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Amazonenlegenden

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Beitrag von Jaiva am Sa Mai 19, 2018 9:39 am

das Eingangsposting lautete :

Es war einmal, wird einmal, wird niemals werden.


Und Vinu und Melva gedachten derer, die ihr Dasein verzweifelt und ohne Hoffnung im Schatten fristeten, denn sie liebten alle ihre Kinder gleichermaßen, ganz gleich wer sie auch waren; glücklich wollten sie sie sehen, denn die Tage jener Zeit waren dunkel und die Nächte bitter für jene, die nicht mehr wussten wohin sie sich wenden sollten.

Tag und Nacht suchten sie nach einer Möglichkeit wie sie dieses Wunder bewirken konnten, doch selbst sie als Göttliche – ganz gleich wie mächtig sie auch waren – konnten ohne einen Funken schöpferischer Inspiration etwas derartiges vollbringen. Selbst ihnen war es nicht möglich mit einem Gedanken allein Leid und Trauer und Sorgen von ihren Kindern zu nehmen, denn die Kinder waren frei und so sollte es auch bleiben.
Nach einer langen Zeit des fruchtlosen Sinnierens empfanden die Göttlichen selbst eine große Schwere, die sich über ihre Herzen gelegt hatte und so beschlossen sie eines schönen Morgens ihre Tochter Sola zu besuchen, die sie vergnügt und ohne Sorge in einer Lagune badend antrafen.

Da fragten sie Sola warum sie so glücklich sei und sie sagte ihnen bald, dass ihr gerade ein hübscher Gedanke gekommen war.
Jeder Tag, meinte sie strahlend, sei eine Pforte zu neuen Gedanken und Möglichkeiten. Ganz gleich wie dunkel die Nacht auch gewesen sein mochte, ein neuer Tag folgte ihr nach. Immer und immer wieder.
Ohne sich in ihrem Spiel stören zu lassen meinte sie weiter: Ein neuer Tag ist das größte Geschenk, das ich zu teilen habe.
Da lächelten Vinu und Melva, die gerührt von den klugen Worten ihrer Tochter waren und sieh da! Sie fühlten sich tatsächlich leichter.
Ein Gedanke später löste sich ein Funke ihrer unendlichen Gnade und fiel auf das Wasser und mit einem Mal war der Morgen voller Licht, Musik und Leichtigkeit.

Um diesen Tag niemals zu vergessen machten sie ihren Kindern diesen Ort zum Geschenk und ließen die Kunde verbreiten: Jede Frau, die sich von ihren Gedanken befreien wollte, solle bei Tagesanbruch zu dieser Lagune kommen, ins Wasser steigen und jeden einzelnen dieser Gedanken beim Namen nennen. Auf diese Weise würden sie sich von ihnen reinwaschen können.
Und die Kinder der Göttinnen kamen, erst vorsichtig doch bald schon immer zahlreicher bis die Lagune voller Lachen und kein einziger übler Gedanke mehr geblieben war.

„... So wird es hier im Dorf von einer Hohepriesterin zur anderen weitergegeben auf dass nie vergessen werde welche Wunder die Götterschwestern mit uns, ihren Kindern, teilten“, erzählte die Hohepriesterin Nesrin an der Schwelle der luftigen, in schwindelerregender Höhe erbauten Hütte, die auf einer Plattform zwischen den weit auseinander fächernden Astgabeln errichtet worden war. Schmale Brücken aus Lianen, Hanfseil und Brettern führten zu dieser hin und doch war ein Fehltritt genug um einen Fall aus gut zwanzig Metern Höhe nach sich zu ziehen.
Murmelnd fügte sie an: „... und, dass es immer Hoffnung für diejenigen gibt, die bereit sind sich ihr zu öffnen.“
Keine Stimme antwortete ihr aus dem Inneren der Hütte, doch Nesrin wusste auch ohne Worte, dass ihr ehemaliger Schützling wach war.
Jaiva. Und obschon sie sich von dem Mädchen gelöst hatte, hatte lösen müssen, so empfand sie noch immer tief für dieses. Sie konnte es nicht mitansehen wie sich die junge Amazone immer mehr und mehr ihrem Kummer ergab obwohl noch so viele Möglichkeiten vor ihr lagen. Sie war doch so jung.
Die ältere Amazone ging ohne noch ein weiteres Wort gesprochen zu haben und brütendes Schweigen umhüllte das Baumhaus.

Was für ein Unsinn“, murmelte die Dorne nach einer Weile. „Als ob ein paar Spritzer Wasser den Unterschied machen würden...“
Doch die Hohepriesterin wäre nicht die Hohepriesterin gewesen wenn sie nicht gewusst hätte, dass ein Grundstein genügte um die junge Amazone neugierig zu machen und so geschah es, dass Jaiva nach ein paar Tagen zum Tempel kam, um sich einfach nur so nach diesem Reinigungsritual zu erkundigen.
Freilich erzählte ihr Nesrin auch einfach nur so von dem, was zu tun war.

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Beitrag von Ciaran am Mi Dez 12, 2018 10:15 pm

Ich kämpfte dagegen an, ja gab mir wirklich Mühe, doch das Schmunzeln zeigte sich trotz allem auf meinen Lippen. Nicht einmal mit dieser Redewendung konnte sie etwas anfangen! „Na ein Glück weißt du sonst alles...“ Ich kämpfte immer noch darum nicht loszulachen, aber ich hatte so eine Ahnung, dass sie auch damit nicht sonderlich gut würde umgehen können. Also beschloss ich, es dabei bewenden zu lassen und mich lieber wieder auf die vor uns liegende Aufgabe zu konzentrieren. Doch da hatte ich die Rechnung ein weiteres Mal ohne die Amazone gemacht.
Sie schlug meine Hilfe aus und kletterte alleine weiter. Leicht verdrießlich starrte ich ihr hinterher. Falsche Hand? Was passte ihr denn daran schon wieder nicht...? Und... „Ich habe keine Angst!“, zischte ich ihr hinterher und beeilte mich wieder zu ihr aufzuschließen. Was dachte sie denn eigentlich von mir? Ich? Ein Dunkelelf? Angst? Vor ihr etwa? Pah! „Ich mag nur keine lauten, nervtötenden Geräusche!“, versuchte ich mich in einer halbherzigen Verteidigung und zog mich neben ihr auf den nächsten Ast, eine Etage höher. „Gesunde Vorsicht zählt nicht als Angst.“ Ich war nicht so überheblich mir einzureden, dass unser Unternehmen hier für mich keinerlei Risiko darstellte oder einfach zu bewältigen war. „Und so wie ich das sehe bist du auch noch nicht hier rüber gesprungen!“, erinnerte ich sie und deutete den Ast entlang, bevor ich ein paar vorsichtige, balancierende Schritte in die Richtung machte und mich dann halb zu ihr umwandte um auf sie zu warten bevor der Ast zu schmal wurde. Ganz wohl war mir nicht dabei hier oben zu balancieren, einen Sprung zu wagen und gleichzeitig auf Jaiva achten zu müssen. Denn mein Leben hing nicht nur davon ab, ob ich es schaffte. Ich blickte wieder nach vorne, rang kurz mit mir und warf dann wieder einen halben Blick nach hinten. „Welche...Hand ist denn die richtige?“
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Beitrag von Jaiva am Do Dez 13, 2018 8:04 am

Was sich an diesem Tage zugetragen hatte war wirklich über alle Maße befremdlich. Je länger Jaiva mit Ciaran unterwegs war, desto verwunderlicher und auch bizarrer wurden die Situationen, in die sie geriet. Die verschiedensten Gefühle hatte der Lerchossohn bereits hervor gelockt, hatte sie gereizt, verspottet und zum Lachen gebracht... und jetzt waren sie hier, am alten Liederbaum und wollten mithilfe seiner Äste auf die andere Seite des Flusses gelangen. Wie zwei Eindringlinge waren sie, bewegten sich heimlich und kletterten schnell und flink wie Tiere den Stamm des Baumes hinauf. Und da war noch etwas, etwas, das die dornige Amazone nie und nimmer zugegeben hätte - sie genoss dieser Abenteuer viel zu sehr. Die Gefahr entdeckt und gefangen genommen zu werden war zwar genauso wirklich aber wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann war es einfach nur schön gemeinsam durch den Wald zu pirschen. Flüssige Aufregung in den Adern. Nervosität. Begeisterung. Jaiva war weit davon entfernt ein ängstliches Mädchen zu sein - spätestens als sie zuletzt beim Federflug durch die Nacht gejauchzt hätte, hätte dies dem jungen Mann dämmern müssen.

Jetzt kletterte sie ohne seine Hilfe und war nicht einmal absichtlich gemein zu ihm. Den Hintergrund dieses Verhaltens erklärte sich alsbald von selbst, denn kaum da sie den großen Ast erreicht hatten und Jaiva neue Zweifel in ihm anschwellen spürte, deutete sie mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die 'richtige' Hand nur um ihm dann ihre 'richtige' zu zeigen. Die Hand ohne Dorn darin. Die rechte. Sie hatte ihn einfach nicht verletzen wollen, denn ihre linken Hand hatte sie ihm nicht geben wollen. Und sie hatte auch nichts dagegen wenn...
Ihrer Geste hielt sie allerdings nicht davon ab ein mürrisches 'Pffff' zu machen und mit nach links unten verzogenen Lippen anzufügen: „Ich wollte das einfach nicht alleine machen. Das ist alles.“
...ja, sie hatte nichts dagegen wenn Ciaran ihre Hand hielt. Selbstverständlich nur jetzt. Weil es besser so war. Bevor sie sich noch unentschieden konnte oder er, war es nun sie, die nach seiner Hand griff - wie so oft war dies ein Moment, in dem widersprüchliche Gefühle in ihr anschwollen. Sie fühlte sich zugleich behaglich wie auch unbehaglich. Unzufrieden und zufrieden. Sicher und unsicher. Ein Hungerteufel hätte gewiss seine Freude an dem steten Wechsel, dem Übereinanderstürzen, gehabt. Ciaran aber benötige keine Aurenlesefähigkeit um in die Dorne hineinzusehen.

Mit nunmehr verwobenen Fingern galt es der Gefahr ins Auge zu blicken - den langen Ast entlang, bis zu seinem Ende, kräftig abzuspringen und dann im freien Flug, entschlossen und furchtlos, einen fatalen Sturz in den Fluss zu vermeiden und dann auf der anderen Uferseite ins Gras zu rollen. Ganz leicht, ...oder? Man durfte einfach nicht den Fehler machen und die reißenden Steinspitzen ansehen, hinunter in die Tiefe zu blicken, die Länge des Sprungs abschätzen zu wollen, ihn auf Machbarkeit zu prüfen... oder an sich zu zweifeln. Jaivas dunkle Stirn hatte sich in Furchen gelegt, denn sie wollte der jäh in sich flackernden Unsicherheit nicht nachgeben. Dennoch war sie da als sie im Brustton der Überzeugung eine weitere, gleichermaßen melodische wie auch unverständliche Amazonen-Lebensweisheit zum Besten gab, die sich nicht wirklich übersetzen ließ. Sie sagte nur: „Furchtlos fliegen.“ Es klang fest und ernst, und sie drückte dabei seine Finger.
Wir rennen und springen und schaffen es“, sagte sie aber eigentlich klang es mehr nach einer Frage. Wenn er den Wind rufen würde, dann..., ja, dann wäre es ganz leicht. Dies war auch der Moment in dem sie ihn mit murmelrunden, offenen Augen ansehen würde, Mädchenaugen, die die Kunst vervollkommnet hatten um etwas zu bitten ohne Worte zu benutzen.
Ruf die Götter. Frage nach den Winden. Lass uns fliegen!

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Beitrag von Ciaran am Do Dez 13, 2018 10:11 pm

Es war, als hätte mich ein kleiner Blitz getroffen. Zumindest stellte ich mir vor, dass es sich so anfühlen könnte, wenn das geschah. Aber anscheinend reichte es auch schon aus, wenn eine Amazone sich dazu herabließ meine Hand zu ergreifen, um mein Herz zum stolpern zu bringen und mich für einen Moment das Luftholen vergessen zu lassen. Vor Schreck vermutlich. Wahrscheinlich. Ganz sicher. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen und einem Kloß im Hals spähte ich zu ihr hinüber. Was wohl in diesem Moment in ihrem Kopf vorging? Mein vorgeschobener Ärger war verraucht und auch meine absolut notwendige, trotzige Ablehnung war für einen Moment vollkommen aus meinem Gedächtnis gestrichen, während mein Blick über ihr Profil glitt, über ihre schwarzen Haare, die hohe Stirn und ihre fein geschwungenen Lippen. Die gleiche Aufregung, die Jaiva beim Gedanken an unser Abenteuer verspürte, begann auch durch meine Adern zu pulsieren. Ich blinzelte. Was...war das? Ich fühlte mich nervöser als vor meinem ersten Kampftraining! Mein Blick wich zur Seite, nur um kurz darauf wieder Jaivas Antlitz zu suchen. Was zum Henker...? Schon teilten sich meine Lippen, um ihr eine entsprechende Frage zu stellen, doch dann zögerte ich. War das wirklich ihr Gefühlsleben? Oder doch meines? Dann wäre meine Frage mehr als peinlich. Oder...unser beides? Ich schüttelte leicht den Kopf. War es denn wirklich möglich, dass es mir inzwischen schwer fiel das zu unterscheiden? Aber Nervosität? Bitte! Warum denn? So gefährlich war der Sprung nun auch nicht! Mit ein paar Amazonen sollte ich auch noch fertig werden! Und alles andere... Kinderspiel! Oder...? Jaivas Hand schloss sich einen Moment lang enger um meine und wieder hatte ich das Gefühl, dass mein Herz kurz einem anderen Takt folgte, als würde es eine neue Melodie ausprobieren wollen und sich dann doch nicht durchsetzen.

