Er sollte in jeder Sekunde sehen, was er verpasste.
Seinen Gesichtsausdruck bekam Jay kaum mit. Er hatte den Kopf gesenkt, hängen gelassen, auch wenn er sich manchmal Mühe gab aufzublicken, doch Jay machte ihm nicht den Gefallen, sich nach ihm zu bücken, um von unten zu ihm hochzuschauen. Das hatte er in der freien Welt so oft tun müssen, bis er ihn endlich besiegt hatte. Schließlich bekam er ein schwaches Kopfschütteln zu sehen, nach einer Pause, in der Jay schon dachte, Raahel würde ihn ignorieren, wie ein kleines Kind, dass nicht gekriegt hatte, was es wollte.
Ein bitteres, kurzes Auflachen, kaum mehr als ein Schnauben, entwich seiner Nase. Ohne weitere Worte zu verlieren steckte Jay die Fackel in die dazugehörige Halterung zur Rechten seines Gegenübers. Er mochte sich nicht ausmalen, was für weitere Schmerzen ihm das beifügen würde, stand die Kerze doch immer links von ihm, so wie er auch immer von links hinter dem Gitter gefoltert, gefüttert, gestillt und beleidigt wurde. Dann verließ er schnelle Schrittes die Zelle, die Tür geöffnet und ließ auch die Holztür offen stehen. Draußen, wieder bei den Wachen angelangt, die bereits Haltung angenommen hatten, hielt er an. "Ich wünsche, dass Ihr ihn wascht, ihm etwas zu Essen gebt und zu trinken. Ich möchte in zwei Stunden mit ihm sprechen, also beeilt euch." Ohne auf Antwort zu warten verschwand er auf einem der langen Flure, während er hinter sich die Rüstung beim Salutieren noch scheppern hörte. Schritte folgten in verschiedene Richtung, einerseits zurück zur Zelle, andererseits in Richtung der Küche. Die Wachen mussten auch dies alles alleine machen, je weniger Leute von diesem Ort wussten, desto besser. Jetzt begann das große Warten, Raahels Rache, wenn man so wollte, auch wenn er davon nicht viel mitbekam. Unkraut vergeht nicht, heißt es, aber wenn es eines gab, was schlimmer war, dann war es Raahel selbst.
Unkraut konnte man wenigstens ausrupfen.
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Re: Once upon