Ich sah sie an. Konnte in diesem Moment gar nicht anders und schluckte. „Furchtlos... fliegen“, wiederholte ich ohne den Sinn und die Bedeutung der Worte wirklich zu begreifen. Viel zu sehr war ich damit beschäftigt die verschiedenfarbigen Seelenspiegel zu betrachten und mich in grünen Tiefen zu verlieren, die mehr Farbfacetten aufzuweisen schienen als das Blätterdach über unseren Köpfen. Mein Mund wurde trocken und schon wieder war mein erster Reflex den Blick abzuwenden als könnte Jaiva in meinen Augen etwas lesen, das sie nicht eh anderswo schon erspürt hatte. Aber ich schaffte es einfach nicht. Und das flaue Gefühl in meinem Magen schien sich zu einem brennenden Stein wandeln zu wollen. Ich spürte einen drängenden Wunsch in mir aufsteigen und als hätte der brennende Stein Feuer geleckt fand er eine Resonanz zu Jaivas Emotionen und loderte nur noch heftiger auf. Es war erschreckend. Und ja, es machte mir Angst, aber sobald ich das erkannt hatte, versuchte ich auch schon wieder es mit aller Macht niederzukämpfen. Nachher glaubte Jaiva noch ich hatte tatsächlich Angst vor diesem Sprung! Voller Entschlossenheit war nun ich es, der ihre Hand umklammerte. „Na wenn wir beide keine Angst haben kann es ja losgehen.“ Mein Herz hämmerte so laut, dass jede Amazone in diesem Dschungel es hören musste, als ich mich ruckartig abwandte und versuchte mich mit dem bevorstehenden Sprung abzulenken. Wir rennen und springen und schaffen es. Wieder ein Stolpern. Ein Schlucken. Ein Brennen, dieses Mal auf meinen Wangen, während ein Wort durch meinen Geist pulsierte: Zusammen.
Kurz dachte ich an Jaivas Glücksgefühl, als wir uns in der Luft befunden hatten und ohne mein Zutun legte sich erneut ein Lächeln auf meine Lippen. Und auch wenn ich es niemals zugegeben hätte, ich wollte das noch einmal spüren. Nicht Glück an sich, nicht mein Glück. Ihres. Beinahe hätte ich über mich selbst gelacht. Was waren das nur für dumme Gedanken? Vollkommen irrwitzige, abwegige Gedanken! Torheiten! Und doch erhob sich ein seichter Wind um uns herum und steifte als verheißungsvoller Vorbote durch die Blätter des alten Baumes ohne dass ich bewusst etwas dazu getan hatte. Aber das brauchte er wohl nicht, denn egal wie sehr ich irgendetwas zu verbergen versuchte, der Wind - mein ältester und treuester Gefährte - schien auch noch die tiefste Wahrheit zu erkennen. Und so frischte er weiter auf und lockte uns mit dem Versprechen uns zu tragen. „Willst du alleine abspringen oder ...soll ich...dich wieder...?“ In den Armen tragen? Was war daran jetzt schon wieder so schwer auszusprechen? Ich verstand es nicht. Ich verstand mich nicht. Aber es zog mich nun umso heftiger zum Ende des Astes und sobald Jaiva ihre Entscheidung verkündet hatte gäbe es kein Halten mehr - so oder so. Auch wenn es mir eindeutig lieber wäre sie möglichst nahe bei mir zu wissen. Natürlich war es das. Das nannte man schließlich Überlebensinstinkt....oder?
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Beitrag von Jaiva am Fr Dez 14, 2018 10:37 am

Manchmal, ganz ehrlich, manchmal fragte sich die dornige Amazone was bloß mit Ciaran los war. Warum war er so… so…?! Was sollten diese Blicke? Klebte ihr doch noch eines dieser Egel in ihrem Gesicht und warum wurde sie noch nervöser? Furcht lag ihr fern, doch der bevorstehende Sprung machte sie gleichermaßen atemlos wie er auch eine große Faszination auf sie ausübte. Diese Gefahr rief nach ihr mit unwiderstehlicher Stimme und sie fühlte sich für einen Moment aus dem Konzept gebracht weil sie der Lerchossohn ansah.
Was schaust du so blöd?, lag es ihr auf der Zunge, doch diese verhängnisvollen Silben sollten ihr nicht über die Lippen kommen, denn sie blinzelte lediglich – für ihn Anzeichen genug um zu erkennen, dass sie sein Echo gehört hatte und es sie verwunderte.

Doch dann wiederholte er ihre beiden Worte und sie nickte voller Nachdruck. Ja! Furchtlos fliegen, das würden sie tun müssen! Aber… hörte er ihr überhaupt zu? Noch immer sah er mit einem befremdlichen Ausdruck in den Augen an und sorgte für einen kurzen, überaus irrwitzigen Augenblick dafür, dass das Rauschen des nächtlichen Waldes leiser zu werden begann.
W-was was ist denn?, empfand sie, spürte ihr Herz so rasch und heftig schlagen wie der Flügelschlag eines Kolibris. Die Stille zwischen ihren Worten und den seinen begann sich auszudehnen, mehr und mehr an Größe zu gewinnen. Ein Schauder rieselte zwischen ihren Schulterblättern hinab und sorgte dafür, dass sie mit dem großen Zeh eines Fußes über den Knöcheln ihres anderen rieb. Doch dann war der Moment vorbei; sie spürte den Druck seiner Hand und nickte, froh über jede einzelne Silbe, die ihm über die Lippen kam.
Ja!“, beeilte sie sich ihre Zustimmung hörbar zu machen und blickte an Ciarans anderer Seite vorüber als er seine Aufmerksamkeit auf den bevorstehenden Sprung lenkte. Jaiva sah ihn nicht lächeln, doch sie spürte seine Zufriedenheit dennoch – ein hauchfeines Rauschen eines wogenden Gräsermeeres, von einem zarten Wind zerzaust. Eben jener Wind, der an ihrer Gestalt zupfte, das Nachtschattenhaar tanzen und die Federn darin fliegen ließ. Das feine Gefüge kitzelte ihre Schulter und streifte auch den jungen Mann. Ihre Augen, sie wurden vor Ergriffenheit, Entzücken und Faszination groß und rund, denn sie ahnte was dies zu bedeuten hatte. Ciaran, e-er hatte den Wind gerufen! Ihr Herz, es flatterte heftig gegen ihr Rippengitter und eine rasch in ihr anschwellende Vorfreude begann sich in ihr auszubreiten. Fliegen, sie würden fliegen!

Für gewöhnlich hätte sich die Dorne nach Strich und Faden gegen diese im Raum stehende Unverschämtheit gewehrt, denn natürlich wollte sie es alleine schaffen; aber… die Dinge standen anders.
Ja!“, brach es aus ihr heraus kaum da er in seiner Frage abgebrochen war und bevor sie sich allzu tief in dem Gedanken verlieren konnte was all das zu bedeuten hatte. Dass sie damit sowohl das Eine als auch das Andere hätte meinen können dämmerte ihr herzschlagsdrauf und sie fügte ebenso rasch hinzu: „Tu‘  es!“
In ihrer Stimme bebte großer Nachdruck und auch ihr Innerstes sprach dieselbe Sprache – in diesem Augenblick gab es nichts, was sie mehr gewollt hätte, daher war es wohl auch kaum verwunderlich, dass sie noch eine halbe Fußlänge näher an den Lerchossohn heranrückte, der den Wind reiten konnte. Wenn ihm diese Gabe geschenkt worden war, dann musste er mit den Göttern sein – wie auch immer das sein konnte. Wie bizarr diese Situation doch war, denn sie, die den jungen Mann zu überragen wusste, sah ihn voller Begeisterung an, verfügte er doch über eine Macht, sie mit einer Ehrfurcht erfüllte; eine Macht, die so viel größer als jedwedes Gebet war, denn sie hatte sie an ihrem eigenen Leib gefühlt. Sie war echt.

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Beitrag von Ciaran am Fr Dez 14, 2018 9:56 pm

Ich hatte gehofft etwas derartiges zu spüren. Trotzdem wurde mir beinahe schwindelig bei dem, was dann über das Band zu mir herüber schwappte - und beflügelte mich noch weiter. Erneut beschleunigte sich mein Herzschlag und schien sich damit Jaivas anzupassen. Das war ja wirklich schon beinahe beängstigend in sich! Doch ich hatte weder Zeit noch Lust mir mehr Gedanken zu machen, zumal ich von etwas ganz anderem abgelenkt wurde. Das Beben in Jaivas Stimme schien sich in meinem Innersten weiter zu verbreiten und als sie auch noch näher trat wurde mir noch mulmiger. „Tu es“, drang ihre Stimme an mein Ohr und für einen Augenblick fragte ich mich doch wirklich was genau sie meinte. Aber mein Kopf war voller Gedanken und gleichzeitig so leer, dass ich es nicht sofort zu sagen vermochte. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich mich schon einmal so gut gefühlt hatte wie in diesem Moment, wo ich ihre Euphorie ebenso spürte wie meine Freude über diese Tatsache. Niemals. Niemals hätte ich so etwas gedacht. Und das in so einer paradoxen Situation! Mein Blick glitt erneut zu ihren Augen, doch dieses Mal zwang ich mich, mich in Bewegung zu setzen, bevor wieder etwas merkwürdiges geschehen konnte.
Ich hob sie hoch, wunderte mich dabei selbst darüber wie leicht und natürlich diese Bewegung sich anfühlte und wie mir vorhin nicht hatte auffallen können wie gut sie roch. Nicht nur um noch einmal all meine Kraft zu sammeln atmete ich tief ein. Dann versuchte ich alles andere auszublenden und mich auf den vor mir liegenden Weg zu konzentrieren. Gar nicht so leicht, wenn man etwas so...warmes in den Armen hielt und ständig der Gefahr ausgesetzt war abgelenkt zu werden. Mein erster Schritt war noch etwas unsicher auf dem plötzlich viel zu dünn erscheinenden Ast, doch dann besann ich mich wieder auf meine Ausbildung. Meine Schritte wurden schneller und sicherer, auch wenn der Weg vor uns immer schmaler wurde. Das Holz neigte sich gefährlich unter unser beider Gewicht, umso näher wir dem Ende kamen. Ein leises Knacken war das Zeichen für mich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen war. Eine Windböe formierte sich um uns, zupfte an unseren Haaren und Kleidung und hob uns noch im gleichen Atemzug empor. Ich wusste, dass es klüger gewesen wäre Kräfte zu sparen, sie dosiert und klug einzusetzen, richtig eingeschätzt und sparsam, aber... Jaivas Lachen... Ich warf alle Vernunft über Bord und setzte stattdessen alles daran ihr ein unvergleichliches Erlebnis zu bereiten. Wir schossen empor, Blätter - ein gemeinsames - Blatt im Wind. Die Landschaft, die ich dank meiner Nachtsicht noch gut erkennen konnte, schien um uns herum zu wirbeln, sich mit dem Sternenhimmel abzuwechseln, mit diesem zu verschmelzen und sich dann wieder in all ihrer nächtlichen Schönheit unter unseren Füßen auszubreiten, während wir für einen Moment beinahe unbeweglich in der Luft schwebten. Das fahle Nachtlicht spiegelte sich im Flusslauf tief unter uns wieder und wenn man etwas Fantasie hätte verwenden wollen, hätte man meinen können unter uns erstreckte sich ein zweites Sternenmeer, wenn man die Lichtrefelektionen in dahin strömenden Wasser mit in Betracht zog. Ich hielt die Luft an, während ich spürte wie unser Aufstieg sich unaufhaltsam verlangsamte, wir kurz in der Luft schwebten und es dann wieder abwärts ging. Ich presste Jaiva an mich, verlagerte unser Gewicht etwas und rief noch einmal den Wind zur Hilfe. Meine Prioritäten waren vollkommen verschoben. Eben noch war es mein Ziel gewesen Jaiva und dieses verfluchte Band um jeden Preis loszuwerden. Jetzt wollte ich, dass sie lächelte.
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Beitrag von Jaiva am Mo Dez 17, 2018 7:54 am

Durch das Leben in der Grünen Hölle hätte es Jaiva eigentlich besser wissen müssen, doch sie dachte just in diesem Augenblick nur voller freudiger Erwartung an das bevorstehende Erlebnis und nicht daran, dass ein aufmerksames Paar Augen sie unter Umständen bei ihrem Himmelsritt durch die sternenklare Nacht hätte beobachten können. Nein, ihre Gedanken galten nur dem Zauber, der ihr wie göttliches Wirken vorkommen musste obgleich es ein Mann war, der über diese Macht gebot.