Beitrag von Skaelir am Mo Jan 28, 2019 8:01 pm

Raahel hatte seit Tagen kein Wasser gesehen, weswegen seine Kehle sich zu Staub gewandelt hatte, zumindest glaubte er das. Sein Körper war dehydriert und Raahel selbst war in einer Art Lethargie gefangen. Er lebte, doch seine Vitalfunktionen waren minimal geworden. So war es ihm auch unmöglich geworden eine Antwort in Worte zu fassen. Allerdings war sich der Magier nicht um einen kleinen Machtkampf mit dem Monarchen zu schade. Er ließ etwas Zeit vorübergehen, ehe er kaum merklich den Kopf schüttelte.
Die Reaktion des Königs auf sein Kopfschütteln, war überraschend. Es schien mehr als eindeutig. Der König brauchte ihn. Innerlich begann er zu lachen. Er hatte gewusst, dieser Tag würde kommen! Hoffnungsvoll hatte er auf ihn gewartet, wie ein kleines Kind darauf erwachsen zu werden. Es kamen schwere Zeiten auf den jungen König zu und die Entscheidungen, die vor ihm lagen, würden alles andere als leicht werden.
Und die erste Entscheidung hatte er wohl nun auch getroffen. Die Wachen vor der Tür raunten missmutig als sie den Befehl des Königs hörten, dennoch kam Zustimmung von ihnen. „Wie Ihr wünscht, Euer Gnaden“, erwiderten sie im Echo. Eine der Wachen verbeugte sich und verließ den Posten, um die Vorbereitung für entsprechende Tätigkeiten zu machen. Er ging in die Küche, holte Essen und Wasser.
Die andere Wache führte den Wachdienst fort und als der Monarch den Raum verließ, begannen die Wachen sofort mit ihrer Arbeit. Sie kamen in die Zelle und zerrten ihm die dreckige Kleidung vom Körper. Um das Haar und den verfilzten Bart kümmerten sie sich nur mäßig. Hatte da etwa jemand Angst vor Flöhen. Das Gefühl von Seife auf seinem Körper war himmlisch. Er spürte wie der Dreck des letzten Jahres von seinem Körper abfiel. Er begann sich wieder wie ein Mensch zu fühlen. Ein erleichternder Seufzer kam ihm über die Lippen. „Glaubst du er scheißt sich gleich ein?“, fragte die eine Wache angeekelt. „Hoffentlich nicht. Wir sollten den Boden auch noch reinigen, wenn der König wirklich vor hat mit diesem Ding Zeit zu verbringen“, erwiderte die Wache und die andere Wache verzog das Gesicht. „Das sollten Diener machen. Reinigungsarbeiten sind nicht meine Arbeit“, murrte die Wache, die bei Raahel stand. Dieser schwieg und gab sich unbeteiligt, doch genoss er das Geschehen. Die Unzufriedenheit der Wachen über ihre Aufgabe und die Worte, die Stille und Einsamkeit vertrieben. „Keiner der Diener weiß etwas hiervon. Wenn diese Information nach außen dringt, wirst du auch in einer solchen Zelle schmoren“, gab der Ältere von sich und der Jüngere erstarrte. Freiheitsberaubung schien ihm nicht zu gefallen. Am liebsten hätte er selbst gesprochen, doch war seine Kehle immer noch zu rau, um das Wort zu erheben.
Notdürftig begann die Wache mit einem Lappen den Großteil der Ausscheidungen zu entfernen und würde nicht von innerhalb der Zelle das Licht einer Fackel in den Raum dringen, hätte Raahel den angeekelten Gesichtsausdruck sehen können. Dieser hielt ob des blendenden Lichtes die Augen geschlossen, da sich diese kaum daran zu gewöhnen vermochten.
Nachdem der Raum gesäubert war, brachte man ihm schließlich Wasser, welches er begierig trank. Seinen Stolz hatte er in dieser Zelle schon lange verloren. Es hatte gedauert bis er sich an dieses Umfeld gewöhnt hatte. Nun nahm er bereitwillig alles, was man ihm gab.
Das Wasser, welches mehr war, als er erwartet hatte, wurde beinahe leergetrunken, sodass sein Magen derart gefüllt wurde, dass er von dem Essen kaum noch etwas zu sich nehmen konnte. Nach seinem Festmahl kehrten die Wachen wieder zu ihrer gewohnten Position zurück und ließen die Lebensgeister wieder in Raahel zurückkehren. Er begann seine Umgebung wieder besser wahrzunehmen und begann seine Existenz wieder wahrzunehmen.
Bald schon hörte er wieder zu Schritte kommen und wusste, ,dass seine Wartezeit vorbei war. „Ich sollte mich für deine Großzügigkeit bedanken, Jay“, sprach er als die Tür geöffnet wurde. Seine Stimme hatte an Klang verloren. Anstatt des Basses kam nur ein heiseres Krächzen über seine Lippen. Bereits in Raahels Ohren klang sie erbärmlich. Vielleicht war der König ja gekommen um sich an dem Leid seines Gefangen zu ergötzen. Vermutlich würde er es sogleich herausfinden.
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Re: Once upon

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Mo Jan 28, 2019 10:57 pm

Die nächsten anderthalb Stunden hatte Jay sehr viel Zeit alleine nachzudenken. Als er kurze Zeit nach seinem ersten Besuch bei Raahel in seinen Gemächern angekommen war, hatte sich die Gänsehaut langsam wieder gelegt, die er bei jedem Besuch bekam, doch beruhigen wollte er sich nicht. Sein alter Erzfeind wurde kaum noch schwächlicher. Schon lange musste man Angst bekommen ihn zu ertränken, wenn man ihm mehr als ein Glas Wasser anbot, erwarten, dass er von zu viel Brot zu schwer werden würde, dass ihm die Hände einfach abfielen, weil zu viel Gewicht an seinen schwachen Knochen hing.

Angewidert schob er diesen Gedanken zur Seite. Das war wahrlich nicht das, was zu befürchten war. Auf der anderen Seite konnte er es sich auch nicht vorstellen, dass der Mann in diesem Zustand eine Armee von Untoten beherrschte oder zumindest erschuf... Aber wenn es jemand schafft, die Regeln des Todes zu brechen, was sind dann Gebrechen und Schwäche schon für ihn? Oder ein Kristall, der Magie bannt? Innerlich verfluchte Jay diesen Mann. Von allen tollen Fähigkeiten die er haben konnte, musste es da wirklich Unsterblichkeit sein? Vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, ihn in ein großes Loch zu werfen und einen fast so großen Stein hinterherzuwerfen. Wie mochte es sich wohl ohne Kopf unsterblich sein? Und seine Alchemisten hatten schon lange angefangen, ätzende Flüssigkeiten herzustellen, die jedes noch so widerstandsfähige Metall zerfraßen...
Genug!, schalt er sich selber. Er hatte gerade wirklich keine Zeit für derartiges Gedankengut. Stattdessen musste er überlegen, was in knapp zwei Stunden passieren würde - und das war nicht sehr einfach. Raahel hatte schon immer die Angewohnheit gehabt, nicht sehr hilfreich zu sein. Viele viele Gesprächsdurchläufe führte er, er argumentierte, drohte, log und schlug, doch alles führte nur zu einem Ergebnis: Raahel hatte ihn in der Hand. Er konnte erzählen, was er wollte und Jay musste jedes seiner Versprechen einhalten, was er gab, denn sonst würde er kein Wort mehr aus ihm herausbekommen. Aber was konnte er ihm versprechen?