Bereits zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit fand sich die dornige Amazone in den Armen des Lerchossohnes wieder, hatte die Arme um seinen Nacken geschlungen und war somit ganz nah an seinen Oberkörper gelehnt. Eine Position, die ihr sehr viel unangenehmer hätte sein müssen als es der Fall war. Nur ein kleiner Teil ihrer zumeist pieksigen Persönlichkeit fühlte Protest in sich anschwellen, denn es gefiel ihr ganz und gar nicht so... so... festgehalten zu werden. Jenseits des schwindenden  Amazonenstolzes gab es jedoch noch so viel mehr, denn sie fühlte Ciaran, fühlte den Wind und ihre eigenen, umeinander wirbelnden Gedanken und nur einen Herzschlag später befanden sie sich bereits in der Luft. Nicht einmal der winzigste Funke eines klaren Gedankens blieb übrig und jedes noch so kleine Bedenken wurde schwungvoll beiseite gewischt als ihr der aufsteigende Sprung Schmetterlinge im Magen aufscheuchte; Schmetterlinge, die taumelnd vor überschäumender Freude umeinander tanzten und ein anschwellendes Jauchzen in ihrer Kehle hervorrief. Fest presste sie die Lippen aufeinander um ein verräterisches Geräusch zu unterdrücken und für einen Moment überlegte sie ihr Gesicht in der Halsbeuge des Lerchossohnes zu vergraben weil sie glaubte sich nicht beherrschen zu können aber dann... dann hätte sie die um sie wirbelnde Nacht aus dem Fokus ihrer Augen von zweifach intensivem Grün entlassen müssen. Und das konnte sie nicht. Fast schien sich der Leib in Ciarans Armen noch zu strecken, jedweder Vernunft zum Trotze dem überwältigenden Anblick entgegen. Glühende Euphorie begann sich wie das Wasser, das aus einem brechenden Damm hervorbrach, in ihr auszubreiten - naturgewaltig, mitreißend und auf seine destruktive Art und Weise auch wunderschön. Jaiva kannte weder Angst noch Misstrauen in diesem Augenblick obschon sie ihr Leben den Händen eines Mannes anvertraut hatte. Allein das war bereits an und für sich eine Unmöglichkeit sondergleichen, doch auch dieser Gedanke konnte keine Wurzeln schlagen. Die Dorne war erfüllt von Staunen, Faszination und Freude. Aufgrund der Heftigkeit jener Gefühle hätte man meinen mögen sie wäre unlängst dem Wahnsinn anheim gefallen und vielleicht entsprach dies der Wahrheit, denn hätte sie nicht von Angst zerfressen sein müssen?

Dann fielen sie, sanken, und mit ihrem sich hebenden Magen entschlüpfte ihr ein schubweise ausgestoßenes Jauchzen, das sie nicht mehr hinter den Zähnen behalten konnte. War das ein Traum? Nun, wenn dem so war, dann war es der beste Traum aller Zeiten. Ciaran konnte das in ihrer Brust bebende Lachen viel mehr spüren als dass er es hören konnte aber das, was bei ihm ankam, es war so viel mehr als nur ein Lächeln - es war fließendes Glück.
Viel zu schnell ging es wieder der Erde und jener Wirklichkeit entgegen in der sie sich beide vorgenommen hatten jenes verteufelte Band aufzutrennen, das sie aneinander gebunden hatte... und ihnen dieses unglaubliche Erlebnis beschert hatte. Noch immer fest an den Lerchossohn geschmiegt spürte sie das Nachbeben des unglaublichen Fluges und das obwohl sie längst im Gras gelandet waren. Jaivas Atem, er flatterte rasch und heftig in ihrem Brustkorb und sie hauchte: Das... ist der absolute Oberwahnsinn...“
So wie sie das sagte, schien das nicht so übel zu sein.

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Beitrag von Ciaran am Fr Dez 21, 2018 12:10 am

Niemals...niemals...nicht einmal in einem Traum hätte ich gedacht, dass es sich so gut anfühlen könnte, anderer Leute Freude zu spüren. Tat man nicht alles für sich? Für die eigene Zufriedenheit? Das eigene Überleben? Den eigenen Erfolg? Wenn ich alles, was ich bisher erreicht hatte, worüber ich mich jemals gefreut oder auch nur grimmige Genugtuung empfunden hatte zusammen tat ... selbst dann reichte es nicht ansatzweise an das heran, was sich nun in mir abspielte. Jaivas Freude war so... so echt...ehrlich...unverfälscht und vor allem ... rein. Keine Pläne, keine Vorteile, kein... einfach nur der Moment, der in einem Sog des Glücks gipfelte, auf den ich mich nur allzu gerne einließ. Ich schloss die Augen und tauchte kopfüber in das Meer mitreißender Emotionen, das genauso atemberaubend war, als befände ich mich tatsächlich unter Wasser.

Mit einem leisen Geräusch setzten meine Füße auf dem Boden auf und ich hatte das Gefühl die Zeit um uns herum schien still zu stehen und die Natur den Atem anzuhalten. Nicht einmal das Rauschen der Blätter war zu hören. Dafür nahm ich meinen laut pochenden Puls umso mehr wahr. Langsam, beinahe behutsam entspannte ich meine Arme ein wenig, so dass ich Jaiva nicht mehr an mich presste als hätte ich Angst sie im nächsten Moment zu verlieren. Aber...was war auch in sie gefahren sich plötzlich weiter vorzulehnen? Als hätte sie fallen wollen... Ein kurzer Moment des Schreckens durchzuckte mich, als ich daran dachte, wie sie noch vor kurzem auf dem Sims gesessen und sich beängstigend nahe an die Öffnung zum hinunterstürzenden Wasserfall gelehnt hatte. Sie hatte doch nicht...? Die Angst verebbte so schnell wie sie gekommen war. Nein. Ich legte den Kopf etwas auf die Seite, während meine Augen einen untypisch warmen Ausdruck annahmen. Da war nichts... trübes in dieser Freude gewesen. Und genau deswegen war dieses Echo in mir so stark, dass ich selbst jetzt noch leicht lächelte. Herzschlag um Herzschlag, während aus einem wieder zwei Rhythmen wurden und die unausgesprochene Friedenserklärung langsam schwinden musste, während das leise Rauschen des Windes langsam wieder an meine Ohren drang und damit die letzten Fetzen des Zaubers mit sich riss. Ich blinzelte und kämpfte mich langsam aus diesem merkwürdigen Zustand, in dem ich am liebsten die ganze Nacht hier gestanden und nur Jaivas Herzschlag gelauscht hätte, der wie ein winziger aufgescheuchter Vogel zu flattern schien und mich damit ansteckte. Zumindest fühlte ich mich auch so. Irgendwie...flatterig. Ich atmete tief ein und aus und merkte, dass ich meiner Stimme trotzdem nicht ganz traute. Und so war es die Amazone, die als erstes etwas sagte, was mich zu einem kleinen Lachen veranlasste. Hatte ich mich schon jemals so... gelöst gefühlt? Ich wusste es nicht und so schüttelte ich auch nur den Kopf - fassungslos wie neu ich etwas erleben konnte, das ich eigentlich schon so lange kannte.

„Ja“, bestätigte ich mit leiser Stimme. Selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich wohl kaum lauter werden können. Und irgendwie hätte ich damit auch das Gefühl gehabt etwas zu vertreiben. Etwas beinahe heiliges, das ich so lange wie möglich festhalten wollte, so wie ich Jaiva noch immer auf den Armen hielt. Wahnsinn war vielleicht gar kein so schlechtes Wort dafür, wie es sich anfühlte. Und sowieso war gerade alles irgendwie...komisch. Mein Blick hing an dem Nachtschattenhaar und mit einem Mal war ich mir sicher, dass ich tatsächlich noch ewig so ausharren könnte, wenn ich nicht bald irgendetwas tat und wieder in Bewegung kam. Es war komisch, denn so sehr ich mir das eine gerade eben auch noch gewünscht hatte, so gegensätzlich fühlte ich im nächsten Moment. Und das ließ wieder eine gewisse Unsicherheit und damit auch um jeden Preis abgestrittene Angst in mir empor kriechen. Der Zauber brach endgültig und ich räusperte mich. „Wie lange soll ich dich eigentlich noch tragen, Prinzesschen? Keine Müdigkeit vortäuschen, wir haben noch ein bisschen was vor, wenn ich richtig im Bilde bin. Oder hast du es dir anders überlegt?“ Mein Tonfall klang vielleicht neckend oder herausfordernd, aber der aufmerksame Zuhörer konnte auch eine Spur unsicheres Fragen erkennen. Hatte sie es sich anders überlegt? Und wenn ja, wäre das dann gut oder schlecht? Doch noch war ich bei Weitem nicht so weit das laut auszusprechen und so sah ich nur zu, dass ich Jaivas Füße auf den Boden setzte, einen Schritt Abstand zu ihr gewann und meine Gedanken hoffentlich endlich aufhörten sich wie in Watte gepackt zu verhalten.
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Beitrag von Jaiva am Fr Dez 21, 2018 8:48 am

Bloße Füße fanden ihren Weg zurück auf die Erde und das, was sich so wunderbar wie ein Tanz wildgewordener Schmetterlinge angefühlt hatte, gleißende Euphorie und wiedergefundene Lebensfreude, verlor sein überirdisches Glühen und wich langsam aber unaufhaltsam jener Dinge, die ihrer sofortigen Aufmerksamkeit bedurften. Sie konnten weder auf der Böschung stehen bleiben noch stand ihnen die ganze Nacht zur Verfügung - Zeit war eine Größe in dieser Unternehmung, die die Beiden an diesem Tage bereits viel zu oft überstrapaziert hatten. Weitere Fehler würden sie teuer zu stehen kommen und doch musste sich wenigstens die dornige Amazone erst einmal um einen festen Stand bemühen, denn ihre Beine fühlten sich nicht so stark und zuverlässig an wie sie es gewohnt war. Dieser Himmelsritt hatte sie auf eine seltsame, ihr unverständliche Art und Weise aus der Bahn geworfen und doch hätte sie nicht einen einzigen Augenblick gezögert um dieses Wagnis erneut einzugehen. Nicht jetzt sofort, denn sie glaubte auf Eierschalen zu laufen aber vielleicht... morgen? ... was?!
Nichtsdestotrotz konnte sich Ciaran auf einen pfeilschnellen Blick zweier geschmälerter Augen verlassen, die ihn für die Unverschämtheit abstraften weiterhin ein Wort zu verwenden, das ihr fremd war. Doch was er konnte, konnte sie schon lange!
Oder hast du es dir anders überlegt?“ - „Niemals“, teilte Jaiva ihm würdevoll und vielleicht ein wenig zu inbrünstig mit während eine lange, weiße Feder über ihre Schulter fegte als sie ihren Kopf schwungvoll abwandte und nur noch im Profil zu sehen war. „Eine Amazone muss frei sein wie der Wind - verstehst du?“
Kurz linste sie noch einmal zu ihm hin, wandte sich ihm aber nicht mehr zu, denn nur ein Gedanke später pirschte sie in geduckter Haltung zu einem dichten Gebüsch, dessen gleichermaßen lange wie auch breite Blätter guten Schutz versprachen. Sie verließ sich darauf, dass der Lerchossohn ihr nachfolgen würde, denn sie gedachte nicht zu verweilen sondern schlich nach einem Schulterblick weiter. Sie mussten schnell sein - Schatten und Affen. Hoffentlich hatte er es nicht vergessen.

Angespitzte Holzpfähle erstreckten sich zu ihrer Rechten weiter und weiter entlang des Dorfrands bis sie eine Biegung beschrieben aber den Gedanken nahe legen, dass es dort genauso weitergehen würde. Die Silhouette so mancher amazonischen Behausung zeichnete sich bei einem angehobenen Blick über die Holzspitzen ab, doch nicht nur das - der Hintergrund wurde von der abgeflachten Spitze eines Gebäudes von beeindruckenden Ausmaßen dominiert. Jaiva hätte es gewaltig genannt, allerdings war ihr auch der Anblick einer dunkelelfischen Festung bislang erspart geblieben. Allzu viel war auch nicht mit dunkelsichtigen Augen zu erkennen, doch Ciaran konnte erahnen, dass das Dach aufwändig bearbeitet war. Tiere? Köpfe? Humanoide Gestalten? Solche Details würden ihm einstweilen verwehrt bleiben. Jetzt konnte er auch aus der Nähe sehen, dass das Dorf in den Wald hinein gearbeitet worden war, in die Nischen und Erhebungen der Erde. Überall waren gigantische Bäume zu erkennen und auch darin, zwischen wulstigen Ästen, befanden sich Behausungen, jede für sich einzigartig.
Es war nur ein kleiner Ausschnitt, der sich dem jungen Mann präsentierte, doch allzu viel Zeit sollte ihm nicht für Beobachtungen beschieden sein - die Dorne schlich bereits weiter und würde ihm notfalls mit einer raschen Geste zu verstehen geben, dass er sich beeilen sollte. Die von ihr eingeschlagene Richtung führte von einer weiteren Facette fort, die ein bebende Echo in ihrer beider Ohren erzeugen wollte: Musik. Verschiedenste, fremdartige Instrumente erzeugten einen wirbelnden Sog, der nur durch den anschwellenden, archaischen Gesang unzähliger Stimmen übertroffen wurde. Wild und urtümlich war diese fremdartige Musik anzuhören und war etwas, was man in keinem anderen Teil Crepererums würde hören können. Vielleicht sogar nicht einmal in Anima oder Letum. Schreiende Harmonien und wirbelnde Klänge, ineinander verschlungen und wurde auf diese Weise immer mehr und mehr und mehr und mehr.
Wenn Amazonen sich auf etwas verstanden, dann war es Musik.

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Beitrag von Ciaran am Fr Dez 21, 2018 8:09 pm

Ich lächelte hinter Jaivas Rücken, als sie sich schwungvoll umdrehte und ihre federverzierten Haare vor meiner Nase einen grazilen Bogen beschrieben. Sie war wirklich... Ich traute mich den Gedanken nicht zu beenden. Stattdessen machte ich Anstalten ihr endlich zu folgen. Schließlich hatte sie Recht. Wir hatten keine Zeit mehr zu verlieren - auch wenn dieser Gedanke mein Herz etwas schwerer werden ließ und meine Schritte nicht mehr so leicht waren wie zuvor. Doch der Gedanke, dass ich diese Freiheit meine Schritte dorthin zu lenken, wohin ich wollte, nicht mehr so verlockend sein könnte wie zuvor war so abstrus, dass ich ihn nicht einmal in Erwägung zog. Stattdessen lauschte ich Jaivas melodischer Stimme, die ein Mal mehr merkwürdige Silbenfolgen von sich gab, die für mich schon wie ein halber Gesang klangen. „Nein. Ehrlich gesagt verstehe ich es nicht, wenn du es so sagst“, flüsterte ich ihr nach, doch dann musste ich mich auch schon beeilen, um den Abstand zwischen uns nicht groß genug werden zu lassen. Gemeinsam tauchten wir in ein Gebüsch ein, dessen dichte Blätter uns hoffentlich vor neugierigen Blicken verbergen würden.
„Gibt es keine Wachen hier auf dieser Seite?“, wisperte ich. Waren die Amazonen wirklich so sicher, dass sich hierher niemand vorwagen würde, der ihnen Schaden zufügen wollte? Dann konnten sie nur hoffen, dass diese Leichtsinnigkeit ihnen nicht eines Tages zum Verhängnis werden würde. Doch bevor ich eine weitere Bemerkung in diese Richtung machen konnte und eine Warnung aussprechen konnte, zeichnete sich in der Dunkelheit vor uns eine Art Palisade ab. Augenblicklich gewann die jahrelange Ausbildung wieder die Oberhand über mein Denken und Handeln, was Jaiva auch durch eine Veränderung in dem Echo des Bandes auffallen konnte. Hatte zuvor noch ein für meine Verhältnisse leichter, heiterer Grundton geherrscht, so war dieser nun wie weggewischt und Ernsthaftigkeit und eine Art kompromisslose Entschlossenheit bemächtigten sich meiner. Es war eine einfache Prämisse meiner Erziehung: Verfolge dein Ziel mit allen Mitteln und gib erst auf wenn du tot oder erfolgreich bist. „Dort rein?“ Meine Stimme war eine schneidende, leise Klinge in der Stille der Nacht und nur ein leichtes Nicken in Richtung der Palisaden untermalte meine Worte.

Ein Holzdach schien sich hinter den Pfählen zu erheben, groß genug um einer größeren Gruppe Unterschlupf zu gewähren. Ein Versammlungsort? Ich war schon ein wenig neugierig, was sich vor meinen Augen gleich enthüllen würde... wie es dort aussah...wie...Jaiva lebte. Für einen kurzen Moment war ich versucht einfach den direkten Weg zu nehmen, etwas Anlauf zu nehmen und die Palisade zu erklimmen, doch Jaiva schien andere Pläne zu haben und so nahm ich davon Abstand, folgte ihr weiter und spitzte die Ohren, als merkwürdige Klänge zu mir hinüber wehten. Ich hatte keinen wirklichen Sinn für Musik, aber die fremdartigen Töne übten trotzdem eine merkwürdige Faszination auf mich aus und fast wünschte ich, dass Jaiva noch einmal anfangen würde zu singen, so wie sie es in dem Baumhaus getan hatte... Ich biss mir auf die Lippe, schüttelte den Kopf um diesen Gedanken zu vertreiben und versuchte mich wieder auf das Hier und Jetzt zu Konzentrieren. Singen konnte sie, wenn wir das Band los waren und jeder seiner Wege gehen konnte. Schließlich gab es ja dann genug Grund zum Feiern... Viel mehr als jetzt...viel mehr als gerade...viel... Eine Spur Bedauern schlich sich in mein Denken und in meinen Blick, doch es gelang mir gut ihn zur Seite zu schieben, bevor er ein Strohfeuer entfachen konnte. Die Palisaden schienen einfach kein Ende nehmen zu wollen und ich war drauf und dran Jaiva doch schon nach einer Abkürzung über die Spitzen der Pfähle zu fragen, als ich auf der anderen Seite plötzlich Stimmen vernahm. Sie schienen nicht beunruhigt oder ähnliches, sondern sprachen ganz normal miteinander, doch ich versteifte mich dennoch und zog meinen Dolch, da ich keines der Worte verstand und auf alles vorbereitet sein wollte. Fragend blickte ich zu Jaiva.
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Beitrag von Jaiva am Sa Dez 22, 2018 5:57 pm

Nein. Ehrlich gesagt verstehe ich es nicht, wenn du es so sagst.“

Schweigen und das Rascheln von Blättern wurde laut als Jaiva in die Sicherheit des Busches eintauchte. Hatte sie Ciarans Flüstern in etwa nicht gehört? Durch das Band würde er es besser wissen, denn in ihrem Inneren schwoll direkt nach seinen Worten eine unpassend anmutende Zufriedenheit an, die sehr zu dem grimmigen Lächeln passte, das ihr über die Lippen gekrochen war, denn mit keiner anderen Antwort hatte sie gerechnet. Sie hatte Ferus gesprochen. Natürlich hatte er sie nicht verstanden.
Auf eine Erklärung ihrerseits sollte der Lerchossohn jedoch vergeblich warten – entweder wollte sie sich ihm nicht mitteilen oder sie schätzte das Risiko so nahe am Dorfrand zu sprechen als zu hoch ein.
...oder sie hatte mit dieser Frage etwas vollkommen anderes beabsichtigt.

Gemeinsam hockten Dunkelelf und Amazone für einen Moment im Busch und konnten demnach auch ein wenig verschnaufen sowie auch einen genaueren Blick auf die Palisade werfen - ein mehr oder minder eng aufgestellter Wall aus angespitzten Baumstämmen, der jedoch jedwede militärische Akkuranz vermissen ließ. Weder war jeder Stamm so hoch wie jene neben ihm, noch waren sie alle so dicht an dicht aufgestellt worden, dass ein spähendes Auge daran gehindert worden wäre hier und da ins Dorf hineinzulinsen. Es gab Stellen, an denen die Amazonen zu große Lücken mit dickeren Stöcken und herausragenden Spitzen ausgekleidet hatten, doch gegen entschlossen zupackende Hände würde diese Vorkehrung nicht lange bestehen können.
Der Dunkelelf würde dementsprechend rasch erkennen, dass diese hölzerne Vorrichtung nicht zur Verteidigung gegen Menschen oder andere humanoide Wesen erdacht worden war sondern sich einzig und allein gegen Tiere richtete. Diese Annahme würde er auch in der Reaktion der dornigen Amazone bestätigt sehen, denn diese blinzelte dem jungen Mann verständnislos entgegen als er nach Wachen fragte. Mit zusammengezogenen Augenbrauen und einem Kopfschütteln glitt nur ein einziges, in Unverständnis gehauchtes Wort über ihre Lippen: „...warum?“

Und was war das für ein befremdliches Echo, das ihr von dem Lerchossohn entgegen kam? Brrr. Wie oft hatte er bereits in Dörfer einzudringen versucht? Eine weitere Frage drang an ihr Ohr und wieder schüttelte sie den Kopf.
Nein, nicht hier. Weiter hinten – da ist jetzt niemand“, flüsterte sie zurück und pirschte langsam, Schritt für Schritt, entlang des hölzernen Walls und blieb erst wieder stehen als sie die Worte anderer Amazonen vernahm. Mist! Warum sind sie nicht bei den Feuern?!, empfand sie zusammen mit einem jäh aufflammenden Schrecken und einem Lodern mürrischer Unzufriedenheit. Mit dieser Wendung hatte sie weder gerechnet noch kam sie ihr gelegen. Rasch duckte sie sich hinter einen der dickeren Stämme und runzelte lauschend die Stirn. Sie machte einen gedankenverlorenen Eindruck, regte sich jedoch sofort als Ciaran nach dem Dolch tastete. Das war nichts, was sie akzeptieren konnte, daher schickte sie sich an ihm einen Klaps auf den Handrücken zu geben, ihm ein mahnendes Gesicht zuwendend.
'Lass das!', verlangten ihre ungnädig dreinblickenden Augen von ihm während sie mit dem erhobenen Zeigefinger ihrer anderen Hand erst ihre Lippen zu berühren gedachte - 'Still!' - um dann eine beschwichtigende Geste zu vollführen - 'Warte!'
Die Frage war viel mehr ob sich der Dunkelelf dies gefallen lassen würde.

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Beitrag von Ciaran am So Dez 23, 2018 10:05 am

Schweigend und mit angehaltenem Atem hockte ich neben Jaiva im Unterholz und lauschte den leise zu uns herüber schwappenden Worten der Amazonensprache von der anderen Seite der Palisade. Meine Hand lag auf meinem Dolch, als Jaiva mir plötzlich einen Klaps auf den Handrücken gab. Ich fuhr zu ihr herum und packte noch in der gleichen Bewegung mit der anderen Hand nun meinerseits ihr Handgelenk. Ich funkelte sie an, denn auch wenn ich zugeben musste, dass sie mich schon mehr als ein Mal beeindruckt hatte und ich sie irgendwie schätzte, ging das in meiner Vorstellung und Erziehung doch definitiv zu weit. Eine Frau, die einen Dunkelelfen maßregelte? Für einen kurzen Moment flammte etwas Dunkles in meinem Blick auf, das wohl jedem, der mit dem Begriff Dunkelelf etwas anfangen konnte einen kalten Schauer über den Rücken gejagt hätte. Mein Griff um ihr Handgelenk verstärkte sich noch etwas. Ich wollte ihr nicht übermäßig wehtun, aber sie sollte merken, dass das eine Grenze war, die sie in Zukunft lieber nicht noch einmal überschreiten sollte. „Tu das nie wieder“, zischte ich, als die Amazonen-Stimmen sich endlich ein wenig entfernten, doch im gleichen Moment fiel mir auf wie dumm diese Forderung war. Natürlich würde sie das nicht mehr tun. Sie würde ja gar keine Gelegenheit mehr dazu haben. Schließlich würden wir gleich wieder getrennte Wege gehen. Ich gab ihren Arm wieder frei und machte wieder einen Schritt auf die Palisaden zu. Ich warf einen Blick nach rechts und links um mich zu vergewissern, dass wir wirklich wieder alleine waren. Dann legte ich eine Hand auf das Holz. Meine Fingerspitzen fuhren über morsches Holz, das wohl schon lange nicht mehr so gepflegt worden war, wie eine gute Befestigungsanlage es verdient hätte.
Ich schnaubte. Dieses Gebilde würde einem geordneten Angriff keine fünf Minuten standhalten. „Warum fragst du?“ Ich hielt meine Stimme noch immer gesenkt. „Weil das Ding hier einem Angriff nicht einmal so lange etwas entgegenzusetzen hat wie ihr benötigt einen Pfeil in einen Bogen einzulegen. Und wenn das nicht eure Verteidigung ist, dann sollte es doch wenigstens... Kriegerinnen geben, die Feinde rechtzeitig erkennen und aufhalten, oder?“ Das Wort ging mir ein wenig schwer über die Lippen, so ungewohnt war es. Doch nach meinen Erlebnissen des Tages zweifelte ich nicht daran, dass die Amazonen zumindest versuchen würden erbitterten Widerstand zu leisten, sollte man sie überfallen. Nur wäre dieses Unterfangen bei den Gegebenheiten hier vergebene Liebesmüh. „Gibt es denn keine anderen Stämme, die es auf eurer Territorium abgesehen haben? Auf eure Güter, eure Jagdreviere, euer... irgendwas?“ Ich konnte mir nicht richtig vorstellen, über was für Bodenschätze die Amazonen wohl verfügen mochten und ob sie diese nutzten, aber irgendetwas musste es geben, das knapp war und worum man sich streiten konnte. Kein Volk lebte im absoluten Überfluss - und hatte dazu keine Neider! Zumindest nicht dort, wo ich her kam.
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Beitrag von Jaiva am So Dez 23, 2018 2:20 pm

Es mochte zwar durchaus der Wahrheit entsprechen, dass Jaiva eine Grenze überschritten hatte, doch das hinderte sie keinesfalls daran sich dennoch im Recht zu fühlen. Er war selbst schuld, immerhin hatte sein erster Gedanke seiner Waffe gegolten und das war ein Zeichen, das sie nicht hatte ignorieren können. Wer mit einer derartigen Schnelligkeit bereit zu kriegerischen Handlungen war, der war in ihren Augen auf eine Art und Weise gefährlich, die nicht mit Faszination sondern viel mehr Wachsamkeit einher ging. Ciaran mochte auch Seiten an sich haben, die die dornige Amazone ins Grübeln gebracht hatten, doch was sich im Folgenden abspielen sollte, entsprach ganz und gar dem Bild, das sie sich von Männern erschaffen hatte. Gewalttätig, zornig, übereifrig. Der Schmerz, der an ihrem Handgelenk aufwallte, sorgte dafür, dass sich ihm ihr dunkles Gesicht auf eine widerspenstige Art und Weise präsentierte. Fest aufeinander gepresste Lippenbögen, so stark, dass sich ihre Kiefermuskulatur abzuzeichnen begann und Augen, die den ihr entgegengebrachten Zorn blitzend, donnernd und tosend zurückwarfen. Grimmig war ihre Stirn zerfurcht und ihre Nase zeigte sich gerümpft, allesamt Zeichen dafür, dass sie mit dieser Vorgehensweise keinesfalls einverstanden war. Eine Reaktion auf seinen Übergriff blieb aus, doch nicht weil sie in etwa in Angst zitterte, nein, sie hielt einzig und allein wegen den Amazonen auf der anderen Seite des hölzernen Walls still. Ein gestauter Fluss, der sich in einem großen Becken sammelte und überzuschäumen drohte; gerade noch von einem Damm im Zaum gehalten. Er zischte und sie tat es ihm gleich: „Tu du das nie wieder! Nicht jede Auseinandersetzung muss damit gelöst werden.“ Ihr stolzes Kinn wies in Richtung des Dolches, den er zuvor hatte ziehen wollen. Und das Echo ihres Inneres erzählte dieselbe Geschichte. Sie hatte nicht allzu viel für jene übrig, die sich mit ihrer Überlegenheit brüsteten und obschon ihr Handgelenk schmerzte, gab sie sich nicht die Blöße mit ihrer anderen Hand danach zu tasten. „Was stimmt denn nur nicht mit dir“, murrte sie ungnädig. Es war mehr als offensichtlich, dass sein Verhalten sie auf eine Art und Weise ernüchtert hatte, die in eingeschränkter Kooperationsbereitschaft gipfelte.
All das geht dich rein gar nichts an“, teilte sie ihm reserviert mit als sie sich aus ihrer kauernden Haltung erhoben hatte und sich wieder in Bewegung setzte. Es war nicht mehr weit bis zu jener Stelle, die sie ins Auge gefasst hatte - dort hinten erwartete sie wenige oder im besten Fall gar keine Amazonen, immerhin war dies die Zeit der Einkehr und der Zusammenkunft. Hier hinten hatte jemand, der keine Lust auf derlei hatte, gute Chancen für sich zu bleiben, doch auch davon erzählte sie dem Lerchossohn nichts. Sie versuchte sich ganz und gar auf die vor ihnen liegende Aufgabe zu konzentrieren, denn, fürwahr, für den Augenblick hatte sie mehr als genug 'Mann' erlebt. Er konnte das nicht nur an dem von ihr empfangenen Echo ausmachen, sondern auch an ihren Blicken, denn sie sah ihn nicht mehr an, versuchte ihn mit Ignoranz abzustrafen und tröstete sich selbst mit dem Gedanken, dass 'Männer eben so waren. Deswegen war es auch so viel besser hier, in der Grünen Hölle, in reinen Frauengemeinschaften zu leben.
Sofern Ciaran nichts weiter unternehmen würde, würden die beiden aneinander gebundenen und doch so verschiedenen Persönlichkeiten eine Stelle erreichen, da der Untergrund weich und matschig wurde. Hier kamen schmale Ausläufer des Flusses so nahe an die Palisade heran, dass der Untergrund aufgeweicht und anschmiegsam war. Jaiva würde nicht einen einzigen Augenblick zögern und direkt in den Morast treten, der sie bis zur Hälfte ihres Unterschenkels einsinken lassen würde. Wenn man dann noch zehn, fünfzehn Schritte weiter ging, erreichte man eine Stelle im Wall, die weit genug aufklaffte um sich - nachdem man Füllmaterial beiseite getan hatte - hindurchschieben zu können.