Als er etwa anderthalb Stunden später erneut vor der großen Holztür stand, waren die Wachen glücklicherweise schon fertig. Er hatte es nicht ausgehalten, länger zu warten. Er wollte das hier sowohl so schnell wie möglich hinter sich bringen als auch so früh wie möglich der Lage Herr werden. Dass Raahel diese Diskrepanz der Zeit bemerken würde bezweifelte Jay. Man konnte bestimmt an einer Kerze ablesen, wie viel Zeit etwa vergangen war, aber niemand vermochte es, Minutengenau zu messen, erst recht wenn das einzige Verhältnis Jahre der Beobachtung waren. Die Wachen salutierten erneut und verließen die Holztür ohne weiteren Befehl in Richtung des Korridors um dort zu warten. Jay atmete noch einmal tief durch, bevor er die die Holztür öffnete, die nur angelehnt war.
Der Raum war nicht großartig anders als vorher, nur die Ausscheidungen unter Raahel und er Selbst natürlich hatten sich verändert, wenn man davon absah, dass die Kerze ein kleines Stück kleiner geworden war. Auch war der Geruch zwar nicht besser als vorher, aber er wurde immerhin halbwegs von Seife überdeckt. Ohne weiter zu zögern schritt er gemütlich in den Raum, er ließ sich keine Hektik anmerken, bis er schließlich wieder vor Raahel stand, an der gleichen Stelle wie vorher. Die getätigte Aussage, die ihn bis zu diesem Platz begleitet hatte ließ er für die ersten Momente unkommentiert, bis er dann nach einigem Schweigen das Wort ergriff: "Das kannst du, wie du weißt. Frage ich nicht jedes Jahr nach deinem Alter? Nach deinem Grund, unser schönes Galvanien mit deiner Anwesenheit zu beschmutzen und Hunderte, Tausende von guten Menschen das Leben zu kosten?" Wie sehr würde er sich wünschen, er hätte auch jedes Jahr nach alten Komplizen gefragt, oder Freunde, die entsprechendes konnten, aber er wollte seine Karten nicht direkt auf den Tisch legen. Musste er es aber nicht im Endeffekt? Auf der anderen Seite gab es noch so viele Fragen, die ihn auch interessierte, aber diese fragte er zumeist erst im Verlauf des Tages, den er mal mehr mal weniger bei Raahel verbrachte.
Dass Raahel ihn nicht siezte, war nichts Neues für Jay. Eine Ehre, die sonst nur Freunde und seine neue Familie erwiesen wurde, aber Raahel nahm sich dieses Recht einfach und Jay hatte nicht darum gekämpft. Er wollte keinen weiteren Kampf gegen ihn verlieren, nie mehr wieder.
Und doch stehe ich hier...


Zuletzt von Quaona Leae Ohana am Sa Feb 02, 2019 10:50 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Once upon