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Beitrag von Ciaran am So Dez 23, 2018 5:01 pm

Ich spürte ihr Grollen innerlich. Natürlich tat ich das. Doch ich sah weder ein, warum ich sie darauf ansprechen noch irgendetwas dagegen tun sollte. Sie hatte sich schließlich in meinen Augen falsch verhalten und jetzt brauchte sie gar nicht herum bocken, weil sie eine unliebsame Reaktion heraufbeschworen hatte! Viel schlimmer war, dass ich durch das ständige nicht ignorierbare Aufbrausen von Gefühlen wirklich gezwungen war mich damit zu beschäftigen! Wo gab es denn sowas, dass man die Hälfte seiner Zeit damit vergeudete über die Emotionen anderer nachzudenken! Ich nahm mir fest vor den Wind in den nächsten Monaten nur noch in allergrößten Ausnahmesituationen für so etwas zu rufen. Und genauso gerne hätte ich mir vorgenommen nicht mehr darüber nachzudenken, doch es ging einfach nicht! Argh! Ich raufte mir die Haare. Das war wirklich zum schreien! Wenigstens wusste ich jetzt wieder, warum ich dieses Band unbedingt loswerden wollte... musste! „Hör auf damit!“, fuhr ich Jaiva schließlich an. „Du hast keine Ahnung von der Welt da draußen. Also maß dir ja nicht an meine Problemlösung zu kritisieren. Denn sie funktioniert gut. Ich lebe noch.“ Es brauchte keines besonderen Gehörs, um die Bitterkeit in meinen Worten zu hören. Viel schlimmer jedoch war, dass ich eigentlich wollte, dass sie es verstand, schlimmer noch: akzeptierte und vielleicht sogar ein wenig beeindruckt war. Aber was wusste sie schon? Was verstand sie schon davon wie viele Dunkelelfen jedes Jahr ihr Leben ließen, weil sie zu schwach, zu langsam oder zu unvorsichtig waren? Nichts. Und gerade deswegen würde nichts von dem, was ich in meinem Leben bisher erreicht hatte ihr in irgendeiner Art und Weise imponieren. Ich wandte mich ruckartig ab, sauer auf sie, das Leben und allem voran mich selbst. Was dachte ich eigentlich? Als wenn es wichtig wäre von einer dahergelaufenen Amazone - einer Frau! - irgendeine Form von Anerkennung zu bekommen! Lächerlich! Aber wirklich!

Und dennoch war ihre plötzlich wieder erwachte Reserviertheit für mich schlimmer als ein Peitschenhieb. Denn dem konnte man ausweichen. Oder sich dagegen wappnen und ihn ertragen. Ein stählerner Körper spürte kaum Schmerz. Doch wie verteidigte man sich gegen etwas, das man von tief drinnen verspürte und das einem dort Stiche versetzte wie ein glühendes Nadelkissen? Und das weit, weit unterhalb aller Verteidigungsmauern. Und ich konnte nicht einmal etwas dagegen tun, denn selbst wenn ich ihre spitze Zunge zum Schweigen bringen konnte, wären es ganz andere Dornen, die mich trafen.
„Na los. Weiter. Bringen wir es endlich hinter uns, damit jeder wieder seiner Wege ziehen kann und ich dich los bin, Dornenbusch.“ Es war kindisch, doch ich wollte, dass irgendetwas sie genauso traf wie mich. Schweigend und vor mich hin brodelnd folgte ich ihr, schwieg als wir bis zu den Knien einsanken und watete stetig voran. Ich entdeckte die Stelle des Walls, auf die Jaiva zusteuerte und machte mich wortlos daran die Erde und Zweige beiseite zu schieben. Stück für Stück wurde so ein Durchgang frei, durch den sich eine schlanke Gestalt zwängen konnte. Ohne auf irgendein Zeichen ihrerseits zu warten zwängte ich mich als erstes durch die entstandene Öffnung und sah mich neugierig um. Es gab dutzende Dinge, die meine Aufmerksamkeit erregten und die Fragen in mir aufkeimen ließen, doch ich biss mir auf die Zunge. Um keinen Preis der Welt wollte ich jetzt meine dornige Begleiterin nach irgendetwas fragen. Also wartete ich nur schweigend darauf, dass sie mir nachfolgte und weiter den Weg wies. Das musste schließlich auch in ihrem Interesse sein.
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Beitrag von Jaiva am So Dez 23, 2018 9:42 pm

Du hast keine Ahnung von der Welt da draußen. Also maß dir ja nicht an meine Problemlösung zu kritisieren. Denn sie funktioniert gut. Ich lebe noch.“

Da draußen ist nicht hier drinnen“, so hatte die unter unwillig verzogenen Lippen hervorgebrachte, ungnädige Antwort der dornigen Amazone gelautet und, wahrlich, Akzeptanz und Bewunderung sahen vollkommen anders aus und passten auch nicht zu dem, was Ciaran von ihrer Seite aus entgegen schwappte. Fast war es als versuchte man Feuer mit Feuer zu löschen, ganz genauso prallten diese beiden Welten aufeinander, unfähig den Standpunkt des anderen zu verstehen... oder gar verstehen zu wollen. Genauso wenig wie der Lerchossohn bereit war der Amazone zuzuhören war auch diese nicht bereit ihm zuzuhören. Kaum verwunderlich und doch in gewisser Weise ernüchternd immerhin hatten sie über den Tag hinweg nicht nur unliebsame Momente geteilt.
In einem Augenblick wie diesem verblassten diese leuchtenden Augenblicke jedoch genauso wie jeder noch so kleine Funken Sympathie – stur waren sie beide und stolz obendrein. Jeder fühlte sich im Recht und diese Facette im Gefühlsleben des anderen zu spüren, machte diese Situation keinesfalls erträglicher. Vielleicht wäre es angebracht gewesen besser auf das von ihm empfangene Echo zu hören, auf die seinen Worten anhaftende Bitterkeit, die auf eine Tiefe hinzuweisen wusste, die vielleicht ein erster Schritt zu wahrem Verständnis war, doch Jaiva war viel zu sehr damit beschäftigt ihm zu zeigen, dass er im Unrecht war, dass ihr dies schlichtweg entging.
So ein Sturkopf!, empfand sie stattdessen mürrisch.

Na los. Weiter. Bringen wir es endlich hinter uns, damit jeder wieder seiner Wege ziehen kann und ich dich los bin, Dornenbusch.“

Ein zu ihm herumschnellender Blick aus zweifach intensivem Grün zeigte ihm wie wenig sie es leiden konnte wenn er sich anmaßte sie anzutreiben oder in irgendeiner Weise über sie zu bestimmen. Er mochte sie zwar der Sprachbarriere wegen nicht verstanden haben, doch sie hatte es dennoch ernst gemeint: Amazonen waren frei und sie mussten es auch bleiben.
Ihren Ärger mochte er spüren, doch sollte es bei diesem einen Blick sich schmälernder Augen bleiben, denn wie er wenig später erkennen konnte, arbeitete sie haargenau auf dieses Ziel hin! Den Lerchossohn loswerden; eben jener, der jetzt sogar einen Namen trug und mit ihr durch die Nacht geflogen war, der sie zwar mehr schlecht als recht getröstet aber es trotzdem getan hatte und mit dem sie sich vor den Augen anderer Amazonen verborgen hatte. Nie und nimmer hätte sie es zugegeben, doch dieser Tag war trotz seiner dunklen Tiefen einer der schönsten der letzten Wochen, wenn nicht sogar Monate. Verrückt. Besser sie dachte nicht weiter darüber nach.

Gemeinsam zwängten sie sich nach einigen Momenten des gemeinsamen Räumens durch den offen gelegten Spalt im Wall und obschon Ciaran sie aller Wahrscheinlichkeit nach Unzufriedenheit spüren lassen würde, machte sie sich doch die Mühe die Stöcke, Äste und geschnitzten Stacheln wieder aufzustellen.
Der junge Mann hatte demnach ein paar Momente vollkommen für sich, konnte den Anblick des Amazonendorfes auf sich wirken lassen und bestaunen wie es den Frauen jener Gemeinschaft gelungen war ihre Bauten in die Natur einzupassen anstatt es umgekehrt zu versuchen. Das Dorf war daher auch von dieser Stelle nicht vollkommen einsehbar, zu sehr hob und senkte sich die Erde, machte Stege aus mit Pflanzenfasern zusammengebundenen faustdicken Stöcken sichtbar, die Wege auch dann gangbar machten wenn Erde aufgeschwemmt wurde - bei so viel Regen war das auch bitter nötig. Grün, so viel Grün herrschte hier vor, Bäume und einiger Entfernung die absonderliche Silhouette eines stufenartig erbauten Gebäudes, eben jenes, das er bereits zuvor gesehen hatte und bereits jetzt feinere Einzelheiten sichtbar machte. Tatsächlich führten Stufen bis fast ganz nach oben aber auch auf dem untersten Niveau, wo der Bau am breitesten war, waren zwischen den stämmigen Säulen das von flackerndem Kerzenlicht erhellte Innere zu erkennen, das durch in aufgestellte Holzwände geschnitzte Aussparungen fiel. Bäume und Blätter, Schlangen und Wasserfälle, Sterne und Gesichter. Dorthin zeigte Jaivas Zeigefinger...
... ehe sie in eine vollkommen andere Richtung zu gehen beabsichtigte. Ciaran würde gewiss verstehen warum: auf direktem Wege mussten sie einen Pfad entlang gehen, der gut befestigt war - ein Weg, der oft gegangen wurde und sich ein gutes Stück aufwärts wandte. Der Tempel war einer wenn nicht sogar der höchste Punkt des Dorfes.

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Beitrag von Ciaran am Mo Dez 24, 2018 10:38 am

Trotzig erwiderte ich den feurigen Gewitterblick, den die Amazone mir zuwarf. Doch sie konnte schön vergessen, dass ich auch nur einen Deut zurückwich. War nicht sie es gewesen, die sich eben erdreistet hatte mich zu maßregeln? Das sollte sie sich bloß nicht noch einmal einfallen lassen! Ich spürte ihr Grollen und ihren Ärger, war jedoch nicht geneigt einen Schritt auf sie zuzugehen. Stattdessen setzte ich alles daran ihr zu vermitteln, dass es in mir nicht anders aussah - und das nicht nur weil mein Innerstes über das Band ein Spiegel ihrer selbst war. Erst als Jaiva den Finger hob um mir ohne weitere Worte etwas zu zeigen wandte ich meine Aufmerksamkeit wieder anderen Dingen zu. Leichte Nebenschwaden, Überbleibsel des Regens, hingen über den Pfaden, die sich durch das Dorf zogen. Pflanzen schienen elementarer Bestandteil ihrer Baukunst zu sein, denn wo immer etwas von Menschenhand erschaffenes sein Antlitz emporreckte umrahmten Wurzeln, Blätter oder Blüten die Bauwerke, als gingen sie eine mythische Symbiose ein - oder als wartete die Natur nur darauf die Zeugnisse der Zivilisation eines Tages wieder zu verschlingen.