Beitrag von Skaelir am Mi Jan 30, 2019 9:30 am

Raahel hörte dem König zu und war sich sicher Verzweiflung in seiner Stimme zu hören. „Du hast dir auch den schweren Weg ausgesucht. Du hattest die Wahl“, erinnerte Raahel ihn an das Gespräch, dass sie vor Jahren geführt hatten. Vor der großen Schlacht hatte er dem jetzigen König angeboten an seine Seite zu treten. Das Leben der Menschen zu verschonen. Er hatte ihm auch alle Wahrheiten angeboten, die er kannte. Jay hatte all dies ausgeschlagen.
Raahel hielt die Augen geschlossen, während sie sprachen, da ihm das Licht immer noch blendete. Er verstand nun Wesen, die die Nacht bevorzugten. Als Junge hatte er sich immer vor ihnen gefürchtet, doch nun war er gewissermaßen selbst zu einem geworden. Welch Ironie…
Dein plötzlicher Besuch spricht von Dringlichkeit und Ausweglosigkeit. Gibt es nicht wichtigeres zu besprechen als mein Alter und meine Gründe. Lass uns über die Monster reden, die deine Untertanen morden“, brachte er es auf dem Punkt. Ein wissendes Lächeln begann auf seine Züge zu treten. Er zwang sich sogar den Kopf zu heben und versuchte für einen kurzen Augenblick sogar seine Augen zu öffnen, doch sofort zwang ihn das blendende Licht der Fackel die Augen wieder zu schließen. Als wollte sie ihn verhöhnen, knisterte das Feuer.
Einen Augenblick wartete er, überlegte, ob er etwas verraten sollte, und entschied sich: „Ich kürze das Gespräch etwas ab. Ich habe das Wissen, dass du brauchst. Lass mich hier raus und ich bin bereit dir zu helfen.“ Dies war seine Bedingung. Vermutlich kannte Jay seine Forderung bereits. Diese war auch nicht sonderlich schwer zu erahnen. Er hatte diese Zelle mehr als satt.
Auch wenn er sich sicher war, dass wenn man ihn von seinen Fesseln befreien würde, er sich nicht auf den Beinen halten können würde. Es war lächerlich. Diese Fesseln waren das einzige, was ihn in einer aufrechten Haltung verweilen ließ. Vermutlich waren nicht nur sein körperlicher Zustand ein Problem, sondern auch sein Augenlicht. Zu sehr hatte er sich an die Dunkelheit gewöhnt. Ihm war bereits aufgefallen, dass er in dem schummrigen Licht der Kerze den Raum besser erkennen konnte, doch hatte er nicht damit gerechnet auf diese Weise damit bezahlen zu müssen, dabei gab es gerade etwas, dass er eigentlich gerne sehen würde. Jays verwunderten Gesichtsausdruck war nur ein Beispiel.
Doch kann ich dir eines versichern: Es ist nicht mein Schaffen, welches dein Volk leiden lässt. Ich habe momentan wichtigere Dinge zu tun, wie du sehen kannst“, räumte er gleich im Vorhinein die Anschuldigung auf. Es war nur naheliegende, dass man ihn verdächtigte für die Geschehnisse verantwortlich machte. Untote und Monster waren schließlich seine Handschrift, mochte man meinen. Doch vergaß das Fußvolk und wohl selbst der König, dass sich selbst Raahel nicht über gewisse Gesetze hinwegsetzen konnte, auch wenn er gerne mit solchen Unwahrheiten prahlte. Dass er allmächtig war und unbesiegbar. Letzteres hatte Jay bereits erfolgreich widerlegt. Es war wohl nur eine Frage von Momenten bis Jay realisieren würde, dass auch ersteres nicht einmal ansatzweise wahr war. Immerhin war Raahel kein Gott.
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Re: Once upon

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Sa Feb 02, 2019 11:06 am

Er hätte ihn nicht zu erinnern gebraucht. Oft überlegte er, Raahel zu fragen, warum er ihn damals verschont hatte, aber wollte ihm nicht diese Macht über ihn geben. Er war ihm nichts schuldig. Nicht für das, was er nicht getan hatte, denn er hatte zu viel getan und so ging Jay gar nicht darauf ein. Er mied das Thema mit der Macht desjenigen, der jederzeit gehen konnte. Er versteckte sich nicht davor, sondern drohte Raahel mit einem Jahr weiterer Abwesenheit. Egal wie sein Gegenüber es sehen mochte, das war die Lüge, die er als Wahrheit verkaufte, durch sein Auftreten und seine Handlungen. Dann schaffte Raahel es tatsächlich Jay zu schocken.

Er hatte hart zu kämpfen, nicht den Mund aufzuklappen, aber wenn es eins gab, was man als Herrscher beherrschte, dann war es gute Mine zu bösem Spiel zu bewahren. Auch wenn ihn Raahel seit seiner Ankunft nicht angeschaut hatte, so verkniff er sich doch jegliche Schwäche. Für einen Moment sah es so aus, als wolle er die Augen öffnen, doch dann schloss er sie sofort wieder. Ein Machtspielchen war das sicherlich nicht, dafür hatte er zu wenig hier unten zu sehen, als dass er sich ein frisches Gesicht für die nächsten Wochen nachdenken entgehen lassen würde. Während Jay noch verdaute, was er gerade gehört hatte, setzte Raahel mit seiner Forderung nach.