Ein gewundener, festgestampfter Pfad wand sich an mehreren kleineren Bauten vorbei und hielt dabei genau auf ein größeres Gebäude zu - etwas, das wir bereits von draußen hatten sehen können. Jedoch handelte es sich nicht um eine Halle, wie ich zuvor vermutet hatte, sondern um eine stufenförmig ansteigende Pyramide, die jedoch keine Spitze im eigentlichen Sinne aufwies sondern eher ein Plateau über dem ein Dach errichtet war. Von irgendwo aus dieser Richtung kam auch die Musik, jedoch schien das noch weiter entfernt zu sein. Wenn ich es richtig einordnen konnte, waren wir östlich der Pyramide an der Palisade gewesen und nun nach Süden gelaufen. Aus dem Norden kamen die Geräusche. Wir mussten uns jetzt also ganz am anderen Ende befinden - weit entfernt von neugierigen Augen und dem Versammlungsort, den ich zu gerne inspizieren wollte wenn ich ehrlich war. Irgendwie interessierte es mich schon, was dort geschah. Was Amazonen taten. Was... Jaiva normalerweise tat. Auch wenn ich mir lieber die Zunge abgebissen hätte als das zuzugeben. Merkwürdige Pflanzen von deren Ästen wiederum Pflanzen ihre Wurzeln herunter schlangen wuchsen brachen aus den Ecken der Pyramide hervor und bildeten mit ihren Silhouetten bizarr anmutende Kapellen in allen vier Himmelsrichtungen. Die Amazonen lebten wirklich mit den Pflanzen. Und ich würde gerne mehr über dieses Volk wissen. Ich biss die Zähne zusammen. Man konnte nicht alles haben. Und von hier zu verschwinden war auch gut!

Die Musik am anderen Ende des Dorfes schien ein wenig anzuschwellen und ich glaubte begeistertes Jauchzen zu hören. Alle anderen Teile der Siedlung lagen wie ausgestorben da. Mit einem etwas mulmigen Gefühl wandte ich mich um und folgte Jaiva erneut. Im Moment hatte ich keinen Zweifel daran, dass sie uns auf kürzestem Wege dorthin führen würde, wo der Zauber aufgehoben werden konnte. Und dann... dann... Ein wenig nachdenklich betrachtete ich Jaivas Rücken und ihre langen, bei jedem Schritt sanft hin und her schwingenden Haare. „Wirst du... da drüben nicht vermisst?“ Ich wandte den Blick zur Seite, damit ich ihrem nicht standhalten musste, falls sie sich umwandte. Sie sollte bloß nicht denken ich machte mir Gedanken um sie! Nur weil die ganze Gemeinschaft anscheinend zusammen feierte und keinem auffiel, dass sie fehlte. Oder sich keiner darum scherte. Oder... Schließlich wäre das bei uns auch nichts besonderes. Nur bei Menschen, die teilweise alle Hebel in Bewegung setzten um jemanden zu finden, den sie vermissten und um den sie sich sorgten...
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Beitrag von Jaiva am So Dez 30, 2018 3:55 pm

Jeder von ihnen trug das Spiegelbild des jeweils anderen in sich, denn auch wenn es wohl keiner zugegeben hätte, so nahmen sie sich doch beide in diesem Augenblick rein gar nichts. Stur und stolz waren sie, nicht gewillt auch nur eine Winzigkeit nachzugeben und Einsicht schien ein Wort zu sein, das sich in ihrem Sprachgebrauch nicht etabliert zu haben schien, daher hielt dieser hochexplosive Zustand auch exakt so lange an bis ein neuerlicher Impuls die alten abzulösen gedachte: Wachsamkeit und Neugierde.
Ciaran versuchte zwar seine gewonnenen Eindrücke zu verbergen, doch war es mehr als nur offensichtlich, dass ihn all das hier überaus interessierte. Jaiva hingegen, die diesen Anblick gewohnt war und es obendrein nicht anders kannte, konnte nicht verstehen was die Blicke des Lerchossohnes dermaßen zu fesseln wusste. Häuser, Bäume und Natur – all das war nichts was sie noch zum Aufmerken gebracht hätte. Ganz gleich wie zwiegespalten sie auch sein mochte, das was sich vor ihren Augen erstreckte, war ihre Heimat, die ihr lieb und teuer war; lieb und teuer, mit Tücken und Untiefen... und sie war ihr wohlbekannt. Die Wunder, die seine Augen sahen, waren ihr schon längst verloren gegangen und so beobachtete sie ihn aus den Augenwinkeln während sie einen weitläufigen Bogen um den Tempel einzuschlagen gedachte; jeder einzelne Schritt mit einem umher huschenden Blick begleitet. Und so wie er es sich verkniff sie danach zu fragen, fragte sie ihn auch nicht nach dem, was in ihm vorging.

Die Musik von der anderen Seite des Dorfes war ein weiterer Begleiter der beiden, die sich wie Diebe Schatten und Heimlichkeit verschworen hatten, drang weiterhin an ihrer beider Ohren und erzählte eine Geschichte, die Ciaran nicht verborgen bleiben sollte. Jaiva hatte höchstpersönlich davon gesprochen, dass sich hier zu dieser Stunde niemand aufzuhalten pflegte, doch sicher genug für Worte war sie sich nicht. Es war daher kaum verwunderlich, dass ein Schaudern über ihren Rücken kroch als sie seine Stimme hörte. Ihr Blick aber schnellte aus zweierlei vollkommen verschiedenen Gründen zu ihm hin, denn was er wissen wollte, war mindestens genauso brisant. Sie starrte ihn für einen, einen zweiten und einen dritten ausgesparten Lidschlag an, schmälerte die Augen ehe diese sodann weiterhuschten; hierhin, dorthin. Nichts. Alles blieb still, daher kam sie bis auf einen halben Schritt an den Lerchossohn heran, flüsternd: „Hör auf zu schnattern oder willst du gehört werden?“
Ihre Worte trugen eine Schärfe in sich, die zu ihrer vorherigen Stimmung passen mochte; aber da war noch mehr. Es konnte zwar nicht schaden weiterhin Vorsicht walten zu lassen aber sie wollte ihm auch nicht antworten... und das war auch fast so gut wie eine Antwort. Dennoch erzählten ihre Augen nur wenig von diesem Unwohlsein, waren viel mehr wie ein erhobener Zeigefinger; eine Ermahnung und das war auch in etwa der Augenblick, in dem unweit etwas zu hören war. Über ihnen. Vor ihnen, nein, schräg über ihnen. Dort oben war eines jener Baumhäuser und wenn sich der aus fingerdicken Stöcken erschaffene 'Fensterladen' nicht von alleine bewegt hatte, dann war da oben jemand, der ihn schwungvoll nach außen gedrückt und hernach mit zwei stabilen Stützen befestigt hatte. Der 'ich hab es dir doch gesagt!'-Blick sollte Ciaran einstweilen erspart bleiben, dafür verfingen sich ihre Finger an seinen Oberarmen und sie gedachte ein Mal mehr rückwärts in die Büsche zu stolpern.
Vielleicht, ja vielleicht wäre ihr unter anderen Umständen die Doppeldeutigkeit dieses Kniffs aufgefallen, doch jetzt dachte sie in aller Vehemenz nur daran, dass niemand den Lerchossohn sehen durfte. Der in etwa brusthohe Busch war nicht unbedingt die beste Wahl wenn es darum ging sich zu verstecken, wohl aber die am schnellsten erreichbare und was sich noch viel schneller bemerkbar machen würde, war der Umstand, dass an dieser Stelle das Gelände auch abfiel und es gut einen halben Meter abwärts ging.

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Beitrag von Ciaran am Mi Jan 02, 2019 10:29 am

Ich spürte, wie Jaivas Blicke mich ab und zu streiften und tat mein bestes sie zu ignorieren, auch wenn ich einen leisen Hall von Neugier zu spüren glaubte und dieser wiederum einen Funken davon auch in mir säte. Ich fand es merkwürdig, dass es sie anscheinend doch irgendwie interessierte was ich dachte - auch wenn sie es nicht aussprach. Sie war schon komisch. Widersprüchlich. Dornig halt. Hätten wir gestanden hätte ich nun die Arme vor der Brust verschränkt, doch in einem waren wir uns ja glückliche Weise immer einig: Wir mussten vorwärts.

Und Volltreffer
, schoss es durch meine Gedanken, als der Blick des zweifachen Grün mich für einige Herzschläge zu durchbohren schien. Doch anstatt mich darüber zu freuen, dass ich ein weiteres Teil eines Puzzles an seinen Platz schieben konnte, spürte ich etwas ganz anderes, merkwürdiges. Etwas Schweres legte sich auf meinen Brustkorb und ich brauchte einen Moment um das Gefühl richtig einordnen zu können. Trauer und Schmerz? War das wirklich Mitleid, das ich da gerade für sie empfand? Und noch mitten in dieser Verwirrung in der ihre Frage keine Rolle spielte und in der ich gerne einen Augenblick gehabt hätte, um meine wirren Emotionen zu ordnen und mich zu vergewissern, dass alles beim Alten, in Ordnung, wie immer, war, spürte ich plötzlich ihre Hände an meinen Oberarmen. Ich schluckte, öffnete den Mund um zu protestieren und wurde schon im gleichen Atemzug nach hinten gedrückt. Meine Reflexe versagten. Zumindest zum Teil, denn ich war nicht schnell genug mich gegen diese Bewegung zu stemmen oder meinen Fall irgendwie abzufangen. Stattdessen suchte ich nach Halt, fand ihn jedoch nicht an den umgebenen Sträuchern oder Bäumen sondern an dem einzigen Lebewesen hier, das sich giftig geben konnte ohne wirklich Gift zu produzieren: Jaiva.

Meine Hand streifte eine ihrer Dornen, doch viel mehr als der kurz aufflammende Schmerz, jagte der Schock durch meinen Körper, dass wir fielen. Gemeinsam fielen. Es ging abwärts, nicht weit, doch es reichte um dem Fallen eine kleine Rutschpartie folgen zu lassen, die jäh gebremst wurde als meine Schulter gegen eine hoch aufwärts strebende Wurzel schlug. Ich stöhnte leise auf und öffnete die Augen von denen ich jetzt erst realisierte, dass ich sie geschlossen hatte. Ich fühlte mich ein wenig benommen und merkwürdig... schwer. Die Schwere eines zweiten Körpers auf mir um den ich anscheinend ganz aus Reflex meine Arme gelegt hatte. Mein Herz pochte mit meiner Hand und meiner Schulter um die Wette, unterdessen mein Kopf sich zu träge anfühlte irgendwelche sinnvollen Worte zu formen. `Geht es dir gut?`, `Geh runter!`, ` Hast du dich verletzt?` und `Bist du vollkommen wahnsinnig?` kämpften noch darum als erstes meine Lippen verlassen zu dürfen, während ich mich noch nicht einmal dazu durchringen konnte meine Arme von der widerspenstigen, vollkommen verrückten, dornigen und gleichzeitig wunderschönen Amazone zu lösen.
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Beitrag von Jaiva am Mi Jan 02, 2019 1:17 pm

Jaiva blieb keine Zeit um sich ertappt zu fühlen, denn ihre Aufmerksamkeit wurde in zweifacher Hinsicht abgelenkt und dann rasant fortgerissen - einerseits von dem mit voller Absicht herbeigeführten Sturz und dann war da noch Ciaran, der sie reflexartig an sich zog. Ein Leib der sich an ihren drückte; oder umgekehrt? Gedankenfetzen wirbelten umeinander ohne sich wirklich fokussieren zu können. Die raschelnden Blätter! Würden sie sie verraten? Ihre Dornen. Ein kurzer Schmerz. Beißender Widerstand an ihrem Oberarm. Hatte sie ihn gestochen? So ein Tölpel, warum hielt er sich auch ausgerechnet an ihr fest! Dennoch: das hatte sie nicht gewollt! Lange Blätter fuhren ihr übers Gesicht, verfingen sich an ihren Haaren, rissen am Dorn ihres Kopfes. Und darüber hinweg das jauchzende Gefühl zu fallen. Keine Angst, nur Euphorie. ...fast wie betrunken zu sein. Wahnsinn? Vielleicht auch das. Sie spürte den Untergrund nur unterschwellig über ihre Beine, Knie und Füße kratzen.
Beinahe überlaut war das Brechen von Blattwerk an ihren Ohren zu hören.
Dann ein plötzlicher Ruck, Schmerz der nicht ihrer war aber doch glühend über sie herein brach, sie ächzen ließ nur um dann hintergründig zu werden. Das Geräusch vereinzelt nachschwingender Blätterbüschel über ihnen wurde laut. Das Rollen von Erdklümpchen. Der ferne Klang bebender Musik, fast wie von Sinnen und doch seltsam gedämpft. Fahriger Atem. Ihrer? Seiner? War er in Ordnung?
Fremde Wärme. Sie spürte ihn. Ihre Finger der ungefährlichen, rechten Hand ruhten auf seiner Brust, sich abstützend, die der linken aber, Fingerkuppe um Fingerkuppe, auf seinen Lippen, gemahnend: Sag nichts! Leise!
Dann war es vorbei.

Und obschon sich die Amazone jederzeit all ihrer Dornen bewusst war, war es nahezu unmöglich, dass der junge Mann bei all der Nähe von weiteren Stichen verschont bleiben würde, wenngleich sie ihm wenigstens die zweifelhafte Ehre ersparte Bekanntschaft mit jener einen zu machen, die sich rechtsseitig aufragend zwischen dem Ansatz ihrer Brust und Achsel befand. Nun war es allerdings so, dass sie auch Dornen an ihren Beinen hatte, vor allem mittig auf ihren Oberschenkeln.
Irgendwo befand sich auch ihr Knie. Zwischen seinen Knien? Waren das, was sie spürte, Beine oder doch Wurzeln?
Hätte sie diese Misere mit eigenen Augen gesehen, wäre sie wohl hier und jetzt im Boden versunken, doch das Dunkel der Nacht kaschierte die Szenerie gütig, wenigstens für sie, die nicht über die Gabe der Nachtsicht verfügte. Dafür spürte sie umso deutlicher, dass er sich unter ihr befand; ein Schwarm von zwitschernden Vögeln in seinem Kopf und obschon sie mittlerweile ein gutes Gefühl dafür entwickelt hatte was er sich gefallen ließ und was nicht nur um sich darüber hinwegzusetzen, kam ihr sein Innehalten seltsam vor. Halb erwartete sie einen Sturm und dann... doch nicht.
Was hier geschah war alles andere als normal und doch hielt Jaiva ganz still, lauschte noch ein paar Herzschläge länger über sich und in sich, richtete sich noch ein wenig mehr auf, sodass die Schwere verging aber die Nähe blieb, denn sie tastete mit ihrer linken Hand vorsichtig nach seiner Schulter. Und erst wenn sie das Gefühl hatte, dass oberflächlich alles in Ordnung war, zog sie sich zurück, wenigstens wenn Ciaran bis dahin nicht selbst schon dafür Sorge getragen hatte.
Worte kamen ihr dabei keine über die Lippen; der Schreckmoment hatte ihr jede noch so kurze Silbe geraubt. Einzig ihre Augen huschten umher, versuchten dem Dunkel eine Silhouette und ein Gesicht zu entreißen. Nase. Mund. Und Augen. Oh, sie wusste selbst, dass sie überstürzt gehandelt hatte, doch das war noch immer besser als entdeckt zu werden. Bis jetzt war ihr Vorhaben doch mit Erfolg gekrönt geblieben, nicht wahr? Keine verräterischen Geräusche waren zu hören, nur ein viel zu laut und aufgeregt klopfendes Herz.

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Beitrag von Ciaran am Mi Jan 02, 2019 11:21 pm

Wo eben noch das Geräusch raschelnder Blätter und brechender Zweige gewesen war, herrschte jetzt absolute Stille. Stille, die ich jedoch kaum wahrnehmen konnte, denn mein Herz schlug so laut, dass es nur vom Rauschen in meinen Ohren übertönt wurde. Noch immer etwas benommen starrte ich nach oben, wo sich Jaivas Gesicht für meine Augen glasklar vor dem klaren Nachthimmel abzeichnete. Ein bisschen Erde rieselte neben meinem Kopf auf den Boden, doch auch das nahm ich eher am Rande wahr. Ebenso wie den Schmerz der Dornen, die mich gekratzt hatten und die sich teilweise noch immer in meine Haut bohrten. Viel interessanter waren die grünen Augen, die auf mich gerichtet waren, das einzelne Blatt, das sich in ihrem Haar verfangen hatte und ihre Fingerkuppen, die über meine Lippen strichen. Ich hielt den Atem an, vollkommen fasziniert von Millionen neuen Eindrücken, die auf mich einströmten. Das war eine Situation, auf die mich nichts was ich bisher erlebt hatte, vorbereitet hatte. Kein Übungskampf, keine Mission, nicht einmal ein Buch. Mein Mund war trocken. Ich schluckte und spürte dabei noch einmal die zarten Finger. Zart ja, aber nicht schwächlich. Langsam streckte ich die Hand nach der Amazone aus, selbst nicht genau wissend, was ich eigentlich tun wollte. Das Blatt aus ihrem Haar entfernen? Ihre Wange berühren? Ihre Lippen? Herausfinden, ob sie den Atem genauso anhalten würde wie ich es gerade tat? Oder überhaupt erproben, wie sie reagierte?

Doch dann bewegte sie sich und ein Blitz schien meine Wirbelsäule entlang zu zucken. Zu nah. Zu nah. Zu nah, zu nah, zu nah! Bei allen Göttern wo war sie denn mit ihrem Knie? Auf jeden Fall viel zu dicht an meinem Oberschenkel und... Gerade als sie meine Schulter berührte - und bevor sie sich vielleicht noch weiter vorbeugen konnte - stieß ich sie ein wenig zu rüde von mir ohne darauf zu achten ob diese Bewegung vielleicht dazu führte, dass ich durch eine unglückliche Bewegung ihrerseits vielleicht doch noch einmal eine Dorne zu spüren bekam. Denn ehrlich gesagt war mir der Schmerz im Moment wahrlich willkommen, überdeckte er doch das aufkeimende Pochen meiner Lenden und erstickte es hoffentlich im Keim - oder zumindest bevor sie irgendetwas davon mitbekam.

„Was sollte das?“, zischte ich und versuchte sämtliches Gefühlschaos in Empörung und Wut zu lenken. Ja, das funktionierte gut, denn ich war nicht nur wütend darüber den kleinen Abhang hinab gestoßen worden zu sein, oder wütend darüber nicht schnell genug reagiert zu haben um das zu verhindern. Nein. Allem voran war ich wütend über ihre Unbedarftheit - und das, was ihr mit anderen meiner Art schon längst zugestoßen wäre. Ich war wütend, weil sie das nicht wusste. Weil es ihr nicht einmal in den Sinn kam, vorsichtiger zu sein. Weil ich es ihr nicht vorhalten konnte. Und am aller schlimmsten: Weil sie mir vor Augen führte wie schmal der Grat war, der mich von anderen unterschied.

Verstohlen bewegte ich meine Hand noch etwas, so dass  ein aufstrebender Teil der Wurzel direkt in die Wunde rutschte. Ich schloss die Augen. Noch nie hatte Schmerz sich besser angefühlt. Und so langsam vertrieb er die Dinge mit denen ich nicht umgehen konnte. Ich atmete tief durch und auch wenn mein Magen noch etwas flatterte fühlte ich mich doch schon um einiges besser. Dann begann ich meine Wunden zu begutachten. „Wie viele von denen hast du eigentlich?“ Ich deutete auf eine ihrer Dornen. „Schlimmer als ein Nadelkissen.“ Meine Stimme klang bei Weitem nicht so schroff, wie ich es gerne gehabt hätte. „Wie soll dich denn da einer...“ Gerade noch rechtzeitig, um mich am Weitersprechen zu hindern, flammte erneut Schmerz in meiner Hand auf. Ich wandte den Kopf ab - eine dumme Reaktion, denn sie sollte verhindern, dass Jaiva den leichten Rotschimmer meiner Wangen bemerkte, den sie in der Dunkelheit vermutlich eh nicht sehen konnte. Und dumm von mir, denn es ging mich weder etwas an, noch war es gesund für mich, dass es mich interessierte.
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Beitrag von Jaiva am Do Jan 03, 2019 2:29 pm

Etwas glühte für die Dauer eines Wimpernschlags im Inneren der dornigen Amazone auf; laut wie ein Donnerschlag, hell wie ein Blitz – lang genug um Irritation aufzuwerfen und doch zu kurz um wirklich zu verstehen was es bedeutete oder gar zu erkennen, dass es einem zutiefst männlichen Impuls geschuldet war. Der unerwartete, brüske Stoß lenkte Jaiva nicht nur äußerst effektiv von etwaigen Überlegungen ab sondern sorgte dafür, dass sie einerseits wuchtig auf ihrem Gesäß landete nur um sich herzschlagsdrauf den Hinterkopf heftig an dem Bogen einer geschwungenen Wurzel zu stoßen. Die Welt wurde daraufhin für einen Moment erst sternenhell und dann blutrot, ehe ein Blinzeln die tanzenden Sterne zerspringen ließ. Übrig blieb nur der Schmerz, die sonderbar dumpf nachklingenden Worte des Lerchossohnes wie auch dessen Empörung und Wut.
...was?, empfand sie, noch immer etwas benommen, denn sie verstand nicht was... warum... sie hatte doch nur sehen wollen ob ihm nichts fehlte. Erst als sich das Echo von Schmerz in ihre Hand fraß und sie nach dieser mit einem leisen, schmerzlichen Zischen danach tasten ließ, war sie wieder klar genug im Kopf um zu verstehen wie irr das Verhalten des Mannes doch war.
Er wollte einen Sturm? Er konnte ihn haben!

'Was das soll?!' Sag mir mal lieber was ist mit dir los ist?!“, machte sie nun auch ihrerseits aufwallender Empörung und Wut Luft und es spielte überhaupt keine Rolle ob sie sich hierbei seiner Emotionen bediente, denn sein Verhalten stieß ihr wirklich übel auf! Noch gab sie sich Mühe ihre Stimme gedämpft zu halten, doch diese 'Zurückhaltung' war kein Garant dafür, dass dies auch so bleiben würde. Energisch rappelte sie sich auf, zog ihre Füße unter sich und stellte die Zehen auf, sodass sie sich wieder auf ihren Knien befand, mit der linken Hand abgestützt, die Rechte angehoben, der Zeigefinger in seine Richtung punktiert.
Jetzt schwenkte dieser zurück in ihr Angesicht. „Ich habe nur dafür gesorgt, dass du nicht gesehen wirst, du Blödmann!“ Aber sie war noch nicht fertig!
'Oh. Danke Jaiva'“, versuchte sie sich daran seine Stimme nachzumachen und antwortete mit ihrer eigenen, klang aber grimmig dabei. „Kein Problem. Wir wollen doch beide nicht, dass wir entdeckt werden.“ Sie schnaubte und wenn er bis dahin nicht aufgehört haben sollte seine Hand zu malträtieren, schoss ihre mahnende Rechte vor um ihn zu packen.
Hör jetzt auf damit, bist du denn von Sinnen?! Das tut nicht nur dir weh“, grollte sie. Das, was er noch zu sagen hatte, wurde mit einem unwilligen Ausdruck... „Willst du sie zählen oder was?! Es sind zwölf.“ ...und sodann mit einer vorgeschobenen Schnute beantwortet. Wie sollte man sie... was?! Anfassen? JA! Ganz genau! Eine vollkommen dumme Idee!

Und wer weiß, vielleicht wären sie just in diesem Augenblick entdeckt worden, doch da geschah etwas, was wenigstens Jaiva aufmerken lassen würde – die Musik verstummte vollkommen abrupt und ein langgezogener, vielstimmiger Trillerton erfüllte die Nacht. Ihr gab das zu denken, doch wie sah es mit Ciaran aus? Etwas war im Inbegriff dessen zu geschehen und es schien sich auf dem Dorfplatz abzuspielen.
Allzu viele Möglichkeiten taten sich der dornigen Amazone in diesem Augenblick nicht auf. Entweder waren das Myrrhaq und ihre Jägerinnen oder die drei fremden Amazonen, die sich direkt vor dem Dorf aufgehalten hatten und sie mit dem Himmelsritt hatten ablenken können. Keine der beiden Möglichkeiten wollten ihr gefallen - sie mussten schnellstmöglich zu Nesrin in den Tempel.

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Beitrag von Ciaran am Do Jan 03, 2019 8:53 pm

Plötzlich durchzuckte Schmerz nicht nur meine Hand, sondern auch meinen Hinterkopf. Nein, ihren Hinterkopf. Und schon meldete sich in mir ein weiteres Gefühl, von dem ich mein gesamtes bisheriges Leben weitestgehend verschont geblieben war: Schuld. Doch ich verbat mir das ebenso wie die Entschuldigung, die mir auf der Zunge lag. Sollte sie mich doch für den Blödmann halten, den sie so oder so in mir sah - was sie ja nur allzu gerne auch kundtat. Und das hinterließ einen merkwürdigen Stich in meiner Brust. Ich verstand ihre Empörung sogar zum Teil und ließ das nun folgende Wortgewitter einfach über mich ergehen. Zu gerne hätte ich ihr `weiß ich nicht` auf ihre Frage geantwortet, denn das irgendetwas mit mir nicht mehr stimmte hatte ich auch schon gemerkt. Wie konnte man denn so auf einen Dornenbusch reagieren? Mir stieg die Schamesröte ins Gesicht und ich war schon wieder versucht meine Hand zu bearbeiten, als plötzlich Jaivas Hand auf meinem Arm lag und mich davon abhielt. Ich wich ihrem Blick aus und biss mir stattdessen auf die Lippe.

„Entschuldigung.“ Es war ein beinahe kläglicher Laut, der einem Dunkelelfen ganz und gar unwürdig war. Dennoch schlüpfte er mir von den Lippen und ich stützte kurz darauf die Stirn auf meine unverletzte Hand. Haarsträhnen fielen mir vor die Augen und schienen mich wenigstens kurz vor ihren Blicken und vor der Welt zu verbergen. Wie dringend brauchte ich ein paar Augenblicke nur für mich? Doch wie sollte das gehen, wenn ich ständig eine andere Person spürte? Und sie mich? Das wurde mir langsam alles zu viel. Dennoch konnte ich nicht vermeiden, dass ich nach kurzer Zeit bereits wieder aufsah um mich zu vergewissern, ob ich zwölf Dornen an ihr entdecken konnte. Nicht, dass es irgendeinen Unterschied gemacht hätte... ich...zählte einfach nur so aus Neugier. Doch noch während ich das tat veränderte sich die Musik kaum merklich. Mir wäre es nicht aufgefallen, doch etwas an Jaiva veränderte sich und das ließ auch mich aufmerken. Wenn die Amazone angespannt war, war es für mich wahrscheinlich besser das auch zu sein.
„Was ist?“, flüsterte ich.
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Beitrag von Jaiva am Do Jan 03, 2019 10:05 pm

Entschuldigung.“ - Entschuldigung. Dies eine Wort, das Jaiva vollkommen kalt erwischte und jedwede weitere aggressive Handlung ihrerseits vollkommen ad absurdum führte. Alles, was Zorn in ihr gewesen war, verblasste wie ein morgendlicher Traum und ließ nichts anderes zurück als blinzelnde Irritation. In der sich vor ihr ausbreitenden Düsternis erkannte sie Ciaran, der sein Gesicht in seine Hand stürzte und sie verstand warum. Ihr ging es doch ganz genauso. Dieser Tag, er fühlte sich einfach nur... endlos an, in all seinen Facetten. Gut oder schlecht spielte dabei absolut keine Rolle, denn sie war einfach nur am Ende. Was heute geschehen war, es war beispiellos. Sie ließ ihn los, legte ihre Hand auf ihrem Oberschenkel ab und setzte sich zurück, wenigstens so weit es ihre Dornen erlaubten. Und so war es kaum überraschend, dass sie die Stimme von geschmeidigem Gold einer jungen Frau hörte, die da sagte: „Schon gut.“ Weich. Warm. Nachsichtig.
Sie war es selbst.