Jay lachte bitter auf, nicht weil etwas witzig, sondern um zu zeigen, wie absurd seine Forderung war. Dann setzte er zu seiner Antwort an: "Es muss schon mehr passieren als ein paar Angriffe auf kleine Dörfer, damit du jemals wieder das Tageslicht erblicken wirst, Raahel." Seine Stimme war fest, zeigte kein Zeichen von Schwäche oder Verunsicherung. Er würde ihm keine Macht über das Gespräch geben. "Aber es wundert mich, dass du von Monsterangriffen sprichst. Es gibt kein Anzeichen von Monstern in den Dörfern, also sag mir, wie kommst du auf Monster, wenn du es nicht gewesen sein willst?" Natürlich hatte er Berichte über alles Mögliche bekommen, vermehrt über Untote, aber fürs Erste musste er nur versuchen, möglichst viele Informationen aus Raahel rauszubekommen, ohne Zugeständnisse zu machen. Er würde ihm schließlich nicht ohne weiteres alles erzählen, was er wusste.
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Re: Once upon

Beitrag von Skaelir am So Feb 03, 2019 1:22 am

„Zeit ist in meinen Augen etwas, wovon ich sehr viel besitze“, erwiderte Raahel gönnerhaft. Er hatte bereits Jahre in dieser dunklen Zelle verbracht. Für ihn war Zeit keine Konstante mehr. Es gab keine Sonne und keinen Mond in dieser Finsternis. Ob er nun Monate oder Jahre wartete, spielte für ihn keine Rolle mehr. Für ihn war alles eine undefinierte schwarze Masse. Lediglich der schwache Schein der Kerze konnten ihm eine vage Vermutung geben, wieviel Zeit vergangen war, doch selbst sie war kein zuverlässiges Mittel. Leider war selbst diese nicht immer da. Es gab Zeiten, da fristete er sein Dasein in völliger Dunkelheit.
Ich dachte immer du seist ein Mann des Volkes, jemand der sich auch um die einfachen Bauern am Rande der Zivilisation“, spottete Raahel und verwendete dabei ähnliche Worte wie sie benutzt wurden, um das Volk Galvaniens gegen ihn aufzustacheln und sie aus ihrer Furcht zu befreien. „Stattdessen lässt du die armen Menschen leiden und schließlich verrecken, nur weil du deinen Rachefeldzug fortsetzen möchtest.“ Ein abfälliges Schnauben kam über die Lippen des Tyrannen, während ein selbstgefälliges Lächeln auf seinem Gesicht zu wachsen beginnt. „Ich hätte dich nicht für derart hinterhältig und egozentrisch gehalten. Das schockiert selbst mich“, behielt er den Spott bei, während sich sein Ton zunehmend sarkastisch schockiert färbte.
Was sollte dich denn sonst derart außernatürlich zu mir führen?“, fragte er und die Reaktion der Wachen, die fehlende geruchliche Vorbereitung und sein Zustand waren ein merkliches Indiz dafür, dass etwas im Busch war und dieses etwas bestimmt nichts Freudiges war. In Raahels Augen gab es gar keine andere Option, die ihn hierherführen könnte, als nicht diese Geschehnisse. Zugegeben Jay verunsicherte Raahel gerade merklich, doch egal, wie er es drehte und wendete, ihm kam kein anderer Grund für seine Anwesenheit. Vermutlich bluffte der junge König nur und wollte mehr aus ihm herauskitzeln.
Manchmal glaube ich Stimmen zu hören. Sie erzählen mir dann immer von den Geschehnissen außerhalb meines kleinen persönlichen Reiches. Sie kümmern sich ganz wunderbar um mich seit ich nicht mehr so oft rauskomme“, sagte er zynischer als er angedacht hatte. An seinen Witzen musste er wohl wieder etwas arbeiten. Konversationen gehörten nicht mehr zu seinen Stärken, besonders die Kunst der ungezwungenen Unterhaltung war ihm immer mehr abhandengekommen, doch auch wenn dieses erste Gespräch zu nichts führen sollte, war sich Raahel sicher, der König würde zurückkommen. Die Vorfälle würden sich häufen und schlussendlich würden größere Monster kommen, die Städte den Erdboden gleichmachen würden oder Horden von besessenen Söldnern würden befestigte Anlagen in Flammen aufgehen lassen. Es war nur eine Frage der Zeit und wie Raahel bereits angemerkt hatte: Seine Zeit war es nicht, die ihm wie Sand durch die Finger glitt. Er würde warten können oder sogar müssen bis die Welt brannte, ehe seine Fesseln verrostet und er vergessen war. Er würde sich an eine andere Welt gewöhnen müssen, doch damit würde er sich abfinden müssen, egal wie sauer ihm dieser Gedanke auch aufstieß. Lieber würde er diese Zukunft verhindern, doch lag dies momentan nicht in seiner Hand.
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Re: Once upon

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr Feb 08, 2019 11:26 am

Raahel redete spottend auf ihn. Er hatte Recht, aber eben auch Unrecht, Jay war sehr um sein Volk besorgt, aber er würde es ihm niemals antun, Raahel freizulassen, das war er ihm schuldig. Schwer ballte er eine Hand zur Faust, nur um sie kurz danach wieder zu öffnen, Raahel wusste, wie er ihn zu triezen hatte, dass es weh tat und trotzdem ließ er ihn ausreden. Es war eine der stillen Regeln, die er selbst geschaffen hatte, während seiner Anwesenheit genoss Raahel ein wenig Lebensqualität, er hatte jemanden zum Reden, er wurde gewaschen, er bekam sein Wasser und sein Brot, alles nur, um ihn besser dastehen zu lassen. Schon lange hatte er die Hoffnung aufgegeben, dass Raahel sich erklären würde, aber eine Ewigkeit war eine lange Zeit. Man wusste nie, wann jemand brach. Dennoch ließ Raahels ewige Selbstüberzeugung vermuten, dass es noch eine sehr lange Zeit dauern würde, bis dies geschah. Er würde warten können.
Stimmen? Dreht er durch? Magie kommt hier nicht durch, dies ist der massivste Elementarkristall, den Galvanien je gesehen hat... Lügt er mich an? Warum eigentlich nicht, es wäre nicht das erste Mal, bei weitem nicht. Und trotzdem... es stimmt zu genau, was er sagt... Eine kurze Stille entstand, in der Jay wartete, ob Raahel noch weiter reden wollte. Sein Gegenüber liebte es Pausen zu machen, um seiner Aussage Wirkung zu verleihen, doch tatsächlich schien er zuende gesprochen zu haben. Wie so oft ging er nicht auf Raahels Spotterei ein. Das hatte er inzwischen gelernt, doch versuchte er es trotzdem jedes Jahr erneut. Nachdem er die Pause noch ein wenig verlängert hatte, um seine Worte zurecht zu legen, setzte Jay zu seiner Antwort an: "Ich finde es spannend, dass dir Stimmen erzählen sollen, was im Land vorgeht. Bist du dir sicher, dass du nicht deinen Verstand verlierst? Oder hast du solche Angst vor jemandem mit diesen Fertigkeiten? Ich könnte das für dich erledigen, du weißt, ich habe schon einen mit deinen Fertigkeiten besiegt." Theatralisch ließ er die letzte Aussage im Raum stehen, natürlich wusste Raahel, wer damit gemeint war und vielleicht würde Jay ja mit etwas Spott Informationen aus dem sehr eitlen Mann herausbekommen. So manch kleines Mal hatte er sich schon verplappert, auch wenn er den Bösewichten aus den Geschichten oftmals im bösen Monolog deutlich nachstand, leider. Er war wahrlich nicht der Märchenfeind, den sich jeder gute Herrscher wünschte, um sein Volk zu retten und als Held dazustehen.
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Re: Once upon