Und vielleicht hätte sie sich noch etwas länger darüber gewundert weshalb sie sich so... abgekämpft und ganz und gar nicht mehr wütend fühlte, wäre ihr die anschwellende Stille nicht aufgefallen. Ganz gleich wie zerschlagen sich der Lerchossohn auch fühlen mochte, über kurz oder lang würde auch er nicht umhin kommen dieser Abwesenheit frenetischer Gesänge hunderter Kehlen gewahr zu werden, denn sie würden sich einstweilen nicht mehr erheben. Und je länger die amazonischen Stimmen schwiegen, desto lauter wurden die der Nacht und des Waldes.
Die Dornen jener Amazone, die mit ihm zusammen im Gebüsch kauerte, waren indes leicht zu zählen, immerhin trug sie wenig genug um Blicke auf bestimmte Stellen preiszugeben. Einzig Nummer elf und zwölf, die auf der Innenseite ihres linken und rechten Unterschenkels befindlich waren, waren aufgrund ihrer derzeitigen Position überaus schwer mit Augen zu erhaschen. Letztendlich spielte es aber nur eine untergeordnete Rolle, denn Jaiva flüsterte: Jemand ist ins Dorf gekommen.“
Inzwischen hatten sich ihre Augen ausreichend an die hier vorherrschenden Lichtverhältnisse gewöhnt um das Weiß in den Augen des jungen Mannes zu erhaschen. Sie hob einen Zeigefinger um ihm einen Moment länger schweigen zu heißen. Ein Deut an ihr Ohr. Zuzuhören. Das kann nichts Gutes zu bedeuten haben.“ Optimismus sah wahrlich anders aus, denn auch wenn es nicht gesagt war, dass Gefahr im Verzug war, so ging sie doch davon aus. Die Geschehnisse auf dem Dorfplatz, sie mussten etwas mit ihnen zu tun haben, deswegen richtete sich die Amazone auch langsam auf, saß alsbald in der Hocke und flüsterte weiter. Komm. Lass uns hier verschwinden, ja? Ich geh zuerst und wenn nichts zu sehen ist, gebe ich dir ein Zeichen.“

Sie wartete noch auf Zustimmung seitens Ciaran und würde sich sodann drauf und dran machen den Abhang nach oben zu kriechen; bis ganz nach oben wo die Blätter sie noch vor flüchtigen Blicken verbergen würden. War es nicht seltsam wie rasch sie einen gemeinsamen Konsens finden konnten wenn es wirklich darauf ankam? Jaiva jedoch dachte noch immer über die Entschuldigung nach, über sein seltsames Verhalten zuvor und wie sehr sie sich wünschte, dass dieser Tag endete. Für sie beide.

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Beitrag von Ciaran am Do Jan 03, 2019 11:17 pm

Beinahe wünschte ich, ich hätte irgendetwas anderes dummes gesagt. Irgendetwas, das sie dazu veranlasste anders zu reagieren. Irgendwie anders. Nur eben nicht...so. Denn ihre Worte und deren Klang ließen meinen Magen flattern. Ach verdammt...! Doch Jaivas nächste Worte hatten genug Potenzial, um mich aus allen anderen merkwürdigen Gefühlslagen heraus wieder ins Hier und Jetzt zu reißen.
Auch ohne Jaivas Erklärung hatte ich mir alleine aufgrund ihrer Anspannung zusammenreimen können, dass irgendetwas anscheinend nicht nach Plan lief. Anscheinend waren Besucher im Dorf zu dieser Tageszeit nicht nur eine Seltenheit, sondern hatten auch nichts Gutes zu bedeuten. Ich nickte ernst zum Zeichen, dass ich verstanden hatte und wir nun wieder an einem Strang ziehen würden - und mussten. Ich blieb am Boden des kleinen Abhangs hocken, während Jaiva sich durch das Unterholz nach oben pirschte. Für einen kurzen Moment befiel mich der aberwitzige Gedanke, dass ich ihr hätte anbieten sollen zuerst zu gehen. Immerhin konnte ich in der Nacht gut sehen. Doch auch das musste an der Müdigkeit liegen oder an diesem merkwürdigen Tag, denn ich hatte ganz sicher nicht vor, ihr dieses Geheimnis anzuvertrauen. Außerdem kannte sie sich hier besser aus. Also war es nur natürlich, dass sie zuerst ging. Obwohl sie eine Frau war. Obwohl sie kein Windschild hatte, das sie beschützte, wenn Gefahr drohte. Obwohl... Ich schüttelte den Kopf. Wie bescheuert war ich eigentlich mir jetzt auch noch einreden zu wollen, dass ich hätte zuerst gehen und den gefährlichen Part für die Amazone hätte übernehmen müssen? Woher kamen diese plötzlichen Anwandlungen? Das war doch...

Mehr als ungeduldig wartete ich auf ihr Zeichen. Ich wollte weiter, wollte diese belastende Situation aufheben und endlich wieder Klarheit in meinem Kopf schaffen. Vor allem aber freute ich mich darauf allein in meinem Kopf zu sein. Oder meinen Gefühlen. Oder was auch immer. Sobald die Amazone mir also signalisierte, dass ich nachkommen konnte, würde ich mich geräuschlos und so flink wie möglich den Abhang hinauf bewegen und zu ihr aufschließen, damit wir endlich an unser Ziel gelangten.
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Beitrag von Jaiva am Fr Jan 04, 2019 12:49 am

Offen gestanden hatte Jaiva gar nicht darüber nachgedacht warum sie voran gehen wollte, allerdings erschien es ihr logisch – sie kannte sich hier nicht nur aus, sondern war obendrein auch kein Mann bei dem Alarm geschlagen werden würde, ganz gleich wie geschickt er auch sein mochte. Sie wusste, dass er ein Windreiter war und dementsprechend irgendwie mit den Göttern im Bunde sein musste, doch was für sie zählte, musste nicht für den Rest ihrer Gemeinschaft von Bedeutung sein. Nur Melva und Vinu wussten ob man seinen Erklärungsversuchen Gehör geschenkt hätte... oder – und das hielt sie für sehr viel wahrscheinlicher – ob er nicht gleich zum Angriff übergegangen wäre. Oder ihre Stammesschwestern.
All das waren Überlegungen, die zusammen mit dem seltsamen Echo mehr und mehr in den Hintergrund rückten obgleich sie für eineinhalb Herzschläge darüber nachgedacht hatte was Ciaran bloß durch den Kopf gehen mochte. Es war einfach nur verwirrend. Unvertraut. Seltsam.

Dann aber musste sie ihre gesamte Aufmerksamkeit der vor ihr liegenden Aufgabe widmen und sie lauschte und spähte ins nächtliche Dorf hinein, hob den Blick empor zu jener Behausung, in der sich zuvor jemand befunden hatte, doch den Schein einer Lichtquelle konnte sie dort oben nicht ausmachen und auch auf ein Geräusch wartete sie vergeblich. Für sie, für die die Nacht ein Tuch aus Samt, Geheimnissen und Sternen war, war die Luft rein.
Wenig später hatte sie ihr fadenscheiniges Versteck verlassen, präsentierte Ciaran ein weiteres Mal ihre Rückansicht wie auch den Blick auf die beiden Dornen an ihren Waden, die er zuvor nicht hatte zählen können... und wartete. Das Zeichen, das sie dem im Gebüsch wartenden Mann geben wollte, sollte nicht kommen, wenigstens nicht so rasch wie es der brenzligen Situation geschuldet war. Jaiva war vorsichtig genug um der Nacht zu misstrauen und ausreichend besorgt um ihrer beider Wohl, dass sie ihre spürbare Unruhe so weit unterdrückte, sodass sie still an Ort und Stelle ausharren konnte.

Wenig später sollte sich auch zeigen, dass ihre Besorgnis nicht vollkommen an den Haaren herbeigezogen war, denn mit einem Mal wurde eine fremde Stimme laut, die Jaiva beim Namen rief. Der Schrecken, der ihr durch die Glieder fuhr, war spürbar, doch sichtbar wurde er nicht. Einzig wandte sie sich der auf sie zueilenden Sprecherin zu, die von ihr Shilandre genannt wurde. Was daraufhin folgte war ein Wortwechsel knapp hin und her fliegender Silben in der huschenden Sprache aus Gesang, die dem Dunkelelf unverständlich bleiben sollte, doch was die dornige Amazone dabei empfand eröffnete ihm andere Möglichkeiten des Verständnisses. Die Aufregung und der Schrecken eines rasch klopfenden Herzens wurde alsbald zu etwas Neuem - Reserviertheit, Abneigung und Verschlossenheit. Ciaran war demnach nicht der einzige, der Jaivas Sturheit hervorzulocken wusste und was davor sanft und freundlich gewesen war, war jetzt gänzlich erloschen. Wirklich und wahrhaftig; sie war ganz genauso wie ihre Augen - giftig und mild, mal das eine, dann wieder das andere und es war kaum zu erahnen was sich als nächstes hervortun würde.
Aber auch die Reaktion der anderen Frau mit einer kräftig gebräunten Haut, seltsam lavendelfarbenen, zu filzigen Strängen zusammengedrehten Haaren und dem dunkelgrünen Lianengeflecht darin war überaus aufschlussreich, wenigstens wenn man sich weit genug aus der Deckung herauslehnte um ihr Gesicht zu studieren, denn sie war alles andere als freundlich anzuschauen, nein, viel mehr... skeptisch, ablehnend und passend zu den fordernd klingenden Sätzen, die wenig von Respekt zu erzählen wussten.

Es dauerte nicht mehr als ein paar hin und her fliegende Sätze, da hatte Jaiva ihre Arme in ablehnender Geste verschränkt und es sollte auch dabei bleiben. Sollte sich Ciaran unauffällig verhalten, sollte er von zu ihm fliegenden Blicken verschont bleiben wobei sich die Dorne auch alle Mühe dabei gab Shilandre dazu zu bringen sich so weit von dem Gebüsch abzuwenden, dass sie in eine andere Richtung blickte. Dafür konnte er umso besser das grimmige Gesicht der ihm bekannteren Amazone sehen. Sie hatte ihm gesagt, dass sie den Winter nicht kannte, doch ihre Gesichtszüge zeigten sich dennoch frostig. Frostiger Stein.
Dann aber war die andere Amazone, die wieder einmal durch Abwesenheit zureichender Bekleidung geglänzt und dementsprechend tiefe Einblicke gewährt hatte, ausreichend zermürbt um sich erneut in jene Richtung zu wenden aus der sie gekommen war, doch ob sie fortgehen würde lag nicht in der Macht der dornigen Amazone, der das Herz bis zum Halse schlug obgleich ihr Gesicht still wie ein zugefrorener See war.

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Beitrag von Ciaran am So Jan 06, 2019 5:42 pm

Mich durchzuckte beim Klang von Jaivas Namen wohl der gleiche Schreck wie sie - oder ein genauso großer - wer wusste das schon wessen Schreck es nun war? Jedenfalls duckte ich mich augenblicklich noch ein wenig tiefer ins Dickicht und sinnierte für einen kurzen Moment wie viel besser eine dunklere Hautfarbe für Tarnung in der Nacht geeignet war als dieses menschliche Blass. Aber daran konnte ich jetzt nichts ändern, schließlich wollte ich der Amazone nicht erklären müssen was mit mir geschehen war, wenn sie sich bald wieder umwandte. Mit klopfendem Herzen und eng an den Boden gepresst lag ich also da, versuchte mein Gesicht so gut es ging hinter Wurzeln zu verbergen und kein Rascheln zu verursachen. Dann konnte ich nicht viel mehr als lauschen.

Die fremdartigen Laute klangen noch immer wie Musik in meinen Ohren, obwohl ich sagen musste, dass mir Jaivas Melodie um einiges besser gefiel. Die neu dazu gestoßene Amazone konnte ich von meinem Versteck aus kaum sehen, doch ich hoffte die ganze Zeit nur, dass die schnell hin und her fliegenden Worte nicht bedeuteten würden, dass Jaiva die andere Amazone gleich begleiten sollte. Dabei war sie mir allein schon aufgrund ihrer abgehackteren Sprechweise unsympathisch - oder vielleicht auch, weil ich Jaivas Ablehnung auch in mir brodeln spürte. Dabei kamen mir ihre Gesten nur allzu bekannt vor und ich stellte fast schon zu meiner Erleichterung fest, dass es anscheinend nicht nur an mir lag, dass Jaiva oft bockig reagierte. Ich sah durch das Gestrüpp hindurch wie die andere Amazone sich scheinbar widerstrebend wieder umwandte und betete innerlich, dass sie endlich gehen würde - ohne Jaiva mitzunehmen. Doch was genau gesprochen worden war erschloss sich mir noch immer nicht - nur dass es Jaiva anscheinend nicht gerade gefallen hatte. Ihr Herz klopfte ebenso schnell wie meines und dieses Mal konnte ich diese Tatsache auch gut akzeptieren, denn wir hatten allen Grund dazu.

Geh. Geh. Geh, versuchte ich den Störenfried im Stillen zu beschwören und einen Moment lang sah es auch so aus, als würde es funktionieren. Sie machte einen Schritt in die richtige Richtung - so dass ich nun einen etwas freieren Blick auf sie hatte. Auf sie und ihre Freizügigkeit. Ein viel zu winziger Stücken Stoff bedeckte ihren Po nicht einmal bis zur Hälfte. Hatte dieses Volk denn gar nichts mit Anstand am Hut? Peinlich berührt wandte ich den Blick ab, schreckte aber zusammen, als ich noch einmal ein paar Worte hörte. Sie wirkten bissig und ich reckte doch wieder neugierig den Kopf um nicht nur zu fühlen, sondern auch zu sehen, wie Jaiva auf sie reagierte.
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