Beitrag von Skaelir am Sa Feb 09, 2019 1:35 am

Es war immer noch die Stimme, die bei ihm war. Jay ging nicht, ob Raahels Spotts. Er verharrte, blieb stehen und doch bemühte er sich mittlerweile immer mehr darum ruhig zu bleiben. Der Junge lernte dazu und ließ sich nicht mehr provozieren, zumindest war es das, was Raahel in seiner Situation mitbekam. Er konnte keine Mimik und keine Gestiken deuten, da er sie nicht hörte und das grelle Licht der Fackel verhinderte das Öffnen seiner Augen. Er ließ es nicht nach außen scheinen, doch fühlte er sich in diesem Moment seltsam unsicher, da er keinerlei Kontrolle über den Ausgang hatte. Das Einzige, was ihn davon abhielt aufzugeben, war der Ausblick auf eine sichere Zukunft außerhalb dieser Zelle seine letzte Stütze.
Vielleicht werde ich das ja oder die Stimmen sind sehr real“, antwortete er verheißungsvoll und deutete damit einen Verräter in den eigenen Reihen an, jemand mit Zugang zu dem Schlüssel, der in diesen raum kam. „Das ist wohl eine Vertrauenssache“, meinte er und lachte leise in sich hinein. „Nun, wenn dir nur jemand mit meinen Fähigkeiten gegenübersteht, hast du ja offensichtlich keine Probleme und bist sehr versiert in diesem Bereich“, erwiderte er gönnerhaft und grinste weiter als hätten diese Worte einen seltsamen Witz in sich verborgen, den nur er verstehen konnte. „Ich hoffe für dich, dass er ähnliche Beweggründe hat wie ich, ansonsten sehe ich fürchterlich schwarz“, gab er ihm Preis, wäre da nicht ein kleiner Fakt, würde Raahel nicht hier hängen, sondern Jays Kopf wäre schon lange von seinen Schultern abgetrennt worden, doch so musste Raahel sein Schicksal ertragen. „Ich wünsche dir allerdings viel Glück damit meinen potenziellen Nachahmer zu beseitigen. Hoffentlich hast du mehr Erfolg wie dein Vorgänger. Wir wissen ja beide wie das geendet hat“, schnurrte er. Der König konnte ihn nicht mit seinen Waffen schlagen. Hierzu müsste Raahel viel weniger Informationen haben über das, was vor dem jungen Mann lag. Vielleicht, wenn der Magier verzweifelter wäre, würde er auf diese Spielerei hereinfallen und obwohl Raahel seine momentane Situation nicht als Machtposition bezeichnen würde, fühlte er sich dem Jüngling doch etwas überlegen. Der Grund war einfach: Raahel kannte die Vergangenheit und die Geschichte wiederholte sich. Die Dinge die jetzt passierten, waren schon einmal passiert, doch leider wurden alle Aufzeichnung zu jenem Zeitalter vernichtet oder sehr gut versteckt. Die königliche Bibliothek oder die Universitäten des Reiches hatten keinerlei Informationen zu jenen Geschehnissen.
Zugegeben ich genieße dieses Spiel. Wie lange möchtest du es spielen?“, fragte er und in seinen Spott wandelte sich in einen väterlichen Ton, der mit seinem Sohn sprach, da dieser ein sehr kindliches Spiel mit ihm machte, welches er nur verlieren konnte.
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Re: Once upon

Beitrag von Quaona Leae Ohana am Fr Feb 15, 2019 12:35 pm

Raahels Anspielung eines Verräters brachte Jay fast dazu laut aufzulachen. Wenn es eines in diesem Land nicht gab, dann waren es Unterstützer von ihm. Alle Wachen, die er ausgewählt hatte hatten wichtige Familienmitglieder verloren gehabt, das war kein Zufall - darauf hatte Jay geachtet. Es war eine stille Vorraussetzung für die zweifelhafte Ehre gewesen, Stunden in diesem Loch zu verbringen und den Gestank zu ertragen. Er hoffte zwar, dass ihr Hass auf den Mann sie dazu brachte, der Situation etwas Gutes abzuringen, aber er wusste auch, dass viele, viele Menschen mit seiner Entscheidung nicht einverstanden waren, Raahel leben zu lassen. Sie wussten nicht, was er wusste... Abgesehen davon war jedem bewusst, was passieren würde, wenn man Raahel half.

Wenig später hörte Jay die gleiche alte Leier, die er oft hörte. Raahel konnte gar nicht genug davon kriegen, ihn mit Infos darüber zu ködern, dass er dem Land nur Gutes wollte. So abwegig es für die Meisten auch klingen mochte, aber Jay glaubte ihm tatsächlich. Das lag an verschiedenen Gründen, seine Fixierung auf Galvanien zum Beispiel. Er hatte nie Anstalten gemacht andere Länder zu erobern. Das andere Länder ihn trotzdem mitgestürzt hatten war wohl nicht Teil seines Planes gewesen, aber vermutlich hatte er nicht die Masse an Unterstützung erwartet, die Jay erreicht hatte. Allerdings halfen ihm diese Anspielungen nicht weiter und mehr gab Raahel nicht von sich. Gerne hätte er behauptet, schon lange damit klar zu kommen, aber dem war nicht so. Es gab noch so viel in diesem alten Mann, dass er herausbekommen müsste... Erneut wagte er einen Versuch:
"Deine Zuversicht, muss ich zugeben, verwirrt mich. Was lässt dich glauben, dass es für dich oder mein von dir ach so innig geliebtes Galvanien gut ausgeht, wenn du schweigst, geschweige denn Recht haben solltest? Es wirkt mehr so, also würdest du mich anlügen, mal wieder um genau zu sein um mir Angst zu machen. Du bist nicht dumm, wenn auch verkommen, in den letzten Jahren hast du gemerkt, dass es nichts bringt, mir Angst zu machen. Wie wäre es, wenn du mal versuchst, mir die Wahrheit zu sagen, vielleicht würde das ja was ändern." Unkommentiert ließ er die letzte Aussage im Raum stehen. Es war, wie Raahel formuliert hatte, ein Spiel. Es gab keine Regeln, außer die, die man sich selbst aufgab - und doch folgten ihre Treffen einer gewissen roten Linie, einer Regel, wenn man so wollte. Raahel, der log und spottete, Jay, der alles daran tat, nicht zu zeigen, dass er alles tat, um Informationen zu bekommen. In gewisser Weise war er ein Gefangener, sobald er Raahels Zelle betrat. Gefangen in einem Spiel, das er nicht spielen wollte, aber seinem Volk schuldete. Er ertrug den Spott und den Schmerz, den er hier unten empfand, um dem Schmerz zu entgehen, nicht alles versucht zu haben.
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Re: Once upon

Beitrag von Skaelir am Do Feb 21, 2019 12:44 am

Verwirrung ist doch nur ein Synonym für deine Hilflosigkeit“, erwiderte er altklug. „Dummer Tor. Nur weil mir an der Weltherrschaft nichts liegt, denkst du also mir würde an diesem Fleckchen Erde etwas liegen?“ Tatsächlich waren weder die Menschen, noch die Mineralien für Raahel von irgendeiner Bedeutung. Für ihn war das alles nur ein Opfer – ein zugegebenermaßen kleines Opfer, wenn er das Kommende abwenden hätte können.
Wen willst du mit deinen Worten überzeugen?“, antwortete er ruhig. „Willst du einen Gefangenen davon überzeugen, dass du keine Angst vor ihm hast?“ Er wollte Jay die Lächerlichkeit seiner Worte vor Augen zu führen. Um seine Worte noch ein wenig zu unterstreichen, bewegte er seine dürren Arme, sodass ein geisterhaftes Rascheln den Raum erfüllte. Gleichzeitig verzog er das Gesicht schmerzhaft, da die Ketten an den Gelenken und Nerven rieben. Seine Mimik bekam er allerdings schnell wieder unter Kontrolle.
Vielleicht erzähle ich dir die Wahrheit nicht, weil du sie mir nicht glauben würdest? Oder ich tue es nicht, weil du mich dann an den Henker ausliefern würdest. Wie wäre es wenn du dir ein Angebot überlegst..“ Gegen Ende brach Raahels Stimme ab und wurde auch sehr rau. Er räusperte er sich in dem Versuch seine Stimme wieder zu finden, doch wurde aus dem Räuspern ein kränkliches Husten kam. Raahels Hals begann zu kratzen. Langsam begann er den Preis für seine Unterhaltung zu zahlen.
Als er nun weiter sprach war seine Stimme nicht viel mehr als ein Krächzen. „Vielleicht weiß dein Gott Antwort.“ Es war unüberhörbar, dass Raahel nun die Kraft verließ. Immerhin war er es nicht mehr gewohnt so viel zu sprechen. Anschließend holte er noch einmal tief Luft. „Wir sind fertig“, erhob er ein letztes Mal die Stimme mit einer Stärke, die ihn selbst verwunderte. So viel Kraft hatte er sich selbst nicht mehr zu getraut. Selbst seiner Zelle schien es so zu ergehen, denn seine Stimme klang im Raum nach, ihr eine unheimliche Bestimmtheit verleihend.
Ob Jay Ajani aufsuchen würde? Vermutlich zog er es vor zu schweigen, da er Gerechtigkeit bereits walten hat lassen und in seiner Ignoranz würde er den kommenden Geschehnissen keinerlei Aufmerksamkeit zukommen lassen. Die Augen des Löwengottes würden sich erst auf Galvanien richten, wenn das Ende über sie gekommen war und Cauldrony mit ihrem Blut den Himmel rotfärbte. Doch gab es eine Prophezeiung vor dem Tempel der Götter. Eine Steintafel aus knochenbleichem Stein, die die Natur nicht zu berühren wagte. Raahel erinnerte sich nicht mehr an die Worte, noch an ihre Bedeutung. Sie waren der Schlüssel. Die Lösung.
Je mehr er versuchte sich an die Worte der Prophezeiung zu erinnern, desto mehr schien sie aus seinem Gedächtnis zu weichen und desto schwerer legte sich die Müdigkeit auf ihn. All die gesprochenen Worte und die geforderte Aufmerksamkeit zerrten an ihm. Wäre er in einer besseren Situation würde das Gespräch anders verlaufen, wäre er nicht in Ketten.. wäre Vergangenes nicht geschehen…
Skaelir
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